Friedrichstraße

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Dieser Artikel handelt von der Friedrichstraße in den Berliner Ortsteilen Mitte und Kreuzberg. Weitere gleichnamige Straßen siehe unter Friedrichstraße (Begriffsklärung).
Friedrichstraße
Wappen
Straße in Berlin
Friedrichstraße
Blick in die Friedrichstraße Richtung Süden
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Mitte,
Kreuzberg
Angelegt 17. Jahrhundert
Anschlussstraßen Chausseestraße,
Querstraßen (Auswahl)
Unter den Linden,
Behrenstraße,
Französische Straße,
Leipziger Straße
Plätze Mehringplatz
Bauwerke siehe: hier
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 3300 m[1]

Die Friedrichstraße liegt in den Berliner Ortsteilen Mitte und Kreuzberg. Sie ist eine der bekanntesten Straßen im historischen Zentrum Berlins und wurde nach dem Kurfürsten Friedrich III. von Brandenburg benannt. Dieser regierte von 1688 bis 1701 als Friedrich III. und 1701 bis 1713 als Friedrich I., „König in Preußen“.

Verlauf[Bearbeiten]

Die mit 15–17 Metern relativ schmale Friedrichstraße ist die Hauptverkehrsverbindung der Friedrichstadt in Nord-Süd-Richtung. Sie beginnt am Oranienburger Tor (Kreuzung mit der Hannoverschen Straße und der Torstraße). Auf der Weidendammer Brücke überquert sie die Spree, kreuzt am Bahnhof Friedrichstraße die Stadtbahn und weiter südlich den Boulevard Unter den Linden. Am ehemaligen alliierten Grenzübergang, dem Checkpoint Charlie, wechselt sie in den Bezirk Kreuzberg und endet nach 3,3 Kilometern am Mehringplatz.

Seit den frühen 1980er Jahren war geplant, die Friedrichstraße wieder zu einem urbanen Boulevard auszubauen. Ein neuer Stadtplatz sollte entstehen (etwa auf Höhe des Schauspielhauses). Es gab auch Überlegungen, den kleinen Platz an der Ecke Unter den Linden zu bebauen (vor dem Hotel Unter den Linden). 1987 wurde das Grandhotel zwischen Unter den Linden und Behrenstraße eröffnet. Im selben Jahr begann der Bau der Friedrichstadtpassagen zwischen der Französischen und der Mohrenstraße. Nach der Wiedervereinigung wurden 1992 die bis dahin errichteten Rohbauten abgerissen und bis 1994 die drei Blöcke der heutigen Friedrichstadt-Passagen gebaut. Zu diesem Zeitpunkt und danach wurden im Bereich zwischen dem Bahnhof Friedrichstraße und der Leipziger Straße zahlreiche großzügige Geschäftsneubauten errichtet. In diesem Areal befinden sich in mehreren „Quartieren“ Luxusgeschäfte wie das Kaufhaus Galeries Lafayette, Repräsentanzen namhafter – insbesondere hochpreisiger – Bekleidungsmarken und Ausstellungsräume von Autoherstellern wie dem Volkswagen-Konzern, Mini und Opel. Ebenso ist das KulturKaufhaus Dussmann vertreten.

Die Straße beheimatet im nördlichen Teil den Gartenbereich des ehemaligen Kunsthauses Tacheles, den Friedrichstadt-Palast und den Admiralspalast (1955 bis 1997: Metropol-Theater). Der Bahnhof an der Kreuzung der Stadtbahn mit der unterirdischen Nord-Süd-S-Bahn ist mit dem ehemaligen Tränenpalast als früherer Grenzbahnhof nach West-Berlin bekannt. Südlich davon folgen das 25-geschossige Internationale Handelszentrum (1978 erbaut) und das Maritim proArte Hotel, das ehemalige Interhotel Metropol.

Weniger bekannt als der nördliche und mittlere Abschnitt ist das südliche Ende der Friedrichstraße hin zum Mehringplatz und dem Halleschen Tor. Dort befindet sich in einem Teil des Kreuzberger Kiezes eine Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften. Ein Denkmal aus beschrifteten Bodenplatten, der Pfad der Visionäre, soll der europäischen Verständigung dienen und diesen Bereich der Friedrichstraße für Besucher attraktiver machen.

Um sich die Querstraßen (von Nord nach Süd ab Unter den Linden) besser einprägen zu können, gab es in den Berliner Schulen in den 1920er Jahren folgende Eselsbrücke:

„Unter den Linden tanzen die Behren,
dann schießen französische Jäger
die Tauben. Dann tragen die Mohren
die Kronen nach Leipzig.
Dann wirft Kraus Schütz
den Zimmermann Koch zum Tore hinaus!“

→Unter den Linden; →Behrenstraße;
Französische Straße; →Jägerstraße;
→Taubenstraße; →Mohrenstraße;
→Kronenstraße; →Leipziger Straße;
→Krausenstraße; →Schützenstraße;
→Zimmerstraße; →Kochstraße;→Hallesches Tor

Geschichte[Bearbeiten]

Anlage eines neuen Straßensystems[Bearbeiten]

Bau der Dorotheenstadt[Bearbeiten]

Straßenbild mit Kaisergalerie, 1875
Friedrichstraße mit Blick nach Norden, um 1900
Friedrichstraße/Unter den Linden mit Café Bauer, um 1900

Noch vor 300 Jahren, am Ende des 17. Jahrhunderts, erstreckten sich um die heute sehr belebte Straße Felder, Wiesen und Äcker, und am Ufer der Spree wurden Schiffe gebaut bzw. Weiden verarbeitet. Durch einen Verkauf kurfürstlicher Äcker an Bauwillige und die Gewährung zahlreicher Vergünstigungen begann der Bau der damaligen Berliner Vorstadt: Straßen in regelmäßigen Rechtecken wurden abgesteckt, es entstand die Neustadt – nach ihrer Initiatorin, der zweiten Ehefrau von Friedrich Wilhelm später auch Dorotheenstadt genannt.

Die zweitwichtigste Straße in diesem Neubaugebiet nach der Straße Unter den Linden war die große Querstraße, die auch einfach so genannt wurde. Sie reichte damals von der Weidendammer Brücke bis zur Behrenstraße und wurde mit zwei- bis dreigeschossigen Reihenhäusern bebaut; auf den Höfen gab es Ställe für Nutzvieh (Schweine und Kühe) und Feuerungsgelasse. Da es noch keinerlei Kanalisation in Berlin gab, belästigten Abfälle aller Art die Bewohner und Spaziergänger.

Friedrichstadt[Bearbeiten]

König Friedrich III. berief eine Kommission zum Ausbau des neuen Stadtteils, und per kurfürstlicher Order beschied er, die Querstraße umzubenennen und zwar mit den Worten: „Was heißt hier Querstraße? Ein anständiger Name muss es sein – der meinige.“ Nach dieser Änderung wurde die Straße durch Zukauf weiteren Grund und Bodens nach Süden verlängert. Mit dem Bau weiterer Häuser wurden jetzt auch Architekten betraut, das waren hauptsächlich Walter Nehring und die Firma Smid. So gehörten bis 1695 bereits 300 Häuser zu dem Stadtteil, der den Namen Friedrichstadt erhielt. In diese Gegend waren meist die Hugenotten gezogen, die durch hohe handwerkliche Fähigkeiten das Ansehen des Herrscherhauses und der Stadt Berlin mehrten. Nach dem Tode von Friedrich III. übernahm der spätere Friedrich Wilhelm I. die preußische Herrschaft und forcierte den Ausbau der Friedrichstadt, sogar mit Militärgewalt. Aufgrund dessen konnte die südliche Friedrichstraße Anfang der 1830er Jahre bis zum Halleschen Tor und der nördliche Teil bis zum Oranienburger Tor verlängert werden.

Der Straßenabschnitt nördlich der noch hölzernen Weidendammer Brücke trug noch lange Zeit dörflichen Charakter, sie hieß auch noch gar nicht Friedrich- sondern Dammstraße. Dafür wurden hier viergeschossige Kasernenbauten für das Zweite Königliche Husarenregiment gebaut, Kontore und erste Manufakturen ließen sich hier nieder.

Die Friedrichstraße zwischen 1800 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Blick von der Taubenstraße auf die Friedrichstraße,
Aquarell von Wilhelm Georg Ritter, 1896

Bei der Märzrevolution im Jahr 1848 war die Friedrichstraße, besonders die Kreuzung mit der Jägerstraße, auch ein Schauplatz der Geschichte: Barrikadenkämpfe fanden statt, in deren Ergebnis ein Abzug der königlichen Militärs aus der Stadt erzwungen wurde. Eine Gedenktafel in der Friedrichstraße 180 erinnert heute an die Ereignisse.

Im 19. Jahrhundert gewann der Abschnitt zwischen Weidendammer Brücke und dem Halleschen Tor an Bedeutung: teure Hotels, Restaurants und Künstleretablissements richteten sich hier ein und zogen Gäste an. Eine langjährige Baulücke, wo zuvor das Hotel Monopol gestanden hatte[2], direkt an der Nordseite des Bahnhofs Friedrichstraße (Hausnummer 100), beherbergte von 1927 bis 1945 das Speiserestaurant Franziskaner. Eingerichtet und betrieben wurde dieses Bier- und Weinlokal mit bis zu 2500 Plätzen von Ernst Barthels, bis es durch einen Bombentreffer am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört wurde. Im Jahr 2008 wurde die Fläche an einen Investor verkauft, der hier ein neues Hotel- und Bürohaus errichten ließ. Bei den Bauarbeiten kamen Keller und Fundamente des früheren Lokals zum Vorschein.[3] Um die Wende zum 20. Jahrhundert galt die Friedrichstraße als Handelsplatz für Edelsteine und Gold und war ein Zentrum der Prostitution.

Mit dem Bau der Eisenbahn von und nach Berlin und der damit verbundenen Errichtung des Bahnhofs Friedrichstraße im Jahr 1882 war die hervorragende Bedeutung dieser Straße für das Leben in Berlin endgültig „besiegelt“. Alle Bilder und Fotos aus dem beginnenden 20. Jahrhundert zeigen eine vielbevölkerte und quicklebendige Straße, dabei eng bebaut.

Die Kreuzung mit der Straße Unter den Linden wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts eine der belebtesten der Stadt überhaupt. Unzählige Pferdebahnen, Droschken, Kraftfahrzeuge, Handwagen, Omnibusse, Radfahrer und Fußgänger teilten sich die Straße. Ampeln oder andere ordnende Hilfsmittel gab es noch nicht. Ein erster Verkehrspolizist wurde nötig, der mit Trillerpfeife und Armbewegungen eine Verkehrslenkung versuchte. Die Kreuzung mit der Leipziger Straße galt vor dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls als sehr verkehrsreicher Knotenpunkt.

Im Juli 1918 berichtete der Philosoph Martin Heidegger seiner Frau über seine Erfahrungen in Berlin und erwähnte dabei auch die Friedrichstraße:

„Eine solche Luft künstlich hochgezüchteter, gemeinster u. raffiniertester Sexualität hätte ich nicht für möglich gehalten, ich verstehe aber jetzt Berlin schon besser - der Charakter der Friedrichstraße hat auf die ganze Stadt abgefärbt […] Die Menschen hier haben die Seele verloren.“

Martin Heidegger: Mein liebes Seelchen![4]

Wiederaufbau ab 1945 und Folgen der Aufteilung in vier Sektoren[Bearbeiten]

Zerstörungen in der Friedrichstraße, Frühjahr 1945
Ehemaliges Hotel Unter den Linden, dahinter das Internationale Handelszentrum

Nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg begannen parallel die Trümmerbeseitigung und Aufbaumaßnahmen in der DDR.

An der Ecke Friedrichstraße/Am Weidendamm wurden das Haus der Tschechoslowakischen Kultur (1955) und das Haus der Polnischen Kultur (1956) mit Veranstaltungsräumen und Läden für Bücher, Schallplatten und landestypische Artikel in Pavillonform errichtet. Beide wechselten 1978 bzw. 1972 an andere Standorte.

Unter den Linden an der Ecke zur Friedrichstraße (alte Kranzler-Ecke) wurde 1966 ein Appartementblock mit Läden im Erdgeschoss fertiggestellt. 1987 wurde an dieser Stelle das Grand Hotel eröffnet. An der Stelle des ehemaligen Café Bauer wurde 1966 das Lindencorso eingeweiht. Das Gebäude reichte von Unter den Linden bis zur Rosmarinstraße. Im unteren Bereich waren verschiedene gastronomische Einrichtungen untergebracht, in den oberen Etagen befanden sich Büros. Zur Friedrichstraße hin lag die Terrasse des Café Espresso, davor eine Freifläche mit Springbrunnen und Blumenbepflanzung. An der nordöstlichen Ecke der Kreuzung, also etwa an der Stelle des alten Café Viktoria, entstand das Hotel Unter den Linden (ebenfalls 1966 fertiggestellt). Das Gebäude war zur Friedrichstraße etwas zurückgesetzt, sodass ein kleiner Platz entstand.

Nahe dem S-Bahnhof wurde von 1976 bis 1978 das Internationale Handelszentrum errichtet. Das Haus der Sowjetischen Wissenschaften und Kultur an der Ecke Jägerstraße wurde 1984 eröffnet wie auch der Friedrichstadt-Palast. Bei den Bauwerken der 1980er Jahre wurde unter anderem auf postmoderne, historische und moderne Elemente zurückgegriffen.

Die Berliner Mauer teilte die Friedrichstraße. Der Mehringplatz als ihr südliches Ende wurde ab 1968 umgestaltet. Die historischen Straßenverbindungen zur Lindenstraße und Wilhelmstraße wurden unterbrochen. Von 1966 bis 1975 erfolgte die Ringbebauung des Mehringplatzes mit modernen Mitteln. Im Rahmen der Internationale Bauausstellung 1984 sollten auch Teile der West-Berliner Friedrichstraße städtebaulich repariert werden. An der Ecke zur Kochstraße entstanden das Haus am Checkpoint Charlie und das Koolhaas-Haus am Checkpoint Charlie.

Die Friedrichstraße ab 1990[Bearbeiten]

Quartier 206

Nach der Wende wurden einige Stadtquartiere neu errichtet, unter anderem die als Friedrichstadt-Passagen bekannten Quartiere 205, 206 und 207 (Galeries Lafayette). Ein auf dem Gelände des ehemaligen Grenzübergangs 1992 projektiertes American Business Center wurde nur teilweise fertig. Von den geplanten fünf Gebäuden entstanden drei, darunter das Philip-Johnson-Haus. Bis zum Jahr 2010 wurden die letzten Baulücken geschlossen, unter anderem am Spreedreieck und an der Kreuzung Unter den Linden auf dem Platz des ehemaligen Hotels Unter den Linden.[5]

Im südlichen Bereich endet die Friedrichstraße als reine Fußgängerzone am Mehringplatz, dessen halbrunde Form einschließlich der in den späten 1960er Jahren errichteten sozialen Wohnungsbauten nur noch schwach an die frühere Bebauung des Belle-Alliance-Platzes, der im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden war, erinnert.[1] Die Friedrichstraße endet hier mit der Hausnummer 246.

Bauwerke und Denkmale in der Friedrichstraße[Bearbeiten]

Kindertransport-Denkmal vor dem Bahnhof Friedrichstraße
Nachbau der Grenzbaracke am ehemaligen Kontrollpunkt Checkpoint Charlie

Von Nord nach Süd:

Persönlichkeiten, die in der Friedrichstraße lebten oder wirkten[Bearbeiten]

(Angaben chronologisch mit den jeweiligen Hausnummern)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Die Friedrichstraße – Geschichte und Geschichten. Berlin-Information, 1986
  • Ralph Hoppe: Die Friedrichstraße. Pflaster der Extreme. be.bra verlag, Berlin 1999, ISBN 3-930863-61-8
  • Harald Neckelmann: Friedrichstraße Berlin zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Berlin Story Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-86368-069-5
  • Hans Prang, Horst Günter Kleinschmidt: Durch Berlin zu Fuß. VEB Tourist Verlag, Berlin / Leipzig 1983, S. 94, 135, 171

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friedrichstraße – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Peter Brock (Hrsg.): Berliner Straßen neu entdeckt. 33 Streifzüge durch die Hauptstadt. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-114-2, S. 57–62: Friedrichstraße. Die Dreigeteilte
  2. Historische Ansichtskarte von 1911 mit dem Hotel Monopol auf www.zeno.org
  3. Einst flogen Zigarettenkippen in die Suppe. In: Berliner Zeitung, 3. September 2008
  4. Briefe Martin Heideggers an seine Frau, Deutsche Verlags-Anstalt 2005, S. 72
  5. Kurzinformation zum Baugeschehen in der Friedrichstraße auf uppereastsideberlin.de

52.51666666666713.389166666667Koordinaten: 52° 31′ 0″ N, 13° 23′ 21″ O