Fridtjof-Nansen-Klasse

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NorwegenNorwegen (Dienst- und Kriegsflagge)
HNoMS Otto Sverdrup.jpg
Fregatte KNM Otto Sverdrup (F312)
Geschichte
Schiffsklasse: Fridtjof Nansen
Typschiff: KNM Fridtjof Nansen
Entwicklungswerft: Navantia, Ferrol, Spanien
Kiellegung: 2003 bis 2007
Indienststellung: ab 2006
Daten
Verdrängung: 5.290  t
Länge: 133,25 m
Breite: 16,8 m
Tiefgang: 4,6 m
Antrieb: 2 Wellen mit verstellbaren Propeller

2 Bazan Bravo 12V Schiffsdieselmotoren, je 4.5 MW
1 General Electric LM2500 Gasturbinen, 11.5 MW
4 MTU Dieselgeneratoren, je 1250 kW

Höchstgeschwindigkeit: > 26 Knoten
Marschfahrt: > 18 Knoten
Fahrstrecke : 4.500+ sm bei 16 kn
Besatzung:
120, Unterbringungsmöglichkeiten für 146
Bewaffnung:
Bordhubschrauber 1 x NHIndustries NH90 NFH
Kampfsystem: Aegis
Radarsystem: AN/SPY-1F
Programmkosten: 3 Milliarden US-$

Die Fridtjof-Nansen-Klasse ist eine Klasse von fünf Fregatten der norwegischen Marine. Sie ist nach der Álvaro-de-Bazán-Klasse die zweite Klasse in Europa, die mit dem Aegis-Kampfsystem ausgerüstet ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Geschichte der Nansen-Klasse begann in den 90er-Jahren des 20. Jahrhunderts, als klar wurde, dass die fünf Fregatten der Oslo-Klasse nicht mehr zeitgemäß waren. Einerseits machte sich langsam die Materialermüdung der damals schon über 30 Jahre alten Fregatten der Oslo-Klasse bemerkbar. So waren die Havarie und der Untergang der Oslo 1994 auf einen Motorausfall zurückzuführen, für den wiederum Materialermüdung die Ursache war. Anderseits waren die Fregatten der Oslo-Klasse klassische Bauten aus der Zeit des Kalten Krieges und somit auf die Verteidigung von Norwegen gegen den Ostblock ausgelegt, der aber bereits 1991 aufgehört hatte zu existieren. Deshalb begann die Planung einer moderneren und auch international einsetzbaren Nachfolgeklasse.

Bauauftrag, technische Probleme und Baubeginn[Bearbeiten]

Im Juni 2000 konnte schließlich der spanischen Werft Navantia ein Auftrag über fünf moderne Fregatten erteilt werden, die bis 2009 fertigzustellen seien. Als Design wurde eine etwas abgespeckte Version der spanischen Álvaro-de-Bazán-Klasse gewählt. Nach diesem Vertrag hätte Navantia die ersten drei Fregatten in Spanien gebaut, während die beiden letzten Einheiten mit Unterstützung aus Spanien und dem Anliefern großer Teile in Form fertiger Module durch Navantia in Norwegen fertiggestellt worden wären.

Im Lauf des Programms kam es jedoch zu massiven technischen Problemen, Kostenüberschreitungen und Verzögerungen. Deshalb musste der Zeitplan um ein Jahr gestreckt werden, das hieß, dass das letzte Schiff der Klasse der Marine erst 2010 zulaufen sollte, und die letzten beiden Einheiten wurden nun doch in Spanien bei Navantia gebaut, was weitere Verzögerungen und Kostenüberschreitungen in Grenzen halten sollte.

Der eigentliche Bau der Schiffe begann im April 2003, als die Fridtjof Nansen auf Kiel gelegt wurde. Von diesem Datum an wurde in einem Rhythmus von einem Jahr ein Schiff zu Wasser gelassen und noch am selben Tag das nächste auf Kiel gelegt. Nach der Endausrüstung und umfassenden Erprobungen konnte die erste Einheit am 5. April 2006 mit einem Jahr Verzögerung in Dienst gestellt werden. Die weiteren Einheiten folgten im jährlichen Rhythmus zwischen Mitte 2007 und Anfang 2011.

Einsatz[Bearbeiten]

Der erste Kampfeinsatz der Fridtjof Nansen, noch ohne Bordhubschrauber, war eine Teilnahme an der EU-Operation Atalanta. Zu diesem Zweck lief die Fregatte am 1. August 2009 aus ihrem Heimatstützpunkt Haakonsvern bei Bergen aus.

Technik[Bearbeiten]

F310 Fridtjof Nansen in Oslo

Stealth-Technologie[Bearbeiten]

Die Nansen-Klasse ist wie die meisten aktuell in Beschaffung oder in Planung befindlichen Kriegsschiffe nach Stealth-Prinzipien gebaut. Das heißt, die Schiffe sind so gebaut, dass sie möglichst schwer zu orten sind. Das Hauptaugenmerk der Entwickler liegt in der Regel auf der Radarrückstrahlung und der Infrarotsignatur. Der Wunsch nach möglichst geringer Radarrückstrahlung führt, so auch bei der Nansen-Klasse, zu den charakteristischen glatten und schräggestellten Außenwänden. Auch Raketenstarter, Geschütze, Beiboote etc. müssen entsprechend verkleidet werden. Der zweite Punkt ist das Reduzieren der Wärmeabstrahlung, da diese von IR-Sensoren geortet werden kann. Das Hauptproblem sind hierbei die Abgase, die deshalb in einem kompliziertem Verfahren mit Luft durchmischt und abgekühlt werden müssen, bevor sie ausgestoßen werden. Der Vorteil dieser Techniken besteht darin, dass die Schiffe schwerer und somit erst später vom Gegner geortet werden können. Die von den Medien teilweise vorgegaukelte totale Unsichtbarkeit ist jedoch nicht möglich. Auch sind Stealth-Schiffe wie die Nansen-Klasse nicht mit Stealth-Flugzeugen, wie zum Beispiel dem Northrop B-2-Bomber, zu vergleichen. Schiffe befinden sich oft monatelang auf Einsatzfahrten und sind ständig dem aggressiven Meerwasser ausgesetzt, deshalb können viele im militärischen Flugzeugbau verwendete Spezialbeschichtungen bei Schiffen nicht verwendet werden.

Aegis-Kampfsystem[Bearbeiten]

Alle Einheiten der Nansen-Klasse sind mit dem Aegis-Kampfsystem und dem dazugehörigen AN/SPY-1F Radar ausgerüstet. Beide Komponenten werden vom amerikanischen Rüstungsunternehmen Lockheed Martin hergestellt und wurden ursprünglich für die Ticonderoga-Kreuzer der US Navy entwickelt. Da die Nansen-Klasse aber gerade einmal halb so groß ist wie Ticonderogas und immerhin noch knapp 20 Prozent kleiner ist als die bisherig kleinsten Schiffe mit Aegis, die Álvaro-de-Bazán-Klasse, musste ein neues Radar entwickelt werden, das so groß war, dass es auch auf kleineren Fregatten eingesetzt werden kann. So wurde aus dem AN/SPY-1D, das AN/SPY-1F.

Die Aufgabe des eigentlichen Aegis-Kampfsystems besteht darin, alle Sensoren, Rechensysteme und Effektoren an Bord des Schiffes zu vernetzen und so einerseits dem Kommandeur ein möglichst umfangreiches Lagebild zur Verfügung stellen zu können und andererseits im Angriffsfall die Zeit zwischen Entdeckung des Angriffes bis zur Erstellung der Feuerleitlösung und schließlich dem Einsatz der Abwehrsysteme möglichst kurz zu halten.

Beim SPY-1F handelt es sich um ein dreidimensionales Phased-Array-Radar, das den Hauptsensor des Aegis-Systems darstellt.

Sonaranlagen[Bearbeiten]

Zur Ortung von U-Booten ist die Nansen-Klasse mit zwei verschiedenen Sonarsystemen ausgerüstet. Einerseits das direkt in den Rumpf eingebaute MRS2000 und andererseits das sowohl aktiv als auch passiv arbeitende Schleppsonar vom Typ CAPTAS Mk2. Für beide Systeme ist die Thales Group Hauptauftragnehmer.

Kommunikation[Bearbeiten]

Zur Kommunikation wird ein Integriertes Kommunikationssystem des Herstellers Aeromaritime eingerüstet. Eingerüstet sind unter anderem UHF und SHF Satellitenkommunikation sowie das Datenaustauschsystem Link 11 der NATO. Für zukünftige Aufrüstungen wurde Platz für das bereits in Betrieb befindliche Link 16 sowie das erst in Entwicklung befindliche Link 22 gelassen.

Unterkünfte[Bearbeiten]

Obwohl die Nansen-Klasse etwa drei Mal so groß wie die vorhergehende Oslo-Klasse ist, kommt sie mit der gleichen Besatzungsstärke aus. Deshalb ist es möglich, die Besatzung wesentlich komfortabler unterzubringen. Unter Berücksichtigung des Wechsels des Einsatzspektrums und -gebietes von der Nordsee und im Nordatlantik bei der Oslo-Klasse, zu weltweiten Peacekeeping-Operationen bei der Nansen-Klasse, erschien dies erforderlich.

Bewaffnung[Bearbeiten]

Als Schiffsgeschütz wurde das weitverbreitete Leichtgeschütz 76/62 Compact des italienischen Rüstungskonzerns Oto Melara gewählt. Grundsätzlich kann dieses Geschütz gegen Land-, See- und Luftziele eingesetzt werden. Aktuell geht der Trend bei vielen anderen Marinen jedoch wieder in Richtung Geschütze mit größerem Kaliber, da diese vor allem gegen Landziele eine größere Reichweite und Durchschlagskraft aufweisen. Für die norwegische Marine dürfte aber auch noch von Bedeutung gewesen sein, dass ihre neuen Schnellboote der Skjold-Klasse das gleiche Geschütz verwenden, womit die Logistik einfacher und kostengünstiger gehalten werden kann.

Zur Luftabwehr ist das amerikanische MK 41 Vertical Launching System mit 8 Zellen eingerüstet. Jede dieser Zellen fasst ein Quadpack ESSM. Dies bedeutet, dass jedes Schiff bis zu 32 ESSM mitführen kann. Für die Zukunft wurde noch Platz gelassen, um bei Bedarf weitere VLS-Zellen einrüsten zu können.

Als Seezielflugkörper sind zwei Vierfachstarter für Naval Strike Missiles (NSM) vorhanden. Dieser Seezielflugkörper wird vom norwegischen Staatsbetrieb Kongsberg hergestellt.

Zur Bekämpfung von U-Booten sind alle fünf Einheiten mit Stingray-Leichtgewichtstorpedos des britischen Rüstungskonzern BAE Systems ausgerüstet.

Um solche Anschläge wie jenen auf die USS Cole (DDG-67) im Jahr 2000 zu verhindern, gehören außerdem noch 12,7 mm Maschinengewehre zur Ausstattung.

Hubschrauber[Bearbeiten]

Als erstes Kampfschiff in der Geschichte der Norwegischen Marine, werden die Schiffe die Fähigkeit haben, permanent einen Hubschrauber einzuschiffen und einzusetzen. Hierfür sind die Schiffe achtern mit einem Hangar und einem Landeplatz ausgerüstet. Der Hangar kann Hubschrauber der 10-Tonnen-Klasse aufnehmen, wie zum Beispiel den NH90, der von der Norwegischen Marine als Bordhubschrauber vorgesehen ist. Auf dem Landeplatz können bei Bedarf auch Hubschrauber der 15-Tonnen-Klasse landen. Dazu gehört beispielsweise der AgustaWestland EH101, der unter anderem von den NATO-Nationen und Nordseeanrainern Vereinigtes Königreich und Dänemark eingesetzt wird.

Einheiten[Bearbeiten]

Als Namen für die neuen Schiffe, die alle in Bergen beheimatet sind, wurden fünf Nationalhelden Norwegens ausgewählt, die sich alle durch Entdeckungen verdient gemacht haben: Fridtjof Nansen, Roald Amundsen, Otto Sverdrup, Helge Ingstad und Thor Heyerdahl.

Kennung Name Kiellegung Stapellauf Indienststellung Verbleib
F310 Fridtjof Nansen 9. April 2003 3. Juni 2004 5. April 2006 aktiv
F311 Roald Amundsen 3. Juni 2004 25. Mai 2005 21. Mai 2007[1] aktiv
F312 Otto Sverdrup 25. Mai 2005 28. April 2006 30. April 2008[2] aktiv
F313 Helge Ingstad 28. April 2008 23. November 2007 29. September 2009 aktiv
F314 Thor Heyerdahl 23. November 2007 11. Februar 2009 18. Februar 2011 aktiv

Gemäß Tageszeitung 'Aftenposten', Ende 9.2013, liegt 'Otto Sverdrup' im Marinestützpunkt Haakonsvern an der Pier, da Geräte und Anlagen für dringende Reparaturen an den anderen Fregatten ausgebaut wurden. Nur zwei Fregatten seien operativ einsetzbar, so 'Fridtjof Nansen' im Einsatz vor Somalia.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offizielle Website der Norwegischen Streitkräfte: Første seilas med F311
  2. Offizielle Website der Norwegischen Streitkräfte: Tredje fregatt på norske hender