Friedrich August (Anhalt-Zerbst)

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Fürst Friedrich August von Anhalt-Zerbst

Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst (* 8. August 1734 in Stettin; † 3. März 1793 in Luxemburg) war ein deutscher Landesfürst. Er herrschte im Fürstentum Anhalt-Zerbst von 1747 bis zu seinem Tod 1793. Bis zu seiner Volljährigkeit am 28. September 1752 regierte seine Mutter Johanna Elisabeth von Holstein-Gottorf für ihn.[1]

Leben[Bearbeiten]

Friedrich August ist der Sohn von Christian August von Anhalt-Zerbst, der sich zwischen 1742 und 1746 mit seinem Bruder Johann Ludwig II. die Herrschaft über dieses Fürstentum teilte und dann ab 1747 bis zu seinem Tod allein regierte. Friedrich August ist der jüngere Bruder von Katharina der Großen. Von Zarin Elisabeth erhielt er 1748 den russischen St.Andreas-Orden. 1750 trat er in kaiserlich-österreichische Dienste, wo er als Inhaber ein Regiment erhielt, wurde 1751 zum Major befördert und trat die Regierung an, überließ sie aber bald wieder seiner Mutter und begab sich auf Reisen, von denen er 1752 nach Zerbst zurückkehrte.[2] Am 17. November 1753 heiratete Friedrich August in Zerbst seine erste Ehefrau, Caroline Wilhelmina Sophia von Hessen-Kassel, Tochter des Maximilian von Hessen-Kassel.

Trotz der Neutralität Anhalts zu Beginn des Siebenjährigen Krieges beherbergte seine Mutter Johanna Elisabeth den französischen Marquis de Fraigne (1726 - ca.1791), der der Spionage beschuldigt wurde, und tatsächlich im Auftrage des Kardinals de Bernis erkunden sollte, ob Russland dem Bündnis gegen Preußen treu bliebe. Für Friedrich II. von Preußen war dies am 22. Februar 1758 der Anlass, Anhalt militärisch durch Major von Kleist besetzen zu lassen. Wegen dieses politischen Zerwürfnisses mit Preußen war es dem Fürsten nicht mehr möglich, in seinem Herrschaftsgebiet zu residieren. Ab da regierte er im Exil von seinen unterschiedlichen Aufenthaltsorten aus über Hofräte in Anhalt-Zerbst und Jever[1], und daher war seine Regierungszeit für seine Untertanen von Chaos, Willkür und Despotie überschattet. Der Fürst war dem Militärwesen sehr zugeneigt und ließ in Jever fünf Kasernen errichten, von denen eine heute als ein Schulgebäude des Mariengymnasiums dient. Zudem war er von 1753 bis nach 1762 Inhaber des österreichischen Kürassierregiments Anhalt-Zerbst[3] und warb 1761 ein weiteres Bataillon von etwa 500 Mann und 30 Reitern für den Dienst in der österreichischen Armee an.

Österreichisches Bataillon Anhalt-Zerbst, nach R. Knötel

Im Jahr 1764 schloss der seit Mai 1759 verwitwete Friedrich August seine zweite Ehe, mit Friederike Auguste von Anhalt-Bernburg. Nach Aufenthalten in verschiedenen Kurorten gelangte das Fürstenpaar im Februar 1765 nach Basel. Hier bewohnten sie das Mitzsche Haus am Petersgraben sowie als Sommerresidenz das Weiherschloss Groß-Gundeldingen.

Friedrich August war einer der Landesherren, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg Soldaten für die englische Seite stellten. Er verkaufte im Jahr 1778 bis 1783 zwei Regimenter mit zusammen 1152 Mann seiner Jeveraner Landeskinder als Soldaten an England und besserte damit seine Staatskasse auf.[4] In seinen Landen gewährte er ab 1776 religiöse Toleranz.

1780 verließ der Fürst Basel wegen Streitigkeiten mit dem Magistrat in Richtung Luxemburg. 1789 wurde er zum k.u.k. österreichischen Feldmarschalleutnant ernannt. Um 1792 hatte er die Führung des gesamtanhaltinischen Kontingents der Reichsarmee inne[5]. Er verstarb, seiner Heimat längst entfremdet, ohne männliche Erben 1793 in Luxemburg und wurde am 18. März 1793 auf dem Gottesacker vor dem neuen Tor bestattet.[6]

Mit seinem Tod erlosch die Herrscherlinie und das Land wurde zwischen den übrigen anhaltischen Staaten Anhalt-Bernburg, Anhalt-Köthen und Anhalt-Dessau aufgeteilt. Die Herrschaft Jever, die unter der Oberherrschaft des Fürstentums Anhalt-Zerbst gestanden hatte, wurde wegen ihres Status als Kunkellehen an seine Schwester Katharina die Große weitervererbt und kam so unter russische Herrschaft.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Kurzbiografien Anhalt, abgerufen am 30. Dezember 2010
  2. vgl. Ferdinand Siebigk: Christian August, Fürst zu Anhalt-Zerbst. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 157–159.
  3. Privates Projekt Kronoskaf, abgerufen am 30. Januar 2013
  4. Melanie Meyer: Die Eskapaden des „Baron Maltzahn“. NWZOnline vom 28. Dezember 2010, abgerufen am 7. April 2013.
  5. vgl. Legende zu einem Bildnis des Fürsten im Bildarchiv Marburg
  6. vgl. Dirk Herrmann auf www.schloss-zerbst.de, abgerufen am 30. Januar 2013
Vorgänger Amt Nachfolger
Christian August Fürst von Anhalt-Zerbst
1747-1793
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