Friedrich Hildebrandt (Politiker)

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Friedrich Hildebrandt

Friedrich (Karl Heinrich August) Hildebrandt (* 19. September 1898 in Kiekindemark; † 5. November 1948 in Landsberg am Lech) war Gauleiter der NSDAP, SS-Obergruppenführer und zum Tode verurteilter Kriegsverbrecher.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Hildebrandt wurde als jüngerer Sohn des namensgleichen Landarbeiters und Schäfers, Friedrich Hildebrandt (* 1871), und dessen Frau Marie (* 1874) geboren. Er besuchte von 1905 bis 1913 die Volksschule in Benzin bei Lübz, Groß Lüben und Legde. Bis 1914 war er Landarbeiter, dann fand er eine Beschäftigung als Eisenbahnhilfsarbeiter. Während des Ersten Weltkrieges wurde er ab dem 25. November 1916 als Kriegsfreiwilliger im Reserve-Infanterie-Regiment 24 an der Westfront eingesetzt.

Im Januar 1919 kehrte Hildebrandt nach Mecklenburg zurück und schloss sich dem Freikorps von Brandis an. Dieses Freikorps wurde im Baltikum eingesetzt, dabei wurde Hildebrandt als Angehöriger der Ersten Kompanie des Freikorps am 6. Juli 1919 in Riga gefangengenommen. 1919 gehörte er vorübergehend der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) an. Zuvor noch zum Vizefeldwebel befördert, wurde Hildebrandt im Januar 1920 aus dem Heer entlassen. Bis Juni 1920 war er Angehöriger der Schutzpolizei in Halle (Saale). Wegen seines Vorgehens gegen Gegner des Kapp-Putsches im März 1920 in Osterfeld, Weißenfels und Halle wurde Hildebrandt angeklagt, in einem Prozess jedoch freigesprochen. Danach arbeitete er als Landarbeiter und Gärtner; 1921 und 1922 war er Vorsitzender der Kreisgruppe Westprignitz des Brandenburgischen Landarbeiterbundes.

Von 1924 bis Januar 1925 war Hildebrandt Mitglied der Deutschvölkischen Freiheitspartei (DVFP). Für die DVFP war Hildebrandt von 1924 bis 1926 Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Schwerin. Am 1. Februar 1925 trat er der NSDAP bei; die offizielle Aufnahme erfolgte im Mai 1925 (Mitglieds-Nr. 3.653). Ab dem 27. März 1925 war er der Gauleiter für Mecklenburg und Lübeck. 1927 gründete er die Zeitschrift „Niederdeutscher Beobachter“; 1929 wurde er für die NSDAP erneut Abgeordneter im Landtag von Mecklenburg-Schwerin. Bei den Wahlen im September 1930 wurde Hildebrandt in den Reichstag gewählt. Nach der Trennung Otto Strassers von der NSDAP meldete die von Strasser herausgegebene Zeitung „Nationaler Sozialist“, Hildebrandt habe sich Strassers neuer Gruppierung angeschlossen. Hildebrandt dementierte dies am 11. Juli 1930 offiziell.[1] Als Gauleiter war Hildebrandt von Juli 1930 bis Februar 1931 beurlaubt.

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten behielt Hildebrandt sein Mandat im Reichstag bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Ab dem 26. Mai 1933 war er der Reichsstatthalter in Mecklenburg und Lübeck. Die Zuständigkeit für Lübeck verlor Hildebrandt am 1. April 1937 an den Gauleiter von Schleswig-Holstein, Hinrich Lohse, da Lübeck nach den Bestimmungen im Gross-Hamburg-Gesetz seine Eigenständigkeit verlor. Die anderen beiden Länder schlossen sich bereits am 1. Januar 1934 zu Mecklenburg zusammen. Am 18. Januar 1934 trat Hildebrandt rückwirkend zum 5. Dezember 1933 der SS (Mitglieds-Nr. 128.803) im Range eines SS-Oberführers bei. In der SS wurde Hildebrandt am 27. Januar 1934 zum Gruppenführer und am 30. Januar 1942 zum Obergruppenführer befördert. Im Dritten Reich war er der Herausgeber der Zeitungen „Der Niederdeutsche Beobachter“, „Lübecker Beobachter“ und „Strelitzer Beobachter“.

Das Amt des Gauleiters war im Zweiten Weltkrieg mit weiteren Ämtern verbunden: Ab dem 15. November 1940 fungierte er als Gauwohnungskommissar, am 6. April 1942 wurde er zum Beauftragten des Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz (GBA), Fritz Sauckel, ernannt und am 16. November 1942 wurde er Reichsverteidigungskommissar für Mecklenburg. Gegen Kriegsende führte er ab dem 25. September 1944 den Deutschen Volkssturm in seinem Gau.

Als Gauleiter veranlasste Hildebrandt 1941 die Abgabe des Neustrelitzer Standbildes der Großherzogs Friedrich Wilhelm zur Einschmelzung.

Bei Kriegsende wurde Friedrich Hildebrandt von amerikanischen Truppen gefangengenommen, interniert und in den Fliegerprozessen angeklagt. Wegen der Beteiligung an der Tötung abgeschossener alliierter Flieger, einem Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung, wurde Hildebrandt im Februar 1947 von einem amerikanischen Militärgericht in Dachau zum Tode verurteilt. Auf Grund Hildebrandts Anordnungen waren in vier Fällen gefangengenommene Flieger getötet worden.[2] Die Hinrichtung erfolgte im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg.

Am 16. März 2006 folgte die Stadtvertretung von Güstrow dem Vorschlag zur Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hildebrandts.

Literatur[Bearbeiten]

  • Joachim Lilla [Bearb.]: Statisten in Uniform. Die Mitglieder des Reichstags 1933-1945. Droste Verlag, Düsseldorf 2004. ISBN 3-7700-5254-4.
  • Michael Buddrus [Hrsg.]: Mecklenburg im Zweiten Weltkrieg. Die Tagungen des Gauleiters Friedrich Hildebrandt mit den NS-Führungsgremien des Gaues Mecklenburg 1939-1945. Eine Edition der Sitzungsprotokolle. Edition Temmen, Bremen 2009. ISBN 978-3-8378-4000-1.
  • Rebecca Hoßbach: Friedrich Hildebrandt. In: Mecklenburger in der deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (2001), S. 273-284.
  • Bernd Kasten: Friedrich Hildebrandt (1898-1948). Ein Landarbeiter als Gauleiter und Reichsstatthalter von Mecklenburg und Lübeck. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 86 (2006), S. 211-227.
  • Bernd Kasten: Konflikte zwischen dem Gauleiter Friedrich Hildebrandt und dem Staatsministerium in Mecklenburg 1933-1939. In: Mecklenburgische Jahrbücher, Bd. 112 (1997), S.157-175.
  • Bernd Kasten: Hildebrandt, Friedrich. In: Biographisches Lexikon für Mecklenburg. Bd. 2 (1999), S. 132-135.
  • Christian Madaus: Friedrich Hildebrandt - Hitlers Gefolgsmann und Befehlsempfänger in Mecklenburg. 1. Aufl. Schwerin : Stock & Stein, 2000.
  • Klaus Schwabe: Verschollener Hildebrandt-Nachlaß jetzt im Landeshauptarchiv Schwerin. In: Stier und Greif, Bd. 9 (1999), S. 119-121.
  • Jörg Fligge: Lübecker Schulen im "Dritten Reich": eine Studie zum Bildungswesen in der NS-Zeit im Kontext der Entwicklung im Reichsgebiet, Schmidt-Römhild, Lübeck 2014, S. 978 ff. (Biographische Hinweise)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Patrick Moreau: Nationalsozialismus von links. Die »Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten« und die »Schwarze Front« Otto Straßers 1930-1935. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1985, ISBN 3-421-06192-0, S. 47.
  2. Urteilszusammenfassung bei Justiz und NS-Verbrechen.

Weblinks[Bearbeiten]