Fritz T. Epstein

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Fritz Theodor Epstein (* 20. August 1898 in Saargemünd, in dem damaligen Reichsland Elsaß-Lothringen; † 6. Dezember 1979 in Lüneburg) war Historiker für Osteuropäische Geschichte. Deutsch-jüdischer Abstammung emigrierte er 1933 mit seiner Frau Herta, geborene „Bertelsmann“, und seinen zwei Kindern über London in die USA. Epstein kehrte im Alter nach Deutschland zurück und heiratete nach dem Tode seiner Frau ein zweites Mal.

Leben[Bearbeiten]

Epstein war der Sohn des Mathematikers Paul Epstein. Durch seine Mutter, eine geborene Wiesengrund, war er mit Theodor Adorno verwandt. Sein Sohn Klaus Werner Epstein wurde ebenfalls Historiker.

Epsteins Studium an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg wurde durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen. Nach dem Krieg nahm er das Studium wieder auf und promovierte 1924 in Berlin über die zaristische Verwaltung Russlands im 15. bis 17. Jahrhundert. Epstein arbeitete an seiner Habilitationsschrift über die Beziehungen der Sowjetunion zu den Westmächten 1917–1920 und deren Intervention im Russischen Bürgerkrieg an der Universität Hamburg bei Richard Salomon (1926–1931) und an der Universität Frankfurt am Main (1932–1933). Eine Habilitation und Universitätslaufbahn wurde 1933 durch die Machtübernahme durch die NSDAP blockiert. Mit Unterstützung des Academic Assistance Council (AAC) gelang ihm mit seiner Familie 1933 die Emigration nach London, dann 1936 in die U.S.A.. Er lehrte an der Harvard University (1937–1943) und arbeitete während des Krieges für das U.S. State Department. Von 1948 bis 1951 war Epstein Kurator der Central European and Slavic Collections der Hoover Library der Stanford University, 1951–1960 USSR & Central European Specialist der Library of Congress, seit 1962 Professor an der Fakultät der Indiana University Bloomington und Kurator der dortigen Slavic Collection. Nach dem Krieg war er oft forschend und lehrend in Deutschland tätig, so unter anderem als Herausgeber der Dokumente zur deutschen auswärtigen Politik 1918–1945 und als Gastprofessor an den Universitäten Bonn, Freiburg und Hamburg.[1]

Nach seiner Emeritierung 1969 kehrte Epstein nach Deutschland zurück. Epstein war in lebenslanger Freundschaft mit Erna Christine Kresina, der späteren Frau des Malers Erwin Vollmer, verbunden. Ihr Briefwechsel wurde nur durch den Krieg unterbrochen. Nachdem beide verwitwet waren, heirateten sie im Alter.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Staden, Heinrich von, Aufzeichnungen über den Moskauer Staat. Nach der Handschrift des Preussischen Staatsarchivs in Hannover hrsg. von Fritz T. Epstein. 2., erweiterte Aufl. Hamburg, Cram, De Gruyter, 1964.
  • The American bibliography of Russian and east European studies for 1966 (Russian and East European series)
  • Germany and the East - Bloomington : Indiana University Press, 1973

Literatur[Bearbeiten]

Nachrufe (Auswahl)
  • Günter Moltmann, Klaus Schwabe, in: Amerikastudien / American Studies, Jg. 25, Heft 1, 1980.
  • Wolfgang Geierhos, in: Deutsche Studien, Jg. 18, 1980.
  • Werner Philipp, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Bd. 28, Heft 1.
  • Alexander Fischer, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Dezember 1979.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Honorarprofessuren der Universitäten Bonn (1961) und Freiburg (1974)
  • Ernennung zum Professor emeritus der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main
  • 1969/70 Wahl zum Vorsitzenden der Conference Group for Central European History der American Historical Association
  • Bundesverdienstkreuz
  • 1968 Dr. h.c. der Universität Hamburg
  • Fritz T. Epstein zur Vollendung des 65. Lebensjahres zugeeignet (Jahrbücher für Geschichte Osteuropas. Neue Folge. Bd. 11. Jahrg. 1963. Hft. 3.)
  • Russland-Deutschland-Amerika. Festschrift für Fritz T. Epstein zum 80. Geburtstag. hrsg. von Alexander Fischer, Günter Moltmann und Klaus Schwabe. (Frankfurter historische Abhandlungen), Wiesbaden : Steiner, 1978.
  • Der Verband der Osteuropahistorikerinnen und -historiker e.V. (VOH) verleiht alle zwei Jahre den Fritz Theodor Epstein Preis.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günter Moltmann, Klaus Schwabe in: Amerikastudien / American Studies, 25. Jahrgang 1980, Heft 1.