Friede von Teschen

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Der Friede von Teschen wurde am 13. Mai 1779 in Teschen zwischen Österreich und dem Königreich Preußen geschlossen und beendete den Bayerischen Erbfolgekrieg.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Auslöser des Bayerischen Erbfolgekrieges war der Tod des kinderlosen bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph (1745–1777). Mit ihm starb die bayerische Linie der Wittelsbacher aus. Eine Reihe mitteleuropäischer Adelshäuser erhob Anspruch auf Teile des Erbes, darunter Österreich auf das Herzogtum Niederbayern. Erbberechtigt war der wittelsbachische Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz (1724–1799), der nach dem Tode von Maximilian Joseph die Ansprüche Österreichs auf das Herzogtum Niederbayern, die Grafschaft Mindelheim, den Bezirk Burghausen, böhmische Lehen in der Oberpfalz u. a. anerkannte. Daraufhin besetzten österreichische Truppen am 16. Januar 1778 weit mehr als die zugestandenen Gebiete des bayerischen Teilherzogtums Bayern-Straubing und die Grafschaft Mindelheim ohne Zwischenfälle. Straubing wurde Zentrum der „Österreichisch Bayern“ genannten Territorien. Der Vertrag fand aber nicht die Anerkennung des nächstberechtigten wittelsbachischen Erben, nämlich des Herzogs Karl August von Pfalz-Zweibrücken (1746–1795), der von Preußen und einer bayerischen Patriotenpartei unterstützt wurde.

Mit dem preußischen Einmarsch in Böhmen am 5. Juli 1778 begann der Bayerische Erbfolgekrieg mit Österreich, der eine Entscheidung über diese Streitfragen herbeiführen sollte, bei dem sich aber Bayern für neutral erklärte. Während des Krieges, der auch als Kartoffelkrieg oder Zwetschgenrummel bezeichnet wurde, fanden keine nennenswerten militärischen Auseinandersetzungen statt.

Friedensschluss[Bearbeiten]

Der Frieden kam auf Initiative Russlands zustande und wurde von Frankreich sowie Russland garantiert. Der Vertrag wurde am 13. Mai 1779 in der schlesischen Stadt Teschen unterzeichnet und am 28. Februar 1780, dem Geburtstag von Kaiserin Maria Theresia, vom Reich sowie am 8. März 1780 vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Joseph II. ratifiziert.

Bestimmungen des Vertrags[Bearbeiten]

Österreich erhielt von Bayern die östlich des Inn gelegenen Gebiete des Rentamtes Burghausen, also einen Gebietsstreifen von Passau bis zur Nordgrenze des Erzstifts Salzburg. Dazu gehörten die Gerichte Wildshut, Braunau, Mauerkirchen, Friedburg, Mattighofen, Schärding und Ried im Innkreis. Dieses Gebiet wurde unter dem Namen „Innviertel“ dem Herzogtum Österreich ob der Enns angegliedert.

Im Gegenzug wurden die Ansprüche Preußens auf die beiden hohenzollernschen Markgraftümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth anerkannt. Das Kurfürstentum Sachsen erhielt von Karl Theodor sechs Millionen Gulden als Allodialgut. Die Kurwürden Bayerns und der Pfalz wurden zusammengelegt. Österreich erkannte zudem die Hausverträge der Wittelsbacher von 1766, 1771 und 1774 an, in denen die gegenseitige Erbfolge der Wittelsbacher Linien geregelt war.

Nicht geregelt war allerdings der Komplex der sogenannten Innviertler Schulden. Dabei handelt es sich um Zahlungsverpflichtungen der bayrischen Kurfürsten über 848.143 Gulden bei diversen Städten, Korporationen und Privatpersonen, welche zwischen 1592 und 1750 aufgenommen worden waren; die Bayern verweigerten jedoch die Rückzahlung. Dieses Problem konnte erst 1895 durch Verhandlungen zwischen dem österreichischen Staat und dem Land ob der Enns gelöst werden.

Vollzug des Friedensvertrages[Bearbeiten]

Am 29. Mai 1779 vereidigte der Landeshauptmann von Oberösterreich, Graf Christoph Wilhelm II. von Thürheim, in Braunau die bisher landesfürstlich-bayerischen Beamten. Zwei Tage später wurde zum ersten Mal das „Innviertel“ genannte Gebiet der oberennsischen Landeshauptmannschaft unterstellt. Am 2. Juli 1779 leistete der Innviertler Adel die Huldigung und feierte zusammen mit den Ständen ob der Enns ein Te Deum. Am 27. November 1779 erging ein abschließendes kaiserliches Patent, das die Eingliederung des Innviertels in das Land ob der Enns verfügte.

Bekannt ist in diesem Zusammenhang eine Besichtigungsreise des Kaisers Joseph II. im Oktober 1779 durch den neuen Landesteil, die ihn über Gmunden, Frankenmarkt, Straßwalchen, Perwang, Wildshut, Ach, Braunau am Inn, Schärding nach Passau und von dort nach Engelhartszell und Linz führte. In einem Brief an Kaiserin Maria Theresia drückt er eine gewisse Enttäuschung darüber aus, dass es nicht gelungen war, ganz Bayern oder zumindest Niederbayern zu erwerben.

„Es ist ein winziger Gegenstand, wenn man bedenkt, was vielleicht hätte gelingen können; aber an und für sich ist dieser Landstrich schön und gut für Österreich sehr gelegen.“

– Zit. nach Siegfried Haider (1987, S. 222)

Vertragsausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Proclamation des Friedens. Nachdem durch des Allerhöchsten Gnade und Segen zwischen Sr. Königl. Majestät von Preußen, Unserm allergnädigsten Herrn an einem, und der Käyserin-Königin von Ungarn und Böhmen Majestät am andern Theile, zu Teschen den 13ten dieses Monaths ein erwünschter Friede getroffen und geschlossen (…). S. l. 1779.
  • Adolf Unzer: Der Friede von Teschen. Ein Beitrag zur Geschichte des bayrischen Erbfolgestreites. Kiel: Handorff 1903. Insbesondere Kapitel 7: Der Kongress zu Teschen, S. 316–424.
  • Manfred Hellmann: Die Friedensschlüsse von Nystad (1721) und Teschen (1779) als Etappen des Vordringens Rußlands nach Europa. In: Historisches Jahrbuch 97/98 (1978), S. 270–288.
  • Karl Otmar von Aretin: Europa und der Friede von Teschen. In: ders.: Das Reich. Friedensgarantie und europäisches Gleichgewicht 1648–1806. Stuttgart 1986, S. 325–336.
  • Daniel-Erasmus Khan: Die deutschen Staatsgrenzen. Rechtshistorische Grundlagen und offene Rechtsfragen. Tübingen: Mohr Siebeck 2004, S. 178–181.
  •  Siegfried Haider: Geschichte Oberösterreichs. R. Oldenbourg Verlag, München 1987, ISBN 3-486-54081-5.
  • Nersesov, Georgij Aleksandrovic: Politika Rossii na Tesenskom kongresse, Moskau 1988
  • Michalski; Jerzy: Polska wobec wojny o sukcesję Bawarską, Wrocław-Warszawa-Kraków 1964
  • Isabel de Madariaga: Britain, Russia, and the armed neutrality of 1780, New Haven 1962 (Kapitel: The war of the bavarian succession)

Weblinks[Bearbeiten]