Friesen

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Dieser Artikel befasst sich mit dem germanischen Volksstamm bzw. der Volksgruppe der Friesen, weiteres siehe: Friesen (Begriffsklärung) und Friese (Begriffsklärung)
Das historische Siedlungs- und Sprachgebiet der Friesen

Die Friesen sind eine Bevölkerungsgruppe, die an der Nordseeküste in den Niederlanden und Deutschland lebt.[1][2][3] In beiden Ländern sind die Friesen als nationale Minderheit anerkannt. In Deutschland wird dabei auf die Friesen der Terminus Volksgruppe angewandt, ohne dass dies den Status als nationale Minderheit berührt. Ein germanischer Volksstamm der Friesen (lateinisch: Frisii, griechisch: οι Φρίσσιοι oder Φρείσιοι) ist seit der Antike belegt.

Für den heutigen internationalen Zusammenhang sind sprachliche Gemeinsamkeiten und das Wissen um eine friesische Geschichte von Bedeutung. Während in der niederländischen Provinz Friesland neben Niederländisch das Friesische anerkannte Amtssprache ist, ist der Status des Friesischen in Deutschland schwächer.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Das älteste schriftliche Zeugnis vom Gebiet der Friesen stammt von dem Griechen Pytheas von Massilia, der um 325 v. Chr. das Gebiet der heutigen Deutschen Bucht und Mittelnorwegen erreichte. „An einem Wattgebiet des Ozeans namens Metuonis, das eine Ausdehnung von 6000 Stadien hat, liegt von diesem entfernt die Insel Abalus, wo im Frühjahr Bernstein angetrieben wird.“ Dies ist die erste Erwähnung von Helgoland (Abalus) und der südlichen Nordseeküste. (E.H. Berger: Geschichte der wissenschaftlichen Erdkunde der Griechen). Bernstein gehört zu den ältesten Fernhandelsgütern. Aus der früheren Geschichte Frieslands sind keine Textquellen erhalten, wohl aber gibt es Funde, die z.T. bis in die letzte Zwischeneiszeit zurück datieren. Aus der Mittelsteinzeit sind Funde aus dem Gebiet des Broekzeteler Meers erhalten. Mit der Jungsteinzeit vergrößert sich die Zahl der Funde: Steinbeile und andere Werkzeuge, Becher, Urnen und anderes sind erhalten. Unter anderem fand sich im Moor von Georgsfeld einer der ältesten bisher bekannten Pflüge der Welt, der auf 2000 v. Chr. datiert wurde. Frühestens 300 v. Chr. entstanden an der friesischen Küste die Warften oder Wurten.[4]

Die große Verlandung, die im 1. Jahrhundert v. Chr. begann, hatte eine große Siedlungswelle zunächst in das Marschgebiet zur Folge. Spätere Siedler begannen auch Land zu besiedeln, das zweimal am Tag von der Flut bedeckt wurde, indem sie Hügel aufschütteten, die höher als die höchste Flut lagen, die Warften.

Römerzeit [Bearbeiten]

Die antiken Friesen („Frisii“) wurden vom römischen Historiker Tacitus in seiner Germania der Gruppe der Ingaevones zugeordnet, zu denen auch die Chauken und Sachsen gezählt wurden. Das Land der Friesen lag an der Küste der Nordsee von der Mündung des Rheins bis etwa zur Ems. Ostwärts der Ems siedelten nach diesen römischen Angaben die Chauken. Die erste Erwähnung der Friesen stammt von Plinius dem Älteren und steht in Zusammenhang eines Feldzugs des römischen Feldherren Drusus, der im Jahre 12 vor Christus in den Friesen Verbündete fand. Doch bereits in den Jahren von 28 bis 47 lehnten sich die Friesen gemeinsam mit anderen ingwäonischen Völkern unter der Führung des Gannesko/Gannescus gegen die Ausbeutung durch die Römer auf, wie Tacitus berichtet. In seinen Annalen berichtete er über das Jahr 28: „Im selben Jahr brachen die Friesen, ein Volk jenseits des Rheins, den Frieden, mehr infolge unserer Habsucht als aus Trotz gegen unsere Herrschaft. Drusus hatte ihnen in Rücksicht auf ihre dürftigen Verhältnisse einen mäßigen Tribut auferlegt: Sie sollten für Heerzwecke Rinderhäute liefern.[5] Obwohl die Rinder der Friesen damals klein waren, forderten die römischen Beamten Häute in der Größe von Auerochsen. Tacitus führt aus: „Die Bedingung, die auch andere Völker nur schwer hätten erfüllen können, war um so drückender für die Friesen; denn wenn auch ihre Wälder reich an mächtigen Ungetümen sind, sind ihre zahmen Rinder jedoch klein. So lieferten die Friesen am Anfang ihre Rinder; dann mussten sie auch ihre Frauen und Kinder oder beides an Tribut leisten. … Die römischen Soldaten, die zur Erhebung des Tributes nach Friesland kamen, wurden daher von den Friesen angegriffen und ans Kreuz geschlagen.

In der Folge gelang es den römischen Legionen unter Führung des Legaten Corbulus zwar den Aufstand niederzuschlagen, aber sowohl der Feldzug als auch die gewonnene Entscheidungsschlacht führten zu außerordentlichen Verlusten. So gerieten nahe dem heiligen Hain der Friesen, Baduhenna, einige römische Verbände in einen Hinterhalt und wurden ausgelöscht, wobei nach den Berichten 900 Römer den Tod fanden. Die Angehörigen eines weiteren Truppenverbandes von 400 Legionären wurden ebenfalls eingeschlossen und gaben sich überwiegend selbst den Tod, indem sie sich in ihre Schwerter stürzten, nachdem ihre Lage aussichtslos war. Tacitus berichtet: „Seither hat der Name der Friesen bei den Germanen einen hellen Klang.[6]

Auch wird für das Jahr 16 die Anwesenheit eines großen römischen Heeres an der Ems im Römerlager Bentumersiel bei Jemgum angenommen.

Zwischen der Niederlage der verbündeten ingwäonischen Stämme im Jahre 47 n. Z. und dem erstmaligen alleinigen Auftreten der Friesen als Großstamm anno 163 muss die Amphiktyonie/der Kultbund der Ingwäonen längs alter ethno-kultureller Grenzen auseinander gebrochen sein. Während sich die Kleinen und Großen cHauken (~ die Schläger) dem Stamm der Ur-Sachsen (Sahsgenotas)anschlossen und sich dem Kult des Schwertgotts Saxneat verschrieben, verblieben die Friesen bei der Verehrung der ingwäonischen Fruchtbarkeitsgötter. Die tief in der Historie angelegten Unterschiede zwischen Friesen und Sachsen machen sich bis in jüngste Zeit etwa im Erbrecht bemerkbar oder in der Architektur. Das friesische Jüngsterbenrecht ist dabei ein Ausdruck größerer sexueller Freizügigkeit bei unvermählten Frauen. Da der Freibauer nicht sicher sein konnte, dass der älteste Sohn auch wirklich seinen eigenen Lenden entsprang, wurde halt der Jüngste bevorzugt, wie noch heute bei der Nordener Theelacht üblich. Die Sachsen hingegen praktizierten das An- oder Ersterbenrecht, das allein dem Erstgeborenen das Odhal, sprich Hof und Land,zugesteht; in den erst später unterworfenen und sächsisch akkulturierten Gebieten im Süden und Osten des historischen Sachsenlandes findet sich hingegen das Gegensatzpaar aus aristokratischen Gütern der sächsischen Erobererschicht und der sowohl von Realteilung als auch kollektiven Almenden bestimmte Vererbungsmodus der Frijlinge und der Liten oder Halbfreien. Neben weiteren Unterschieden in der Ortsanlage und -größe sei auch auf die Bekrönung des Firstes friesischer Bauernhäuser mit dem "Ulebord", einer aus Holz oder Walknochen geschnitzten Kombination von Weltenbaum (=Stav)und Sonnenschiff hingewiesen, die im Kontrast zu den bei den Sachsen üblichen, noch heute im Oldenburgschen "Hängest und Horsa" genannten, gekreuzten Pferdeschädeln steht. (Bei den Nachfahren der Aethel- oder Ursachsen schauten sich übrigens die Pferdeköpfe an, während sie bei den Nachkommen der cHauken in die entgegengesetzten Richtungen blickten.)

163 n. Z. kürten die Friesen mit Ariovist erstmals einen eigenen König und attackierten das rechtsrheinische Traiectum ad Rhenum, wurden aber in einer bei Leiden stattgefundenen Schlacht vernichtend geschlagen. Die Quellenlage zu den Friesen wird vom 4. bis 7. Jahrhundert sehr dünn. Archäologische Funde lassen darauf schließen, dass um 300 die Bevölkerung stark zurückgegangen war dank klimatischer Veränderungen. Sturmfluten in Verbindung mit dem ungehemmten Torfabbau in der Marschenzone führten zu großen Landverlusten und zur Ausbildung von weiten Meeresbuchten (Zuidersee, Lauwers, Dollard, Jadebusen, Büsumer Bucht). Erst im 5. Jh. ist die Bevölkerung dank äußerer Ereignisse wieder sprunghaft angestiegen.

Die Notlage durch die Naturgewalten führte dazu, daß die Friesen im 4. Jh. einen weiteren Anlauf zur Bildung einer Zentralinstanz unternahmen. Der Legende nach wählten sie einen Aetheling namens Sibbelt zu ihrem gemeinsamen "Hertog". Von diesem und seiner Frau HrosIne stammen die nachfolgenden Herrscher der Friesen ab, so daß man wohl von der Herrschersippe der Sibbeltinger sprechen darf. Sibbelts Nachfolger Ritzard I. beanspruchte als erster den Königstitel.

Im Epos "Beowulf" findet sodann ein gewisser Folkwalda Erwähnung, der den aus dem Raum rund um die heute dänischen Inseln - wo ein jahrzehntelanger, vermutlich reli-giös gespeister Bürgerkrieg zwischen den dänischen Skjöldungen (König Halfdaene) und den um die Erulergilde gescharten übrigen Nerthusstämmen (König Frode) tobte {{damals wurde alte Kultzentren wie Gudme auf Fünen oder Vilslev bei Ribe in Südwestjütland abgefackelt und andererseits Kultobjekte wie die Goldhörner von Gallehus, der Kessel von Gundestrup oder die Sonnenscheibe von Trundholm in der Hoffnung auf Rückkehr in der Erde versteckt. Doch die aus Schonen kommenden Dänen vermochten sich in Hleidir,Seeland mit dem Weißen See der Nerthus und der geweihgeschmückten Halle Heorot trotz aller Widerstände genauso dauerhaft zu etablieren wie auf der jütischen Peninsula.}}- fliehenden Jüten, Angeln, Warnen, Inselleuten, usw. vorübergehend und teils auch dauerhaft Asyl gewährte. Ein kleinerer Teil der Flüchtlinge, vor allem Jüten, blieb in Friesland wohnen, insbesondere im Go/Gau Nordendi, sowie dem westlauwerschen Wester- und Ostergo. Ein noch kleinerer Teil zog weiter ins Großreich der Thüringer, das bereits etwas früher aus der Allianz zuwandernder Nerthusleute (-leben, -stede oder auf -a endende Orte, bzw. Ortsnamen) mit den schon länger beheima-teten swebischen Zwillingsstämmen der Hermunduren und Juthungen (-hausen, -sen-Orte)entstand. Die Runen "Thurisaz": Verbindung von Gegensätzen und "Ingwaz": Leben, Menschen oder Völker lieferten den Namen Thüringen für dies außerordentliche Experiment. Dieses Thüringen nahm in der Folge auch Einfluss auf die dritte größte Gruppe von Flüchtlingen, die sowohl im Rhein-,Maas-,Schelde-Delta als auch an den Küsten Großbritanniens kleine Völkerwanderungsreiche errichteten.

Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen steht das archäologisch in der Anzahl der Wurtplätze erfassbare überraschend schnelle Anwachsen der Bevölkerung. Die heutigen Friesen stellen also eine Melange aus dem ursprünglichen Volkskörper, den Zuwanderern aus Skandinavien und später hinzugekommenen Seefahrern dar. Die Kontakte mit dem Kontinent, also Sachsen und Franken, waren jedoch gering, da Friesland bis in die frühe Neuzeit durch einen nahezu undurchdringlichen Gürtel aus Sümpfen und Mooren gleichsam wie eine Insel vom eigentlichen Festland getrennt war. Erst die obrigkeitlichen torf-abbauenden Moorkolonien des 18. und 19. Jh. beendeten diesen Zustand, der auch für die spätere politische Sonderrolle der Friesen im Rahmen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation verantwortlich war. Der große Sonderheit der friesischen Kultur, die abgesehen von Schotten und Norwegern vergleichsam oft hünenhafte Statur der Friesinnen und Friesen, ließen bisweilen die Frage aufkommen, ob dieses Volk vielleicht anderer, etwa keltischer Herkunft wäre. Tatsächlich stellen sich aber alle germanischen Völker als Mischform dar, die sich neben allerlei späteren Zuwächsen aus dem auch in der Sprache gespiegelten Zusammenprall einer präindogermanisch fälisch-cromagniden Vorbevölkerung, den Trichterbecherleuten, mit den indogermanischen Schnurbandkeramikern oder Streitaxtleuten ergab. Bei den Friesen scheint nun der Anteil der Zuwanderer geringer ausgefallen zu sein als bei anderen germanischen Stämmen, was für die bessere Rechtsstellung der Frau, die kollektive Herangehensweise an Aufgaben wie den Deichbau, die geringere Neigung zum Kriegführen verantwortlich sein mag.

Zeit der Völkerwanderung [Bearbeiten]

Auf den auch im Widsith erwähnten Folkwalda folgte die Zentralgestalt des Beowulf- Epos und des Finnsburg-Fragments, auf die auch im Waldere angespielt wird, Finn/-o Folkwaldas Sohn, der eher um 450 n. Z. anzusetzen ist, zieht man denn Querverbindungen zu den Annales Cambriae, Gildas, dem Anglo-Saxon-Chronicle, der Gesta Danorum und der Ynglinga-Saga in Betracht. Vergeblich versucht Finn, dessen Mutter wohl eine Jütin, dessen Frau Hildborg hingegen eine Dänin ist,eine zwischen den zerstrittenen Völkern vermittelnde ausgleichende Position einzunehmen. Doch der Jütenkönig Gudhere, der Dänenönig Hnaef lassen das nicht zu. Am Ende sind alle Beteiligten bis auf ein paar extraharte Dänenkrieger tot und die Finnsburg steht in Flammen.

Für das 5. Jahrhundert, eine Zeit nur rarer Erwähnung der Friesen in den zudem wenigen Chroniken, wird vermutet, dass sich auch Teile von ihnen an den Raub- und Eroberungszügen der diversen Nerthusvölker: vor allem der Angeln, Warnen und Jüten, aber auch der auf andere Weise involvierten Sachsen beteiligten. Zudem spielten die Thüringer und West-Goten eine gewisse Rolle in diesen politisch-militärischen Aktivitäten.

Worauf im Allgemeinen wenig geachtet wird in jener üblichen Verballhornung von Aktivitäten germanischer Stämme in der südlichen Nordsee und dem anschließenden Atlantik, etwa zusammengefasst in dem Term "Angelsachsen", ist die Tatsache, dass die Stämme ganz unterschiedliche Ausgangslagen besaßen. Die Sachsen kamen nämlich bereits sehr viel früher und von da an kontinuierlich immer wieder in eher kleinen Gruppen an die Strände (Litus) Galliens und Britanniens und zwar als Plünderer, wobei offener Raub bei Fremden, ja, anders als heimlicher Diebstahl nicht als kriminell angesehen wurde in der barbarischen Gesellschaft Nordeuropas. Bereits seit dem 3. Jh. kamen die Schwertgenossen oder Sachsen über die Unterläufe von Ijssel, Vechta, Lauwers, Ems, Jade, Weser, Elbe, Eider und Hever und zwangen die Römer durch ihre Überfälle zwei unabhängig von den jeweiligen Provinzialverwaltungen agierende Kommandanturen aus Festungen, Bereitschaftstruppen, Häfen und Flotten, Aussichtstürmen, Meldestaffeln und Versorgungseinrichtungen anzulegen, die Comitate limitans litus saxoniae per Britanniam und per Galliam mit den jeweiligen Sachsengrafen in Camelodunum/Camelot und andererseits in Suessionum/ Soissons, dort angesiedelt beim nordgallischen Heermeister/Magister militium utrique (Avitus -> Aegidius -> Paulus -> Syragius). Für eine Weile hatte dieses Verteidigungssystem Erfolg. Bis auf einige den beiden Küsten vorgelagerte Inseln gelang den Sachsen kein territorialer Erfolg. Erst der große Bevölkerungsexodus der Nerthusleute aus dem südskandinavischen Raum und das Vordringen der Goten in Gallien ermöglichte ihnen sich einzuklinken. Etwa die Baiokassen an der späteren normannischen Küste und die an den Mündungen von Liger und Garunna sowie auf den vorgelagerten Inseln (Sauzon/Sazon-Orte)lebenden aquitanischen Sachsen, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit mit den "Gewissae" der britischen Überlieferung identisch sind. Und andererseits die Esseax, Sudseax und Wesseax an der britannischen Küste begründenden Verbände.

Wobei selbst hier die Sachsen selten alleine handeln. So treten in Sussex von einem thüringischen Fürstengeschlecht, den Haestingas kommandierte Warnen an die Seite der Sachsen. Ihr erster Anführer Hegel oder Hetel agiert wie sein sächsischer Counterpart Wlanca beidseits der Straße von Dover und Calais. Während nordflandrische Ortsnamen, in denen sich der Name von Wlancas Sohn Aelle verbirgt dort seine von Flußläufen und Meeresarmen geschützte Ausgangsbasis verorten, kommandierte Hegel/Hetel das in der Ambraser Handschrift, bzw. der Gudrun-Sage erwähnte, nach ihm benannte Reich Hegelingen mit der Hauptveste Matabane. Noch heute findet sich auf der angelandeten Insel Schouwe-Duiveland der Ort Hegelingen, der wohl das einstige die Maas-Mündung kontrollierende Matabane (angelsächs.: metan=Treff; bana=Weg)darstellt. Gregor von Tours erwähnt drei den Franken feindliche, von Nerthusleuten bewohnte Kleinreiche im Rhein-, Maas-, Schelde-Delta, eingezwängt zwischen den Salfranken im Süden, dem noch nicht gerodeten Urwald, den man wegen seiner Köhler und Schmiede den Kohlenwald nennt im Südosten, den Sümpfen des Oude Rhijn im Nordosten, den Friesen und ihren Gästen im Norden, der Nordsee im Westen. Man muss ihre Existenz im Zusammenhang mit den zeitgleichen Besiedlungsansätzen in Britannien sehen, den jütischen Reichen von Kent und Wight, den anglischen Reichen von Bernicia, Deira und Lindsey, sowie dem, von dem gautisch-schwedischen Erulergeschlecht der Wulfingas kommandierten East Anglia. Nur sorgte die fränkische Suprematie der Chlodwigsöhne auf dem Kontinent dafür, dass ihnen ein anderes, auch mit den Friesen verknüpftes Schicksal beschieden ward. Analog zu Britannien siedelten dort anders wie von Beda Venerabilis mit seinen Angeln, Sachsen und Jüten simplifiziert, ganz verschiedene südskandinavische Völkerschaften munter durcheinander. Die von Uisc und seinen Göttern Hengist und Horsa, den Alken, genutzten drei Schiffe sind nur ein literarischer Topos. Auch König Berig und die mit ihm reisenden Austogoten, Vesier und Gepiden benutzen für die Überfahrt von Skandza zu Skandza, Küste zu Küste, drei Schiffe. Doch Menschen brauchen so etwas wie einen Traditionskern, um sich zurecht zu finden und den liefert für gewöhnlich die jeweilige Stirps regia, für East Sussex und das südholländische Hegelingen das warnische Haestinga-Geschlecht, für das um Wintaborg/= Utrecht entstehende Morland eine Erulersippe und für das seeländische, bzw. See-Thüringen mit Antwerpens Steen als Mittelpunkt Mitglieder der groß-thüringischen Stirps regia, der Bessiniden.

Da alle diese Kleinreiche später zu Gauen reduziert immer mal wieder vom Fränkischen ans Friesische Reich fielen, gehören sie unbedingt in unsere Betrachtung und müssen von daher besprochen werden. In der Gudrunsaga tritt jener Wate auf, der in der britischen Überlieferung Watt genannt wird und wohlnd damals Wada gesprochen wurde. Als Nachfolger Hegels/Hetels herrscht er auf beiden Seiten der Meerenge und wird von Aelle, dann seinen Söhnen Cissa, Cymen und Citha, genannt Wlencing (Ver-mutlich darf man Wlencing als Gentilnamen dieser Sippe ansehen!)als Unter- oder aber alliierter König angesehen. Vermutlich beruhte das gute Verhältnis auf verwandtschaftlichen Beziehungen. Dafür spräche, dass Cissas Tochter Menia in die mächtige groß-türingische Herrscherfamilie einheiraten konnte und nacheinander Ehefrau König Bisin des Jüngeren und des langobardischen Hersen Gauso wurde. Bereits zuvor hatte die jütisch-kentisch-nordflandrische Prinzessin Hrenschweig/Hrenswin/Rowena, Tochter von Uisc und Schwester von Uchtar, Witwe des zweiten Vor-Tiern/Hochkönig (verballhornt zu Vortigern)und Kornovierfürsten von Pouais (Pagus Cornovirum/Powys) und seiner beiden Militärkolonien Kernew (Cornouaille) und Kernew-Veur (Cornwall) Britu in zweiter Ehe den zeitlich zwischen den beiden Bisins anzusiedelnden Thüringerkönig Gunthachar geehelicht.

Wichtigster Alliierter der Warnen und ihrer aus dem Norden stammenden Nachbarn war der tolosanische Gotenkönig Eurich wie auch schon dessen Vorgänger Theoderich. Beiden bereitete die zunehmende Stärke der Salfranken Sorge. Sidonius berichtet von Warnen und Erulern aus dem Norden am Hof von Tolosa. Einen dieser Warnen, Agiulf, nimmt Theoderich sogar als cliens proprius und engsten Berater an und macht ihn später zum Statthalter im unterworfenen Sweben-Reich von Braga, wo Agiulf allerdings Verrat begeht. Als zwei der drei salfränkiscenhen Kleinreiche - nur Childerich von Dornik/Tournai beteiligte sich aus familiären Gründen nicht daran - , das von Cambrai unter Chlodio und das von Therouanne, seinerzeit ein Hafenort, die drei Kleinreiche der Nerthusleute im Rhein-, Maas-, Schelde-Delta angreifen und zu siegen drohten, entsandte Eurich die in der Hauptsache von den vasallären aquitanischen Sachsen gestellte westgotische Flotte und trieb die Franken zurück. Dabei wurde einer der beiden Könige gefangen genommen - Sidonius Apollinaris nennt ihn den fränkischen Mars - und nach Toulouse verbracht. Sein Name wird nirgends genannt, vermutlich weil er Chlodwig lautete und das Debakel eines solchen Namensvetters ein schlechtes Licht auf den eine Generation später herrschenden großen Chlodwig geworfen hätte. Mithin dürfte dieser Chlodwig von Therouane dem Ludwig von Kassiane der Gudrunsaga entsprochen haben. Childerich von Dornik/Tournai mochte zwar wegen seiner thüringi-schen Gattin Basina Bedenken gehabt haben,gegen die nördlichen Nachbarn vorzugehen,doch den Sachsen brachte er nicht denselben Respekt entgegen. Als der aquitanische Sachsenkönig Odoaker Angers einnahm, stellte er sich an die Seite des nordgallischen Heermeisters Paulus und trieb nach Paulus tödlicher Verwundung die Sachsen den Liger/La Loire hinab, wo er bei Namnetum den Odoaker im Zweikampf tötete. Fortan galt Childerich, der vom oströmischen Kaiser mit Titeln und Tantiemen belohnt wurde, und sein Reich als die kommende Macht. So fand sein Sohn Chlodwig von Be-ginn seiner Herrschaft an, die partielle Unterstützung seiner Vettern Chacharich - der Hartmut der Gudrunsage - und Ragnachar wie auch des Comes der Moselfranken, Arbogast der Jüngere. Dennoch überlebte das Warnenreich von Hegelingen, bzw. der Haestingas seine Ägide. Erst Chlodwigs des Großen recht brutaler jüngster Sohn Chlothachar, bzw. der Anführer der fränkischen Elitekämpfer, der Chattuarier/Hetwaren: Dagrabe unterwarfen den Festlandsteil im Rahmen des ersten großen thüringisch- fränkischen Kriegs 510 - 512, in den auch noch die skandinavischen Gauten als Verbündete der Thüringer, Friesen und Nerthusvölker hineingezogen wurden. Der Tod des gautischen Königs Hugileikaz am Niederrhein ließ die fränkische Seite triumphieren. Und was nun die Insel angeht, so vermochte sich der südsächsische Verbündete der Haestingas, König Winecisse, nicht gegen seinen Schwager Ceawlin von Wesseax zu behaupten, der sein Reich entlang der Küste bis nach Kent ausdehnte.

Östlich von Hegelingen platziert die Gudrun-Sage Morland. Die Myrgingas/Moren/Mauren/Stur-Maren waren ein kleines, aber sehr kriegerisches Volk an der Eider eingeklemmt zwischen Angeln und Sachsen, Warnen und Hathubarden, über dessen Schicksal der Widsith oder Weitfahrer ausführlicher berichtet, zumal sich der Ich-Erzähler als Angehöringen dieses Volks zu erkennen gibt. Dies ebenfalls in der Origo Langobardis erwähnte Volk befand sich mit den benachbarten Angeln im Dauerclinch. Dennoch mußten die "Ruhmreichen" genau wie die Angeln nach Westen fliehen angesichts der Dampfwalze der unter Wodens Rabenbanner kämpfenden dänischen Krieger. Die Moren oder Myringer richteten sich in den Ruinen von Traiectum ad Rhenum ein, dass sie Wintaborg nannten. Dass Gregor von Tours und Sidonius Apollinaris sie, bzw. ihre Elite als Eruler bezeichnen ist kein Widerspruch.

Was leider erst einige Historiker begreifen, ist die Tatsache, dass es sich bei den Erulern, den Einrillern der Runen oder Reudignern, den Rötigern der eingerillten Runen analog zu den fränkischen Chattuariern nicht eigentlich um ein Volk handelte, sondern um die Gilde, den Orden der vermeintlich magiekundigen Elite-Krieger des Nerthusbundes. Sie begleiteten die Kimbern, Teutonen und Ambronen in den Süden, verbanden im Noricum ihre alten magischen Zeichen mit einem italischen Alphabet zu den nachmaligen Runen und schickte diese gemeinsam mit dem Kessel von Gundestrup von den Scordiskern an der Donau in ihre nördliche Heimat. Später werden sie mit Jüten und Warnen am Asowschen Meer und Kuban erwähnt, später in Mähren, dann in Bosnien. Sowohl der Skire Odoaker als auch ein germanischstämmiger Breonenfürst in den Alpen nennen sich Rex Herulorum. Eruler wie Gordas dienen in Konstantinopel und Tolosa, beraten Gautenkönige und errichten an der norwegischen Westküste kleine Fürstentümer, so dass ihre Eigenbezeichnung Eriloz schließlich zum Titel wird: Jarl, Earl. Die Gudrun-Sage nennt den König von Morland Sigfred, was auf eine Verschwägerung mit den benachbarten Rheinfranken hindeutet, egal, ob deren dynastischer Name nun Wälsung lautet oder nicht. Interessant ist aber, dass sein noch an der Eider lebender Vorgänger Eadgils, bzw. Aldegils hieß, just so wie der mächtigste Herrscher der Friesen Aldegils der Alte. Da die Germanen gern Leitnamen verwendeten in der Hoffnung, eine kriegerische Seele möge zum Wohle des Volkes wiedergeboren werden, muss man wohl von einer Verwandtschaft ausgehen.

Das dritte der drei nerthischen Kleinreiche im Rhein-, Maas-, Scheldedelta wurde bereits kurz nach 510 von Chlodwig dem Großen erobert, nachdem der Beschützer Alarich von Tolosa weggefallen war. Noch anno 507 hatte Alarichs ostgotischer Schwiegervater, der Amaler Theoderich in persönlichen Botschaften die drei Kleinkönige aufgefordert nun auch seinem von den Franken bedrängten Eidam zu Hilfe zu kommen. Die Gudrunsage nennt den König Seelands, bzw. der westlichen Thüringer Herwig, was gut mit dem König Merwig frühneuzeitlicher thüringischer Geschichtswerke in Einklang gebracht werden kann. Man weiß. dass der Antwerpener Steen am Ufer der Schelde bereits in der Völkerwanderungszeit befestigt und Zentrum des Umlandes war. Nun, gibt es in Antwerpen die Sage vom Druon Antagon und dessen Gegenspieler Marcus Brabo,hinter der sich der alte Gegensatz zwischen Franken und See-Thüringern verbirgt. Natürlich wurden, anders als die Legende behauptet, in >H<andwerpen keine Hände abgehackt und in den Strom geworfen, sondern der Name der Stadt leitet sich von "anwarpen", d. h. seine Boote festmachen, ab. Doch steckt in jeder Fama auch Wahrheit. Der Hauptgott der Thüringer, deren swebischer Herkunftsteil sich zuvor Hermunduren, "die unter der Munt Ermins/Jör(d)mins Stehenden" nannte, war der Richter-, Erd- und Himmelsgott, den die Kelten Nodens, bzw. Nuada mit dem Silberarm nannten, die Germanen Forsete, Tiu, usw., Mars Thingsos und auch hier war der Schwertarm vom Fenrirwolf abgebissen worden und führte nun ein autonomes, krieg- und schreckenverbreitendes Dasein. antagonos bedeutet griechisch gegnerisch und Druon ist in Verbin-dung zu angelsächsisch Drythen= Gefolgsherr, schwedisch Drotning, dänisch Dronning=Königin, zu Drohne, Thron und vielleicht auch zu niederdeutsch Drost zu setzen und bedeutet einfach Herrscher. Der gegnerische Herrscher für die siegreichen Franken, die im Nachhinein bestimmten, wer der Gute war und wer die Rolle des Bösewichts zu übernehmen hatte.

Der Codex Eberhardi, ein Versuch Fuldaer Mönche sich mittels Urkundenfälschungen über angebliche Übertragungen an Land und Rechtstiteln in den Besitz eben dieser zu setzen (vgl. die dito gefälschten Konstantinischen und Pippinidischen Schenkungen mit denen sich das Papsttum in den Besitz ganz Mittelitaliens brachte!)braucht da, wo es nicht um die eigentliche Übertragung geht, keineswegs falsch zu liegen; zudem wird die Existenz eines friesischen Königs oder Herzogs namens Audulf durch die Münz-funde von Escharen belegt, die einen Audulfus Frisiae preisen, welcher sich als Verehrer der wohl in Victura latinisierten maidenhaften Kriegsgöttin Baduhenna zu erkennen gibt. Dem Münzfund ist allerdings auch zu entnehmen, dass Audulf seine Siege nicht gegen die Franken errungen hat, sind sie doch wegen der Latinismen und der ganzen Machart der Münzen unzweifelhaft von einer fränkischen Münze im Auftrag angefertigt worden, was man in der Regel für einen Feind nicht tut. Möglicherweise haben die skandinavischen Interventionen auf Seiten der Thüringer in deren Abwehr fränkischer Okkupationsgelüste, 512 die Gauten unter Hugileik, 534 die Dänen unter Hrodulf, bei denen wohl friesisische Wurten und Warften geplündert und zerstört wurden quasi als Reiseunterhaltung Friesen und Franken auf Zeit einander näher gebracht. Es heißt, das auf Seiten des austrasischen Kronprinzen Theudebert in beiden Fällen friesische Kontingente gekämpft hatten. Dennoch nur wenig nach Audulf - genannt wird ein Herrscher namens Beroald, für den die Quellenlage allerdings außerordentlich dünn ist! - können die Friesen in Zeiten zunehmender fränkischer Schwäche angesichts der jahrzehntelangen Auseinandersetzung zwischen den Furien Brunhilde und Fredegunde sich in den Besitz der extinkten nerthischen Königreiche setzen und ihre Südgrenze bis zum Zwin und dem hineinfliessenden Sinkfal vorschieben. Die Brügge/Brücke über den Sinkfal wird nun erstmal die Grenze zwischen den Einflußsphären von Suessionum und Staney hier, Bant, Stavoren und Wintaborg dort.

Was den anderen Nachbarn der Friesen angeht, die Sachsen, so beendeten sie in diesen Jahren ihre maritimen Abenteuer- und Raubfahrten angesichts der Tatsache, dass der Westen komplett unter militärisch schlagkräftigen barbarisch-stämmigen gentilen Einheiten aufgeteilt war. Es wurden zur Friedenswahrung zwischen den kleinen angelsächsischen Königreichen Britanniens sogar Sachsen unter ihrem Herzog Hadugatho aufs Festland zurückgeschickt, Kräfte, die sich an der Niederlage des Groß- Thüringischen Reiches beteiligten, später gemeinsam mit den Langobarden Italien eroberten, auf einem Zug zurück in den Norden Frankoburgund verwüsteten und am Ende ihrer ruhelosen Karriere auch noch einen Krieg mit den vor den Awaren ins Frankenreich geflohenen Havelsweben vom Zaun brachen. Es sollten aber der kurz nacheinander erfolgende Zusammenbruch des Thüringer- und des Hadubardenreichs, sowie der Rückzug der Franken aus der nördlichen Francia antiqua sein, der den an Bevölkerung reichen Sachsen genügend Ausdehnungsmöglichkeiten für ein Jahrhundert verschaffte. Kurzum, die Nordsee wurde wieder ein friedlicheres Meer, das nun eher von Handel und Kulturaustausch geprägt wurde. Da die Bernsteinstraße von Raben und Bern, Ravenna und Verona, durch Bajuwarien, das Groß-Thüringer Reich und die Hadubardia zur Ostsee zusammengebrochen war, gab es jetzt nur noch eine sichere Handelsverbindung in den Norden und die führte über das friesische Scharnier, da die vier königs- und damit auch königshoflosen Sachsenstämme der Nordiliudi, der Westfalingas, der Eastfalingas und der Engeren mit dem allsächsischem Thingplatz Markloh als ihrem spirituell-politischem Zentrum kaum Interesse an überregionalen Handelsaktivitäten mit Luxusprodukten zeigten und von daher eher fremdenfeindlich eingestellt waren. Aber auch der Handel zwischen dem fränkisch-langobardisch dominierten Kontinent und ebenso der skandinavischen Reiche mit dem nun teils germanisierten britischen Inseln fand abgesehen von dem untergegangenen neustrischen Quentowiek über friesische Handelsemporien wie Durstede/Dorestad und Rungholt statt. Die Friesen fühlten sich dabei wenig von der fränkischen Kulturvormacht angesprochen, sondern orientierten sich was Geschmack, Kultur und Ökonomie angeht an den angelsächsischen Staaten und Gesell-schaften. Grund war vermutlich, dass sich in Kernfriesland niederlassende und sich allmählich mit den originäre Friesen vermischende jütische Element und zum anderen die von den Franken hinzu eroberten Gebiete im Rhein-, Maas-, Schelde-Delta mit ihrer den Angelsachsen gleichenden nerthischstämmigen Bevölkerung. Während sich sonst in Kontinentaleuropa der fränkische Solidus als Währung durchsetzte, verwendeten die Friesen gleich den Northumbriern, Merciern oder Kentern den Sceatta, eine Silber-münze. Die beidseits der Nordsee als immer noch einflussreiche Elite wirkende Schicht der Eruler, sing.Eriloz, die nun zu Earlen und Jarlen wurden, bescherte der Welt angesichts sprachlichen Wandels im gesprochenen Alltags-Idiom ein neues Runenalphabet (Futharc) mit mehr Buchstaben. Und man fand es sowohl in den Latrinen westfriesischer Warften als auch am Grunde der Themse oder im Schiffsgrab des ostanglischen Königs Redwald zu Sutton Hoo. Wegen dieser Verteilung bekam es letztlich auch das Attribut: anglo-friesisch.


Mit dem nächsten König der Friesen Aldegill/Aldegils/Eadgils beginnt die historische Phase, nicht weil man den Chroniken und Annalen von Skriptoren aus dem christlichen Klerikerstand mehr trauen kann als den oral tradierten und später in Sagenform aufgezeichneten Überlieferungen der Skopen und Thulen, sondern weil nun stets ein Referenzdatum im Spiel ist, dass den Vergleich mit gesellschaftlichen Entwicklungen anderswo auf dem Kontinent ermöglicht. Man weiß nicht genau, ob die Seenot echt oder vorgetäuscht [(Es heißt zudem, Willibrord habe bei einer Anlandung im neustrischen Quentowiek befürchtet, in die Hände des ihm wegen seiner austrasischen Freundschaften, u. a. zu den Pippiniden, feindlich gesonnenen Majordomus von Neuster, Ebroin, zu fallen!)] war, die den Bischof Wilibrord von Northumbria (*658 +739) befiel und ihm ermöglichte, dass vordem für die christliche Mission versperrte Land zu betreten. Natürlich kam ihm neben der von den Friesen stets respektierten, weil zu oft am eigenen Leib erfahrenen Seenot die Gegnerschaft zu König Egbert von Northumbria, der zeitweilig vereinigten Reiche von Bernicia und Daira, zugute. Denn Egbert konnte nicht genug kriegen, eroberte das kleine Lindsey und bedrohte Penda von Mercia und seinen Sohn Wulfhere, beides wichtige Handelspartner der Friesen. König Aldegill empfing ihn jedenfalls 678 an seinem Hof und lernte den erstmal nach Rom weiterreisenden Granden der Kirche kennen und schätzen. Fortan war die christliche Missionierung in seinem Reich erlaubt. Willibrord verbrachte allerdings das nächste Dutzend Jahre in Irland. Aldegill, der sehr lange geherrscht haben muss,machte sich verdient, weil er die Wurten und Königswarften erhöhen ließ und vor allem als erster Friesenherrscher Einpolderung betrieb und Deiche errichten ließ. Auch dehnte er die Macht des Friesenreichs aus in das nun von Menschen weitgehend entleerte südwestliche Jütland mit seinen Inseln und Halligen. Zentrum wurde dort die untergegangene Stadt Rungholt am Heverstrom. Damals war Eiderstedt noch eine Insel und die Eider besass eine zweite, nicht an die Nordiliuda der Sachsen angrenzende Mündung, die Hever. Aldegill verlegte seine barbarisch-prächtige Hofhaltung - über die die diversen Ausprägungen und Moden des Tierstils in Schnitzwerk, Webkunst und Schmiedearbeit jeweils von England nach Skandinavien und viceversa gelangten - wohl nach Jahreszeit zwischen seinen drei Residenzen Bant, Stavoren und Wintaborg. In Stavoren erhob sich wohl ein sogenannter Stav, eine jener hölzernen riesigen Irmensäulen mit den vier Halbbögen auf ihrem Scheitel, die die Beobachtung des Sonnenlaufs an den Sonnenwenden ermöglichten, bis dieses gerötete Rund in der Kimme verschwand oder wieder auftauchte, natürlich jeweils von einem anderen Aussichtspodest aus beobachtet. Während die Wintaborg im Zentrum des heutigen Utrecht lag, wohl unter der heutigen Kathedrale ist die Lage von Bant äußerst strittig. Einige verorten sie auf eine Insel in der Emsmündung, tatsächlich wird aber ein Teil des Hafenbereichs von Wilhelmshaven am Jadebusen noch heute Bant genannt. Religiöses Zentrum der Friesen war die Insel Heligoland, Heilig-Gau-Land. Diese war damals noch 15 mal so groß wie heute, wobei der Norden eher flach war. Der felsige Teil im Süden hatte immerhin auch noch den fünffachen Umfang und bestand nicht allein aus dem heute noch sichtbaren roten Sandstein, sondern daneben gab es ein weißes Kreidemassiv, wie man es von Rügen oder Moen her kennt und schwarzen oder dunkleren Sandstein. Die drei heiligen Farben der paganen Göttinnen, weiss, rot und schwarz. Heilige Quellen, sakrosankte weiße Rinder mit gewaltigen Hörnern und weißhaarige Priester oder Thule vervollständigten dieses Bild.

Mit Aldegill endet die eigentliche Völkerwanderungszeit, denn im benachbarten Frankenreich kam es durch die zunehmende Schwächung der Merowinger zu erheblichen Verwerfungen. Mit der mal Arnulfinger, Pippiniden oder aber Karolinger genannten Familie strebte ein neues Geschlecht von Usurpatoren nach oben, das von Anfang an auf die christliche Kirche setzte. Man ergriff ihre Partei und erhielt umgekehrt jedwede Unterstützung. Quid pro quo. U. a. errichtete man Eigenklöster wie Malmedy und Stavelot und errang so Grafenrechte auch in anderen Gegenden.Die miteinander verschwägerten Großgrundbesitzer, der nachmalige Bischof von Metz, Arnulf und Pippin der Ältere waren treibende Kräfte beim Sturz der nur wenige Tage herrschenden Urenkel der greisen Königin Brunhilde gewesen und hatten zugelassen, dass die uralte Frau von einem Pferdegespann zu Tode geschleift wurde. Der neue König aus Neuster Chlothar II. brachte aber gewitzt statt einen von ihnen sukzessiv Angehörige des ostfränkisch-thüringischen Adels, Radu und dann Chugo auf den kleineren Thron des Majordomus oder Hausmeiers, der während seiner zumeist gegebenen Abwesenheit in Auster, bzw. Austrasien regierte. Doch anno 623 waren die beiden Edelleute schon so mächtig geworden, dass sie Chlothar II. zwingen konnten, seinen Sohn Dagobert I., ein Kleinkind nach Auster zu schicken, wo dann die beiden Opportunisten gemeinsam im Namen des Kindes regierten. Von den Gütern Pippins aus war Friesland, insbesondere der Annex der drei vormaligen Nerthuskönigreiche anders als für den neustrischen König kein fernes Land, sondern lag begehrenswert, vor allem wegen des Handels mit Skandinavien und den britischen Inseln, gleich um die Erde. Die Friesen und Nerthusleute würden sich vorsehen müssen.

Was die Ähnlichkeit der altfriesischen Sprache mit dem Angelsächsischen angeht, so hat das anders als bis 1950 angenommen, weniger mit einer massiven Einwanderung nach Kent und anderen Orten zu tun - wiewohl mit den Wandervölkern versippte Friesen auch nach England gelangt sein werden - sondern mit der Tatsache, dass viele Angehörige der aus Südskandinavien geflüchteten Stämme nicht mit weiter zogen, sondern mit Kind und Kegel in Friesland blieben und sich kulturstreuend mit der indigenen ingwäo-nischen Bevölkerung vermischten.

Herrschaft der Franken [Bearbeiten]

Im Jahre 734 eroberte Karl Martell den westlichen Teil Frieslands, und der letzte Gesamtherzog der Friesen Poppo fiel in einem Kampf gegen einen fränkischen Adeligen. Diese größte Ausbreitung des friesischen Territoriums ist bekannt als Frisia Magna. Das, was heute von der Frisia Magna übriggeblieben ist, ist klein und verstreut. Das meiste ist von den sich ausbreitenden Nachbarn erobert worden, von den Sachsen, die in den Norden und Westen vordrangen und den Franken, die den Norden und Osten besetzten.

Karl der Große eroberte 785 nach dem Sieg über die Sachsen ganz Friesland einschließlich der östlichen Gebiete bis zur Weser für das fränkische Reich. Er vertrat eine Politik, die den einzelnen Stämmen im Reich eine gewisse Autonomie sicherte. Aus diesem Grund ließ er gegen Ende des 8. Jahrhunderts die überlieferten germanischen Stammesgesetze aufzeichnen, so auch die Lex Frisionum, das alte Gesetz der Friesen.

Etwa um 800 besiedelten Friesen die heutigen nordfriesischen Inseln zwischen Eiderstedt und Sylt. Die in den Uthlanden wohnenden Friesen unterstanden als Königsfriesen direkt der dänischen Krone. Deutlich später, vermutlich im 11. Jahrhundert, wurde in einer zweiten Welle dann auch die Westküste Südjütlands (das spätere Herzogtum Schleswig) zwischen den Flüssen Eider und Vidå besiedelt. Möglicherweise bestand bei dieser Auswanderung ein Zusammenhang mit der Ausdehnung der fränkischen Herrschaft, denn die Nordfriesen siedelten außerhalb des karolingischen Machtbereichs, der an der Eider endete.

Unter der Frankenherrschaft wurden die Friesen im alten Kernland christianisiert. Bis zum Jahr 800 war die Oberschicht zum Christentum konvertiert, bei der einfachen Bevölkerung dauerte der Prozess deutlich länger. Die an die jütische Küste in Schleswig ausgewanderten Friesen wurden dagegen erst im 11. Jahrhundert Christen, nachdem die Annahme dieser Religion für sie nicht mehr automatisch die Unterwerfung unter die fränkische Herrschaft bedeutete. Unter Karl dem Großen wurden die Friesen von der Heerfolge (d. h. vom fränkischen Militärdienst) befreit und mussten nunmehr nur das Kirchen-Zehntel (Vorläufer der Kirchensteuer) zahlen.

Die friesischen Seelande um das Jahr 1300

Nachdem die Friesen schließlich die von den Frankenkönigen eingesetzten Grafen wieder vertreiben konnten, begann die häufig romantisch überhöht dargestellte, aber dennoch bemerkenswerte Zeit der Friesischen Freiheit. Diese Form der friesischen Selbstverwaltung bedeutete einen deutlichen Unterschied zu anderen Territorien in Europa. In Friesland von der Zuidersee bis zur Weser bildeten sich zahlreiche kleine Landesgemeinden, die häufig freiheitlich und genossenschaftlich organisiert waren und eigene Ratsverfassungen besaßen. Die Friesen beriefen sich auf Freiheitsrechte, die der Legende nach von Karl dem Großen, tatsächlich wohl aber von einem seiner Nachfolger an die Friesen verliehen wurden. Im Gegensatz zum übrigen Europa etablierte sich kein feudalistisches System.

Nach Karl dem Großen [Bearbeiten]

Statue von Pier Gerlofs Donia in Kimswerd, ein friesischer Krieger

Nach dem Zerfall des Frankenreiches unter den Erben Karls des Großen gehörte das Gebiet der Friesen ab 843 zum Mittelreich Lothars I. und nach dessen Zerschlagung zum Ostfränkischen Reich. Dort wurden sie lose dem Herzogtum Niederlothringen zugeordnet.

Friesische Freiheit [Bearbeiten]

Hauptartikel: Friesische Freiheit

Die Landesgemeinden, symbolisch die sieben friesischen Seelande genannt, waren somit reichsunmittelbar und nur dem Kaiser untertan. Die Abgesandten der Landesgemeinden trafen sich einmal im Jahr am Upstalsboom. Die Zeit der Friesischen Freiheit dauerte etwa vom 12. bis zum 14. Jahrhundert.

Neuzeit [Bearbeiten]

Mit dem Tod des ostfriesischen Fürsten Carl Edzard erlosch mit dem Haus Cirksena im Jahr 1744 das letzte einheimische friesische Geschlecht, das eine Herrschaft auf friesischem Boden begründen konnte. Anschließend wurde Ostfriesland von Friedrich dem Großen für Preußen in Besitz genommen.

Wirtschaftsgeschichte [Bearbeiten]

Bis zum Aufstieg der Hanse waren die Friesen das bedeutendste Handels- und Seefahrervolk der Nordseeküste.

Der älteste Bericht von der Wirtschaftsweise an der Nordseeküste stammt von Plinius dem Älteren, der im Jahr 47 als Reiteroffizier am Feldzug des Corbulus gegen die Chauken, die östlichen Nachbarn der Friesen an der Nordseeküste, teilnahm. Diese Schilderung der Chauken gibt auch sicherlich ein exaktes Bild der Wirtschaftsweise der Friesen.

Das Wattgebiet: Fischfang und Leben auf der Warft, Binsen und Schilf, Torfstecherei [Bearbeiten]

Plinius: „Gesehen haben wir im Norden die Völkerschaften der Chauken, die die größeren und die kleineren heißen. In großartiger Bewegung ergießt sich dort zweimal im Zeitraum eines jeden Tages und einer jeden Nacht das Meer über eine unendliche Fläche und offenbart einen ewigen Streit der Natur in einer Gegend, in der es zweifelhaft ist, ob sie zum Land oder zum Meer gehört. Dort bewohnt ein beklagenwertes Volk hohe Erdhügel, die mit den Händen nach dem Maß der höchsten Flut errichtet sind. In ihren erbauten Hütten gleichen sie Seefahrern, wenn das Wasser das sie umgebende Land bedeckt, und Schiffbrüchigen, wenn es zurückgewichen ist und ihre Hütten gleich gestrandeten Schiffen allein dort liegen. Von ihren Hütten aus machen sie Jagd auf zurückgebliebene Fische. Ihnen ist es nicht vergönnt, Vieh zu halten wie ihre Nachbarn, ja nicht einmal mit wilden Tieren zu kämpfen, da jedes Buschwerk fehlt. Aus Schilfgras und Binsen flechten sie Stricke, um Netze für die Fischerei daraus zu machen. Und indem sie den mit den Händen ergriffenen Schlamm mehr im Winde als in der Sonne trocknen, erwärmen sie ihre Speise und die vom Nordwind erstarrten Glieder durch Erde.“ Gekocht und geheizt wurde also mit Torf.

Salzgewinnung im Wattgebiet [Bearbeiten]

Fässer mit gesalzenem Hering wurden in großen Mengen ins Inland verkauft

Neben Fischen und dem auch in der Nordsee fündigen Bernstein lieferte Salzgewinnung ein wertvolles und wichtiges Handelsgut für die Wattbewohner. Dazu wurde salzhaltiger Torf getrocknet, verbrannt, das Restsalz gelöst und filtriert und die Sole mittels Torffeuern verdampft, wodurch das „friesische Salz“ gewonnen wurde, das von der Römerzeit bis ans Ende des Mittelalters ein gefragtes und teures Handelsgut war. Später wurde es auch Grundlage für den Export von gesalzenem Hering.

Es gibt eine Salzausstellung der Region Uthlande, die über den Salzabbau in Nordfriesland informiert.[7]

Ackerbau und Viehzucht in den Marschen, bäuerliche Textilindustrie [Bearbeiten]

In den Marschen baute man nach den archäologischen Befunden Gerste und Hafer an, Bohnen und Raps, und züchtete Rinder, Pferde, Ziegen und Schafe. Wegen der Kälte und des Windes verwendeten die Friesen viel Mühe darauf, die Wolle der Ziegen und Schafe zu guten Fäden zu verspinnen und zu dichten Stoffen zu weben. Neben Salz und getrockneten oder gesalzenen Fischen wurden Stoffe und Mäntel ein wichtiges Exportgut der Friesen. Bereits die Römer waren Kunden für friesische Wollmäntel. Damit standen den Friesen drei selbstproduzierte gesuchte Handelswaren für den Fernhandel zur Verfügung.

Handel [Bearbeiten]

Neben den selbstproduzierten Handelsgütern verfügten die Friesen als Fischer und Küstenbewohner über einen ausgezeichneten Schiffbau und viel Erfahrung auch mit rauher See, die über die Jahrhunderte gewachsen war. Damit hatten sie die Mittel, ihre Exportwaren an die Kunden und das Eingehandelte heimzubringen. Da sie auch sehr wehrhaft waren, ihnen wie früher den Griechen und Phöniziern im Mittelmeer und später den Portugiesen im Indienhandel das wertvolle Handelsgut nicht leicht zu rauben war, waren alle Voraussetzungen für das lukrative Geschäft des Handels gegeben.

Die Friesen bauten eine andere Schiffform als ihre Konkurrenten, die Wikinger. Das 1891 in einem Tief südlich Dornum-Westeraccum gefundene Schiff von Roggenstede war flach gebaut (zum Trockenliegen bei Ebbe), 1,37 Meter breit und acht Meter lang. Gebaut war es stabil aus starkem Eichenholz. Später wurde das weiterhin im Rumpf flach gebaute friesische Schiff zur hochbordigen Kogge, mit dem Ruder mitschiffs, und zum Vorläufer der Hansekoggen.

Im 7. Jahrhundert begannen die Friesen nicht nur Warften für Einzelgehöfte zu bauen, sondern errichteten auch bogenförmig längs an Buchten und Prielen Dorfwarften als Handelsniederlassungen für Händler und Handwerker wie Bootsbauer, Küfer, Segelmacher. Diese als Straßendörfer angelegten Handelsniederlassungen wurden Wik genannt.

Nordsee, Ostsee [Bearbeiten]

Zunächst handelten die Friesen an der ganzen Nordseeküste und vor allem mit Jütland und Irland. Im Laufe der nächsten hundert Jahre gewannen sie auch über die Zwischenstation Haithabu eine führende Stellung im Ostseehandel. Bezogen wurden von dort Pelze. Wie die Wikinger handelten die Friesen aber auch über Gotland, Nowgorod und die russischen Flüsse bis nach Byzanz und bezogen von dort Seide, die von China über die Seidenstraße gekommen war, und Pfeffer der über arabische Zwischenhändler bezogen wurde und von den Gewürzinseln stammte.

Dorestad [Bearbeiten]

Das größte Wik war Dorestad an der Gabelung des Alten Rheins und der Lek, das sich am flachen Ufer 1000 Meter hinzog und eine Breite von 90 bis 150 Meter hatte. Die Straße verlief in Nord-Südrichtung und war auf der Westseite dicht mit Häusern bebaut. Gehandelt wurden vor allem Tuche und Wollmäntel in verschiedenen Farben, Salz und Nahrungsmittel, vor allem Getreide und getrockneter Fisch. Nach Norden, nach Dänemark, Norwegen und Schweden wurden dort hochgeschätzte Ziegenhaardecken aus friesischer Produktion verkauft. Kauffahrer aus Byzanz verkauften Seide und erwarben friesische Tuche. Soweit nicht Waren getauscht wurden, war Silber in Drahtstücken oder als Münzen das Hauptzahlungsmittel. Die von Dorestad selbst geprägten Münzen waren überall anerkannt und zeugen in ganz Europa von den weiten Handelsbeziehungen der Friesen. Über den Rhein nach Deutschland und weiter über die Alpen verlief eine weitere wichtige Handelsroute.

Rheinroute, Deutschland, Alpen, Rom und Italien [Bearbeiten]

Friesische Mäntel genossen höchste Wertschätzung. So verschickte Karl der Große diese Mäntel als Geschenke, auch zum Beispiel an Harun al-Raschid. Fränkische Hofbeamte erhielten als Teil ihrer Entlohnung jährlich einen Mantel aus Friesland. Großkunden wie das Kloster Fulda bezogen pro Jahr 700 bis 800 Mäntel für die Mönche und zum Weiterverkauf. Die Besitzungen des Klosters Werden hatten ihren Zehnten in Wolle, Ziegenhaardecken und Mänteln zu entrichten. Der „Fries“ war ein überall in Norden anerkanntes Tuchmaß.

Über den Rhein importierten die Friesen etwa aus dem Brohltal bei Andernach Tuffstein für den Kirchenbau, Krapp zum Rotfärben der Wolle und Wein aus der Pfalz und dem Elsaß. Handelsniederlassungen der Friesen gab es in allen Rheinstädten bis Straßburg und Basel. In Speyer etwa, dem zentralen Weinumschlagplatz der Pfalz und Zentrum eines großen Krappanbaus, bestanden im 11. Jahrhundert die Händler im Bereich der Domimmunität aus Friesen und Juden.[8] Siehe auch: Geschichte der Juden in Ostfriesland.

Auf der Route über die Alpen ließen sich Friesen oberhalb von Bern im Haslital nieder. Die Ortsnamen dort erinnern an Friesland und vor allem das Jeverland. Sehr früh waren die Friesen auch in Rom vertreten. So half die Bruderschaft der Friesen in Rom (Schola) im Jahr 854 dem Papst, Rom gegen die Sarazenen zu verteidigen. In Trani in Mittelitalien bargen die Friesen die Gebeine des Heiligen Magnus und bestatteten sie in der Friesenkirche St. Michaelis und St. Magnus neben dem Petersplatz. Die Rettungstat wurde in der Kirche durch eine Mamortafel vermerkt. Später wurden die Reliquien von St. Magnus nach Friesland gebracht und in einem Schrein in der St.-Magnus-Kirche in Esens bestattet, was seit 1150 bezeugt ist.

Bremen, Kreuzfahrtschiffe, Westfalen, Flandern [Bearbeiten]

Zwischen Rüstringen und Bremen wurde am 9. Juli 1220 ein regelrechter Handelsvertrag geschlossen. Rüstringen lieferte Schlachtvieh, Häute, Schafe, Käse, Eier, während Bremen Bier lieferte. An diesem Handel beteiligte sich auch das Harlinger Land.

In der Zeit der Kreuzzüge rüsteten die friesischen Werften viele Schiffe, ja ganze Flotten aus, die Friesen stellten auch Seeleute und Soldaten. Friesische Kreuzfahrer waren am 21. Oktober 1147 dabei, als Lissabon zurückerobert wurde. Dabei fiel Bischof Popted Ulvinga. 1187 fuhren friesische und dänische Kreuzfahrer mit 50 Schiffen ab, eroberten auf dem Weg die portugiesische Stadt Silves und erreichten 1189 Akkon.

Friesland blieb auch Agrarexportland. So lieferte es zum Beispiel 1383 über Oldenburger Händler Pferde, Rinder, Schafe, Butter und Heringe nach Westfalen. Im Hafen Damme am Zwin, dem Hafen von Brügge in Flandern, sind friesische Viehhändler bereits seit 1252 bezeugt. Damme wünschte gemäß einer Urkunde von 1394 ausdrücklich den Besuch von Kaufleuten aus Norden und Harling. Graf Ludwig von Mele sicherte auf Wunsch von Brügge, Gent und Ypern auf drei Jahre freien Handel mit Flandern zu. Auf der Rückfahrt wurde Tuch aus Flandern, dem neuen Zentrum der Tuchindustrie importiert.

Die Städte des östlichen Friesland (vor allem Emden) lehnten trotz eines Aufnahmeangebots den Beitritt zur Hanse ab und verloren damit eine wichtige Einflussmöglichkeit im Fernhandel, vor allem die angrenzenden Hansestädte Groningen und Bremen.

Die Friesen heute [Bearbeiten]

Heute gibt es noch drei Gebiete, in denen traditionell Friesen anzutreffen sind. Die in den Niederlanden zwischen dem IJsselmeer (der ehemaligen Zuiderzee) und der Lauwers lebenden Friesen werden in Deutschland als Westfriesen bezeichnet. Ihre Selbstbezeichnung lautet aber nur Friesen oder westlauwers'sche Friesen, da die Westfriesland genannte Region in der heutigen Provinz Nordholland liegt und nicht mit der Provinz Friesland (Fryslân) identisch ist. Die westlauwers'schen Friesen leben zum größten Teil in dieser Provinz, die etwa 600.000 Einwohner hat.

Die zweite Gruppe lebt an der Küste des deutschen Bundeslandes Niedersachsen, von der niederländischen Grenze bis jenseits der Weser (Ost-Friesland). Aufgrund ihrer Geschichte sind diese Ostfriesen territorial sehr zersplittert. Traditionell friesische Gebiete, in denen die friesische Identität mehr oder weniger stark ausgeprägt ist, sind Ostfriesland und das Oldenburger Friesland, das Saterland, Butjadingen und das Land Wursten. Die tatsächliche Anzahl der Friesen in Niedersachsen ist nur schwer zu schätzen, in allen genannten Gebieten leben über 500.000 Menschen. Obwohl eng verwandt, bezeichnen sich nur die aus dem Gebiet der ehemaligen Grafschaft Ostfriesland stammenden Friesen uneingeschränkt als Ostfriesen. Die anderen Gruppen bevorzugen Bezeichnungen in Zusammenhang mit ihrer territorialen Zugehörigkeit, etwa Wurtfriesen oder Saterfriesen.

Die dritte Gruppe sind die Nordfriesen in Schleswig-Holstein. Sie leben im Westen des Kreises Nordfriesland sowie auf den Inseln und Halligen. Zu ihnen werden in der Regel auch die Helgoländer Friesen gerechnet. Es wird von offizieller Seite davon ausgegangen, dass sich etwa 50.000 Menschen zu den Nordfriesen rechnen. Durch die Nationalisierung des Grenzraumes und die Volksabstimmung in Schleswig über die Zugehörigkeit zu Dänemark oder Deutschland im Jahre 1920 spalteten sich die Nordfriesen ideologisch in deutsch gesinnte und nationale Friesen, die sich für einen Anschluss an Dänemark aussprachen. Nachdem das friesische Siedlungsgebiet zum allergrößten Teil bei Deutschland verblieb, betonten die nationalen Friesen die Eigenständigkeit der Friesen als Volk und betrieben aktive Minderheitenpolitik, während die deutsch gesinnten Friesen die Pflege der friesischen Kultur am besten unter dem Dach des Deutschtums aufgehoben sahen und die Friesen nationalromantisch als „deutschen Stamm” betrachteten. Durch den Nationalsozialismus wurde diese ideologische Verwerfung noch verstärkt. Erst seit dem späten 20. Jahrhundert näherten sich die aus diesen Gruppen hervorgegangenen Vereine einander wieder an, was unter anderem in der Arbeit des Nordfriisk Instituutes zum Ausdruck kommt.[9][10]

Unstrittig ist allerdings, dass Friesen in der Regel Bürger desjenigen Staates sind, in dem sie leben. Insofern sind auch in Deutschland lebende nationale Friesen deutsche Staatsangehörige.

Kultur und Sprache [Bearbeiten]

In Deutschland und den Niederlanden sind die Friesen als nationale Minderheit beziehungsweise als eigene Volksgruppe anerkannt. Wie viele Mitglieder diese Volksgruppe hat, ist jedoch nicht genau festzustellen, da das Bekenntnis zu einer Minderheit frei ist und vom Staat nicht abgefragt werden darf.

Die engste Definition der Minderheit ist jedoch jene, die sich rein über die Sprache definiert. Demnach gelten nur solche Menschen als Friesen, die eine der friesischen Sprachen sprechen. Diese „Sprachfriesen“ sind heute vor allem in der niederländischen Provinz Friesland anzutreffen. Dort sprechen noch etwa 400.000 Menschen auf dem Festland und auf den Wattenmeerinseln Terschelling und Schiermonnikoog Westfriesisch.

Im schleswigschen Nordfriesland findet man dagegen nur noch geschätzte 10.000 Menschen, die einen der nordfriesischen Dialekte sprechen, vor allem auf den nordfriesischen Inseln Sylt, Amrum und Föhr und in der Nähe der deutsch-dänischen Grenze, besonders um Risum-Lindholm. Das Friisk Gesäts führte ab 2004 zu einem rechtlich klaren Status der Sprache.

Im östlichen Friesland ist die ostfriesische Sprache dagegen bereits seit Jahrhunderten nahezu ausgestorben. Bis heute hat nur das Saterfriesische, ein von 2000 Menschen gesprochener ostfriesischer Dialekt, im Saterland überlebt.

Die wenigen Menschen, die heute noch Friesisch sprechen, bedienen sich im Alltag auch der verwandten Sprachen wie Niederländisch, Niederdeutsch, Hochdeutsch oder Dänisch. Wie viele andere kleine Minderheitensprachen Europas auch ist das Friesische akut vom Aussterben bedroht.

Viele Friesen sprechen somit heute kein Friesisch mehr. Aber insbesondere in Ostfriesland, das seit Jahrhunderten komplett niederdeutsch geprägt ist, hat die friesische Identität den Untergang der friesischen Sprache überlebt. Das Ostfriesische Platt ist zudem eine noch relativ stark friesisch geprägte Variante des Niederdeutschen. Sie ist in Ostfriesland ähnlich identitätsstiftend wie die friesischen Sprachen in Nord- und Westfriesland und hebt sich von anderen niedersächsischen Dialekten deutlich ab. In der niederländischen Provinz Friesland wird neben dem Friesischen in manchen Gebieten ebenfalls traditionell Niedersächsisch gesprochen. Auch holländisch-friesische Mischdialekte sind dort zu finden (Stadtfriesisch, Bildts).

Zahlreiche historisch friesische Gebiete werden heute nicht mehr zu Friesland gezählt. Das heute zu den Niederlanden gehörende Hauptgebiet der Friesen, West- und Mittelfriesland, erstreckte sich von Alkmaar in der Provinz Nordholland entlang der Küste der Provinzen Friesland und Groningen (Ommelande) bis zur Mündung der Ems. Friesische Identität ist in Nordholland und Groningen heute jedoch kaum noch vorhanden.

Es gibt auch noch einige Nachkommen der Friesen an der Küste von Jütland. Es handelt sich hierbei um einige Orte zwischen der deutsch-dänischen Grenze und dem Fluss Wiedau. Die Inseln Rømø und Fanø werden zum Teil geographisch zu den nordfriesischen Inseln gezählt, wurden jedoch nie von Friesen besiedelt. An der Ostseeküste beherbergte nur Flensburg lange Zeit eine bedeutende friesische Minderheit, da im 17. und 18. Jahrhundert viele Nordfriesen in die Stadt zogen, um dort als Seeleute anzuheuern. Heute ist von dieser Vergangenheit aber nur noch wenig zu bemerken.

Die Wissenschaft von der Sprache, Literatur und Landeskunde der Friesen wird als Frisistik bezeichnet.

Politik [Bearbeiten]

Die friesische Volksgruppe stellt zusammen mit den Dänen und den Sorben sowie den in Deutschland lebenden Roma und Sinti eine der vier staatlich anerkannten, in Deutschland ansässigen nationalen Minderheiten dar. Die gesetzlich anerkannte dänische Minderheitspartei, der Südschleswigsche Wählerverband, arbeitet auch mit der Strömung der nationalen Friesen in Nordfriesland zusammen. Somit setzt sich der SSW auch für friesische Interessen ein. In den Niederlanden gibt es die seit Jahrzehnten etablierte Friesische Nationalpartei und daneben seit 2006 eine Partei namens „DeFriezen”. In Ost-Friesland gibt es friesische Interessensgemeinschaften und die politische Partei Die Friesen. Zusätzlich zu den politischen Parteien gibt es mehrere Gruppen, die sich für friesische Belange einsetzen, darunter die separatistische Groep fan Auwerk.

Die Friesen aus West, Ost und Nord haben sich im Interfriesischen Rat zusammengeschlossen.

Herzöge Frieslands [Bearbeiten]

Siehe auch [Bearbeiten]

Literatur [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Nordfriesischer Verein: Die Geschichte der Friesen
  2. Nordfriisk Instituut: Karte des Nordfriesischen Sprach- und Besiedlungsraums
  3. NDR Friesisches Programm: Geschichte, Geographie, Wirtschaft und Kultur Nordfrieslands – einige Grundzüge
  4. Kurowski, Franz. Die Friesen. Das Volk am Meer. Türmer Verlag 1987.
  5. Tacitus: Annalen 4.72
  6. Tacitus: Annalen 4.74
  7. Salzausstellung
  8. Günter Stein: Stadt am Strom, Speyer und der Rhein. Zechner, Speyer 1989, ISBN 3-87928-892-5, S. 35–36 (Erwähnung von Friesen und Juden als Fernkaufleute im hohen Mittelalter)
  9. Thomas Steensen: Die Nordfriesen zwischen Kiel, Bonn, Kopenhagen, Berlin und Straßburg. In: Heinrich Schmidt et al. (Hrsg.): Tota Frisia in Teilansichten. Aurich 2005.
  10. Ebd. Seite 500