Friedrich Merz

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Dieser Artikel behandelt den Politiker. Zum Chemiker und Firmengründer, siehe Merz Pharma.
Friedrich Merz (2004)

Friedrich Merz (* 11. November 1955 in Brilon) ist ein deutscher Rechtsanwalt, Manager und Politiker (CDU). Er war von 2000 bis 2002 Vorsitzender und von 1998 bis 2000 sowie von 2002 bis 2004 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Merz ist seit 2009 Vorsitzender des Netzwerks Atlantik-Brücke.[1] Er ist Mitglied der Trilateralen Kommission von Europa.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung und erste Berufserfahrungen[Bearbeiten]

Über Merz’ Jugendjahre in Rüthen ist wenig bekannt, die Aussagen von ehemaligen Mitschülern stehen im Widerspruch zu den Angaben, die Merz gegenüber den Medien machte.[2][3] Merz begann nach seinem Abitur 1975 in Rüthen und Ableistung seines Wehrdienstes bei der Panzerartillerie ab 1976 mit dem Studium der Rechtswissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie der Philipps-Universität Marburg, welches er 1982 mit dem Ersten juristischen Staatsexamen abschloss. Von 1982 bis 1985 absolvierte er sein Referendariat am Landgericht Saarbrücken, welches er mit dem Zweiten juristischen Staatsexamen abschloss.

Von 1985 bis 1986 war er als Richter am Amtsgericht Saarbrücken tätig. Seit 1986 ist er als Rechtsanwalt zugelassen, bis 1989 war er außerdem beim Verband der Chemischen Industrie (VCI) beschäftigt.

Vom 1. Januar 2002 bis zum 31. Dezember 2004 war Merz Anwalt in der Kölner Kanzlei Cornelius Bartenbach Haesemann und Partner. Nach seinem Rückzug als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU wurde er Partner bei der internationalen Kanzlei Mayer Brown LLP.[4]

Tätigkeiten in der Politik[Bearbeiten]

1989 wurde er in das Europäische Parlament gewählt, dem er bis 1994 angehörte.

Merz war von 1994 bis 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages und dort von 1996 bis 1998 Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages. Nach dem Regierungswechsel wurde er im Oktober 1998 zunächst Stellvertretender Vorsitzender, und im Februar 2000 als Nachfolger von Wolfgang Schäuble Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und damit Oppositionsführer. Nachdem die Parteivorsitzende Angela Merkel nach der Bundestagswahl 2002 den Fraktionsvorsitz für sich selbst beanspruchte, wurde Merz zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Im Dezember 2004 trat er von diesem Amt zurück.

Merz ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Hochsauerlandkreis in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er hier 57,7 % der Erststimmen. Im Februar 2007 erklärte Merz, er werde wegen parteiinterner Differenzen bei der nächsten Bundestagswahl nicht erneut kandidieren. Im Sommer 2009 bestätigte er, eine Polit-Pause einzulegen und sich beruflichen Plänen zu widmen.

Im Juni 2010 wurde Merz vom Bankenrettungsfonds Soffin damit beauftragt, den Verkaufsprozess der WestLB an einen privaten Investor zu leiten.[5][6] Für Kritik in den Medien sorgten hohe Honorarsätze für Merz (5000 Euro pro Tag) und weitere Anwälte.[7] Die Tätigkeit endete Mitte Mai 2011 nach dem Beginn von Verkaufsverhandlungen mit HSBC Trinkaus über Teile der WestLB. Da Merz HSBC-Aufsichtsratsmitglied ist, wurde in einigen Kommentaren aus verschiedenen Gründen ein Interessenskonflikt vermutet. Ein Sprecher von Merz wies den Vorwurf zurück, da lediglich über Teilverkäufe (nicht einen Gesamtverkauf, für den Merz zuständig wäre) verhandelt werde.[8] Am 11.10.2014 gab Merz bekannt, dass er Mitglied der CDU-Parteikommission "Zusammenhalt stärken - Zukunft der Bürgergesellschaft gestalten" werde und übernimmt somit seit fast zehn Jahren wieder ein politisches Amt in der CDU.[9]

Sonstiges Engagement[Bearbeiten]

Merz ist seit 1977 Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Bavaria Bonn im CV. Merz ist Funkamateur.[10]

Er ist außerdem Gründungsmitglied des Fördervereins für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und des Frankfurter Zukunftsrates.[11]

Mit Wirkung zum 1. Juli 2009 wurde Merz zum Vorsitzenden der Atlantik-Brücke berufen.[12]

Seit 2012 ist Friedrich Merz Mitglied im Senat der Deutschen Nationalstiftung.

Tätigkeiten in der Wirtschaft[Bearbeiten]

Merz war bis Februar 2014 Partner der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Mayer Brown LLP, seither ist er nunmehr Senior Counsel;[13] sein Kanzleisitz ist Düsseldorf. Weiterhin gehört er den Aufsichtsräten der AXA Konzern AG, der DBV-Winterthur Holding AG, der Deutsche Börse AG, der IVG Immobilien AG und der WEPA Industrieholding SE als Vorsitzender[14] an. Merz ist darüber hinaus Mitglied des Verwaltungsrates der BASF Antwerpen N. V. und der Stadler Rail AG sowie der HSBC Trinkaus & Burkhardt.[15] Weiterhin gehört Merz den Beiräten der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH und der Commerzbank AG an.[16] Am 30. November 2010 wurde Merz bei der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund in den Aufsichtsrat gewählt.[17]

Anfang Januar 2010 wurde er in den beratenden Verwaltungsrat der Bank HSBC Trinkaus berufen, wo er die Nachfolge des verstorbenen Otto Graf Lambsdorff antrat.[18] Außerdem wurde er Mitglied im Aufsichtsrat der Bank.

Privates[Bearbeiten]

Merz ist mit der Richterin Charlotte Merz geb. Gass verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Arnsberg im Sauerland. Er ist Enkel des ehemaligen Briloner Bürgermeisters Josef Paul Sauvigny.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Die Schwerpunkte in der politischen Arbeit von Merz waren die Finanz-, die Sicherheits- und die Familienpolitik.[3] Merz war Teil des wirtschaftsliberalen Flügels seiner Partei. Er setzte sich für verschiedene Deregulierungen und Privatisierungen ein. Weiter plädierte er für Kürzungen von Sozialleistungen und befürwortete Gentechnologie und Kernkraft.[19]

Steuerpolitik[Bearbeiten]

Für Aufsehen sorgte ein im Jahr 2003 unter seiner Leitung ausgearbeitetes Steuerkonzept, das mit drei Steuerstufen von 12, 24 und 36 Prozent deutlich geringere Steuersätze als das damals aktuelle Steuerrecht vorsah. Viel in den Medien rezipiert wurde sein Ausspruch, dass jeder Bürger seine Einkommensteuer auf einem Bierdeckel ausrechnen können solle. Das Konzept nahm Anleihen beim Kirchhof-Modell.

Interessenkonflikte von Bundestagsabgeordneten[Bearbeiten]

Im Jahr 2006 kam es zu Diskussionen über Interessenkonflikte von Bundestagsabgeordneten, die neben ihrem Abgeordnetenmandat weitere Tätigkeiten ausübten. Im Ergebnis wurde eine Einigung dahingehend erzielt, dass Abgeordnete ihre Einkünfte aus Nebentätigkeiten offenlegen sollten, um der Öffentlichkeit eine Bewertungsmöglichkeit zu geben. Merz legte im Jahr 2006 mit acht weiteren Abgeordneten des Deutschen Bundestags beim Bundesverfassungsgericht Klage gegen die Offenlegung ihrer Nebeneinkünfte ein. Bei der Verhandlung verwies der frühere Unions-Fraktionschef Merz am 12. Oktober 2006 vor dem Verfassungsgericht darauf, dass Abgeordnete laut Artikel 38 des Grundgesetzes „an Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“ sind. Wenn nun der Bundestagspräsident Sanktionen gegen sie verhängen könne, wenn sie die Offenlegungspflicht der Nebeneinkünfte verletzen, sei das ein Verfassungsverstoß. Er kritisierte, die Regelung werde viele Abgeordnete ins lebensferne Berufspolitikertum treiben. Am 4. Juli 2007 wies das Bundesverfassungsgericht die Klage von Merz und acht weiteren Bundestagsabgeordneten mit der Begründung zurück, dass das politische Mandat „im Mittelpunkt der Tätigkeit“ stehen müsse und kritisierte die Gefahr der Befangenheit durch Zahlungen von Unternehmen.[20]

Arbeitnehmermitbestimmung[Bearbeiten]

Merz wandte sich außerdem gegen die Mitbestimmung von Arbeitnehmern in Unternehmen, bzw. wollte diese einschränken, so sollte etwa die Vorstandsbestellung den Arbeitgebervertretern überlassen sein.[21]

„Deutsche Leitkultur“[Bearbeiten]

Es war Merz, der den Begriff der „deutschen Leitkultur“ im Jahre 2000 ins Gespräch brachte. Er kritisierte in dem Zusammenhang besonders traditionelle Bräuche bei Muslimen und forderte, sie müssten „unsere Sitten, Gebräuche und Gewohnheiten akzeptieren“.[22]

Energiepolitik[Bearbeiten]

Im August 2010 zählte Merz zu den 40 prominenten Unterzeichnern des Energiepolitischen Appells. Dieser sollte die Laufzeitverlängerung deutscher Kernkraftwerke voranbringen und war eine Lobbyinitiative von vier großen europäischen – allesamt Atomkraftwerke betreibenden – Stromkonzernen. Im Juni 2011 warnte er vor einer zu schnellen Energiewende.[23]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Auszeichnung und Preise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Merz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gremien der Atlantik-Brücke e.V.. Atlantik-Brücke e.V.. Abgerufen am 18. September 2012.
  2. Ich habe verstanden. Der Tagesspiegel. 16. April 2010. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  3. a b CDU-Spitzenkandidat könnte Finanzminister werden. Westdeutscher Rundfunk. 1. August 2002. Archiviert vom Original am 22. September 2006. Abgerufen am 18. September 2012.
  4. Merz wird Partner bei Wirtschaftskanzlei. Rheinische Post. 25. November 2004. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  5. Merz, der Garant für eine Hängepartie. Financial Times Deutschland. 17. Juni 2010. Archiviert vom Original am 19. Juni 2010. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  6. Friedrich Merz zum Veräußerungsbevollmächtigten der WestLB bestellt. Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung. 17. Juni 2010. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  7. Ein Merz-Spezial-Honorar. stern.de. 12. April 2011. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  8. Merz hat einen Posten zu viel. Financial Times Deutschland. 22. Mai 2011. Archiviert vom Original am 25. Mai 2011. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  9. CDU-Comeback von Friedrich Merz. BILD. 11. Oktober 2014. Abgerufen am 13. Oktober 2014.
  10. Amateurfunk: Kurzwelle statt Internet. Focus Online. 30. August 2009. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  11. Der Frankfurter Zukunftsrat – eine neue, altvertraute Reforminitiative. LobbyControl. 14. März 2008. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  12. Merz wird neuer Chef der Atlantik-Brücke. Handelsblatt. 30. Juni 2009. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  13. Dietmar Palan: Das ewige Talent. In: Manager-Magazin. Nr. 5, Mai 2014, S. 26.
  14. Die WEPA wird zur Aktiengesellschaft. Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 3. Februar 2009. Abgerufen am 18. September 2012.
  15. Vita Friedrich Merz, in: Handelsblatt, Nr. 131 vom 11./12./13. Juli 2014, S. 11.
  16. Friedrich Merz. Deutscher Bundestag. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  17. Hauptversammlung vor "vollem Haus" - Viel Lob für Borussias erfolgreichen Weg. Borussia Dortmund. 30. November 2010. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  18. Merz übernimmt Führungsrolle bei HSBC Trinkaus. Focus Online. 12. Januar 2010. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  19. Merz hält weniger Geld für mehr. netzeitung.de. 12. September 2008. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  20. Volle Breitseite gegen Starjurist Merz. Focus Online. 4. Juli 2007. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  21. Kompromiss oder Kungelei. Zeit Online. 20. März 2007. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  22. Merz gegen Kopftücher im Unterricht. Spiegel Online. 2. Dezember 2000. Abgerufen am 26. Januar 2012.
  23. Nichts wie raus hier!. Zeit Online. 2. Juni 2011. Abgerufen am 26. Januar 2012.