Friedrich von Wrangel

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Generalfeldmarschall Friedrich von Wrangel. Porträt von Franz Krüger, nach 1856

Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel (* 13. April 1784 in Stettin; † 1. November 1877 in Berlin) war ein preußischer Generalfeldmarschall.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Friedrich Graf von Wrangel. Porträt von Adolph Menzel, um 1865

Friedrich Freiherr von Wrangel stammte aus der alten deutschbaltisch-schwedisch-pommerschen Offiziersfamilie Wrangel. Er war der Sohn des preußischen Generalmajors Friedrich Ernst von Wrangel (* 7. April 1720 in Ambothen, Livland; † 13. Januar 1805 in Kolberg) und dessen Ehefrau Sophie Luise Elisabeth von Below aus dem Hause Reetz (* 26. August 1752; † 26. April 1805).[1]

Militärkarriere[Bearbeiten]

Bereits 1796, als Zwölfjähriger, trat er als Gefreiterkorporal beim Dragonerregiment „von Werther“ Nr. 6 in die Preußische Armee ein. Dort wurde er am 8. Juni 1797 Fähnrich und am 5. Oktober 1798 Sekondeleutnant. Als solcher focht Wrangel in den Napoleonischen Kriegen bei Preußisch Eylau und Heilsberg. In dieser Schlacht führte er einen gelungenen Angriff auf ein französisches Karree durch, erlitt dabei einen Schuss in die Schulter und wurde für sein tapferes Verhalten am 18. Juli 1807 mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet. Wrangel wurde dann in das Kürassierregiment Nr. 3 versetzt und am 19. März 1808 zunächst zum Premierleutnant, dann am 18. April 1809 zum Stabskapitän befördert und schließlich am 20. September 1811 zum Eskadronchef ernannt. Er kämpfte in den Befreiungskriegen 1813 in den Schlachten bei Bautzen und Großgörschen, wurde am 3. August 1813 Major und zeichnete sich mit seiner Reiterei auch in der Schlacht bei Leipzig als draufgängerischer Truppenführer aus. Wrangel war zeitlebens streng konservativ und königstreu eingestellt, bei seinen Soldaten war er wegen seiner leutseligen Art beliebt. Er war 1814 auch am Feldzug in Frankreich beteiligt und wurde dabei am 13. Mai 1814 zum Oberstleutnant und am 3. Oktober 1815 zum Oberst befördert. Im folgenden Jahr 1815 rückte er wieder in Frankreich ein, kam aber wegen des frühen Friedensschlusses mit seiner Reiterei nicht mehr zum Einsatz.

Am 25. März 1821 wurde er Kommandeur der 10. Kavallerie-Brigade und erhielt am 30. März 1823 den Rang eines Generalmajors. Am 13. November 1834 übernahm er das Kommando über die 13. Division in Münster. Als es dort 1837 infolge der Kölner Wirren zu Unruhen kam, schlug Wrangel diesen Aufstand schnell nieder und wurde am 30. März 1838 zum Generalleutnant befördert. Am 20. November 1839 wurde er zum Kommandierenden General des I. Armee-Korps in Königsberg ernannt, am 7. April 1842 tauschte er dieses Kommando und übernahm die Führung des II. Armee-Korps in Stettin. Am 20. April 1848 wurde er zum General der Kavallerie befördert und übernahm nach Beruhigung der Berliner Revolution am 13. November 1849 das Kommando des dortigen III. Armee-Korps. Am 15. August 1856 erhielt er schließlich den Rang eines Generalfeldmarschall der Preußischen Armee. Sein Stammtruppenteil war das aus einem altpreußischen Dragonerregiment hervorgegangene Ostpreußische Kürassierregiment Nr. 3, dessen Chef er 1845 wurde und das 1889 offiziell seinen Namen erhielt.

Revolution 1848[Bearbeiten]

Im Revolutionsjahr 1848 befehligte Wrangel vom 21. April bis zum Waffenstillstand von Malmö im August die preußischen Truppen im Schleswig-Holsteinischen Krieg.

Am 10. November 1848 marschierte Wrangel, den König Friedrich Wilhelm IV. zum Oberbefehlshaber der Truppen in den Marken ernannt hatte, gegen das revolutionäre Berlin. Von seiner Entschlossenheit sollte die Entscheidung zwischen Revolution und Reaktion maßgeblich abhängen. Die Revolutionäre hatten gedroht, seine Frau aufzuknüpfen, falls Wrangel in die Hauptstadt einrücken würde; gleichwohl führte er die Truppen in die Stadt und soll beim Durchqueren des Brandenburger Tores, damals die Berliner Stadtgrenze im Westen, zu seinem Adjutanten gesagt haben: „Ob se ihr jetze woll uffjehangen haben?“ Es kam zum Disput mit dem Kommandanten der Bürgerwehr, Major Otto Rimpler: Beide verständigten sich auf einen unblutigen Ablauf, und die Bürgerwehr ergab sich in die Hände des Generals, der sofort die Versammlung der Volksvertreter im Schauspielhaus auflöste, am 12. November den Belagerungszustand und am 14. schließlich das Kriegsrecht über die preußische Hauptstadt verhängte. Die Revolution war niedergeschlagen, Frau von Wrangel dagegen wurde kein Haar gekrümmt. Seither gehörte Wrangel zu den engsten militärischen Gefolgsleuten des Prinzen Wilhelm von Preußen, des späteren Königs und Kaisers Wilhelm I.[2] Von 1849 bis 1864 war er Gouverneur von Berlin.

Deutsche Einigungskriege[Bearbeiten]

Generalfeldmarschall Graf Wrangel als „Schlachtenbummler“ im Alter von 86 Jahren mit seinem ihm ehrenhalber zugeordneten Stab bei Corny an der Mosel nahe Metz im Deutsch-Französischen Krieg, September 1870

Während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 hatte Wrangel zunächst den Oberbefehl über die preußisch-österreichischen Truppen inne. Er wurde aber im Kriegsverlauf schnell abgelöst, da er wegen seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr fähig war, die weitläufigen, von Generalstabschef Helmuth von Moltke geplanten Operationen zu koordinieren. Ohnehin galt er nicht als intellektueller Stratege, sondern als schneidiger Frontoffizier mit kernigem Berliner Humor. Während des Feldzuges kam es zu einer heftigen Kontroverse mit dem zu einem behutsameren Vormarsch mahnenden preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck, in deren Verlauf Wrangel in einer unchiffrierten Depesche von „Diplomaten, die an den Galgen gehören“ sprach. Nach dem Friedensschluss entschuldigte er sich bei Bismarck, der die Bemerkung zu Recht auf sich bezogen hatte.[3]

Am 2. September 1850 wurde Wrangel Berliner Ehrenbürger. 1856 wurde er zum Generalfeldmarschall ernannt und am 18. Mai 1864 in den Grafenstand erhoben. Nach dem Kaiser war er seit den 50er Jahren der ranghöchste Offizier der Preußischen Armee; Bogdan Graf von Hutten-Czapski berichtet in seinen Memoiren, dass es für angehende Offiziere üblich war, bei dem alten Feldmarschall höflichkeitshalber einen Antrittsbesuch zu machen.[4] Beim Einzug der siegreichen Truppen in Berlin nach dem Deutschen Krieg 1866 und dem Deutsch-Französischen Krieg 1871 durfte er ehrenhalber an der Spitze reiten, noch vor Bismarck, Roon und Moltke. Er starb 1877 im hohen Alter von 93 Jahren.

Familie[Bearbeiten]

Wrangel heiratete am 16. Dezember 1810 im Königsberg seine Cousine Lydia Caroline Emilie von Below (* 23. Juni 1792; † 11. September 1880 in Berlin). Das Paar hatte drei Söhne:

  • Gustav Carl Friedrich (1812-1849), Beamter
  • Friedrich Karl Paul Gustav Georg (* 15. November 1816 in Riesenburg; † 19. Juni 1847), preußischer Sekondeleutnant
  • Friedrich Emil Gustav (* 22. Mai 1821 in Posen; † 8. März 1867), preußischer Sekondeleutnant, zuletzt Adjutant beim Oberkommandierenden in den Marken

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Wrangel war bei seinem Lebensende Träger fast aller hohen Auszeichnungen, die im Königreich Preußen vergeben wurden. Bereits während der Befreiungskriege hatte er das Eiserne Kreuz erworben; später erhielt er das Eichenlaub und die Krone zu seinem 1807 in der Schlacht bei Heilsberg erworbenen Pour le Mérite. 1849 wurde Wrangel Ritter des Schwarzen Adlerordens und war ab 1859 auch Ordenskanzler. Bei höfischen Veranstaltungen trug er das Reichspanier, so bei der Königskrönung Wilhelms I. 1861 in Königsberg.[5]

Fortleben[Bearbeiten]

Der alte Friedrich von Wrangel

Historische Bewertung[Bearbeiten]

Weniger als Heerführer - Hans-Ulrich Wehler nennt ihn in Bezug auf den Feldzug von 1864 "völlig inkompetent"[6] - denn als Berliner "Original" mit "drastischem Humor und schlagfertigem Witz"[7], um das sich zahlreiche, oft witzige Anekdoten ranken, ging "Papa Wrangel" in der preußischen Restaurationszeit nach 1849 ins kollektive Gedächtnis ein. Dabei wird häufig übersehen, dass er sich erstmals 1848 bei der Niederschlagung der Revolution historisch profilierte und zeitlebens einen strikten militärischen und gegenrevolutionären Standpunkt vertrat. Der liberale dänische Literat Georg Brandes, ein feiner Beobachter der gesellschaftlichen Verhältnisse Preußen-Deutschlands in der Gründerzeit, kam so zu folgender Bewertung des alten Feldmarschalls:

„Wenn man hört, dass sich Kaiser Wilhelm bei der Enthüllung des Goethe-Denkmals zurückhielt, bei der des Wrangel-Denkmals aber einfand - Wrangel, dieser alte gestiefelte Kater, der immer mit Bonbons in den Taschen herumlief und die Berliner Straßenjugend hinter sich herzog und der nur merkwürdig war mit seinen neunzig Jahren und seinem unglaublich naiven und ungrammatikalischen Deutsch -, dann ist das allgemeinmenschlich gesehen schockierend, vom Standpunkt der deutschen Militärmonarchie ist es logisch [...] Diesem alten Wrangel, der ein Haudegen und kein Heerführer war, wohnte der Geist inne, der Preußen groß gemacht hat. Als sein Sohn als junger Offizier in seinem Leichtsinn Schulden gemacht und schließlich den Namen des Vaters unter einen Wechsel gesetzt hatte, ging er in seiner Verzweiflung zu ihm und bat um Hilfe. Da antwortete der Alte: 'Du hast dich ehrlos betragen; ich betrachte dich nicht mehr als meinen Sohn.' Als der Sohn fragte, was er denn jetzt noch habe, lautete die Antwort: 'Du hast deine Pistolen.' Der Sohn ging hin und erschoss sich. Wie die deutsche Monarchie eingerichtet ist, trug in der Tat der Geist des alten Wrangel mehr als Goethes dazu bei, sie zusammenzuzimmern und ihr diese eigentümliche Atmosphäre zu verleihen.[8]

Zu einem milderen, aber nicht undifferenzierten Urteil kommt allerdings der nicht weniger feinsinnige Philipp zu Eulenburg, dessen Vater, Philipp Konrad Graf zu Eulenburg (1820-1889), von 1853-1860 persönlicher Adjutant des Generals gewesen war:

„Ich zweifle nicht daran, dass der sehr kluge Herr vor vielen Jahren die Pose eines Originals völlig bewusst und absichtlich angenommen hatte, auch zunächst das "mir" und "mich" absichtlich verwechselte. Doch war die Rolle, die er mit Meisterschaft spielte, zugleich eine bequeme Form, den Menschen mehr sagen zu können, als mit ernstem Gesicht und in wohlgefasster Rede. Schließlich aber wurde die Pose ganz unzweifelhaft zur Natur, und ihre Echtheit wurde schlagend und überzeugend. Dass er aber für seine Erinnerung hierdurch so wesentlich gewirkt hat, ist sicherlich nicht seine Absicht gewesen.[9]

Anekdotisches[Bearbeiten]

In einer Studie über den Vater Eulenburgs überliefert Theodor Fontane einige anekdotische Züge Wrangels, die ein Licht auf die Gründe seiner Volkstümlichkeit werfen mögen:

„Wrangel inspizierte Truppen in Ruppin (auch andere Städte werden genannt) und die Ruppiner hatten ihren Jungfrauenflor in drei Gliedern aufgestellt. Die hübschesten natürlich in der Front. Wrangel küßte die ganze Frontreihe durch und sagte dann, auf den Rest deutend: 'Eule [gemeint ist der Adjutant Eulenburg], küsse weiter'. In der Regel indes war der Adjutant nur Augen- und Ohrenzeuge dessen, was vorfiel. So bei folgender Gelegenheit. Ein Bataillon genügte nicht, auf welche Wahrnehmung hin der Alte spöttisch und zweideutig bemerkte: 'Das nächste Jahr, Herr Major, werd' ich Ihnen woll nich wiedersehn.' 'Aber Exzellenz sind ja noch so rüstig', antwortete dieser. Und Wrangel, der Geistesgegenwart liebte, drohte nur lächelnd mit dem Finger und ließ es für diesmal bei dem bloßen Avis [Verwarnung] bewenden.[10]

Denkmale[Bearbeiten]

Die Wrangelstraße in Berlin-Kreuzberg wurde bereits 1849 nach Wrangel benannt, ebenso das von ihm als Stadtkommandant bewohnte Wrangelpalais. In Berlin-Steglitz trägt eine Straße, die an seiner Sommerresidenz, dem Wrangelschlösschen, entlangführt, seinen Namen. Im Hamburger Stadtteil Hoheluft-West befindet sich, mitten im Generalsviertel, eine Wrangelstraße und in Kiel. In Elmshorn gibt es zu seinem Gedenken eine Wrangelpromenade. Sein von Karl Keil geschaffenes Denkmal stand von 1880 bis 1945 auf dem Leipziger Platz in Berlin. Den von Hugo Hagen geschaffenen Wrangelbrunnen daselbst stiftete der Namensgeber aus seinem Privatvermögen.

In dem 1940 erschienenen Film Bismarck von Wolfgang Liebeneiner wird Wrangel von Hans Junkermann dargestellt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten]

Memoiren[Bearbeiten]

Populäres[Bearbeiten]

  • Arthur Bach: Papa Wrangel. Aus dem Leben des Generalfeldmarschalls Graf Friedrich Heinrich Ernst von Wrangel. 1784-1877. Woltersdorf-Verlag, Woltersdorf b. Erkner 1937
  • Siegfried Fischer-Fabian: »Achtzig müsste man sein...« – Friedrich Graf von Wrangel. In: Berlin-Evergreen. Bilder einer Stadt in sechzehn Porträts. Ullstein, Frankfurt/Main 1975, S. 49-59.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrich von Wrangel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 2, Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg, o.J., S. 253
  2. Harald Müller: Friedrich Heinrich Ernst von Wrangel.
  3. Vgl. Bismarck, Gedanken und Erinnerungen, Stuttgart 1959, S. 263 f.
  4. Vgl. Hutten-Czapski, Sechzig Jahre Politik und Gesellschaft, Bd. 1, Berlin 1936, S. 54.
  5. Vgl. Franz Herre, Kaiserin Friedrich. Victoria, eine Engländerin in Deutschland, Stuttgart 2006, S. 185.
  6. Vgl. Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3, München 1995,S. 285.
  7. So Schäfer, a.a.O.
  8. Vgl. Brandes, Der Militarismus (27. Juni 1881), in: Aus der deutschen Reichshauptstadt (dt. v. Peter Urban-Halle), Berlin 1989, S. 444 f. NB Dieser Darstellung der Hintergründe des Selbstmordes von Wrangels zweitältestem Sohn widerspricht Eulenburg, S. 13.
  9. Vgl. Eulenburg, S. 14.
  10. Vgl. Fontane, Graf Philipp zu Eulenburg, Oberstlieutenant a.D., Stiftshauptmann zu Zehdenick, in: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Bd. 3, München ³1987, S. 298.