Friedrich Engelhorn

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Friedrich Engelhorn um 1900

Friedrich Engelhorn (* 17. Juli 1821 in Mannheim; † 11. März 1902 ebenda) war ein deutscher Unternehmer. Im Jahr 1865 gründete Engelhorn in Mannheim die Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG (BASF), deren Werksgelände im auf der anderen Rheinseite gelegenen Ludwigshafen am Rhein angesiedelt wurde.

Jugend[Bearbeiten]

Friedrich Engelhorn wurde am 17. Juli 1821 in Mannheim geboren, wo sein Vater Johann Engelhorn das an den Planken gelegene Gasthaus „Stadt Augsburg“ betrieb. Sein ältester Bruder Jean wurde später der Gründer des Stuttgarter „J. Engelhorn Verlags“. Ab 1830 besuchte Friedrich Engelhorn das Mannheimer Lyzeum. Nach vier Schuljahren verließ er die Schule und absolvierte anschließend eine dreijährige Ausbildung zum Goldschmied. Danach begab er sich auf Wanderschaft, die ihn nach Mainz, Frankfurt, München, Wien, Genf, Lyon und Paris führte.

Goldschmied[Bearbeiten]

Am 14. November 1846 legte Friedrich Engelhorn in Mannheim die Meisterprüfung ab und wurde im März des folgenden Jahres in die örtliche Goldschmiedeinnung aufgenommen. Zunächst ging er dem Handwerk in seinem Elternhaus nach. Er spezialisierte sich auf die Herstellung von Schmuck und wurde in zeitgenössischen Dokumenten als „Bijouterie-Fabrikant“ und „Juwelier“ bezeichnet. Bald nach Eröffnung seines Geschäfts beschäftigte Engelhorn mehrere Mitarbeiter. Schließlich erwarb er das in den Mannheimer Stadtquadraten gelegene Haus C 4, 6, das er im Sommer 1848 bezog.

In der 1848er Revolution[Bearbeiten]

In den Jahren 1848 und 1849 war Friedrich Engelhorn während der Badischen Revolution auf vielfältige Weise politisch engagiert. Als Wahlmann nahm er an der Wahl des Mannheimer Abgeordneten für die Nationalversammlung teil, die sich im Mai 1848 erstmals in der Frankfurter Paulskirche versammelte. Ab Herbst 1848 war Friedrich Engelhorn als Offizier in der Mannheimer Bürgerwehr aktiv.

Als die preußische Armee während ihres Feldzugs gegen die revolutionäre Erhebung im Großherzogtum Baden die Stadt Mannheim einzuschließen drohte, wurde Friedrich Engelhorn im Juni 1849 schließlich der Oberbefehl über die Bürgerwehr übertragen. Durch einen resoluten persönlichen Einsatz gelang es ihm, eine friedliche Übergabe der Stadt zu erreichen und sinnloses Blutvergießen und eine unnötige Zerstörung Mannheims zu verhindern. Mit Hilfe zur Gegenrevolution übergelaufener Dragoner ließ Engelhorn die mit 80.000 Gulden reich gefüllte Kasse der Regierung des Unterrheinkreises sichern, mit der die Revolutionäre fliehen wollten. Auf Engelhorns Anweisung hin wurden umgehend strategisch wichtige Punkte in der Stadt besetzt. Durch eine geschickte Finte gelang es ihm, die Kanonen der Revolutionäre in die Hände der Gegenrevolutionäre zu spielen. Dass die Preußen wenige Stunden später die Stadt kampflos besetzen konnten, war im Wesentlichen das Verdienst Engelhorns.[1]

Als Gasunternehmer[Bearbeiten]

Da infolge der durch die Revolution ausgelösten Wirtschaftskrise Engelhorns Goldschmiedewerkstatt in Schwierigkeiten geriet, suchte er sich im Sommer 1848 ein anderes Betätigungsfeld. Mit zwei Partnern gründete er ein Gaswerk, das im Spätjahr 1848 die Produktion aufnahm. Aufgrund seiner Erfahrung als Gasfabrikant wurde ihm 1851 dann zusammen mit Friedrich Sonntag aus Mainz und Nepomuk Spreng aus Karlsruhe der Bau des städtischen Gaswerks übertragen. Nach dessen Inbetriebnahme im Dezember desselben Jahres wurde Friedrich Engelhorn kaufmännischer Direktor der Anlage.

Bei der Herstellung des Leuchtgases entstand Steinkohlenteer, ein lästiges Abfallprodukt. Doch Justus von Liebig hatte schon darauf hingewiesen, dass man mit diesem Steinkohlenteer roten Farbstoff oder Indigo herstellen könnte.

Dem Engländer William Henry Perkin (1838–1907) gelang es als Erstem Anilin-Violett, Mauvein, zu synthetisieren. Er gründete eine Fabrik und brachte seine neuen Erzeugnisse auf den Weltmarkt. Auf dem europäischen Festland übernahm das Handelshaus Knosp in Stuttgart den Vertrieb.

Engelhorn hörte von der Entdeckung Perkins und sicherte sich die Mitarbeit des Chemikers Carl Clemm, der bei Justus von Liebig studiert hatte. Zusammen mit dem Chemiker Clemm, seinem langjährigen Partner Spreng und dem Mannheimer Kaufmann Otto Dyckerhoff gründete er die Anilinfarbenfabrik Dyckerhoff, Clemm und Comp. Diese offene Handelsgesellschaft wurde mit einem Kapital von 100.000 Gulden am 19. Juni 1861 in das Mannheimer Handelsregister eingetragen. Engelhorn kaufte im Mannheimer Stadtteil Jungbusch ein Gelände von etwa sechs Morgen und begann mit der Produktion. Zwei Jahre später schied Dyckerhoff aus dem Unternehmen aus und an seiner Stelle trat August Clemm in die Firma ein.

Engelhorn wollte mit dem Verein Chemischer Fabriken zusammenarbeiten, dessen Direktoren dazu bereit waren, aber dessen Aktionäre das Angebot ablehnten. Zur Herstellung des Anilins benötigte das Unternehmen anorganische Hilfsprodukte wie Säuren und Alkalien, die bislang vom Verein chemischer Fabriken bezogen wurden. Alternativ überlegte er, vom Rohstoff ausgehend, über die Vor- und Zwischenprodukte alles im eigenen Betrieb herzustellen. Zu diesem Zweck wandelte er seine Handelsgesellschaft in eine Aktiengesellschaft mit beträchtlich erhöhtem Kapital um.

Gründung der BASF[Bearbeiten]

Am 6. April 1865 wurde die Badische Anilin- und Sodafabrik gegründet. Im Gründungsbericht heißt es:

Die neue Firma führt den Namen Badische Anilin- und Sodafabrik, Aktiengesellschaft, und hat ihren Sitz in Mannheim. Die Gesellschaft hat zum Gegenstand die Erzeugung und den Verkauf aller Arten von Farben und chemischen Produkten. Die Dauer der Gesellschaft ist auf 25 Jahre, das Grundkapital auf 1.400.000 Gulden festgesetzt, Der Verwaltungsrat besteht aus fünf Mitgliedern und zwei Stellvertretern. Der von der Gesellschaft ernannten Direktion gehören die Herren Friedrich Engelhorn, August Clemm, Carl Clemm und Julius Giese an. Die Firma wird gültig durch Herrn Friedrich Engelhorn allein oder zwei andere Direktoren gemeinsam vertreten.

Da das bisherige Gelände nun zu klein war, wollte Engelhorn ein Grundstück am linken Neckarufer, südwärts der heutigen Ebertbrücke erwerben, das in der Nähe des Mannheimer Tattersalls lag. Engelhorn stellte beim Mannheimer Stadtrat den Antrag, ihm 40 Morgen Gelände zu überlassen. Der Stadtrat war einverstanden, doch das letzte Wort hatte der Bürgerausschuss, der vom Verein Chemischer Fabriken gewarnt wurde, die Felder und das Vieh würden unter den Abgasen der Fabrik leiden. Außerdem machte der Verein Chemischer Fabriken ein um mehrere tausend Gulden höheres Angebot, das sich jedoch später als Scheinangebot herausstellte. Am 12. April fiel die Entscheidung: 68 Stimmen waren gegen, 42 Stimmen für den Antrag.[2]

Noch am Nachmittag des 12. April 1865 ging Friedrich Engelhorn über die Schiffsbrücke zu den Bauern auf dem Hemshof und in Friesenheim, um dort die benötigten Grundstücke zu erwerben. Der Ludwigshafener Stadtrat bewilligte am 21. April 1865 die Niederlassung der BASF. Am 13. Juni 1867 standen die notwendigen Bauten und der Betrieb konnte aufgenommen werden.

Als Direktor der BASF[Bearbeiten]

BASF-Werk Ludwigshafen um 1868

Als Leitender Direktor der BASF hatte Friedrich Engelhorn maßgeblichen Anteil an deren raschen Aufstieg. Schnell dehnten sich die Anlagen der Firma weiter aus. Zwei Jahre nach der Firmengründung beschäftigte das Werk bereits 315 Arbeitnehmer. Mit Heinrich Caro, Heinrich Brunck und Carl Glaser stießen weitere junge Chemiker zu dem Unternehmen.

Die Gesellschaft wurde auch auf dem Feld der Forschung tätig. 1868 war es erstmals gelungen, den roten Farbstoff Alizarin synthetisch herzustellen. Engelhorn sicherte sich die Mitarbeit der beiden Entdecker Carl Graebe und Carl Liebermann. Als 1870 die synthetische Produktion im industriellen Stil begann, war dies der erste große Erfolg für die BASF. Unabhängig von der BASF hatte auch der englische Chemiker William Henry Perkin ein Verfahren zur Erzeugung von Alizarin in großem Maßstab entwickelt. Um einen langwierigen Patentstreit zu vermeiden, schlug Engelhorn dem Engländer eine Teilung des Weltmarkts vor. Dieser stimmte zu und schließlich wurde am 13. März 1870 in London darüber ein Vertrag abgeschlossen.

Anfänglich ließ die BASF ihre Erzeugnisse über bereits etablierte Farbenhändler vertreiben. Der Erfolg des Alizarins machte es aber erforderlich, eine eigene Verkaufsorganisation aufzubauen. Engelhorn knüpfte daher Kontakte zur Stuttgarter Farbenfirma Siegle und Knosp und schließlich kam es 1873 zur Fusion der beiden Farbenunternehmen.

Im Jahr 1880 gelang es Adolf Baeyer den blauen Farbstoff Indigo, der als „König der Naturfarbstoffe“ galt, im Labor synthetisch darzustellen. Zur Sicherung der Entwicklung schloss die BASF umgehend einen Vertrag mit dem Chemiker. Doch dauerte es fast zwei Jahrzehnte, bis ein preisgünstiges Verfahren entwickelt war und man mit der industriellen Herstellung von Indigo beginnen konnte.

Weitere Firmenbeteiligungen Friedrich Engelhorns[Bearbeiten]

Friedrich Engelhorns unternehmerische Tätigkeit blieb nicht auf die BASF beschränkt. 1864 war er an der Gründung der Mannheimer Gummi-, Guttapercha- und Asbestfabrik beteiligt. Ferner war er Teilhaber einer Mannheimer Brotfabrik. Zudem saß er in den Aufsichtsräten der Rheinischen Kreditbank und Rheinischen Hypobank.

Engelhorns finanzielles Engagement ging auch über die Grenzen des „Rhein-Neckar-Raums“ hinaus. So war er Teilhaber an den Consolidirten Alkaliwerken in Westeregeln, an der Deutsche Celluloid-Fabrik AG im sächsischen Eilenburg und an der Firma Gebrüder Kannengießer in Ruhrort, aus der die Bergbau- und Schiffahrts-Actiengesellschaft hervorging.

Außerdem war Friedrich Engelhorn in Mannheim in der Bodenspekulation tätig und maßgeblich an der Erschließung des sogenannten „Baumschulenviertels“ und des Stadtteils Mannheim-Lindenhof beteiligt.

Erwerb der Firma „C. F Boehringer und Söhne“[Bearbeiten]

Nach dem es zu Missstimmigkeiten mit seinen Partnern gekommen war, schied Friedrich Engelhorn 1883 aus der BASF aus. Im selben Jahr wurde er Teilhaber des Mannheimer Pharmaunternehmens C. F. Boehringer und Söhne. Mit der Unternehmensführung wurde sein Sohn Friedrich betraut, der die Firma in den folgenden Jahren zu einem der führenden Chininhersteller der Welt machte.

Für seine Verdienste an der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Ludwigshafen wurde Friedrich Engelhorn im Jahre seines Ausscheidens aus der BASF von der bayrischen Regierung zum Kommerzienrat ernannt.

Familie[Bearbeiten]

Friedrich Engelhorn war seit Juni 1847 mit der Mannheimer Brauerstochter Marie Brüstling (1825–1902) verheiratet. Aus der Ehe gingen zwölf Kinder hervor. Der älteste Sohn verstarb im Kindesalter.

Die drei Söhne machten unterschiedliche Karrieren. Friedrich (1855–1911) schloss sein Chemiestudium an der Kaiser-Wilhelm-Universität Straßburg mit der Promotion ab und übernahm anschließend die Geschäftsführung der Firma C. F. Boehringer und Söhne in Mannheim. Robert (1856-1944) machte sich als Genre- und Landschaftsmaler einen Namen und war an maßgeblicher Stelle an der Gründung der Kunsthalle in Baden-Baden beteiligt. Louis (1859–1930) wanderte nach Amerika aus und war in New York als Geschäftsführer in verschiedenen Unternehmen tätig.

Von den acht Töchtern gelang Elise (1852–1920) ein für die damalige Zeit beeindruckender Lebensweg. Sie heiratete 1872 den Eisenwerks- und Gutsbesitzer Eugen Freiherr von Gienanth aus Eisenberg. Nach dessen frühen Tod im Jahre 1893 übernahm sie für 18 Jahre die Leitung der Eisenberger Eisenwerke.

Tod und Nachleben[Bearbeiten]

Engelhorns Grab auf dem Mannheimer Hauptfriedhof

Friedrich Engelhorn verstarb am 11. März 1902. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Mannheimer Hauptfriedhof.[3] Fünf Jahre vor seinem Tod hatte er aus Anlass seiner Goldenen Hochzeit zusammen mit seiner Frau die „Friedrich und Marie Engelhorn-Stiftung“ gegründet, die in Mannheim bedürftige Familien unterstützte.

Der Name Friedrich Engelhorns lebt auf unterschiedlichste Weise bis heute fort. In Mannheim, in Maxdorf bei Ludwigshafen und im sächsischen Eilenburg wurden Straßen nach dem Chemieunternehmer benannt. 1961 gab die BASF ihrem neuen Verwaltungsgebäude, das bei seinem Bau das höchste Gebäude der Bundesrepublik war, den Namen Friedrich-Engelhorn-Hochhaus; dieses Gebäude wurde allerdings in den Jahren 2013/14 wegen schwerer Bauschäden und -mängel abgerissen. Das Andenken an Friedrich Engelhorn wird darüber hinaus auch durch das Friedrich Engelhorn-Archiv e.V. in Mannheim bewahrt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang von Hippel: Auf dem Weg zum Weltunternehmen, in: Werner Abelshauser (Hg.), Die BASF – Eine Unternehmensgeschichte, München 2002, S. 19-116.
  • Gustaf Jacob: Friedrich Engelhorn – Der Gründer der Badischen Anilin- & Sodafabrik (= Schriften der Gesellschaft der Freunde Mannheims und der ehemaligen Kurpfalz – Mannheimer Altertumsverein von 1859 Nummer 8), Mannheim 1959.
  • Tobias Möllmer: Das Palais Engelhorn in Mannheim, Worms 2010.
  • Sebastian Parzer: Die frühen Jahre von Friedrich Engelhorn (1821-1864) – Schüler, Goldschmied, Kommandant der Bürgerwehr und Gasfabrikant, Worms 2012.
  • Sebastian Parzer: Friedrich Engelhorn: BASF-Gründer - Unternehmer - Investor (1865-1902), Worms 2014.
  • Hans Schröter: Friedrich Engelhorn – Ein Unternehmer-Porträt des 19. Jahrhunderts, Landau 1991.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Sebastian Parzer: Die frühen Jahre von Friedrich Engelhorn (1821-1864) – Schüler, Goldschmied, Kommandant der Bürgerwehr und Gasfabrikant, Worms 2012, S. 60-65.
  2. Vgl. Wolfgang von Hippel: Auf dem Weg zum Weltunternehmen, in: Werner Abelshauser (Hg.), Die BASF – Eine Unternehmensgeschichte, München 2002, S. 29f.
  3. Vgl. Wolfgang Münkel: Die Friedhöfe in Mannheim, Mannheim 1992, S. 118

Weblinks[Bearbeiten]