Frido Mann

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Frido Mann (eigentlich Fridolin Mann; * 31. Juli 1940 in Monterey, Kalifornien) ist ein deutschsprachiger Psychologe und Schriftsteller.

Frido Mann - Leipziger Buchmesse 2012

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn der Schweizerin Gret Moser (1916–2007) und Michael Manns, des jüngsten Sohnes Thomas Manns, wurde Frido Mann in eine Schriftstellerfamilie hineingeboren. Er wuchs hauptsächlich in der Schweiz bei seiner Großmutter Katia Mann auf. Mehrfach war er während seiner Kindheit auch über längere Zeit im Haus der Großeltern in den USA betreut worden. Frido Mann gilt als Lieblingsenkel Thomas Manns, der ihm in Gestalt des Nepomuk Schneidewein ("Echo") in seinem Roman Doktor Faustus ein literarisches Denkmal setzte und sich auch in seinen Tagebüchern häufiger mit diesem Kind seines jüngsten Sohnes beschäftigte.

Nach dem Abitur 1959 in der Schweiz studierte Frido Mann zunächst in Zürich Musik. Das Studium schloss er 1964 an der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom ab. Direkt im Anschluss absolvierte er ein Studium der Katholischen Theologie in München und promovierte 1969 mit dem Thema „Das Abendmahl beim jungen Luther“ und wurde danach wissenschaftlicher Assistent Karl Rahners an der Universität Münster. Gleichzeitig absolvierte er dort ein Psychologiestudium, das er 1972 als Diplom-Psychologe abschloss. Anschließend war er als Klinischer Psychologe am Psychiatrischen Krankenhaus in Gütersloh tätig. 1978 war er Gastdozent für Psychologie an der Universität Leipzig. Seit 1980 arbeitete er als wissenschaftlicher Angestellter im Fach Medizinische Psychologie der Universität Münster. Hier erfolgte dann 1981 die Habilitation und die Verleihung der Venia legendi für das Fach Psychologie. Nach anschließender Tätigkeit als Privatdozent wurde er 1986 zum Professor für Psychologie ernannt. Bis 1990 war er geschäftsführender Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie.

Seit 1981 ist er auch schriftstellerisch tätig und setzt sich unter anderem mit seiner Familiengeschichte, insbesondere dem brasilianischen Erbe seiner Urgroßmutter Julia da Silva-Bruhns auseinander. Der von ihm gegründete Verein Casa Mann will in ihrem noch erhaltenen Geburtshaus, der Villa Boa Vista in Paraty, ein euro-brasilianisches Kulturzentrum errichten. Ansonsten sind seine Werke stark von Erfahrungen und Eindrücken aus seiner Tätigkeit als Psychologe geprägt. Im Mai 2008 erschien seine Autobiografie Achterbahn. Ein Lebensweg, in der er sich auch aus psychologischer Sicht mit der Geschichte der Familie Mann befasst und die schwierige Beziehung zu seinen Eltern nicht ausspart.

2009 trat er aus der katholischen Kirche aus; er begründete diesen „überfälligen“ Schritt mit der Versöhnungsgeste des Papstes gegenüber der Pius-Bruderschaft, zu denen der Holocaust-Leugner Richard Williamson zählt.[1][2]

Frido Mann ist seit 1966 mit Christine Heisenberg, einer Tochter des Physikers und Nobelpreisträgers Werner Heisenberg, verheiratet und hat mit ihr einen Sohn.

Werke[Bearbeiten]

Sachbücher
  • Das Abendmahl beim jungen Luther. Promotionsschrift. Hueber, München 1971.
  • Psychiatrie ohne Mauern. Zu einer neuen psychosozialen Praxis. Campus, Frankfurt am Main 1979.
  • Theoretische und praktische Grundlagen einer Konzeption psychosozialer Arbeit in der Psychiatrie. Diss. Leipzig 1980.
  • Aufklärung in der Medizin. Theorie – empirische Ergebnisse – praktische Anleitung. Schattauer, Stuttgart 1984.
  • Achterbahn. Ein Lebensweg. Rowohlt, Reinbek 2008; als Taschenbuch Rowohlt, Reinbek 2009, ISBN 978-3-499-62392-9
  • Mutterland. Die Familie Mann und Brasilien (mit Karl-Josef Kuschel und Paulo Soethe). Artemis und Winkler, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-538-07293-0.
  • Mein Nidden. Auf der Kurischen Nehrung. Mareverlag, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86648-148-0.
  • Das Versagen der Religion. Betrachtungen eines Gläubigen, Kösel, München 2013, ISBN 978-3-466-37058-0
Belletristik
  • Professor Parsifal. Roman. Edition Spangenberg, München 1985.
  • Der Infant. Roman. Aisthesis, Bielefeld 1992.
  • Terezin oder Der Führer schenkt den Juden eine Stadt. Eine Parabel. LIT, Münster 1994.
  • Brasa. Roman. Nymphenburger, München 1999.
  • Hexenkinder. Roman. Nymphenburger, München 2000.
  • Nachthorn. Roman. Nymphenburger, München 2002.
  • Babylon. Roman. Peniope, München 2007.

Literatur[Bearbeiten]

  • Barbara Hoffmeister: Familie Mann. Ein Lesebuch. Rowohlt, Reinbek 2001, ISBN 3-499-23197-2.
  • Michael Stübbe: Die Manns. Genealogie einer deutschen Schriftstellerfamilie. Verlag Degener & Co., Insingen bei Rothenburg o.d.T. 2004, ISBN 3-7686-5189-4.
  • Uwe Naumann (Hrsg.): Die Kinder der Manns. Ein Familienalbum. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-498-04688-8.
  • Adelbert Reif, Gespräch mit Frido Mann. In: Sinn und Form, Heft 3/2009. S. 352–371. (online)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pius-Bruderschaft legt schon wieder nach, Artikel der Welt vom 9. Februar 2009
  2. «Enkel als Beruf ist vorbei», Artikel der Berner Zeitung vom 14. Oktober 2009