Friedrich Ebert junior

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Friedrich Ebert (1961)
Friedrich Ebert (1928)
von rechts: Ernst Heilmann, Friedrich Ebert, Alfred Braun, Heinrich Giesecke, Hans Flesch und Kurt Magnus als Häftlinge im KZ Oranienburg, August 1933
Friedrich Ebert
Briefmarke der DDR 1984

Friedrich Ebert (* 12. September 1894 in Bremen; † 4. Dezember 1979 in Ost-Berlin), auch Fritz Ebert genannt,[1] war während der Weimarer Republik sozialdemokratischer Politiker und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges als Mitglied der SED von 1948 bis 1967 Oberbürgermeister von Ost-Berlin.

Leben[Bearbeiten]

Ebert war der Sohn des sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Er absolvierte von 1909 bis 1913 eine Lehre als Buchdrucker. Er war seit 1910 Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und seit 1913 der SPD. Von 1915 bis 1918 war er Soldat im Ersten Weltkrieg.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

Während der Weimarer Republik war er Redakteur und Mitarbeiter verschiedener sozialdemokratischer Zeitungen. Von 1919 bis 1925 war Ebert Redakteur des „Vorwärts“. 1920 heiratete er die 3 Jahre jüngere Johanna Elisabeth Vollmann,[2] mit der er zwei Kinder hatte, die Söhne Friedrich (* 1928) und Georg, und die 1938 Suizid beging.[3] Außerdem war er von 1923 bis 1925 Mitarbeiter des sozialdemokratischen Pressedienstes. Von 1925 bis 1933 war er Redakteur in Brandenburg an der Havel bei der im parteieigenen Verlag Otto Sidow & Co. erscheinenden „Brandenburger Zeitung“.

Seit 1927 war er Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Brandenburg, von 1930 bis 1933 Stadtverordnetenvorsteher. Ebert war von 1930 bis 1933 Mitglied im Vorstand des Städtetages für die Provinz Brandenburg. Außerdem gehörte er dem Vorstand des SPD-Bezirksvorstandes Brandenburg-Grenzmark an. In den frühen 1930er Jahren gehörte er außerdem dem preußischen Staatsrat an. Von 1928 bis 1933 war Ebert Mitglied des Reichstages.[4]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Im Jahr 1933 saß er wegen illegaler politischer Tätigkeit acht Monate in mehreren KZ, u. a. in Oranienburg und Börgermoor. 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war ab 1940 beim Reichsverlagsamt tätig. Er stand bis 1945 unter Polizeiaufsicht.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Krieg war er zunächst Landesvorsitzender der SPD Brandenburg. Nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) war Ebert seit 1946 einer der Landesvorsitzenden der SED, Mitglied des Parteivorstands und später des Zentralkomitees und seit 1949 des Politbüros des ZK der SED. 1946 wurde er von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) als Mitglied der Beratenden Versammlung Brandenburgs berufen und war dort Vorsitzender. Nach den Landtagswahlen in der SBZ 1946 wurde er Präsident des Brandenburgischen Landtags. Von der russischen Besatzungsmacht wurde er nachfolgend zum Oberbürgermeister von Ost-Berlin ernannt.[5] Seit der Gründung der DDR 1949 war er auch Abgeordneter der Volkskammer, zeitweise als Präsident oder Stellvertreter des Präsidenten und ab 1971 als Vorsitzender der SED-Fraktion, sowie ab 1960 Mitglied und ab 1971 stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates.

1948 bis 1967 amtierte er als Oberbürgermeister von Ost-Berlin. Er widmete sich vor allem dem Aufbau der zerstörten Stadt. So setzte er sich beispielsweise für die Wiederherstellung des Brandenburger Tors, des Roten Rathauses, des Zeughauses und der Staatsoper Unter den Linden ein. Auch der Abriss des Berliner Stadtschlosses fiel in seine Amtszeit.

Ehrungen[Bearbeiten]

Er wurde mit dem Karl-Marx-Orden, dem Vaterländischen Verdienstorden und dem Großen Stern der Völkerfreundschaft ausgezeichnet. Am 5. Juli 1967 ernannte ihn der Magistrat von Ost-Berlin zum Ehrenbürger Berlins. Nach der Wende wurde er 1992 aus der Liste der Ehrenbürger gestrichen.

Tod[Bearbeiten]

Nach Eberts Tod wurde seine Urne in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde an der Ringmauer in Berlin-Lichtenberg beigesetzt.

Werke[Bearbeiten]

  • Reden und Aufsätze zur deutsch-sowjetischen Freundschaft. Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1959
  • Einheit der Arbeiterklasse - Unterpfand des Sieges: Ausgewählte Reden und Aufsätze. Dietz-Verlag, Berlin 1959
  • Der Sozialismus, die Zukunft Deutschlands: Ausgewählte Reden und Aufsätze 1959–1964. Dietz-Verlag, Berlin 1964
  • Der Sozialismus, das Glück und das Wohl des Volkes: Ausgewählte Reden und Aufsätze 1964–1969. Dietz-Verlag, Berlin 1969
  • Sozialistische Demokratie, Pulsschlag unseres Lebens: Ausgewählte Reden und Aufsätze 1969–1974. Dietz-Verlag, Berlin 1974
  • Einheit der Klasse, Macht der Klasse: ausgewählte Reden und Aufsätze. Dietz-Verlag, Berlin 1979

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Das Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. In: Neues Deutschland. Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Jg. 5 (61), Nr. 171, Berlin, 25. Juli 1950, S. 1, ZDB-ID 126113-7.
  2. Heinz Vosske: Friedrich Ebert: ein Lebensbild, S. 33
  3. Friedrich Ebert, ‎Walter Mühlhausen, ‎Bernd Braun: Friedrich Ebert und seine Familie, S. 30
  4. Friedrich Ebert, ‎Walter Mühlhausen, ‎Bernd Braun: Friedrich Ebert und seine Familie, S. 29 Online
  5. OST-BERLIN: Russen kamen, Der Spiegel 4/1954, 20. Januar 1954

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Ebert junior – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien