Fritz (Schach)

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Fritz
Entwickler ChessBase
Aktuelle Version 14
(Oktober 2013)
Kategorie Computerschach
Lizenz kommerziell
www.chessbase.de

Fritz ist ein kommerzielles Schachprogramm der Firma ChessBase, dessen von Frans Morsch und Mathias Feist programmierte chess engine (das Spielprogramm im engeren Sinne, welches meist auch unter verschiedenen Benutzeroberflächen einsetzbar ist) seit vielen Jahren zu den Spitzenprogrammen gehört. Die Mehrprozessorversion wird Deep Fritz genannt.

Name[Bearbeiten]

Der Name Fritz war eine Idee von jungen „Werbe-Leuten“ (M. Feist), ursprünglich sollte das Programm Brutus heißen. Dieser Name wurde von ChessBase später für ein anderes Projekt mit Christian Donninger verwendet, aus dem schließlich das Programm Hydra hervorging.

Die Fritz-Schach-Engine trat bei einigen Computerturnieren auch unter der Bezeichnung Quest auf.

Versionen[Bearbeiten]

Die erste Version des Programms erschien 1991, lief unter MS-DOS und war in der Programmiersprache C geschrieben. Für die Nutzung unter Windows wurden die Datenstrukturen neu konzipiert, und es erfolgte ein Umstieg auf die Programmiersprache C++. Fritz 3 gewann 1995 in Hongkong die Computerweltmeisterschaft (WCCC). Bereits 1994 gewann Fritz ein stark besetztes Blitzturnier in München punktgleich mit Kasparow, der sich dann im Stichkampf durchsetzen konnte. Im Spiel mit Turnierbedenkzeit konnte das Programm Wettkämpfe gegen Hübner (2001, Ergebnis 3:3), Kramnik (Brains in Bahrain 2002, Ergebnis 4:4) und Kasparow (2003, Ergebnis 2:2) unentschieden gestalten. Die Versionen wurden jeweils professionell vermarktet, dadurch zählt Fritz zu den bekanntesten Schachprogrammen. Mittlerweile haben die meisten Schachspieler gegen Schachprogramme keine Chance mehr und nutzen sie vorrangig zum Training und zur Analyse von Partien.

Seit der fünften Version (1996, Fritz5) ist in Fritz eine Sprachkomponente integriert. Die meist humorigen Kommentare werden von Matthias Deutschmann gesprochen. Seit Version 7 (2001) können auch fremde Schach-Engines mittels UCI-Schnittstelle unter der Benutzeroberfläche von Fritz verwendet werden. 2003 wurde in Version 8 das sogenannte Chess Media System eingeführt, welches das Abspielen von Videos synchron zur Darstellung von Zügen auf dem Schachbrett ermöglicht, wofür der Windows Media Player benötigt wird.

Version 10 des Programms erschien im November 2006, Version 11 im November 2007, die Version 12 im Oktober 2009. Diese beherrschen auch die Schachvarianten Chess960 und Räuberschach. Es gibt auch eine Mehrprozessorversion (Deep Fritz). Das Programm läuft unter Windows, die grafische Benutzeroberfläche gilt als funktionell weit entwickelt. Seit Mai 2007 gibt es unter dem Namen Fritz mobile auch eine Version für Mobiltelefone.

Stefan Meyer-Kahlen (Entwickler von Shredder) und Axel Fritz, bei den Chess Classic 2001, wo Pocket Fritz antrat.[1]

Für die Pocket Fritz-Programme für Pocket PC wurden keine Fritz-Engines verwendet: Version 1 (2001) und 2 (2003) nutzten Shredder, programmiert von Stefan Meyer-Kahlen.[2] Die Versionen 3 (2007) und 4 (2009) verwendeten HIARCS.

Die lange Zeit innegehabte Vormachtstellung im Bereich Spielstärke ist inzwischen vergangen. Fritz hat Konkurrenz von Engines wie der deutlich stärkeren Engine Rybka, sowie Houdini und der Open-Source-Engine Stockfish bekommen.

Im Dezember 2008 wurde bekannt, dass an Umsetzungen von Fritz für die Spielekonsolen Nintendo DS, Wii und PlayStation 3 gearbeitet werden soll, wobei der 9. April 2009 als Veröffentlichungstermin angekündigt und bei Wii- und DS-Version eingehalten wurde.[3] Die Version für PlayStation 3 erschien am 24. Juli 2009.[4]

Im Oktober 2011 erschien Fritz 13, zunächst als Singleprozessorversion. Die Mehrprozessorversion Deep Fritz 13 folgte im Juni 2012. In der Version 13 wurden auf Cloud-Computing-Konzepten basierende Funktionen eingeführt.

Die aktuelle Version Deep Fritz 14 erschien im November 2013. Als Autor der neu entwickelten 64-Bit-Engine, die bis zu acht CPUs unterstützt, wird Gyula Horvath angegeben, der zuvor mit dem Programm Pandix an mehreren Computerschach-Weltmeisterschaften teilgenommen hatte.[5]

LiveBuch, Let's Check und Engine-Cloud[Bearbeiten]

Bei Fritz 13 wurde mit dem "LiveBuch" ein serverbasiertes Eröffnungsbuch für Schachprogramme implementiert. Es wird mit Partien aus aktuellen Turnieren gepflegt. Eine Besonderheit ist, dass auch die Benutzer das Buch durch eigene Zugeingaben, Analysen und bewertbare Kommentare erweitern können. Wenn das Schachprogramm damit spielt, stützt es sich jedoch ausschließlich auf Statistiken aus den enthaltenen Turnierpartien.

Eine Neuentwicklung im Computerschach stellt das mit Fritz 13 eingeführte "Let's Check" dar. Dabei werden alle Computeranalysen der Anwender auf Servern gespeichert, damit sie anderen Benutzern zur Verfügung stehen. Ein Ersetzungsalgorithmus bevorzugt länger gerechnete Varianten. Let's Check erlaubt, die eigene Engine der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, damit andere Benutzer damit Analyseaufgaben schneller erledigen können. Weil Let's Check offen für alle Engines ist, werden dabei jedoch Varianten und Bewertungen von verschiedenen Programmen vermischt. Bei der Analyse von laufenden Livepartien entsteht eine Art Wettbewerb zwischen den Let's Check-Nutzern, wer als erster eine Stellung "entdeckt" und seinen Namen damit bleibend verknüpfen darf.

Mit der Folgeversion Deep Fritz 13 wurde die sog. "ChessBase Engine-Cloud" eingeführt. Anwender können ihre Computerkapazität bzw. ihre Engines in einen Onlinepool einbringen, wo andere Anwender diese - kostenlos oder gegen die CB.-Serverwährung „Dukaten“ mieten können. Diese haben dann über solche Cloudengines fast dieselbe Kontrolle wie auf eine lokal bei ihnen selbst laufende Engine. Der Service lässt sich auch privat nutzen, etwa um mit der Schachleistung eines stationären Desktops unterwegs auf einem Notebook zu analysieren.

Serverzugang[Bearbeiten]

Mit dem Erwerb von Fritz erhält man zeitlich befristet Zugang auf Schach.de, einem deutschen Schachserver – frühen Ausgaben der Version Fritz 8 lagen jedoch Seriennummern bei, die auch eine unbefristete Nutzung erlauben. Auf diesem Server treffen sich Spieler aller Spielniveaus, und es gibt auch einen Maschinenraum, in dem man seine Engines testen darf. Wertungsfrei kann man dort kostenlos spielen. Der Kampf um inoffizielle, interne Ratingzahlen nach Vorbild des Elo-Systems sowie die meisten erweiterten Funktionen wie Kommunikation mit anderen Nutzern sind dagegen kostenpflichtig. Kostenpflichtig ist auch die Teilnahme an Audio-Livekommentaren oder der Abruf von archivierten Trainingssendungen im Rahmen eines "Premium"-Zugangs.

World Chess Challenge 2006[Bearbeiten]

Vom 25. November bis 5. Dezember 2006 spielte Deep Fritz sechs Partien gegen den amtierenden Schachweltmeister Wladimir Kramnik in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn. Kramnik erhielt ein Startgeld von 500.000 US-Dollar und sollte im Falle eines Sieges weitere 500.000 US-Dollar erhalten. Es wurde vereinbart, dass Kramnik im Vorfeld das Programm erhielt, um sich mit dessen Spielweise vertraut zu machen, und dass er während der Partien Einblick in die Eröffnungsbibliothek von Deep Fritz nehmen konnte. Das Programm lief auf einem System mit zwei Intel-Core-2-Prozessoren mit je zwei Prozessorkernen und berechnete acht bis zehn Millionen Stellungen pro Sekunde. Der Vergleich endete schließlich 4:2 für Deep Fritz.

In der zweiten Partie übersah Kramnik, ungewöhnlich für einen Weltmeister, ein Matt in einem Zug, was von Susan Polgar als „blunder of the century” („Patzer des Jahrhunderts“ - obwohl es noch keine fünf Jahre alt war) kommentiert wurde.[6]

Fritz & Fertig – Schach für Kinder[Bearbeiten]

Fritz & Fertig – Schach für Kinder ist eine Schachprogrammserie für Kinder ab acht Jahren, die der Kinderbuchautor Jörg Hilbert in Zusammenarbeit mit dem Schachtrainer Björn Lengwenus für ChessBase konzipierte.

Hilbert erfand um das Schachspiel eine Geschichte, in der das Königspaar Weiß Urlaub machen will und den Prinzen Fritz damit beauftragt, seine Eltern auf dem Thron zu vertreten. Dabei soll ihm seine Cousine Bianca helfen. Gerade als sie es sich gemütlich gemacht haben, erreicht sie die Herausforderung des Königs Schwarz zum Duell. In ihrer Not wandern sie durch das Königreich und treffen den König Bunt, der ihnen klarmacht, dass es nicht um Leben oder Tod, sondern lediglich um Prestige geht. Nun packt Fritz, der seinen Vater würdig vertreten will, der Ehrgeiz, und er will das Schachspiel lernen. In verschiedenen Minispielen werden die Schachregeln vermittelt, unterschiedliche Spielsituationen trainiert und erklärt, was die verschiedenen Schachausdrücke bedeuten.

Die Software wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kindersoftwarepreis TOMMI 2002. Mittlerweile sind drei Fortsetzungen und mehrere Printprodukte erschienen.

Mittlerweile gibt es vier Programme in der Serie Fritz und Fertig: Schach lernen und trainieren, Schach im schwarzen Schloß, Schach für Siegertypen und Schach für Außerirdische.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hartmut Metz: Adams' und Lekos Gegner aus der Hosentasche - Pocket Fritz bringt Spaß, aber auch Gefahr auf TeleSchach
  2. KARL (Hrsg. Harry Schaack): Das Kulturelle Schachmagazin, Heft 2/2011, S. 38, Eric van Reem: Silicon Chess City Mainz, ISSN 1438-9673
  3. http://www.gamezone.de/news_detail.asp?nid=69285
  4. Vorstellung auf pc-magazin.de, abgerufen am 6. Januar 2013
  5. Chess Programming Wiki, abgerufen am 22. Juni 2014
  6. Susan Polgar: Blunder of the century? Biggest blunder ever?