Friedrich von Thiersch

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Portrait von 1927, Kurhaus Wiesbaden

Friedrich Max Thiersch, seit 1897 Ritter von Thiersch (* 18. April 1852 in Marburg an der Lahn; † 23. Dezember 1921 in München), war ein deutscher Architekt und Maler. Friedrich von Thiersch gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Späthistorismus in der Gründerzeit und der Wilhelminischen Ära.

Leben[Bearbeiten]

Thiersch wuchs in Marburg auf; er war der Enkel des Philologen Friedrich Thiersch, der Bruder des Architekturprofessors August Thiersch und Onkel des Klassischen Archäologen Hermann Thiersch. Nach der Schule studierte er von 1868 bis 1873 Architektur an der Technischen Hochschule Stuttgart. Anschließend arbeitete er beim Frankfurter Architekturbüro von Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Bluntschli. Nach internen Streitereien machte er sich 1878 selbständig.

Friedrich Thiersch eignete sich auf zahlreichen Bildungsreisen quer durch Europa umfangreiches baugeschichtliches und architektonisches Wissen an (z.B. 1878 nach Griechenland). Anschließend habilitierte er und wurde 1882 als Professor an die Technische Hochschule München berufen. Nach seinem Durchbruch als Architekt blieb er in München wohnhaft, baute aber in ganz Deutschland für verschiedene Fürsten und Städte sowie für das Kaiserhaus. Friedrich Thiersch wurde 1897 mit dem Verdienstorden der Bayerischen Krone ausgezeichnet und damit in den persönlichen Ritterstand erhoben. Sein Leichnam wurde auf dem Waldfriedhof in München/Alter Teil im Grab Nr. 71-W-10 beigesetzt.

Werk[Bearbeiten]

Münchner Justizpalast
Thiersch war Experte für den Kuppelbau (hier: Kurhaus Wiesbaden)

1882 nahm er am zweiten Architekturwettbewerb für das Reichstagsgebäude in Berlin teil. Er war neben dem letztendlich siegreichen Paul Wallot der heißeste Anwärter auf den ersten Preis. Da die Jury sich nicht einigen konnte, erhielt er den 1. Preis zusammen mit Paul Wallot, der erst danach zum Hauptsieger erklärt wurde. 1885 beteiligte er sich ebenso am Wettbewerb um den Bau des Reichsgerichtes in Leipzig. Der Zuschlag zu diesem Projekt erging zwar an Ludwig Hoffmann, aber Thiersch konnte durch seine gekonnte Symbiose aus verschiedenen Baustilen und die monumentale Würde seines Entwurfs dennoch einen Achtungserfolg erringen, der ihm 1887 den Auftrag zum Bau des Münchener Justizpalastes einbrachte. Der zwischen 1891 und 1897 erbaute Justizpalast, der sowohl Elemente des Neobarock als auch der Moderne (Glaskuppel) enthält, machte ihn schließlich berühmt. Zugleich schaffte die Stadt München es durch die Vergabe des Auftrags, Thiersch an sich zu binden, denn er hatte bereits einen Ruf an die Technische Hochschule Charlottenburg bei Berlin erhalten. Jetzt aber blieb er in München sesshaft und baute fortan für das Königreich Bayern. In München entstanden nach seinem Entwurf noch das Bernheimer Palais (1887–1889), die Neue Börse (1898–1901) sowie, als der Justizpalast sich bereits nach fünf Jahren Nutzung als zu klein herausstellte, das Neue Justizgebäude (1902–1905). Mit der Fertigstellung des Justizpalastes erhielt er die Rittermedaille der Bayerischen Krone und wurde somit in den Adelsstand erhoben.

Dieser Monumentalbau weckte Interesse bei Kaiser Wilhelm II., der ihn unter anderem beauftragte, die historischen Altäre von Pergamon und Altyra für die Berliner Museumsinsel zu rekonstruieren. Außerdem verschaffte er ihm den Auftrag zum Bau des Wiesbadener Kurhauses, dessen Konzertsaal heute nach Ritter von Thiersch benannt ist (der Friedrich-von-Thiersch-Saal). Das zwischen 1902 bis 1907 errichtete, monumentale Konzert- und Veranstaltungshaus beeindruckte sogar den Kaiser selber, der zu Thiersch sagte, er könne sich in seiner eigenen Hauptstadt gar nicht trauen, ein so monumentales Gebäude errichten zu lassen.

Thiersch baute außerdem die Große Festhalle in Frankfurt am Main (1907–1909), die mit ihrer 65 Meter breiten Kuppel bis zum heutigen Tag ein technisches Meisterwerk darstellt, die heutige Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden (1885) und die Garnisonkirche (heutiger Name: Friedenskirche) in Ludwigsburg (1899–1903).

Friedrich von Thiersch gilt als Meister der Symbiose historischer Baustile. Er wich von geltenden, akademischen Mustern ab und schuf etwas neues, historisierendes, aber in jeder Hinsicht prachtvolles und einzigartiges. Er bediente sich an der Formensprache vergangener Epochen, ohne jedoch ihre Gebäude genau zu kopieren. Gleichzeitig war er ein Experte für den Kuppelbau und versah seine Gebäude mit monumentalen Innenräumen. Zudem hielt er sich auf dem neuesten Stand der technischen Entwicklung und war stets auch an der Entwicklung von Zentralheizungen, Fahrstühlen, Lüftungssystemen und Sanitäranlagen in seinen Gebäuden beteiligt.

Bauten[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

  • Friedrich von Thiersch. Ein Münchner Architekt des Historismus, BR 2003, Dokumentation von Bernhard Graf

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Thiersch: Friedrich von Thiersch, der Architekt (1852–1921) – ein Lebensbild. Weidmannsche Buchhandlung, Berlin 1925.
  • Johann-Georg Fuchs: Friedrich von Thiersch: Ein Münchner Maler und Zeichner. Cardamina Verlag, Plaidt 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich von Thiersch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien