Friolzheim

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Friolzheim
Friolzheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Friolzheim hervorgehoben
48.8361111111118.8366666666667453Koordinaten: 48° 50′ N, 8° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Enzkreis
Höhe: 453 m ü. NHN
Fläche: 8,54 km²
Einwohner: 3833 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 449 Einwohner je km²
Postleitzahl: 71292
Vorwahl: 07044
Kfz-Kennzeichen: PF
Gemeindeschlüssel: 08 2 36 019
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 7
71292 Friolzheim
Webpräsenz: www.friolzheim.de
Bürgermeister: Michael H. Seiß
Lage der Gemeinde Friolzheim im Enzkreis
Birkenfeld Eisingen Engelsbrand Friolzheim Heimsheim Illingen Ispringen Kieselbronn Knittlingen Knittlingen Knittlingen Knittlingen Maulbronn Mönsheim Mühlacker Neuenbürg Neuhausen Niefern-Öschelbronn Ötisheim Sternenfels Tiefenbronn Wiernsheim Wimsheim Wurmberg Wurmberg Keltern Remchingen Straubenhardt Neulingen Kämpfelbach Ölbronn-Dürrn Ölbronn-Dürrn Ölbronn-Dürrn Königsbach-SteinKarte
Über dieses Bild

Friolzheim ist eine Gemeinde im Enzkreis in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Friolzheim liegt in der Region Nordschwarzwald am östlichen Rand des Enzkreises, und gehört somit zur Metropolregion Stuttgart. Inmitten der Landschaft des Heckengäu ist Friolzheim verkehrsgünstig direkt an der Bundesautobahn A8 gelegen (1,5 km zur Ausfahrt Heimsheim). Die Städte Pforzheim in der Region Nordschwarzwald sowie Leonberg in der Region Stuttgart sind mittels PKW über die Autobahn oder durch die guten Öffentlichen Nahverkehrsverbindungen schnell erreicht.

Im Gemeindegebiet liegt die Wüstung Siechenhaus.[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Wimsheim, Mönsheim, Heimsheim, Tiefenbronn

Geschichte[Bearbeiten]

Friolzheim 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch

Auf der Gemarkung Friolzheim ist eine Besiedelung bereits in keltischer Zeit wahrscheinlich. Davon zeugen mehrere Keltengräber im Waldgebiet des "Hagenschieß" am westlichen Gemarkungsrand. Aus römischer Zeit findet sich einer der wenigen im Enzkreis erhaltenen Abschnitte der Römerstraße von (Stuttgart) Bad Cannstatt über Pforzheim (Portus) weiter in Richtung Straßburg (Argentoratum) und Mainz (Mogontiacum)

Friolzheim wurde um das Jahr 1105 erstmals urkundlich als Friolesheim erwähnt. Die altwürttembergische Gemeinde wechselte 1807 vom Klosteramt Hirsau zum Oberamt Calw und im Folgejahr nach der königlichen Verordnung über die Ämter-Kombinationen vom 26. April 1808 zum Oberamt Leonberg. 1832 erhielt die Gemeinde das Marktrecht. 1895 wurde bei einem Großbrand die Dorfmitte verwüstet.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt Friolzheim schwere Zerstörungen durch einen alliierten Bombenangriff sowie Artillerieangriffe durch französische Truppen in der Endphase des Krieges und hatte dadurch zahlreiche zivile Todesopfer zu beklagen. Im April 1945 wurde Friolzheim schließlich von marokkanischen Soldaten besetzt. Im Juli 1945 wird Friolzheim der amerikanischen Besatzungszone zugeschlagen.

Im Zuge der baden-württembergischen Kreisreform wurde Friolzheim gegen den erklärten Bürgerwillen aus dem Landkreis Leonberg herausgelöst und am 1. Januar 1973 dem neu gebildeten Enzkreis zugeschlagen. Bis heute bestehen die Bindungen in den Altkreis und die ehemalige Kreisstadt Leonberg fort. In den 1970er Jahren gab es seitens der Landesregierung von Baden-Württemberg die Überlegung, einen neuen internationalen Flughafen für Stuttgart westlich der Landeshauptstadt teilweise auf Friolzheimer Gemarkung zu errichten. Das Gebiet des Geissbergs hätte dafür komplett geebnet werden müssen. Nach Protesten wurde dieses Vorhaben wieder verworfen und der bestehende Großflughafen in Echterdingen erweitert.

Religionen[Bearbeiten]

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Friolzheim eine typisch württembergische und damit fast ausschließlich evangelische Gemeinde. Durch Zuzüge von Vertriebenen nach dem Krieg und von ausländischen Einwohnern findet sich nun auch ein großer Anteil von Menschen mit römisch-katholischem Glaubensbekenntnis. Neben der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde befindet sich in Friolzheim auch eine Neuapostolische Kirche sowie eine landeskirchliche Gemeinschaftsgemeinde des Württembergischen Brüderbundes.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1871: 742
  • 1900: 754
  • 1939: 658
  • 1950: 936
  • 1961: 1235
  • 1971: 2023
  • 1982: 3035
  • 1992: 3423
  • 2000: 3537
  • 2005: 3623
  • 2007: 3655
  • 2010: 3629
  • 2011: 3728
  • 2013: 3826
  • 2014: 3864

Politik[Bearbeiten]

Rathaus

Friolzheim ist zusammen mit fünf weiteren Gemeinden Mitglied im Verwaltungsverband Heckengäu. Neben dem örtlichen Pflegeheim „Schwester-Karoline-Haus“ betreibt die Gemeinde zusammen mit mehreren Nachbargemeinden das Altenpflegeheim Haus Heckengäu in Heimsheim. Mit der Nachbargemeinde Wimsheim besteht ein Wasserzweckverband. Gemeinsam mit der Gemeinde Mönsheim wurde im Februar 2005 der Zweckverband Interkom Gewerbepark Heckengäu gegründet, in dem die beiden Kommunen ein gemeinsames Gewerbegebiet betreiben. In den nächsten Jahren soll im Gebiet Reute der zweite Teil des Gewerbegebietes erschlossen werden.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 entfielen auf die Freien Wähler 6, auf die Liste Wir für Friolzheim (WFF) 5 sowie auf die CDU / Bürgerliste 3 Sitze.[3]

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • Ernst Reinhardt (1911-1940),
  • Fr. Michael Jetter (1945–1948),
  • Gustav Koch (1948–1954),
  • Walter Rehm (1954–1986),
  • Manfred Schenk (1986–2002),
  • Michael Seiß (seit 2002)

Wappen[Bearbeiten]

1937 nahm die Gemeinde, die bis dahin weder ein Wappen noch ein eigenes Siegelbild führte, einen Wappenvorschlag der Archivdirektion Stuttgart an, der zur Erinnerung an die historischen Herrschaftsverhältnisse in gespaltenem Schild vorn das gemmingische Wappen (in Blau zwei goldene Balken), hinten den Hirschrumpf als Anspielung auf das Hirsauer Klosterwappen enthielt. Um der heraldischen Farbregel zu genügen, wurde im Jahre 1957 die Tingierung der vorderen Schildhälfte vertauscht und dieses Wappen zusammen mit der Flagge am 11. Dezember 1957 vom Innenministerium verliehen.

Blasonierung: In gespaltenem Schild vorne in Gold (Gelb) zwei blaue Balken, hinten in Blau ein goldener (gelber) Hirschrumpf.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist verkehrsgünstig direkt an der Bundesautobahn 8 Karlsruhe - Stuttgart gelegen. Zur Autobahnanschlussstelle Heimsheim sind es rund 1,5 Kilometer. Zum Internationalen Flughafen Stuttgart-Echterdingen sowie zur neuen Messe Stuttgart sind es etwa 20 Fahrminuten. Die nächstgelegenen Bahnhöfe sind Rutesheim, Leonberg (S-Bahn Richtung Stuttgart und Weil der Stadt) und Pforzheim (Fernbahnhof und Regionalbahnhof Richtung Karlsruhe) (je ca. 15 Kilometer).

Friolzheim gehört zum Verkehrsverbund VPE. Das Busnetz bedient die Linien 756, 761 (ehemals 656), 652, 653. Die Stationen sind entlang der Hauptverkehrsstraßen gelegen.

Bildung und Soziale Einrichtungen[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist Träger einer Grundschule und zweier Kindergärten. Friolzheim ist über Schulverbände an der Werkrealschule Heckengäu in Mönsheim / Wiernsheim sowie dem Gymnasium in Rutesheim beteiligt. Am Ort besteht das Pflegeheim mit betreutem Wohnen „Schwester-Karoline-Haus“. An der Diakonie- und Sozialstation Heckengäu mit Sitz in Wimsheim ist die Gemeinde ebenfalls beteiligt.

Ortsteile[Bearbeiten]

Mitte, Lüsse, Wengert, Eiwo, Geissberg, Feld, Hohrain / Schießmauer

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • „Friolzheimer Riese“, 47 Meter hoher, einst militärisch genutzter Richtfunkturm in Stahlfachwerkbauweise auf dem Geissberg. Er dient heute als ziviler Sendeturm für Richt- und Mobilfunk.
  • Pfarrkirche des Heiligen Agapitus: Die gotische Chorturmanlage ist in Teilen noch romanischen Ursprungs und wurde bereits um 1100 erwähnt. Im Jahre 1522 wurde das Kirchenschiff unter Jacob Höß und Hans Wunderer erweitert, während der gewölbte Chorbau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammt und ein badisches Wappen aufweist. Im 20. Jahrhundert gab es verschiedene Um- und Anbauten. Bei den Renovierungsarbeiten von 1966 bis 1968 traten an der Südwand zwei gleich große auf die Wand gemalte Figuren zu Tage.
  • Kriegerdenkmal: Auf dem Kirchhof der Pfarrkirche des Heiligen Agapitus steht das Kriegerdenkmal, welches 1921 für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen und Vermissten der Gemeinde errichtet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden links und rechts des Hauptsockels jeweils ein weiterer Sockel mit den Namen der Gefallenen hinzugefügt. Auf dem Hauptsockel, welcher einem Sarkophag nachempfunden ist, ist das Abbild eines gebeugten Kriegers mit Schwert zu sehen.
  • Rathaus: An der Südseite des Marktplatzes liegt das Rathaus von 1842. Der zweigeschossige Putzbau mit Sandstein gefassten Öffnungen zeigt sich in neoklassizistischem Stil. Seine frühere Nutzung als Spritzenhaus und Kelter kann an den großen Rundbogen im Erdgeschoss abgelesen werden.
  • Zehntscheuer: Sie steht in direkter Nachbarschaft zur Kirche. Eine Steintafel über den Toren bezeugt ihre Erbauung im Jahr 1563. Der Abtsstab und die drei Hirschstangen, weisen auf die früheren klösterlichen und landesherrlichen Eigentumsverhältnisse hin. Um 1812 dürfte die Zehntscheuer in Privatbesitz gelangt sein. Seit Oktober 2011 steht sie als "Bürgerhaus" vielfältigen Nutzungen wie Feiern, Tagungen und Seminaren, Ausstellungen oder auch für die Vereinsarbeit zur Verfügung.
  • Leugenstein: Vor der Zehntscheuer steht der Nachguss eines römischen Meilensteines aus dem Jahre 245 nach Chr. Er dokumentiert den römischen Namen Pforzheims = PORTUS. Gefunden wurde er 1934 auf Friolzheimer Gemarkung in 200 m Entfernung vom Gehöft Raubrunnen entlang der römischen Handelsstrasse von Cannstatt nach Ettlingen. Er gibt die Entfernung nach Pforzheim mit fünf Leugen (ca. 11 Kilometer) an.[4][5]
  • Neuer Brunnen: Dieser wurde 1988 auf dem Marktplatz aufgestellt und stammt von Hugo Krautter.

Obige Bauwerke bilden mit dem Pfarrhaus der Evangelischen Kirchengemeinde in der Kirchstraße und der Alten Schmiede um den Marktplatz den historischen Ortskern.

  • Paulinenstraße - Ein besonders reizvolles Ensemble von Fachwerkhäusern bildet die nach der beliebten württembergischen Königin Pauline von Württemberg benannte Straße, die nördlich des Marktplatzes liegt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Höhepunkt eines jeden Jahres ist der am Pfingstmontag stattfindende Pfingstmarkt. Ursprünglich als Tier- und Krämermarkt eingeführt, ist er heute Anziehungspunkt für Zehntausende, die einerseits die Vielzahl an bunten Marktständen besuchen und andererseits das immer schöne Pfingstmarktwetter zu einer „Hocketse“ an einer der vielen Verköstigungsstationen nutzen. Am Ersten Advent findet traditionell der Weihnachtsbasar statt, ein Markt mit überwiegend selbst gebastelten Weihnachts- und Winterutensilien statt. Ende Februar wird mit dem Wintermarkt die kalte Jahreszeit verabschiedet.

Natur und Erholung[Bearbeiten]

  • Erholung bietet das südöstlich der Gemeinde liegende Naturschutzgebiet „Betzenbuckel“. Die mit 496m ü.NN Erhebung bietet eine einzigartige Fauna. Endlos scheinende Grasflächen durchzogen mit wilden Hecken und Gräsern gespickt mit Steinunebenheiten bilden das typische Merkmal des Heckengäus.
  • Der Geissberg ist mit 509 m ü. NN die höchste Erhebung und ist nordöstlich Friolzheims gelegen. Fernab des Ortsteils „Geissberg“ mit seinen Villen, den Tennisplätzen und des „Friolzheimer Riesen“, durchziehen den bewaldeten Berg unzählige Wanderwege.
  • Gut ausgebaute und nordschwarzwaldweit beschilderte Rad- und Wanderwege führen durch den am westlichen Ortsrand beginnenden Hagenschieß.
  • Über den nordöstlichen Teil der Friolzheimer Gemarkung verläuft ein Teil des Hugenotten- und Waldenserpfads, einem historischen Wanderweg, der innerhalb Deutschlands von der Schweizer Grenze bei Schaffhausen bis ins nordhessische Bad Karlshafen verläuft.
  • Windschutzhecke: Die circa zwei Kilometer lange Aneinanderreihung von Pappeln am südwestlichen Ortsrand ist ein reizvolles und monumental anwirkendes Ensemble. Wie eine Mauer mit Tor bildet sie eine einseitige Allee, welche früher den Ort vor Windböen schützen sollte und die Vernichtung der Weizenernte der damals angelegten Felder verhindern sollte.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Sportstätten[Bearbeiten]

  • Eichenstadion
  • Tennisplätze Geissberg
  • Boulespielanlage
  • Beachvolleyballfeld
  • Skateranlage
  • Fußball-Minispielfeld

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

  • Das so genannte Friolzheimer Vesper: Zwiebelrostbraten mit Brot oder Spätzle.
  • Gebrannte Grießsuppe

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 555
  3. Gemeinderatsmitglieder, Fraktionen, Gemeinde Friolzheim, abgerufen 18. Juli 2014
  4. Philipp Filtzinger, Dieter Planck, Bernhard Crämer (Hrsg.): Die Römer in Baden-Württemberg, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart und Aalen, 2. Aufl., 1976, S. 448
  5. Freilichtmuseum Rainau-Buch - 12. Römische Straßenstationen, Meilensteine — Leugensteine; auf www.homepages.uni-tuebingen.de

Literatur[Bearbeiten]

  • Walter Rehm: Friolzheim - Bilder erzählen aus vergangenen Tagen. Geiger Verlag, 1986, ohne ISBN
  • Imanuel Stutzman: Trocken Brot mach Wangen rot - Kindheitserinnerungen aus einem schwäbischen Dorf. Bleicher Verlag, 1991, ISBN 3-88350-311-8
  • Imanuel Stutzmann, Michael Seiß et al.: Friolzheim - ein Dorf und seine Menschen erinnern sich und feiern. Geiger Verlag, 2005, ISBN 3-86595-081-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Friolzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien