Friedenspark (Leipzig)

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Friedenspark Leipzig (2008), im Hintergrund die Russische Gedächtniskirche

Der Friedenspark ist eine etwa 20 Hektar große Grünanlage mit eindrucksvollem Baumbestand in dem zum Leipziger Stadtbezirk Mitte gehörenden Ortsteil Zentrum-Südost zwischen dem Ostplatz im Norden und der Russischen Kirche im Süden. Der Park wurde nach der Säkularisierung des Neuen Johannisfriedhofs und einer grundlegenden Umgestaltung 1983 eröffnet.

Neuer Johannisfriedhof[Bearbeiten]

Der Neue Johannisfriedhof auf einem Stadtplan um 1905
Die Totenhalle auf dem Neuen Johannisfriedhof, 1885
Der Friedhofseingang um 1900
Rundgang 1861 zu den Gräbern von Tzschirner, Stallbaum, Herloßsohn und Zöllner
Grabanlage der Familie von Limburger auf dem Neuen Johannisfriedhof, 1902
Grabstätte Auguste Schmidt nach der Beisetzung auf dem Neuen Johannisfriedhof, 1902
Porträtmedaillon am Grabstein von
Gustav Heinrich Duncker des Bildhauers
Melchior Zur Straßen (1883), 2011

Ursprünglich befand sich auf dem Gelände des Friedensparks der Neue Johannisfriedhof. Er wurde 1846 als zweiter städtischer Friedhof eröffnet, nachdem sich der Alte Johannisfriedhof als nicht mehr erweiterungsfähig erwiesen hatte. Die Entwürfe für die zwischen 1881 und 1884 erbaute Kapelle und die Leichenhalle stammten von Hugo Licht (1841–1923). Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Laufe der Zeit fanden hier bedeutende Persönlichkeiten der Leipziger Wirtschafts-, Kunst- und Kulturgeschichte ihre letzte Ruhestätte. Während der NS-Zeit wurden in den Abteilungen V 2, 3 und 5 über 100 Opfer der Kindereuthanasie der Kinderfachabteilung der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen anonym in Urnengräbern bestattet.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt der Friedhof der SED-Stadtverwaltung als Beerdigungsstätte der bürgerlichen Elite Leipzigs. Ungeachtet der kunst- und kulturhistorisch wertvollen, teilweise großangelegten Grabstätten, fehlte dem kommunistischen System daher aus ideologischen Gründen jegliches Interesse an seiner Erhaltung. Am 31. Dezember 1950 wurde der Neue Johannisfriedhof für weitere Bestattungen gesperrt. Nach Ablauf der Totenruhe wurde mit dem Abriss des Friedhofs begonnen. Für die Öffentlichkeit war er noch bis zum 31. Dezember 1970 zugänglich. Von 1973 bis 1975 wurde der Friedhof säkularisiert: Gruftanlagen wurden verfüllt, die Gräber beräumt und eingeebnet. Aus den Trümmern der Grabsteine entstand ein großer Hügel, der, mit Erde bedeckt und mit Gesträuch bepflanzt, heute Teil des Parks ist. Etwa 120 Einzelobjekte mit stadt- und kunstgeschichtlicher Bedeutung wurden auf dem Alten Johannisfriedhof unter freiem Himmel gelagert. Transportschäden, Diebstahl und Vandalismus führten dazu, dass davon zu Beginn der 1990er Jahre nur noch 58 Grabmale vorhanden waren. Diese wurden saniert und im südöstlichen Teil des Alten Johannisfriedhofs aufgestellt.[2]

Beigesetzte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Umgesetzte Grabsteine[Bearbeiten]

Vom ehemaligen Neuen auf den Alten Johannisfriedhof umgesetzte Grabmale

Friedenspark[Bearbeiten]

Figurengruppe im Friedenspark, 2008

Der Generalbebauungsplan von 1970 sah den Ausbau des Friedhofs zu einem Sport- und Erholungspark für die Studenten der Universität Leipzig vor. Dieses Vorhaben wurde schließlich zugunsten einer öffentlichen Parkanlage aufgegeben, um dem Naherholungsbedürfnis der Menschen in den an den Park angrenzenden Altbaugebieten der Ostvorstadt und Thonbergs entgegenzukommen.

Am 20. Juli 1983 wurde der Friedenspark der Öffentlichkeit übergeben.[3]

In jüngster Zeit wird der Friedenspark wieder verstärkt als Ort zur Pflege der Erinnerungskultur genutzt. So wurde im westlich gelegenen Teil am 6. Mai 2011 eine Anlage zum zentralen Gedenken an die Opfer der Kinder-Euthanasieverbrechen und am 9. Juni 2012 eine Anlage zum Gedenken an Leipzigs verstorbene Kinder eingeweiht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berit Lahm; Thomas Seyde; Eberhard Ulm: 505 Kindereuthanasieverbrechen in Leipzig. Verantwortung und Rezeption. Plöttner Verlag, Leipzig 2008, ISBN 978-3-938442-48-7
  2. http://www.leipzig.de/de/buerger/freizeit/leipzig/parks/frieden/
  3. http://www.leipzig-lexikon.de/GARTPARK/frieden.htm

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neuer Johannisfriedhof Leipzig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource Ein Gang auf den Neuen Friedhof zu Leipzig. In: Die Gartenlaube, Jahrgang 1860, Heft 16, S. 244, 245 – online verfügbar bei Wikisource

51.3273712.3947Koordinaten: 51° 19′ 39″ N, 12° 23′ 41″ O