Fritz Schlumpf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Schriftsteller mit dem Pseudonym Peter Kilian siehe Peter Kilian.

Fritz Schlumpf, eigentlich Federico Filippo Augustino Schlumpf (* 24. Februar 1906 in Omegna bei Mailand; † 18. April 1992 in Basel) war ein Schweizer Textilproduzent und Automobilsammler aus Mülhausen im Elsass, Frankreich.

Schlumpf war der Sohn des Schweizer Textilingenieurs Carl Schlumpf und dessen elsässischer Ehefrau Jeanne Becker. Der Textilproduzent Hans Schlumpf war sein Bruder. 1908 zog die Familie um nach Mülhausen, Elsass, und Schlumpf lebte dort bis zur Flucht der Brüder ins Schweizer Exil im Jahre 1977. Den Brüdern gelang es zwischen den 1930er und 1970er Jahren in Frankreich das Monopol für gekämmte Garne zu erlangen, womit sie mit ihren drei Fabriken im Elsass und einer in Nordfrankreich den Markt uneingeschränkt beherrschten.

Die Gebrüder Fritz und Hans Schlumpf trugen zwischen 1945 und 1977 eine gewaltige Sammlung von rund 500 klassischen Automobilen zusammen, darunter auch mehrere Dutzend Bugatti und zwei der sechs überlebenden «Bugatti Royales». Zur Finanzierung dieses Hobbys belasteten sie ihre Unternehmen derart, dass diese 1977 zahlungsunfähig wurden, und in der Folge über 2000 Beschäftigte in die Arbeitslosigkeit entlassen werden mussten. Die bis zu diesem Zeitpunkt der Öffentlichkeit nicht bekannte Automobilsammlung wurde bei Ausschreitungen im Rahmen eines Streiks von den ehemaligen Arbeitern des Textilwerkes entdeckt.

Mit dem zu erzielenden Erlös aus dem Verkauf der Fahrzeuge hätten die Forderungen der Gläubiger bedient werden können, jedoch konnte die Sammlung – vor allem durch die Intervention der französischen Regierung unter François Mitterrand – in ihrer Gesamtheit erhalten werden. Damit wurde auch eine Forderung der arbeitslosen Arbeiter (darunter eine große Zahl Frauen) erfüllt: Sie wären mit dem Verkauf ein zweites Mal betrogen worden, denn die Sammlung wollten sie zumindest der Region erhalten.

Die ehemaligen Werkhallen einer ihrer Textilfabriken in Mülhausen beherbergen heute das Musée National de l'Automobile Frankreichs, das auch unter dem Namen Collection Schlumpf bekannt ist.

Das Streben und Wirken der Gebrüder Schlumpf ist widersprüchlich zu bewerten: Ihre wirtschaftliche und soziale Verantwortung – sowohl sich selbst als auch ihren Mitarbeitern gegenüber – völlig außer acht lassend, hinterließen sie der Nachwelt eines der größten und faszinierendsten Automobilmuseen der Welt.

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