Friedrich Wilhelm Krummacher

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Dieser Artikel beschreibt den Theologen des 19. Jahrhunderts. Zu seinem fast gleichnamigen Urenkel siehe Friedrich-Wilhelm Krummacher
Friedrich Wilhelm Krummacher

Friedrich Wilhelm Krummacher (* 28. Januar 1796 in Moers; † 10. Dezember 1868 in Potsdam) war ein reformierter Theologe und bekannter Prediger.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Krummacher gehörte als Sohn Friedrich Adolf Krummachers der zweiten Generation der Theologen-Familie Krummacher an, war der ältere Bruder von Emil Wilhelm Krummacher und der Vater von Cornelius Krummacher, welch letzterer als Verfasser des Liedes Stern auf den ich schaue bekannt wurde.

Krummacher besuchte nach der Elementarschule das Gymnasium in Duisburg. Ab der Sekunda besuchte er das Gymnasium in Bernburg. Er studierte 1815 und 1816 Theologie an der Universität Halle und wechselte 1819 an die Universität Jena. Krummacher war Teilnehmer des Festes auf der Wartburg 1817 und auch mit Carl Sand persönlich bekannt, wie er in seiner Autobiografie schreibt.

Friedrich Wilhelm Krummacher war als Pfarrer in Barmen-Gemarke und Elberfeld (beide heute zu Wuppertal) tätig. Eine Berufung zum Theologieprofessor in den Vereinigten Staaten von Amerika schlug er aus. Ab 1847 dann war er Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche in Berlin, ab 1853 in Potsdam Hofprediger.

Krummacher war ein scharf gegen den Rationalismus gewandter Anhänger der Erweckungsbewegung, dessen biblizistische Predigt von Goethe „narkotisch“ genannt wurde. (vgl. Weimarer I, 42/I, 16ff) Friedrich Engels beurteilt ihn in seinen Briefen aus dem Wuppertal 1839 u. a.: „Der ästhetische Wert seiner Predigten wird nur von sehr wenigen in Elberfeld gewürdigt; denn wenn man seine drei Kollegen, die fast alle ein gleich starkes Auditorium haben, gegen ihn hält, so erscheint er als Eins, die andern als lauter Nullen dahinter, die nur dazu dienen, seinen Wert zu erhöhen.“ Nach zeitgenössischen Quellen lösten seine Predigten regelrechte „Völkerwanderungen“ aus; weil der Platz in den Kirchen nicht ausreichte, wurden Kirchenfenster ausgehängt, um Krummacher auch von draußen zu hören. Seine Predigt (über Galater 1, 8/9) in der Bremen Ansgari-Kirche 1840 löste den Bremer Kirchenstreit aus. Seine Predigten über den Propheten Elia haben den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy zur Komposition des Elias-Oratoriums (1846) angeregt. Krummacher gehörte zu den großen Predigergestalten der frühen deutschen Kirchentage.

Wie sein Vater und wie sein Sohn war Krummacher Verfasser evangelischer Kirchenlieder, die bis ins ausgehende 20. Jahrhundert zum Liedgut evangelischer Gesangbücher gehörten.

Werke[Bearbeiten]

  • Gedichte. Essen, Duisburg 1819
  • Salomo und Sulamith. 15 Predigten aus dem Lied der Lieder. 1826.
  • Zionsharfe. Eine Liedersammlung (Herausgeberschaft). 1827.
  • Blicke ins Reich der Gnade. Sammlung evangelischer Predigten. 1828.
  • Elias der Thisbiter. Predigten, 3 Bde., 1828 (zahlreiche Neuauflagen bis ins 20. Jh.)
  • Worte der Begrüßung an die evangelisch-reformirte Gemeine zu Elberfeld gesprochen bei seinem Amts-Antritt daselbst den 8. Februar 1835. Elberfeld 1835
  • Das letzte Gericht. Gastpredigt gehalten am 12. Juli 1840 vor der St. Ansgarii-Gemeine zu Bremen, 2. Aufl. Bremen 1840
  • Paulus kein Mann nach dem Sinne unserer Zeit. Predigt gehalten am 19. Juli 1840 vor der St. Angrii-Gemeine zu Bremen. 2. Aufl. Wilh. Kaiser, Bremen 1840 Digitalisat
  • Theologische Replik an Herrn Doctor Paniel in Bremen. Elberfeld 1840
  • Elisa, 3 Bde, Wilhelm Hassel, Elberfeld 1840–1845. Erster Band. 2. aufl. 1844 Digitalisat
  • Der scheinheilige Rationalismus vor dem Richterstuhl der h. Schrift. Resumé der Bremer Kirchenfehde, 1841.
  • Das Aventsbuch. Predigten. Neukirchen 1845.
  • Zeit-Predigten. Wilhelm Hassel, Elberfeld 1847 Digitalisat
  • Salomo und Sulamith: Predigten aus dem Lied der Lieder. 6. Aufl. Wilhelm Hassel, Elberfeld 1848 Digitalisat
  • Die Sabbathglocke. Kirchliche Zeugnisse (Predigten und Vorträge), 12 Bde., 1851–1854.
  • Der leidende Christus. Ein Passionsbuch. Velhagen und Klasing, Bielefeld 1854 Digitalisat
  • Friedrich Wilhelm Krummacher. Eine Selbstbiographie. Wigandt und Grieben, Berlin 1869 Digitalisat
  • Allezeit Sieg. Wuppertal-Barmen 1962.

Literatur[Bearbeiten]

  • (Friedrich Engels): Briefe aus dem Wuppertal I. In: Telegraph für Deutschland. Nr. 49 März 1839; Nr. 52 März 1839
  • (Friedrich Engels): Friedrich Wilhelm Krummachers Predigt über Josua. In: Telegraph für Deutschland. Nr. 84 Mai 1839
  • Johann Peter Lange: Worte der Abwehr gegen Dr. Friedrich Wilhelm Krummacher. Ein Beitrag zu den Verhandlungen über die theologischen Fragen der Zeit, veranlaßt durch eine Beurtheilung meiner Schrift: „Das Leben Jesu“ in den „Palmblättern“ des Genannten. Verlag von Meyer und Zeller, Zürich 1846
  • Otto von Ranke: Krummacher, Friedrich Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 243–246.
  • M. Krummacher, Unsere Mutter, Bielefeld 1894.
  • Eintrag in: Religion in Geschichte und Gegenwart (RGG). 3. Auflage. Bd. IV, Sp. 83.
  • Otto Wenig: Rationalismus und Erweckungsbewegung in Bremen. Vorgeschichte, Geschichte und theologischer Gehalt der Bremer Kirchenstreitigkeiten von 1830 bis 1852. Bouvier, Bonn 1966, S. 221–245
  • Johannes Friedrich Diehl: Krummacher, Friedrich Wilhelm. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 4, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7, Sp. 715–716.
  • Harald Schroeter-Wittke, Identitätskonstruktion und Prophetie – Die Elias-Homilien von Gottfried Menken, Friedrich Wilhelm Krummacher und Johannes F. A. de le Roi, Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes, 50. Jg. 2001, S. 295–319.
  • Hermann-Peter Eberlein: Album ministrorum der reformierten Gemeinde Elberfeld. Prediger und Pastoren seit 1552, Bonn 2003 (SVRKG 163), S. 106-111.
  • Hans-Henrik Krummacher: Friedrich Wilhelm Krummacher und die Religionskritik des 19. Jahrhunderts, Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch zur Geschichte des neueren Protestantismus, Bd. 31, Göttingen 2005, S. 196–217.

Weblinks[Bearbeiten]