Fritz Metzger

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Kirche St. Theresia, Zürich-Friesenberg (1931–1933)
Kirche Maria Lourdes, Zürich-Seebach (1933–1935)
Kirche St. Felix und Regula, Zürich-Hard (1949–1950)
Kirche St. Mauritius, Oberengstringen (1962–1963)

Fritz Metzger (* 3. Juli 1898 in Winterthur; † 13. August 1973 in Zürich) war ein Schweizer Architekt. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern der schweizerischen katholischen Kirchenarchitektur zwischen 1928 und 1968.[1]

Leben und Werk[Bearbeiten]

Metzger studierte an der ETH Zürich bei Karl Moser, dessen Kirche St. Antonius in Basel für den modernen schweizerischen Kirchenbau Massstäbe setzte. 1932 erhielt Fritz Metzger nach einem national ausgeschriebenen Architekturwettbewerb den Auftrag für den Bau der Kirche St. Karl in Luzern. Diese Kirche realisierte er im Stil des Neuen Bauens, der damals genauso wie die expressionistische Malerei als entartet und bolschewistisch gebrandmarkt wurde.[2] Der Bau dieser Kirche gilt als der erste eigentlich moderne Kirchenbau der Schweiz und als Schlüsselwerk des Neuen Bauens, da für die Kirche einerseits das Baumaterial Beton formal konsequent eingesetzt und der neuen Ästhetik untergeordnet wird. Zudem nimmt diese Kirche als erste in der Schweiz im Raumkonzept die Forderungen der Liturgischen Bewegung nach tätiger Teilnahme der Gläubigen am Gottesdienst auf.[3] Die Kirche St. Theresia, Zürich-Friesenberg wird als weiteres exemplarisches Beispiel des Neuen Bauens gesehen. Der Grundriss dieser Kirche mit nur einem Seitenschiff ist asymmetrisch konzipiert und die kleinen Fenster, die an den Seitenwänden der Kirche weit oben angebracht sind, verhindern den Blick nach draussen. So konzentriert der Kirchbau den Blick des Gottesdienstbesuchers auf das liturgische Geschehen.[2]

Während des Zweiten Weltkriegs rückte Fritz Metzger vom Konzept der Longitudinalkirche ab. Die beiden gleichzeitig 1949–1950 errichteten Kirchen St. Felix und Regula, Zürich-Hard und St. Franziskus, Riehen gaben europaweit Impulse für die Auseinandersetzung mit der Frage nach einer liturgiegerechten Bauweise. Durch neue Grundrisse (die Kirche St. Franziskus, Riehen ist in Trapezform, die Kirche St. Felix und Regula in der Form eines Querovals erbaut[4]) versuchte Fritz Metzger, der tätigen Teilnahme der Gläubigen am liturgischen Geschehen stärkeren Ausdruck zu verleihen. Auf diese Weise setzte Fritz Metzger eine zentrale Forderung der Liturgischen Bewegung der 1930er Jahre um; zugleich nahm Metzger damit ein wesentliches Element der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils vorweg, die in den 1960er Jahren diese Forderung für die katholische Liturgie weltweit festschrieb.[5] Nachfolgende Generationen von Architekten haben Fritz Metzgers Intention in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgegriffen und weiterentwickelt.[6]

Fritz Metzger schrieb über seine Sakralbauten: "Wir müssen unser Denken mit dem Gemeinschaftssinn, mit dem Interesse für die andern, mit dem Interesse für die Kirche durchdringen. Wir wollen immer bewusster am Gottesdienst teilnehmen und immer mehr Gemeinschaft werden. Das soll dem religiösen Leben eine nachhaltige und tief gemeinschaftliche Note geben. Die alte Zeit und die alte Kirche bedeuteten vielfach Trennung, Absonderung. Die neue Kirche und die neue Zeit verlangen Bindung, Zusammenhalten, Gemeinschaft. Unsere Religion ist die Religion der Gemeinschaft. Danach wird einmal die Welt gerichtet. Wer Gemeinschaft lebt, ist gerettet; wer sie schlecht lebt, ist verloren."[7]

Bauten (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Schweizer St. Lukasgesellschaft (Hrsg.): Kirchenbauten von Hermann Baur und Fritz Metzger. NZN Verlag. Zürich 1956
  • Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Luzern 1994.
  • Fabrizio Brentini: Rudolf Schwarz und sein Einfluss auf die Kirchenarchitektur in der Schweiz. In: Rudolf Schwarz (1897–1961). Werk, Theorie, Rezeption. Linz 1997, S. 58–78.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fritz Metzger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fabrizio Brentini: Rudolf Schwarz und sein Einfluss auf die Kirchenarchitektur in der Schweiz. S. 1.
  2. a b Fabrizio Brentini: Rudolf Schwarz und sein Einfluss auf die Kirchenarchitektur in der Schweiz. S. 4.
  3. Historisches Lexikon der Schweiz, Artikel Kirchenbau. Abgerufen am 14. Juli 2013.
  4. Fabrizio Brentini: Rudolf Schwarz und sein Einfluss auf die Kirchenarchitektur in der Schweiz. S. 2.
  5. Fabrizio Brentini: Rudolf Schwarz und sein Einfluss auf die Kirchenarchitektur in der Schweiz. S. 4–5.
  6. Fabrizio Brentini: Bauen für die Kirche. Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Luzern 1994.
  7. Fritz Metzger zur Kircheinweihung Oberkirch LU, zitiert nach: Website der Pfarrei Oberkirch, Abschnitt Bauten. Abgerufen am 11. März 2014.