Friedrich Elchlepp

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Friedrich (Fritz) Elchlepp (* 4. Juli 1924 in Biederitz, Landkreis Jerichower Land; † 2. März 2002 in Rostock) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Konteradmiral der Volksmarine.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn des für den höheren Schuldienst ausgebildeten Studienrats Friedrich Wilhelm Elchlepp (*1897 in Stendal) wuchs F. Elchlepp in einem sozialdemokratischen Elternhaus auf und wurde nach seinem Notabitur als Siebzehnjähriger Berufssoldat. Er diente zwischen 1941 und 1945 in der Kriegsmarine der Wehrmacht als Wachoffizier in der U-Boot Waffe. Zum Kriegsende war er auf dem U-Boot U 3514, Typ XXI, im Range eines Oberleutnants zur See eingesetzt.[1] Er gehörte zuvor zur Besatzung von U 1206 - auch U Hai genannt -, die unter dem Befehl desselben Kommandanten, Günther Fritze (OLt.z.S), stand.[2] Nach dem 8. Mai 1945 folgte eine mehrmonatige britische Kriegsgefangenschaft. Nach der Kriegsgefangenschaft kehrte er in die Sowjetische Besatzungszone zurück, wo sein Vater zunächst die Leitung der Schulabteilung in der Provinzialregierung Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle (Saale) innehatte und ab Dezember 1945 als Kurator an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wirkte.[3]

1946 trat Elchlepp nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD der SED bei und studierte von 1946 bis 1949 Jura an der Universität Halle. Anschließend war er Mitarbeiter des FDGB-Landesvorstandes Sachsen-Anhalt. 1949 bis 1950 avancierte er zum Leiter der Brandenburger Landesverwaltungsschule Königs Wusterhausen. Sein Eintritt in die Deutsche Volkspolizei erfolgte zum 28. Februar 1950. Er wurde für die aufzubauende paramilitärische Seepolizei/VP See wegen seiner militärischen Vorkenntnisse als ehemaliger Marineoffizier und seiner mehrjährigen SED-Mitgliedschaft vorgesehen. Für den in der DDR geplanten Seepolizei-Personalbestand galt der Befehl 2 der Deutschen Verwaltung des Inneren (DVdI) nicht, wonach ehemalige Gefangene aus amerikanischer, englischer und französischer Kriegsgefangenschaft für den Dienst bei der (Volks-)Polizei nicht einzustellen waren, sondern nur solche Bewerber, die aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft kamen.[4] Elchlepp war von 1950 bis 1951 als Inspekteur der VP Abteilungsleiter in der Hauptverwaltung Seepolizei tätig. Anschließend war Elchlepp bis 1953 Chef der Flottenbasis Ost in Wolgast später Peenemünde. Von 1953 bis 1954 war Elchlepp Abteilungsleiter Operativ des Stabes der Volkspolizei See und anschließend bis 1956 in Vertretung von Konteradmiral Heinz Neukirchen „mit der Führung (des Stabes) beauftragt.“

Von 1956 bis 1957 absolvierte er an der sowjetischen Seekriegsakademie eine weitere Ausbildung zum Führungskader der Volksmarine. Nach seiner Rückkehr war er bis 1960 Stellvertreter des Kommandeurs für Ausbildung an der Offiziershochschule der Volksmarine „Karl Liebknecht“ in Stralsund. 1960 wurde er zum Havariekommissar der DDR im Kommando der Volksmarine ernannt. Die Funktion "Havariekommissar bei der Seekammer (Große Seekammer der DDR)" war vergleichbar mit der des Bundesbeauftragten bei den Seeämtern (Oberseeamt) der Bundesrepublik Deutschland.[5] Die Position bei der Seekammer der DDR hatte Elchlepp - im militärischen Rang eines Kapitäns zur See der Volksmarine - bis 1981 inne. Anschließend war er von 1981 bis 1984 Seekommissar der DDR im Kommando der Volksmarine. 1964 promovierte er zum Dr. jur. mit einer Arbeit zum Havarieverfahren in der DDR, die er ein Jahr zuvor abgeschlossen und der Juristischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Halle (Saale) vorgelegt hatte. Am 30. November 1984 schied Elchlepp bei gleichzeitiger Ernennung zum Konteradmiral (a.D.) aus dem aktiven Wehrdienst aus. Der an der Hallenser Universität promovierte Jurist Friedrich Elchlepp interessierte sich sowohl für Fragen des Seerechts als auch für die Marinegeschichte.

Ehrenamtliche (gesellschaftliche) Tätigkeit[Bearbeiten]

Fritz Elchlepp engagierte sich gesellschaftlich besonders im Seesport. Er setzte sich dafür ein, dass die Internationale Finn-Association die Finn-Segler für 1969 erneut nach 1961 zu einer Europameisterschaft nach Rostock-Warnemünde einladen konnte, die dann vom 8. bis zum 17. August 1969 stattfand.[6] Unter seiner Leitung arbeitete das DDR-Vorbereitungskomitee[7] ehrenamtlich für diese Finn Europameisterschaft vor Warnemünde (Finn Dinghy European Championship). Er wirkte ab den 1970iger Jahren ehrenamtlich in der Gesellschaft für Seerecht der DDR sowie im Arbeitskreis für Schiffahrts- und Marinegeschichte in Rostock mit und publizierte beispielsweise im Rahmen der Schriftenreihe der DDR-Seerechtsgesellschaft zusammen mit den Rechtsprofessoren Haalck und Reintanz über den Völkerrechtler Hugo Grotius anlässlich dessen 400. Geburtstages.[8] Elchlepp gehörte zu den Gründungsmitgliedern der am 20. Juli 1990 im Ständehaus Rostock als Verein gegründeten Marine-Offizier-Messe Rostock und übte dort die Funktion des Messeältesten aus.[9] Er stellte sich 1992 als Zeitzeuge für den Wiederaufbau des Hochschulwesens nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone auf einer wissenschaftlichen Konferenz zur Verfügung, insbesondere für die Entwicklung des politischen Geschehens an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.[10]Zu juristischen Aspekten der Piraterie referierte Elchlepp nach der Wiedervereinigung auf einem Symposium zur Schiffahrts- und Marinegeschichte vom 25. bis 26. Mai 2000 in Hamburg, das von der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e. V. veranstaltet wurde.[11] Überdies erschien im Jahr 2000 bereits in zweiter Auflage das von ihm und anderen Autoren verfasste Werk: Volksmarine der DDR. Deutsche Streitkräfte im Kalten Krieg.[12] Besonders nach der Wiedervereinigung interessierte sich Elchlepp für die Grenzsicherung zu DDR-Zeiten und er nahm im Januar 1994 in seiner Eigenschaft als einstiger Havariekommissar der DDR an einer Anhörung ranghoher ehemaliger DDR-Militärs zu Fragen der Grenzsicherung an der Ostsee vor der Alternativen Enquete-Kommission Deutsche Zeitgeschichte (AEK) teil.[13]

Fachberatung bei maritimen TV-Filmen[Bearbeiten]

Friedrich Elchlepp übernahm nach seiner aktiven Dienstzeit als Seekommissar der DDR gelegentlich die Fachberatung für Fernsehfilme. Vom Ostseestudio des Fernsehens der DDR wurde kurz vor der politischen Wende die Fernsehspielreihe „Vor dem Seeamt“ ins Leben gerufen. Elchlepp beriet die Dramaturgie der beiden produzierten Folgen. Die erste Folge wurde am 16. Oktober 1989 ausgestrahlt und lief unter dem Titel Der Untergang der Cimbria sowie die zweite unter dem Titel Tote an Bord. Letztere wurde nach der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 im Fernsehen der Bundesrepublik gezeigt.[14] Elchlepp wirkte auch als Berater für den 1992 im vereinten Deutschland produzierten TV-Film Das letzte U-Boot, bei dem Frank Beyer Regie führte.[15]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Froh, Rüdiger Wenzke: Die Generale und Admirale der NVA. Ein biographisches Handbuch. Christoph-Links Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-86153-209-3, S. 90.
  • Douglas C. Peifer: The Three German Navies. Dissolution, Transition, and New Beginnings, 1945−1960. University Press of Florida, Gainsville, Florida, 2002, ISBN 0-8130-2553-2
  • Friedrich Elchlepp u.a.: Volksmarine der DDR. - Deutsche Seestreitkräfte im Kalten Krieg. Mittler Verl., Hamburg 2000, 2. durchges. Aufl., ISBN 3813207153

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Autorenverzeichnis mit biografischen Angaben zu Friedrich Elchlepp in: Volksmarine der DDR : Deutsche Seestreitkräfte im Kalten Krieg / Friedrich Elchlepp . u. a., Verlag E.S. Mittler & Sohn GmbH, Hamburg,Berlin,Bonn, 2000; S. 360
  2. U-Boot- Archiv Besatzung von U 1206
  3. Frank Hirschinger: Gestapoagenten, Trotzkisten, Verräter, S. 303 Göttingen 2005, ISBN 978-3-525-36903-6
  4. Elchlepp, Friedrich Gründung der Seestreitkräfte der DDR, in Schiff und Zeit/PANORAMA maritim Nr. 42, Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e. V. (1995), (45-57) S. 51 ; ISSN 1432-7880 DNB-Portal
  5. Manfred Heinemann (Hrsg.) Hochschuloffiziere und Wiederaufbau des Hochschulwesens in Deutschland 1945-1949. Die Sowjetische Besatzungszone, Akademie Verlag, Berlin, 2000, Kurzbiografie Elchlepp, Friedrich, S. 435f.; ISBN 3-05-002851-3
  6. Tageszeitung Neue Zeit, 12. September 1968, Seite 7
  7. Tageszeitung Neues Deutschland, 11. September 1968, Seite 8
  8. Hugo Grotius 1583–1645. Elchlepp/Haalck/Reintanz (Redaktion: Friedrich Elchlepp) Gesellschaft für Seerecht der DDR, Rostock 1983. DNB-Portal
  9. Ostseezeitung vom 8. August 1990
  10. Manfred Heinemann (Hrsg.) Hochschuloffiziere und Wiederaufbau des Hochschulwesens in Deutschland 1945-1949. Die Sowjetische Besatzungszone, Akademie Verlag, Berlin, 2000, Zeitzeuge: damaliger Jura-Student Elchlepp S. 243f; ISBN 3-05-002851-3
  11. Piraterie - einst und jetzt : Vorträge des 2. Hamburger Symposiums zur Schiffahrts- und Marinegeschichte vom 25. - 26. Mai 2000 / Deutsche Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V. Hartmut Klüver (Hrsg.). Veranstaltet von der Deutschen Gesellschaft für Schiffahrts- und Marinegeschichte e.V. DNB-Portal
  12. Volksmarine der DDR : Deutsche Seestreitkräfte im Kalten Krieg / Friedrich Elchlepp . u. a., Hamburg ; Berlin ; Bonn , 2000; DNB-Portal
  13. Alternative Enquetekommission Deutsche Zeitgeschichte initiierte Anhörung ranghoher ehemaliger DDR-Militärs zu Fragen der Grenzsicherung an der Ostsee. Gerds, Peter in: Tageszeitung Neue Zeit, 24. Januar 1994, S. 21
  14. Online Lexikon der DDR-Fernsehfilme Fachberatung TV-Film Vor dem Seeamt abgerufen am 11. Oktober 2014
  15. Filmportal Dr. Friedrich Elchlepp
  16. Neues Deutschland, 6. Oktober 1966, S. 5
  17. Berliner Zeitung, 7. März 1980, S. 4

Weblinks[Bearbeiten]