Fritz Fischer (Elektroingenieur)

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Prof. Dr. Fritz Fischer, Aufnahme etwa 1946

Fritz Fischer (* 9. Februar 1898 in Signau BE; † 28. Dezember 1947 in Zürich) war ein Schweizer Elektroingenieur. Er war seit dem 30. Juli 1936 mit Maud Schätti verheiratet.

Er studierte von 1917 bis 1924 Elektroingenieurwesen an der ETH Zürich und schloss sein Studium mit einer Dissertation Theoretische Studien über hochohmige Widerstände zu Meßzwecken in der Hochspannungswechselstromtechnik ab. Bei den Telefonwerken Albisrieden verbesserte er 1924/25 die Qualität von Sprachübertragungen, worauf er ins Zentrallaboratorium der Mutterfirma Siemens & Halske in Berlin berufen wurde[1]. Dort schuf er unter anderem erste ferngelenkte Schiffe und Flugzeuge und forschte über die physikalischen Grundlagen des Farbfilms. Ab 1928 gehörte er der Leitung des Zentrallaboratoriums an. Während dieser Zeit war er auch Lehrbeauftragter an der Technischen Hochschule Berlin.

1932 nahm er einen Ruf an die ETH Zürich an, wo er das Institut für Technische Physik einrichtete und das Eidophor-Verfahren entwickelte, das Fernsehbilder in Kinoleinwandgrösse zu übertragen erlaubte. Dabei unterstützte ihn sein Oberassistent Edgar Gretener, welcher später in seiner eigenen Firma Dr. Edgar Gretener AG das Eidophorsystem weiterentwickelte. Nach Greteners Tod entstand daraus die Firma Gretag, welche die Erfindung Fischers erfolgreich kommerzialisierte.

Zu den ersten wissenschaftlichen Mitarbeitern und Doktoranden von Fischer zählten ab 1935 Gustav Guanella, Max Lattmann und Werner Lindecker, ab 1937 Erna Hamburger[2], welche 1957 als erste Frau ordentliche Professorin an eine Schweizer Hochschule (EPUL) wurde, sowie ab 1939 Hugo Thiemann, welcher bei der Entwicklung von Eidophor und dem Transfer des Projektes in die Firma Gretener eine bedeutende Rolle gespielt hat.

Fischer war auch Vorstand der Abteilung für industrielle Forschung an der ETH (AfiF). Im Rahmen einer Zusammenarbeit mit der Firma Brown, Boveri & Cie, Baden (BBC) arbeitete Fritz Lüdi als Entsandter der BBC von 1936 bis 1939 an der AfiF unter Leitung von Fischer an Projekten der Hochfrequenztechnik. Lüdi erfand 1938 ein Vielschlitzmagnetron, genannt Turbator, welcher als Senderröhre von BBC-Richtfunkverbindungen zum Einsatz gelangte[3].

Fischer gründete zusammen mit seinem ersten Doktoranden Max Lattmann die Firma Contraves AG [4][5] bei Zürich, anfänglich ab 1936 eine Studiengesellschaft im Bereich von Fliegerabwehrgeräten, später ein bedeutendes Schweizer High-Tech-Industrieunternehmen mit über 2000 Angestellten, dessen Militärgeschäft heute durch Rheinmetall Air Defence AG weitergeführt wird.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fritz Borgnis: Fischer, Fritz. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 5, Duncker & Humblot, Berlin 1961, ISBN 3-428-00186-9, S. 185 f. (Digitalisat).
  2. Erna Hamburger: Wiki-Portrait auf Französisch
  3. Peter J. Wild: Was war vor dem Handy? Fernmeldetechnik bei der BBC. In: Franz Betschon et al. (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz – Technikgeschichte aus erster Hand, S. 408-414, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4
  4. Max Lattmann: Blick zurück in die Zukunft - Die Contraves als Vorkämpferin der Digitaltechnik. In: Franz Betschon et al. (Hrsg.): Ingenieure bauen die Schweiz – Technikgeschichte aus erster Hand, S. 423-438, Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2013, ISBN 978-3-03823-791-4
  5. Firmengeschichte Contraves aus Sicht der Gemeinde Zürich-Seebach