Friedrich Franz IV. (Mecklenburg)

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Großherzog Friedrich Franz IV.
Abdankungsurkunde vom 14. November 1918 – Ende der Monarchie in Mecklenburg.

Friedrich Franz IV., Großherzog von Mecklenburg [-Schwerin] (* 9. April 1882 in Palermo; † 17. November 1945 in Flensburg) war der letzte Großherzog des Landesteils Mecklenburg-Schwerin und letzter regierender Monarch in Mecklenburg. Er regierte vom Tode seines Vaters 1897 (bis 1901 unter Vormundschaft seines Onkels Herzog Johann Albrecht) bis zum 14. November 1918.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Franz IV., wurde am 9. April 1882 in Palermo geboren. In der dortigen Villa Belmonte lebten seine Eltern Friedrich Franz III. (1851–1897) und Anastasia (1860–1922) die meiste Zeit des Jahres, da sich Friedrich Franz III. aus gesundheitlichen Gründen gern in südlichen Ländern aufhielt.[1] Friedrich Franz bezog wie sein Vater das Vitzthumsche Gymnasium zu Dresden. Im Herbst 1900 begann Friedrich Franz ein Studium der Rechte an der Universität Bonn. Auch darin folgte er dem Vorbild seines Vaters. Zum Studienberater wurde Dr. Adolf Langfeld berufen.[2]

Sein jüngerer Sohn, Christian Ludwig (1912–1996) beschreibt ihn: „Mein Vater war schlank und 1,84 m groß. Er hatte eine Glatze und trug einen kurz geschnittenen Oberlippenbart. Seine Augen waren hellblau. Er sprach mit weittragender Stimme, war ein sehr lebhafter Mensch und der Lage, sich mit mehreren Leuten gleichzeitig zu unterhalten. Sehr gern ging er ins Theater, wo er am liebsten Opern hörte.“[3] Seine Hobbys waren Autofahren, Reiten, Tennis, Segeln und vor allem natürlich die Jagd.[4]

Regierung[Bearbeiten]

Nach seinem Regierungsantritt bemühte sich Friedrich Franz gemeinsam mit seinen Staatsministern um eine Reform der Mecklenburgischen Verfassung. Alle Vorlagen, die neben der ständischen Repräsentation auch eine gewählte Kammer für den Landtag vorsahen, scheiterten am Widerstand der Landstände und von Mecklenburg-Strelitz.

Im Ersten Weltkrieg führte er trotz seines Generalsranges kein Truppenkommando. Als Landesherr besuchte er mecklenburgische Truppen an der Westfront. Trotz der sich seit 1915 ständig verschlechternden allgemeinen Versorgungslage schränkte er seinen relativ aufwändigen Lebensstil im Krieg nicht ein. Politisch äußerte er Zweifel am von der Reichspolitik und der Obersten Heeresleitung erstrebten deutschen Siegfrieden. 1917 war Friedrich Franz IV. gegen die Radikalisierung der Kriegsführung. Ein Verständigungsfrieden aller Kriegsgegner sollte seiner Ansicht nach den Krieg beenden.

Friedrich Franz IV., 1904

Nach dem Selbstmord seines Verwandten und letzten Regenten der Strelitzer Linie des mecklenburgischen Fürstenhauses, Großherzog Adolf Friedrich VI. von Mecklenburg [-Strelitz], verwaltete er diesen Landesteil als Verweser bis zur Novemberrevolution.

Im Herbst 1918 war er sich über den Ernst der Lage der Mittelmächte nicht im Klaren. Deshalb war er gegen das Waffenstillstandsgesuch der Obersten Heeresleitung. Sein Ziel war immer noch ein Verständigungsfrieden. Im Herbst 1918 wollte er gemeinsam mit seinem Staatsminister Adolf Langfeld eine Änderung der Mecklenburgischen Verfassung durch eine Verkündung aus eigener Hand erreichen. Für die sich anbahnende Novemberrevolution hatte er kein politisches Gespür und wurde von ihrem Ausbruch am 8. November 1918 überrascht. Nach der Berufung der Volksregierung aus Mitgliedern der Reichstagsparteien verzichtete er am 14. November – als einer der letzten deutschen Monarchen, vier Tage nach der Abdankung des Kaisers – für sich und sein Haus auf den Thron und emigrierte nach Dänemark.

Seit 1901 war er Mitglied des Corps Borussia Bonn[5] und seit 1933 des Corps Visigothia Rostock.[6]

Leben nach dem Thronverzicht[Bearbeiten]

Mit der Novemberrevolution von 1918 wurde die Mecklenburger Herrscherfamilie enteignet. Im Rahmen der Fürstenabfindung erhielt der Friedrich Franz IV. das Jagdschloss Gelbensande im Jahr 1919 zurück und wohnte dort bis 1921. Danach lebte er bis 1945 meist im Schloss Ludwigslust, das, wie auch das herzogliche Alexandrinen-Cottage in Heiligendamm als Sommersitz, im Besitz der herzoglichen Familie geblieben war. 1945 floh die Familie bis auf den Erbprinzen Christian Ludwig vor der anrückenden Roten Armee nach Flensburg. Zuletzt hielt sich die Familie im Schloss Glücksburg auf. Hier wurde Friedrich Franz krank und starb, auch aufgrund der mangelhaften medizinischen Versorgung und Ernährung. Die geplante Ausreise nach Dänemark (Königin Alexandrine war die älteste Schwester von Friedrich Franz IV.) gelang nicht mehr.

Familie[Bearbeiten]

Vorfahren[Bearbeiten]

Ahnentafel Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin
Ururgroßeltern

Friedrich Ludwig zu Mecklenburg-Schwerin (1778–1819)
∞ 1799
Großfürstin
Helena Pawlowna Romanowa (1784–1803)

König
Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770–1840)
∞ 1793
Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810)

Graf
Heinrich XLIV. Reuß zu Köstritz (1753–1832)
∞ 1783
Freiin
Wilhelmine Friederike Marie Auguste Eleonore von Geuder gen. Rabensteiner
(1755–1790)

Graf
Henrich zu Stolberg-Wernigerode (1772–1854)
∞ 1799
Jenny von Schönburg-Waldenburg (1780–1809)

Zar
Paul I. von Rußland (1754–1801)
∞ 1776
Sophie Dorothee von Württemberg (1759–1828)

König
Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770–1840)
∞ 1793
Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810)

Großherzog
Karl Friedrich von Baden (1728–1811)
∞ 1787
Luise Karoline von Hochberg (1768–1820)

König
Gustav IV. Adolf von Schweden (1778−1837)
∞ 1797
Frederike Dorothea von Baden (1781−1826)

Urgroßeltern

Großherzog
Paul Friedrich von Mecklenburg-Schwerin (1800–1842)
∞ 1822
Alexandrine von Preußen (1803–1892)

Heinrich LXIII. Reuß zu Köstritz (1786–1841)
∞ 1819
Gräfin Eleonore zu Stolberg-Wernigerode (1801–1827)

Zar Nikolaus I. von Russland (1796–1855)
∞ 1817
Charlotte von Preußen (1798–1860) (1798–1860).

Großherzog Leopold von Baden (1790–1852)
∞ 1819
Sophie Wilhelmine von Holstein-Gottorp (1801–1865)

Großeltern

Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin (1823–1883)
∞ 1849
Auguste Reuß zu Schleiz-Köstritz (1822–1862)

Großfürst Michael Nikolajewitsch Romanow (1832–1909)
∞ 1857
Cäcilie von Baden (1839–1891)

Eltern

Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin (1851–1897)
∞ 1879
Anastasia Michailowna Romanowa (1860–1922)

Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin (1882–1945)

Ehe und Nachfahren[Bearbeiten]

Großherzogin Alexandra

Großherzog Friedrich Franz IV. heiratete am 7. Juni 1904 in Gmunden, Prinzessin Alexandra von Hannover und Cumberland, Tochter von Kronprinz Ernst August von Hannover (1845–1923) und Prinzessin Thyra von Dänemark (1853–1933), die jüngste Tochter König Christians IX. von Dänemark. Das Paar hatte folgende fünf Kinder:

∞ 1941 Karin von Schaper (1920–2012)[7]
∞ 1954 Barbara Prinzessin von Preußen (1920–1994)
  • Olga (1916–1917)
  • Thyra (1919–1981)
  • Anastasia (1922–1979)
∞ 1941 Friedrich Ferdinand zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (1913–1989)

Friedrich Franz IV. bestimmte 1943 seinen Sohn Christian Ludwig zu seinem Nachfolger als Chef des Hauses Mecklenburg, nachdem sein Sohn Friedrich Franz eine unebenbürtige Ehe eingegangen war.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Kasten: Der letzte Großherzog – Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin (1882–1945). In: Mecklenburgische Jahrbücher. Bd. 122 (2007). S. 253–285.
  • Bernd Kasten: Prinz Schnaps. Schwarze Schafe im mecklenburgischen Fürstenhaus. Rostock 2009. ISBN 3-356-01334-3.
  • Cecilie Kronprinzessin von Preußen: Erinnerungen. Leipzig 1930 (Neuauflage: Koehler & Amelang, München/Berlin 2001. ISBN 3-7338-0304-3).
  • Christian Ludwig von Mecklenburg: Erzählungen aus meinem Leben. Schwerin 1998. ISBN 3-910179-75-4.
  • Jürgen Borchert: Mecklenburgs Grossherzöge. 1815–1918. Demmler Verlag, Schwerin 1992. ISBN 3-910150-14-4. S. 98-108.
  • Stephan Sehlke: Pädagogen - Pastoren - Patrioten. Books on Demand, Norderstedt 2009. ISBN 978-3-8370-9497-8. S. 115.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Borchert: Mecklenburgs Grossherzöge. 1815 – 1918, Schwerin 1992, S. 99
  2. Jürgen Borchert, op. cit., S. 101
  3. Christian Ludwig von Mecklenburg: Erzählungen aus meinem Leben. Schwerin 1998. S. 18
  4. Christian Ludwig von Mecklenburg, op. cit., S. 19/20
  5. Kösener Corpslisten, 9, 828
  6. Kösener Corpslisten 1960, 120, 194
  7. Am 22. September 1967 wurde das Ehepaar geschieden, heiratete jedoch erneut einander am 27. April 1977 auf Schloss Glücksburg.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Franz IV. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich Franz III. Großherzog von Mecklenburg [-Schwerin]
1897–1918
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