Friedrich Wilhelm IV.

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Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, Porträtaufnahme von Hermann Biow, Daguerreotypie von 1847
Unterschrift

Friedrich Wilhelm IV. (* 15. Oktober 1795 in Berlin; † 2. Januar 1861 in Potsdam) aus dem Haus Hohenzollern war von 1840 bis 1861 König von Preußen. Er war der älteste Sohn von Friedrich Wilhelm III. von Preußen, dem er auf dem Thron nachfolgte, und Luise von Mecklenburg-Strelitz. Eine besondere Rolle fiel Friedrich Wilhelm während der Revolution von 1848 zu, als er die von der Frankfurter Nationalversammlung angebotene Kaiserkrone ablehnte. Aus gesundheitlichen Gründen übergab er am 7. Oktober 1858 nach 18 Regierungsjahren die Regentschaft an seinen jüngeren Bruder Wilhelm.

Friedrich Wilhelm galt als ein schüchterner junger Mann, der wohlbehütet in einem eher bürgerlichen als adligen Elternhaus aufwuchs. Er galt als Romantiker auf dem Thron, der von den Idealen des mittelalterlichen Heiligen Römischen Reiches inspiriert wurde.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Prinz Friedrich Wilhelm

Friedrich Wilhelm wurde 1795 geboren, als sein Vater noch Kronprinz von Preußen war. Am 28. Oktober 1795 wurde er in Berlin im Kronprinzenpalais Unter den Linden getauft. Nach dem Tode seines Großvaters Friedrich Wilhelm II. bestieg 1797 Friedrich Wilhelms Vater den preußischen Thron; der Zweijährige war damit Kronprinz von Preußen.

„Fritz“ war ein begabtes und aufgewecktes, aber auch ungehorsames und eigenwilliges Kind, der auch seinen Erziehern Probleme machte. Zum Erzieher Friedrich Wilhelms bestimmten die Eltern 1800 zunächst Friedrich Delbrück, der 1809 abgelöst wurde, und 1810 Jean Pierre Frédéric Ancillon, dem Friedrich Wilhelm ein Leben lang verbunden bleiben sollte.

Neben einer Ausbildung in Geschichte, Geographie, Physik, Latein, Französisch, Englisch, Mathematik, Musik und Zeichnen erfolgte eine tägliche militärische Ausbildung. Bereits als Zehnjähriger wurde der Kronprinz am 15.Oktober 1805 zum Leutnant der Garde ernannt.

Die erste große Zäsur im Leben des Kronprinzen war die Niederlage der preußischen Armee gegen die französischen Truppen Napoleons I. in der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806. Die königliche Familie floh nach Ostpreußen. Den jungen Friedrich prägte die Erfahrung dieser Niederlage nachhaltig. Während seine Schwester Charlotte, die spätere Gemahlin des Zaren Nikolaus I., sich später erinnerte, dass für die Kinder die Freude daran, zu reisen, größer gewesen sei als der Kummer darüber, zu flüchten, erhielt der Kronprinz hier einen ersten Begriff von der Verantwortung, die die politische Führung eines Landes mit sich brachte.

Friedrich Wilhelm war 14-jährig, als seine Mutter Luise verstarb und er somit Waise wurde. Der endgültige Sieg über das napoleonische Frankreich im Jahre 1815 bildet den Hintergrund des von Friedrich Wilhelm 1816–17 verfassten Briefromans Die Königin von Borneo.

Vermählung[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm IV. und seine Gemahlin Elisabeth Ludovika 1847

Am 29. November 1823 heiratete er Prinzessin Elisabeth Ludovika von Bayern. Der Kronprinz war auf einer durchaus zum Zwecke der „Brautschau“ unternommenen Reise auf die bayerische Prinzessin aufmerksam geworden und hatte seine Werbung begonnen. Obwohl die Verbindung politisch sowohl von preußischer als auch von bayerischer Seite aus wünschenswert war, standen der Heirat unerwartete konfessionelle Schwierigkeiten entgegen, weil Elisabeth sich weigerte, zum Protestantismus zu konvertieren, der preußische König eine katholische Kronprinzessin aber nicht akzeptieren konnte. Friedrich Wilhelm hingegen erklärte, dass ihm die Standhaftigkeit der Prinzessin diese noch teurer mache.

Erst nach umfänglichen diplomatischen Bemühungen beider Seiten gelang es, eine Kompromissformel zu finden, nach der Elisabeth ihre Konfession zwar (zunächst) beibehalten sollte, sich aber verpflichtete, Unterricht in den protestantischen Glaubenslehren zu nehmen, und überdies Zurückhaltung im Praktizieren des Katholizismus versprach. Nach längerer Zeit des Lebens am preußischen Hofe kam es dann schließlich zum freiwilligen Übertritt Elisabeths zum reformierten Bekenntnis der Hohenzollern.

Die Ehe zwischen Friedrich Wilhelm und Elisabeth verlief allen Zeugnissen zufolge glücklich, blieb aber kinderlos. Laut dem Mediziner Christoph Wilhelm Hufeland soll dieser bei dem damals jugendlichen Thronfolger Impotenz diagnostiziert haben.

Politische Verhältnisse[Bearbeiten]

Unter der Regierung seines Vaters Friedrich Wilhelm III. herrschte in Preußen nach dem Sieg über Napoleon I. eine Restaurationspolitik mit repressiven Maßnahmen. Unter dem Einfluss von Metternich führte man die Pressezensur ein, die bürgerlichen Freiheitsbestrebungen wie die nationalen Einheitsbewegungen im Land wurden unterdrückt.

Allein im Jahr 1836 wurden 204 aufständische Studenten verhaftet und einige von ihnen zum Tode verurteilt. Ebenfalls entstand durch das Mischehengesetz ein handfester Streit mit der katholischen Kirche. 1825 wurde dieses Gesetz in ganz Preußen angewandt. Es besagte, dass Kinder aus Mischehen die Konfession des Vaters annehmen mussten. Viele Bischöfe setzten sich darüber hinweg, weswegen einige von ihnen verhaftet wurden (das populärste Opfer war der Erzbischof von Köln Clemens August Droste zu Vischering) und sich der Konflikt mit dem Kirchenstaat weiter verstärkte.

Die Regierung Friedrich Wilhelms IV.[Bearbeiten]

Huldigung vor Friedrich Wilhelm IV. am 15. Oktober 1840 vor dem Königlichen Schloss zu Berlin, Gemälde von Franz Krüger, 1844
Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, 1847

Die Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. am 7. Juni 1840 war im liberalen und patriotischen Lager mit großen Erwartungen verknüpft. Den Hoffnungen schien Friedrich Wilhelm zu entsprechen, als er als erster preußischer König vor zehntausenden Zuschauern öffentliche Reden hielt: anlässlich der Huldigung der Stände des Königreichs Preußen (die ihn in einer Grußbotschaft an das Verfassungsversprechen seines Vaters erinnert hatten) und von denen des Großherzogtums Posen am 10. September 1840 in Königsberg und bei der Huldigung der Stände der innerdeutschen Provinzen am 15. Oktober 1840 in Berlin.[1]

Er beendete die restaurative Politik seines Vaters sowie den Streit mit den Katholiken, denen er einige wichtige Zugeständnisse machte. Ebenso beendete er die harten Verfolgungsmaßnahmen gegen die Altlutheraner, indem er die lutherischen Pfarrer freiließ, die Selbstorganisation als lutherische Bekenntniskirche erlaubte und den Bau von Kirchengebäuden zuließ, wenn auch mit Einschränkungen (Kirchen ohne Kirchtürme und Glocken). Arndt, Boyen und die Brüder Grimm wurden in Ihre Ämter zurückberufen. Gegen den Widerstand Österreichs brachte er im Deutschen Bund die Arbeit der Bundeszentralbehörde zur Durchsetzung der Karlsbader Beschlüsse zum Erliegen. Einzig die Pressezensur wurde weiterhin aufrechterhalten.

Von 1840 bis 1857 war Friedrich Wilhelm IV. zudem souveräner Fürst von Neuenburg (in der Schweiz); diesen Titel behielt er auch nach der Unabhängigkeit des Fürstentums (→ Neuenburgerhandel).

Erste Regierungsjahre[Bearbeiten]

Schloss Stolzenfels – Sommerresidenz von König Friedrich Wilhelm IV.

1842 trat der König auf dem Dombaufest auf, wo der Weiterbau des Kölner Doms beschlossen wurde. Zuvor hatte er im Jahr 1840 die Gründung eines Dombau-Vereins genehmigt. Er selbst begrüßte das Fest als ein wichtiges Symbol der Einheit Deutschlands und legte zusammen mit Erzbischof Johannes von Geissel den Grundstein für den Weiterbau. Friedrich Wilhelm war ein Freund der Künste. Unter anderem regte er in Potsdam im Park Sanssouci den Bau der Friedenskirche an – der offizielle Name der Kirche lautet: „Dem Friedefürsten Jesu Christo, unserem Herrn“. Die Kirche hatte den frühchristlich-römischen Kirchenbau zum Vorbild, insbesondere San Clemente in Rom, kombiniert mit einem dem frühchristlichen Kirchenbau (ca. 350–600) entsprechenden freistehenden Glockenturm, dessen Vorbild der Campanile von Santa Maria in Cosmedin in Rom ist. Diese Kirchen hatte der Kronprinz in dem Kupferstichwerk Denkmale der christlichen Kirchen Roms kennengelernt. Südlich von Koblenz ließ er Schloss Stolzenfels und auch die Burg Hohenzollern, Stammburg seines Geschlechts bei Hechingen, im neogotischen Stil neu errichten.

In diese Zeit fällt ebenfalls das Attentat von Heinrich Ludwig Tschech. Der ehemalige Staatsdiener fühlte sich, nachdem ihm eine Wiedereinstellung in den Staatsdienst verweigert worden war, ungerecht behandelt und schoss am 26. Juli 1844 im Berliner Schlosshof mit einer Pistole auf König Friedrich Wilhelm IV. und seine Gattin Elisabeth Ludovika. Beide blieben jedoch unversehrt.

Der preußische Vereinigte Landtag[Bearbeiten]

1847 rief Friedrich Wilhelm den Vereinigten Landtag zusammen, der die Forderung nach einer Verfassung stellte. Der König selber lehnte dies jedoch ab, wie er in seiner Thronrede zur Eröffnung des Landtages deutlich machte:

„Es drängt mich zu einer feierlichen Erklärung: dass es keiner Macht der Erde jemals gelingen soll, Mich zu bewegen, das natürliche, gerade bei uns durch seine innere Wahrheit so mächtig machende Verhältnis zwischen Fürst und Volk in ein conventionelles, constitutionelles zu wandeln, und dass ich es nun und nimmermehr zugeben werde, dass sich zwischen unseren Herrn Gott im Himmel und dieses Land ein beschriebenes Blatt gleichsam als zweite Vorsehung eindränge, um uns mit seinen Paragraphen zu regieren und durch sie die alte, heilige Treue zu ersetzen.“

Außerdem bestritt der König den Abgeordneten das Recht zur kontroversen politischen Diskussion:

„Das aber ist ihr Beruf nicht: Meinungen zu repräsentieren, Zeit- und Schulmeinungen zur Geltung bringen zu sollen. Das ist völlig undeutsch und obendrein völlig unpraktisch […], denn es führt nothwendig zu unlösbaren Konflikten mit der Krone, welche nach dem Gesetze Gottes und des Landes und nach eigener Bestimmung herrschen soll, aber nicht nach dem Willen von Majoritäten regieren kann und darf […].“[2]

Mit diesen Äußerungen rief Friedrich Wilhelm nicht nur den Unmut der Liberalen hervor, sondern stieß auch bei Verfechtern einer altständischen Ordnung und selbst bei den Hochkonservativen auf Unverständnis. Die Auflösung des Vereinigten Landtages verstärkte die Legitimationskrise des absolutistischen preußischen Staates noch einmal.

Die Revolution von 1848 und die Kaiserdeputation[Bearbeiten]

Karikatur von 1848 über den janusköpfigen Friedrich Wilhelm, der erst schießen lasse und dann auf die deutschen Farben schwöre
Holzstich der Kaiserdeputation 1849

Als die Märzrevolution 1848 begann, entschloss sich Friedrich Wilhelm widerstrebend zu Zugeständnissen, was nicht zuletzt dem Einfluss seines Oberhofpredigers Friedrich Strauß zugeschrieben wird. Unter anderem hob er am 18. März die Pressezensur auf und versprach die Ausarbeitung einer gesamtdeutschen Verfassung. Als daraufhin die Berliner Bevölkerung losmarschierte, um dem König zu danken oder ihn zu weiteren Maßnahmen zu ermutigen, geriet die Masse durch die bloße Anwesenheit des Militärs im Berliner Stadtschloss in Aufruhr. Daraufhin gab der König den preußischen Truppen den Befehl zur „Beendigung des Skandals“, und da sich beim Aufmarsch aus Versehen zwei Schüsse lösten, die aber niemanden trafen bzw. verletzten, geriet die Masse vollends in Panik. Das Gerücht eines blutigen, vom Militär verursachten Massakers mit Hunderten von Toten machte die Runde und es kam zu verlustreichen Straßenkämpfen.

Am 19. März wurde das Militär abgezogen. Am 21. März ritt der König mit einer schwarz-rot-goldenen Schärpe durch die Stadt und verkündete seinen Willen für die Einheit und Freiheit Deutschlands. Insgeheim aber schrieb er seinem Bruder, dem Prinzen Wilhelm:

„Die Reichsfarben musste ich gestern freiwillig aufstecken, um Alles zu retten. Ist der Wurf gelungen […], so lege ich sie wieder ab!“

Demzufolge war Friedrich Wilhelm von Anfang an entschlossen, bei veränderten Kräfteverhältnissen der Revolution durch eine Gegenrevolution zu begegnen. In neueren Veröffentlichungen (zum Beispiel von David Barclay und von Rüdiger Hachtmann) wird das wohlüberlegte Kalkül Friedrich Wilhelms in der Revolution hervorgehoben, das es ihm erlaubte, bei vorübergehendem Zurückweichen auf Dauer die absolutistische Macht zurückzugewinnen.

Nachdem er im November 1848 die Berliner Bürgerwehr hatte entwaffnen lassen, ließ er die Preußische Nationalversammlung in die Provinz nach Brandenburg verlegen und schließlich auflösen.

Karikatur zur Ablehnung der Kaiserkrone. Kreidelithografie nach einer Zeichnung von Isidor Popper.

Er war Urheber des „Gesetzes zum Schutze der persönlichen Freiheit“ vom 24. September 1848, mit dem die Schutzhaft eingeführt wurde.

Am 5. Dezember 1848 wurde durch das gegenrevolutionäre Ministerium Brandenburg eine neue preußische Verfassung oktroyiert, die zwar ein frei gewähltes Parlament vorsah, aber die Macht doch größtenteils bei den Monarchen beließ. Friedrich Wilhelm akzeptierte die Verfassung, die jedem seiner Nachfolger bei Gelegenheit der Inthronisation erneut zur Anerkennung vorgelegt werden musste. Im Geheimen ordnete er an, dass bei dieser Vorlage dem jeweiligen Descendenten auch ein Schriftstück vorzulegen sei, in dem Friedrich Wilhelm ihn aufforderte, der Verfassung die Anerkennung zu versagen. Dieses zusätzliche Schriftstück wurde von Wilhelm I. und Friedrich III. ignoriert und von Wilhelm II. verbrannt.

Während Friedrich Wilhelm in Preußen gezwungenermaßen die Verfassung akzeptierte, übte er gleichzeitig massiven Druck auf seinen Neffen, den Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin, aus, die Verfassung in beiden Mecklenburg zu verhindern bzw. zu beseitigen, was im Bündnis mit der reaktionären Ritterschaft und dem Mecklenburg-Strelitzer Herzog durch den Freienwalder Schiedsspruch auch gelang und entscheidend zur Konservierung rückständiger Verhältnisse in Mecklenburg beitrug.

Am 3. April 1849 trug die Kaiserdeputation der Frankfurter Nationalversammlung dem König die Kaiserkrone an. Die Kaiserdeputation wurde dabei nur durch den Lieferanteneingang in das Schloss eingelassen. Friedrich Wilhelm verlas eine vom Ministerpräsidenten Brandenburgs verfasste Rede, die eine bedingte Annahme der Krone intendieren sollte, akzentuierte den Text allerdings derart, dass die Kaiserdeputierten eine Ablehnung herauslesen konnten. Intern hatte er seine persönliche Ablehnung damit begründet, er wolle keine „Krone aus der Gosse“ akzeptieren, wobei er diese Krone auch als „Hundehalsband“ titulierte. Die von Volksvertretern angebotene Krone bestand für Friedrich Wilhelm, der in seinem monarchischen Selbstbild vom traditionellen Gedanken des Gottesgnadentums ausging und die Idee der Volkssouveränität ablehnte, nur aus „Dreck und Letten“. Nachdem die Reichsverfassungskampagne und die in ihrem Kontext ausbrechende Mairevolution 1849 durch die militärische Niederschlagung durch Reichstruppen unter preußischem Kommando gescheitert waren, war die Deutsche Revolution endgültig gescheitert.

Wenig später machte der konservative Vertraute Friedrich Wilhelms, General Joseph Maria von Radowitz, den Vorschlag für eine kleindeutsche Lösung mit enger Bindung an Österreich, für den sich auch der König begeistern konnte. Doch die Österreicher und viele konservative Berater lehnten dies entschieden ab, so dass der Deutsche Bund wieder gegründet wurde.

Die preußische Verfassung von 1848/1850[Bearbeiten]

Handschriftliches Billet Friedrich Wilhelms IV. (1852)[3]
Statue von Friedrich Wilhelm IV. auf der Burg Hohenzollern

Die gewaltlose Entfernung und Auflösung der preußischen Nationalversammlung und die oktroyierte Verfassung (5. Dezember 1848) signalisierten das Ende der Revolution in Preußen durch einen Staatsstreich. Da die Verfassung lediglich oktroyiert, also ohne Abstimmung von oben verkündet wurde, konnte man von weiteren Änderungen ausgehen.

Die durch diese Verfassung berufenen zwei Kammern traten erstmals am 26. Februar 1849 zusammen. Für die erste Kammer galt ein hohes Zensuswahlrecht, hier dominierte demnach der Adel. Für die zweite Kammer galt bei der ersten Wahl noch das allgemeine und gleiche Wahlrecht. Die zweite Kammer legte sich sofort mit der Regierung an, als sie am 21. April 1849 die Reichsverfassung anerkannte. Da dies unvereinbar mit den Machtansprüchen des Königs war, löste er die zweite Kammer auf (27. April 1849). Am 30. Mai 1849 führte er per Notverordnung das Dreiklassenwahlrecht für die zweite Kammer ein. Nach Einkommen differenzierte und zahlenmäßig stark voneinander abweichende Gruppen wählten nunmehr eine fixierte Anzahl von Abgeordneten. Nach Einarbeitung zahlreicher Änderungswünsche und Vorbehaltsklauseln zu Gunsten der Krongewalt trat die revidierte Verfassung am 2. Februar 1850 in Kraft. 1853 beschloss der König die Erblichkeit eines Sitzes in dem nun geschaffenen „Herrenhaus“ für bestimmte Personen. Er behielt sich ebenso das Recht vor, einzelne Abgeordnete selbst zu bestimmen. Die Verfassung blieb bis zur Novemberrevolution 1918 gültig.

Letzte Regierungsjahre[Bearbeiten]

Talermünze von 1860, die noch das Konterfei Friedrich Wilhelms IV. zeigt

1850 wurden die Fürstentümer Hohenzollern-Sigmaringen und Hohenzollern-Hechingen Preußen als neuer süddeutscher Regierungsbezirk Hohenzollerische Lande angegliedert. Daneben kommt ihm eine bedeutende Rolle beim Wiederaufbau der Burg Hohenzollern zu.[4]

Erkrankung und Regierungsunfähigkeit[Bearbeiten]

Ab dem 14. Juli 1857 erlitt Friedrich Wilhelm IV. mehrere Schlaganfälle, wodurch auch sein Sprachzentrum in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nachdem die Stellvertretung durch seinen Bruder Wilhelm drei Mal verlängert worden war, sorgte seine Frau, Königin Elisabeth, dafür, dass der kranke König am 7. Oktober 1858 die Regentschaftsurkunde für den Thronfolger, den Prinzen Wilhelm, unterschrieb. Hiernach unternahm das königliche Paar eine Reise nach Italien. Unter anderem besuchte der genesende König zweimal Papst Pius IX. und die Vatikanischen Museen.

Tod und Bestattung[Bearbeiten]

Königliche Gruft Friedrich Wilhelms IV. in der Potsdamer Friedenskirche
Die Gruft mit den Sarkophagen von Friedrich Wilhelm IV. und Elisabeth Ludovika von Bayern unterhalb des Altars

Über das Sterben des kranken Königs liegt das Zeugnis seines Flügeladjutanten Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen vor. Zu dessen Aufgaben gehörte die Benachrichtigung der nächsten Anverwandten. Um Mitternacht, mit Beginn des Jahres 1861, telegrafierte Hohenlohe an den Prinzregenten: „Plötzlich schnellerer Verlauf zum Ende als dies zu erwarten war. Ableben jeden Augenblick möglich. Alleruntertänigstes Anheimstellen, ob und wann von der Königlichen Familie dies in der Nacht mitzuteilen.“

Prinz Wilhelm ließ die gesamte königliche Familie benachrichtigen und reiste unverzüglich nach Potsdam. Es wird berichtet, dass in Berlin bald keine Lokomotiven mehr zu bekommen waren, weil jeder aus dem Königshause einen Extrazug nahm, um von dem Sterbenden Abschied zu nehmen. Prinz Friedrich Karl soll mit dem Schlitten nach Schloss Sanssouci gekommen sein.

So vollzog sich der Tod des Monarchen fast öffentlich. Am 2. Januar 1861 setzte ein letzter Schlaganfall den Leiden des Königs ein Ende.

Der König wurde seinen testamentarischen Anweisungen von 1854 entsprechend in der Friedenskirche in Potsdam bestattet, nachdem sein Herz dem Körper entnommen und im Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg in Berlin – an der Ruhestätte seiner Eltern – begraben worden war.

Friedrich Wilhelm als Baumeister[Bearbeiten]

Bereits als Kronprinz hat Friedrich Wilhelm entscheidenden Einfluss auf die Architektur genommen. In diesem Feld konnte er uneingeschränkt als Kenner gelten. Er hat mit einer Reihe der bedeutendsten Baumeister jener Zeit korrespondiert und sich von ihnen bei der Gestaltung etlicher Bauvorhaben vor allem in der Hauptstadt Berlin und der Residenzstadt Potsdam beraten lassen. Zu nennen sind hier Karl Friedrich Schinkel, dessen Schüler Friedrich August Stüler, Ludwig Persius und Christian Daniel Rauch, deren architektonisches Schaffen eine kongeniale Ergänzung in den Arbeiten an den großen Parkanlagen durch Peter Joseph Lenné und Hermann von Pückler-Muskau fand. Er förderte auch die Kunst und ließ viele Skulpturen aufstellen, zum Beispiel von Johann Gottfried Schadow.

Es gab viele architektonische Entwürfe Friedrich Wilhelms. Nach seiner Arbeitsmethode übergab er die Skizzen dem zuständigen Architekten und besprach diese mit dem Architekten. Die überarbeiteten Pläne wurden dann erneut dem König vorgelegt, der entweder die Überarbeitungen akzeptierte oder erneut modifizierte. Er ließ sich generell die Fassadenentwürfe aller öffentlichen Bauten vorlegen, wobei der König wie ein gelernter Architekt gearbeitet haben soll.

Reiterstandbild Friedrich Wilhelm IV. vor der Alten Nationalgalerie in Berlin
Denkmalskizze Friedrich Wilhelms für das Schildhorndenkmal, 1844

Friedrich Wilhelm beschäftigte sich intensiv mit der Architektur Italiens und versuchte, Formen der Antike und Renaissance im „Preußischen Arkadien“ umzusetzen. Angeregt wurde er insbesondere durch das zwischen 1822 und 1827 von Cotta in München herausgegebene Stichwerk Denkmale der christlichen Religion, aufgenommen von den Architecten J. G. Gutensohn und J. M. Knapp (auch: Die Basiliken des christlichen Roms).[5] Seine erste Italienreise vertiefte sein Interesse an den italienischen Formen.

1842 ernannte er Friedrich August Stüler zum „Architekten des Königs“. Stüler, mit dem er 1858/59 gemeinsam in Italien war, akzeptierte seine Konzeptionen bei Kirchenbauten (etwa in der Ausformung von Basilika und Campanile) oder bei Denkmälern in der Regel ohne größere Einwände. Zu Beginn der 1840er Jahre fasste Friedrich Wilhelm den Entschluss, „mit der Errichtung von […] sinnvollen Monumenten die oft todten uninteressanten Gegenden“[6] der Mark zu beleben. Drei Wendepunkte der Landesgeschichte sollten den abgelegenen „Sandschellen“[7] Geschichte einhauchen und den Reisenden Anreize bieten. Das Lieblingsobjekt des Königs war das Schildhorndenkmal, dessen Sage „die königliche Phantasie in ihrem urchristlichen Gehalt am stärksten angeregt und zur eigenwilligsten Denkmallösung der Dreiergruppe geführt“ hat.[8] Für die künstlerische Umsetzung der Schildhornsage fertigte er 1844 eigenhändige Bleistiftskizzen an und beauftragte Stüler mit der Konzeption des Denkmals, das der Baurat Christian Gottlieb Cantian im Sommer 1845 errichtete.

Beteiligt war Friedrich Wilhelm IV auch an der Erstellung des Schlosses Charlottenhof sowie der Friedenskirche im Park von Sanssouci.

Das Schildhorndenkmal und die weiteren Werke Friedrich Wilhelms fanden in der Regel wenig Beifall. Die Kunstkritikerin Eva Börsch-Supan vermisste beispielsweise die Geschmeidigkeit und den Trotz Stülers, dem „geistreichen königlichen Dilettanten“ entschieden entgegenzutreten. Dann wäre manches königliche Monument ein Projekt geblieben.[9]

Zitate über Friedrich Wilhelm IV. von Preußen[Bearbeiten]

„Friedrich Wilhelm IV. ist durchaus ein Produkt seiner Zeit, eine Gestalt, die ganz aus der Entwickelung des freien Geistes und seinem Kampfe gegen das Christentum, und nur hieraus zu erklären ist. Er ist die äußerste Konsequenz des preußischen Prinzips, das in ihm in seiner letzten Aufraffung, aber zugleich in seiner vollkommenen Kraftlosigkeit gegenüber dem freien Selbstbewußtsein zur Erscheinung kommt. Mit ihm ist die gedankenmäßige Entwickelung des bisherigen Preußens abgeschlossen; eine neue Gestaltung desselben ist nicht möglich, und wenn es Friedrich Wilhelm gelingt, sein System praktisch durchzusetzen, so muß Preußen entweder ein ganz neues Prinzip ergreifen – und dies kann nur das des freien Geistes sein – oder in sich selbst zusammenstürzen, wenn es zu jenem Fortschritt nicht die Kraft haben sollte.“

Friedrich Engels[10]

„Friedrich Wilhelm IV. nimmt, wir erwähnten es schon, einen zentralen Platz in Ihrem Buch [Frank-Lothar Kroll: Das geistige Preußen. Zur Ideengeschichte eines Staates] ein. In mehreren Beiträgen arbeiten Sie überzeugend heraus, worin des Königs Verständnis von Monarchie und Gottesgnadentum wurzelte und daß sein Rückgriff auf das Mittelalter der hilflose Versuch war, sich den Anforderungen des industriellen Kapitalismus nach Liberalismus und Demokratie zu verweigern. Andererseits hat er politische Perspektiven im Kopf – ich denke an die nationale Frage –, die durchaus nicht rückwärtsgewandter Natur sind. Während die Reformen unter Friedrich Wilhelm III. zumindest den Hauch einer Revolution von oben vermittelten, rang die Revolution 1848 Friedrich Wilhelm IV. zwar eine Verfassung ab, die aber ihm wie auch den nachfolgenden preußischen Königen nicht mehr als ein jederzeit zu zerreißendes Papier bedeutete. Ist es nicht so, daß sich die Tendenz zum Verfassungsbruch bis Wilhelm II. als Prinzip preußischer Politik hält – Preußentum als Wortbruch?“

Hans-Jürgen Mende[11]

„Friedrich Wilhelm IV. war ein Mann, der seine Welt vor allem als Bild konzipierte, auch wenn er wortgewandt war und Tausende von Briefen schrieb. Er war eine Künstlernatur mit einem ausgeprägten Sinn für Architektur. Durch seine Zeichnungen lassen sich einmalige Einblicke in seine Vorstellungswelt gewinnen, zumal die Objekte, die er entwarf, keineswegs ‚nur‘ Traumbilder darstellten (auch wenn sie nicht realisiert wurden), sondern ideologisch-propagandistische Schaubilder seines monarchischen Projekts. Sie sollten Zweckobjekte sein und zur Verherrlichung seiner antirevolutionären Politik beitragen.“

David E. Barclay[12]

Ahnentafel[Bearbeiten]

Ahnentafel Friedrich Wilhelm IV. (Preußen)
Ururgroßeltern

König
Friedrich Wilhelm I. (Preußen) (1688–1740)
∞ 1706
Sophie Dorothea von Braunschweig- Lüneburg (1687–1757)

Herzog
Ferdinand Albrecht II. (Braunschweig-Wolfenbüttel) (1680–1735)
∞ 1712
Antoinette Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1696–1762)

Herzog
Christian III. (Pfalz- Zweibrücken) (1674–1735)
∞ 1719
Karoline von Nassau- Saarbrücken (1704–1774)

Landgraf
Ludwig VIII. von Hessen- Darmstadt (1691–1768)
∞ 1717
Charlotte Christine Magdalene Johanna von Hanau- Lichtenberg (1700–1726)

Graf
Christian Karl Reinhard von Leiningen- Dagsburg- Falkenburg (1695–1766)
∞ 1726
Katharina Polyxena von Solms-Rödelheim (1702–1765)

Herzog
Adolf Friedrich II. (Mecklenburg) (1658–1708)
∞ 1705
Christiane Emilie Antonie von Schwarzburg- Sondershausen (1681–1715)

Herzog
Ernst Friedrich I. (Sachsen- Hildburghausen) (1681–1724)
∞ 1704
Sophia Albertine von Erbach-Erbach (1683–1742)

Urgroßeltern

Prinz August Wilhelm von Preußen (1722–1758)
∞ 1742
Luise Amalie von Braunschweig-Wolfenbüttel (1722–1780)

Landgraf Ludwig IX. von Hessen- Darmstadt (1719–1790)
∞ 1741
Henriette Karoline von Pfalz-Zweibrücken (1721–1774)

Prinz Georg Wilhelm von Hessen- Darmstadt (1722–1782)
∞ 1748
Maria Luise Albertine von Leiningen- Dagsburg- Falkenburg (1729–1818)

Karl zu Mecklenburg (1708–1752)
∞ 1735
Elisabeth Albertine von Sachsen- Hildburghausen (1713–1761)

Großeltern

König Friedrich Wilhelm II. (Preußen) (1744–1797)
∞ 1769
Friederike von Hessen-Darmstadt (1751–1805)

Großherzog Karl II. (Mecklenburg) (1741–1816)
∞ 1768
Friederike Caroline Luise von Hessen-Darmstadt (1752–1782)

Eltern

König Friedrich Wilhelm III. (Preußen) (1770–1840)
∞ 1793
Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810)

König Friedrich Wilhelm IV. (Preußen) (1795–1861)

Denkmale[Bearbeiten]

Reiterstandbild Friedrich Wilhelm IV. von Gustav Blaeser an der Kölner Hohenzollernbrücke

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich Wilhelm IV. – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Friedrich Wilhelm IV. – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Friedrich Wilhelm hatte angekündigt, „von den Ständen des Königreichs Preußen (Ostpreußen, Westpreußen und Litthauen) und von denen des Großherzogtums Posen am 10. September d. J. in Königsberg, von den Ständen aller übrigen Landesteile aber am 15. Oktober d. J. in Berlin die Huldigung einzunehmen“. Siehe Iselin Gundermann [Planung und Katalog der Ausstellung]: Via Regia. Preußens Weg zur Krone. Ausstellung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, Duncker & Humblot, Berlin 1998, S. 101, zur Wirkung Barclay (Literaturliste), S. 90–94
  2. Zit. nach Wolfgang J. Mommsen: 1848. Die ungewollte Revolution. Die revolutionären Bewegungen in Europa 1830–1849. Frankfurt 1998, ISBN 3-10-050606-5, S. 82 f.
  3. Billet die Baptisten betreffend; Sanssouci, 29. Mai 1852
  4. Neun Forscher stellen Untersuchungen zur Landesgeschichte an. Die Beiträge erscheinen in der aktuellen Ausgabe der vom Geschichtsverein herausgegebenen Vierteljahresschrift „Hohenzollerische Heimat“. In: Schwäbische Zeitung vom 7. Juli 2011
  5. J. M. Knapp und J. G. Gutensohn: Denkmale der christlichen Religion oder Sammlung der christlichen Kirchen Roms. Rom 1822–1827. Auch: Die Basiliken des christlichen Roms. Mit 50 Kupfertafeln. München 1843
  6. Eintrag von Ludwig Persius in seinem Tagebuch am 5. November 1844; wiedergegeben nach: Gregor Geismeier: Stülers „sinnvolle Monumente“ in der Mark. In: Die Mark Brandenburg: Marika Großer Verlag, Berlin 1999, Heft 35 (Der Architekt des Königs Friedrich August Stüler), S. 8
  7. Die Bezeichnung „Sandschellen“ geht auf Friedrich den Großen zurück: „Förster, warum sind die Sandschellen nicht besäet?“ (Reise durchs Rhinluch, 1779)
  8. Gregor Geismeier: Stülers „sinnvolle Monumente“ in der Mark, in: Die Mark Brandenburg, Marika Großer Verlag, Berlin 1999, Heft 35 (Der Architekt des Königs Friedrich August Stüler), S. 12
  9. Eva Börsch-Supan: Berliner Baukunst nach Schinkel, 1840–1870. Prestel-Verlag, München 1977, ISBN 3-7913-0050-4, S. 697 ff.
  10. Karl Marx/Friedrich Engels: Werke. (Karl) Dietz Verlag, Berlin. Band 1. Berlin/DDR. 1976, S. 447
  11. Was bleibt von Preußen übrig? Im Gespräch mit Frank-Lothar Kroll
  12. Catharina Hasenclever und Jörg Meiner im Gespräch mit David E. Barclay Friedrich Wilhelm IV. von Preußen: Politik und Architektur
Vorgänger Amt Nachfolger
Friedrich Wilhelm III. König von Preußen
1840–1861
Wilhelm I.