Friedrich Romig

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Friedrich Romig (* 21. September 1926[1] in Königsberg) ist ein österreichischer Ökonom. Als christlich-konservativer Publizist gilt er als Bindeglied zwischen katholischen Fundamentalisten und rechtsextremistischen Kreisen.[2]

Biographie[Bearbeiten]

Romig studierte an der Hochschule für Welthandel in Wien. Er promovierte 1950 über „Die Konjunkturforschung als Grundlage der Konjunkturpolitik“ und habilitierte sich 1965 bei dem Spann-Schüler Walter Heinrich. Er sieht sich deshalb auch als Enkelschüler Othmar Spanns. Für seine Habilitationsschrift wurde er 1966 mit dem Kardinal-Innitzer-Preis ausgezeichnet. Er lehrte als Dozent bzw. Gastdozent 1967 an der Hochschule für Welthandel, 1967/68 an der RWTH Aachen und 1969/70 an der Universität Graz. 1969 bis 1986 arbeitete er im Hauptberuf als Planungsdirektor des österreichischen Öl- und Chemiekonzerns OMV-AG. Hier förderte er nachhaltig Wolfgang Ruttenstorfer, dessen Doktorarbeit er 1976 auch betreut hatte.[3]

Als grundsätzlicher Gegner der EU fungierte Romig zwischen 1992 und 1994 während der Debatten um den EU-Beitritt Österreichs als Europabeauftragter der Diözese St. Pölten und ihres Ortsbischofs Kurt Krenn und war außerdem Mitglied der Europakommission der Österreichischen Bischofskonferenz.

Publikationstätigkeit[Bearbeiten]

Romig arbeitete am von Caspar von Schrenck-Notzing herausgegebenen Lexikon des Konservatismus mit und publiziert regelmäßig in einer Reihe rechtsextremer und neurechter Zeitschriften wie Die Aula, Junge Freiheit, Zur Zeit, Die weisse Rose und Criticón bzw. in einschlägigen Verlagen wie dem Leopold Stocker Verlag und dem Regin-Verlag. Ferner war er als Autor für das rechtsextreme Blog kreuz.net, das am 2. Dezember 2012 geschlossen wurde, tätig.[4] Mit seinen Auftritten auf diversen Veranstaltungen der FPÖ und Mitarbeit an von dem FPÖ-Europaabgeordneten Andreas Mölzer herausgegebenen Zeitschriften gilt er als Bindeglied zwischen FPÖ und den ultrakonservativen Katholiken in Österreich.[5]

Romig vertritt einen Ansatz, der sich um die Verknüpfung von Naturrecht, platonischer Staatstheorie, der Ganzheitslehre Spanns und katholischer Soziallehre bemüht. Eine Trennung von Gesellschaft und Gemeinschaft, wie sie in der Soziologie auf Ferdinand Toennies zurückgeht, lehnt er ab und befürwortet stattdessen die „Durchdringung“ aller Bereiche gesellschaftlichen Lebens im katholischen Sinne einer „Evangelisierung“.[6] Romig positioniert sich daher als Kritiker der aktuellen katholischen Soziallehre, als Gegner der Marktwirtschaft, der Aufklärung, der Trennung von Kirche und Staat und der Wertvorstellungen des demokratischen Verfassungsstaats.[7] Er befürwortet stattdessen einen ständisch organisierten, intolerantenGottesstaat“ nach dem Modell der katholischen Kirche.[8]

Romig wird außerdem ein „transformierter Antisemitismus“ attestiert, der sich aus Versatzstücken eines linken Antiimperialismus und rechten Antisemitismus zusammensetzt und sich nicht nur gegen die israelische Politik und den Staat Israel richtet, sondern ein „Weltjudentum“ behauptet, das die gesamte US-Politik im Nahen Osten bestimme.[9] Wiederholt verglich Romig zudem Abtreibungen mit dem Holocaust mit dem Tenor, den ersteren fielen sehr viel mehr Unschuldige legal zum Opfer.[10]

Auseinandersetzungen mit dem DÖW[Bearbeiten]

Besondere Aufmerksamkeit erregte Romig durch seine wiederholten Auseinandersetzungen mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW). Unter dem Titel „Die letzte Stalinorgel“ veröffentlichte er in der Zeitschrift Die Aula[11] einen Artikel zum DÖW, in welchem er unter anderem schrieb, es handele sich bei dem DÖW um eine „kommunistische Tarnorganisation“, die als „Zentralstelle linker Wühlarbeit“ das politische und moralische Klima im Lande vergifte. Der damalige wissenschaftliche Leiter des DÖW, Wolfgang Neugebauer, verklagte ihn daraufhin wegen übler Nachrede. Romig wurde teilweise schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe in Höhe von öS 80.000,- verurteilt, die in einem Berufungsverfahren zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wurde. Andere polemische und ehrenrührige Passagen von Romigs Artikel, welche die mit der Sache befassten Gerichte als durch die Meinungsfreiheit gedeckte Werturteile straflos ließen, wurden in rechtsextremen Periodika und von Abgeordneten der FPÖ immer wieder aufgegriffen und als quasi per Gerichtsurteil beglaubigte Tatsachen ausgegeben. So richteten FPÖ-Abgeordnete um Ewald Stadler seit Mitte Juli 1998 mehrere parlamentarischen Anfragen an die Bundesminister für Unterricht, Inneres, Justiz und Finanzen betreffend die staatliche Unterstützung des DÖW.

Nachdem Romig unter dem Titel „Sie lügen fleißig weiter!“ in der Wochenzeitung Zur Zeit seine Angriffe gegen das DÖW als „Lügentempel“ und „Instrument zur Verbreitung von Geschichtslügen“ erneuerte,[12] reichte das DÖW wieder Klage ein. Romig und die W3-Verlagsgesellschaft als Medieninhaberin wurden am 3. August 2009 vom Handelsgericht Wien zur Unterlassung und zum öffentlichen Widerruf verurteilt. Die Berufung wurde am 30. November 2009 vom Oberlandesgericht Wien verworfen.[13]

Ehrungen[Bearbeiten]

  • 1975: Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Wirtschaft der Mitte. Eine Einführung in die „Wirtschaftspolitik" von Walter Heinrich. Stifterbibliothek, Salzburg 1955.
  • Theorie der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Duncker & Humblot, Berlin 1966.
  • Die ideologischen Elemente in der neoklassischen Theorie. Eine kritische Auseinandersetzung mit Paul A. Samuelson. Duncker & Humblot, Berlin 1971.
  • Um das Reich Gottes. Vier Traktate über den Konservativismus, In: Die weiße Rose. Zeitschrift gegen den Zeitgeist 1/6. (1988/1993).
  • Die christliche Staatslehre Leo XIII. Eine Betrachtung zum Anlaß 100 Jahre „Rerum Novarum". In: Zeitschrift für Ganzheitsforschung N.F.35 (1991,4), S. 187 - 202
  • „Omnia instaurare in Christo” Ganzheitliche Aspekte des katholischen Sozialverständnisses. In: Erwin Schadel (Hrsg.): Ganzheitliches Denken. Festschrift für Arnulf Rieber zum 60. Geburtstag. Lang, Frankfurt 1996, S. 409ff.
  • Gemeinwohlgerechtigkeit – Illusion oder Realität? In: Rudolf Weiler u. Akira Mizunami (Hrsg.): Gerechtigkeit in der sozialen Ordnung. Die Tugend der Gerechtigkeit im Zeitalter der Globalisierung. Duncker & Humblot, Berlin 1999, S. 35ff.
  • Herrschaft und Opfer. Über eine zentrale These Leopold Zieglers. In: Paulus Wall (Hrsg.): Leopold Ziegler. Weltzerfall und Menschwerdung Königshausen und Neumann, Würzburg 2001, S. 105ff.
  • Die Rechte der Nation. Leopold Stocker Verlag, Graz 2002
  • Die Einheit von Sein, Mensch und Staat bei Platon. In: Mut zur Ethik. Was braucht es für mehr Frieden auf der Welt? XIII. Kongress vom 2. bis 4. September 2005 in Feldkirch (Vorarlberg). Zürich 2006, S. 139ff.
  • 1848 – 2008. Der lange Weg in die Knechtschaft. In: Andreas Mölzer (Hrsg.): Freiheit schreibt auf Eure Fahnen! 1848 - 2008. Das Dritte Lager: Erbe und Auftrag. W3-Verl.-Ges., Wien 2008, S. 67ff.
  • Der Sinn der Geschichte, Regin, Preetz 2011. Vorwort Ernst Nolte
  • ESM - Verfassungsputsch in Europa, Edition Antaios, 2012

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lt. Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender; 23. September 1929 lt. Urteil des LG f. Strafsachen Wien, Hv 7.899 /92/95 vom 29. April 1997
  2. Manfred Gerstenfeld (Hrsg.): Academics against Israel and the Jews. Jerusalem 2007, S. 193.
  3. Thomas Seifert: Sprungbretter zur Macht. Kaderschmieden in Österreich. München 1998, S. 124.
  4. Peter Wensierski: Neue Heimat, Der Spiegel, 10. Dezember 2012
  5. Stiftung Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (Hrsg.): Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus. Wien 1994, S. 398; Lucian O. Meysels: Unheilige Allianzen. Wer ebnet Jörg Haider den Weg? Klosterneuburg 1995, S. 70.
  6. Erwin Fröhlich u. Friedrich Romig: Ganzheitslehre und Katholische Soziallehre. In: Zeitschrift für Ganzheitsforschung, NF 44 (2000), S. 129-142, zit. 133.
  7. Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und Neue Rechte. Opladen 1998, S. 205; Stefan Kubon: Die bundesdeutsche Zeitung „Junge Freiheit“ und das Erbe der „konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Eine Untersuchung zur Erfassung der Kontinuität „konservativ-revolutionärer“ politischer Ideen. Ergon Verlag, Würzburg 2006, S. 67f, 149. Friedrich Romig: Eine Stadt des Menschen bauen. Das jüngste „Kompendium der Soziallehre der Kirche“ bietet Einblicke in aktuelle gesellschaftliche Entwürfe inklusive eines Wertekanons. In: Junge Freiheit 26, 22. Juni 2007.
  8. Friedrich Romig: Gottesstaat auf europäisch. In: Junge Freiheit 20 (2004), 7. Mai 2004
  9. Klaus Hödl u. Gerald Lamprecht: Zwischen Kontinuität und Transformation – Antisemitismus im gegenwärtigen medialen Diskurs Österreichs. In: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 2005, S. 150f.
  10. Wolfgang Purtscheller, Markus Kemmerling, Václav Kopecký: Delikt: Antifaschismus. Briefbombenterror in Österreich und Kriminalisierungskampagnen von rechts. Berlin 1998, S. 115; Friedrich Romig: Dschihad gegen die McWorld. In: Die Aula 1/2003, S. 22.
  11. Friedrich Romig: Die letzte Stalinorgel. In: Die Aula, Nr. 6/1992, S. 18–25.
  12. Friedrich Romig: Sie lügen fleissig weiter! In: Zur Zeit 45 (2007), S. 20f.
  13. DÖW Mitteilungen. Folge 196 (Mai 2010), S. 9f.