Friedrich Ferdinand von Beust

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Friedrich Ferdinand Graf von Beust (auch: Ferdinand Beust) (* 13. Januar 1809 in Dresden; † 24. Oktober 1886 auf Schloss Altenberg, bei St. Andrä-Wördern) war ein Staatsmann im Königreich Sachsen und in der Habsburgermonarchie.

Friedrich Ferdinand Freiherr von Beust um 1860

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Ferdinand Freiherr von Beust, Lithographie von Josef Kriehuber, 1867

Beust studierte 1826 bis 1830 Rechts- und Staatswissenschaften an der Georg-August-Universität Göttingen und der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Danach trat er in den diplomatischen Dienst des Königreiches Sachsen. Er wurde 1836 Legationssekretär in Berlin und 1838 in Paris, 1841 Geschäftsträger in München, 1846 Ministerresident in London und 1848 Gesandter in Berlin.[1]

Beust war ab 1849 Außenminister und zusätzlich vom 25. Oktober 1858 bis 15. August 1866 Vorsitzender des Gesamtministeriums des Königreiches Sachsen, galt aber schon vor 1858 als maßgebendes Mitglied des Kabinetts. Einen Volksaufstand in Dresden ließ er 1849 mit Hilfe preußischer Truppen niederschlagen. Mit Preußen und Hannover schloss er das Dreikönigsbündnis. Da sich Bayern und Württemberg nicht anschlossen, wandte sich Beust von Preußen ab und Österreich zu.[2] In dieser Zeit gewann er entscheidenden Einfluss auf König Johann I. Beust sah sich als Pendant zum preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, obwohl Sachsen weder politisch noch militärisch oder wirtschaftlich eine mit Preußen vergleichbare Großmachtposition besaß. Er führte daher Sachsen an der Seite Österreichs in den Deutschen Krieg. Nach der Niederlage in der Schlacht von Königgrätz schied er auf Wunsch Bismarcks aus dem sächsischen Dienst aus und ging nach Österreich.

Beust war vom 30. Oktober 1866 bis 1871 österreichischer bzw. österreichisch-ungarischer Außenminister, ab dem 7. Februar 1867, vor Abschluss des Ausgleichs mit Ungarn, bis zum Ende des Jahres auch österreichischer Ministerpräsident. Als dieser führte er im Februar 1867 den Ausgleich mit Ungarn durch und leitete die konstitutionelle Verfassung ein. Er führte ab dem 23. Juni 1867 zusätzlich zur Funktion des k.k. Außenministers auch den Titel des Reichskanzlers.[2] Nach seinem Ausscheiden erlosch diese Amtsbezeichnung.

Nach seiner Entlassung als Außenminister und Reichskanzler am 8. November 1871 wurde er Botschafter in London und von 1878 bis 1882 in Paris. Sein Nachfolger als k.k. Außenminister wurde Graf Gyula Andrássy. 1882 zog er sich ins Privatleben zurück.

Familie[Bearbeiten]

Friedrich Ferdinand Graf Beust, geb. 13. Jaenn. 1809, gest. 23. Oct. 1886. "Friede seiner Asche, Gerechtigkeit seinem Andenken"

Als Mitglied der adeligen Familie Beust führte er den Adelstitel Freiherr. 1868 wurde er in den Grafenstand erhoben. Sein Vater war Oberhofsgerichtsrat.

Sein älterer Bruder Friedrich Constantin von Beust war Oberberghauptmann in Sachsen und Generalinspektor der Bergwerke in Cisleithanien.

Von Beust heiratete 1843 Freiin Mathilde von Jordan (1817–1886), die Tochter des bayrischen Generalleutnants Wilhelm Freiherr von Jordan und seiner Frau Violanda geb. Gräfin von Sandizell.[3] Sie bekamen eine Tochter, Marie (1845–1926) die 1863 in Dresden den späteren sächsischen Finanzminister Léonce Freiherr von Könneritz heiratete.

Graf von Beust ruht auf dem evangelischen Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf (Gruft 10, rechts) in Wien.

Schriften[Bearbeiten]

  • Erinnerungen zu Erinnerungen. Verlag Wöller, Leipzig, 1881.
  • Aus drei Viertel-Jahrhunderten. 2 Bände, Verlag Cotta, Stuttgart 1887.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie bei Archiv für Geschichte und Soziologie in Österreich
  2. a b Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE). Verlag Saur, München 2005, Band 1, ISBN 978-3-598-25031-6, S. 627 f.
  3. Josef Matzerath: Adelsprobe an der Moderne. Sächsischer Adel 1763 bis 1866. Entkonkretisierung einer traditionalen Sozialformation. Verlag Steiner, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-515-08596-0, S. 245.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Ferdinand von Beust – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Rudolph Apponyi von Nagy-Appony Österreich-ungarischer Botschafter im Vereinigten Königreich
1871–1878
Alajos Károlyi
Felix von Wimpffen Österreich-ungarischer Botschafter in Frankreich
1878–1882
Felix von Wimpffen (2.)