Frohndorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

51.16277777777811.186666666667140Koordinaten: 51° 9′ 46″ N, 11° 11′ 12″ O

Frohndorf
Stadt Sömmerda
Höhe: 140 m ü. NN
Einwohner: 457 (2010)
Eingemeindung: 1994
Postleitzahl: 99610
Vorwahl: 03634
Karte

Lage von Frohndorf in Sömmerda

Frohndorf ist ein Ortsteil der Stadt Sömmerda im thüringischen Landkreis Sömmerda. Der Ort wurde 1994 zur Kreisstadt eingemeindet.

Geografie[Bearbeiten]

Frohndorf liegt östlich der eigentlichen Stadt Sömmerda und wird von der Scherkonde durchflossen. Die Gemarkung befindet sich im Thüringer Becken unweit der Unstrutniederung.

Geschichte[Bearbeiten]

Die urkundlich nachgewiesene Ersterwähnung stammt vom 18. Mai 876.[1]

Kirche von Frohndorf (2011)
Kirche von Frohndorf (2011)
Gutsgelände Mitte 19. Jh., nach F. Boblenz 2001

Der Ort, in dem zunächst das Ministerialgeschlecht von Vrondorf ansässig war, gehörte seit 1221 zum Herrschaftsbereich der Grafen von Beichlingen, die wiederum Lehnsträger der Landgrafen von Thüringen waren. 1448 gab Herzog Wilhelm von Sachsen als Lehnsherr seine Einwilligung zur Verpfändung von Teilen der früheren Grafschaft Beichlingen seitens der stark verschuldeten Grafen Günther und Hans von Beichlingen an die mit ihnen verwandten Grafen Botho zu Stolberg und Heinrich von Schwarzburg. Dazu gehörten die Schlösser und Dörfer: Frohndorf, Groß- und Wenigenorlishausen, Groß- und Kleinneuhausen, Ellersleben, Bachra, Backleben, Rettgenstedt, Battgendorf, Dermsdorf, Schillingstedt, Altenbeichlingen, Hemleben und Hauteroda. Zusätzlich wurden die jährlichen Einnahmen aus der Stadt Kölleda verpfändet. Nach dem Tod des Grafen Günther von Beichlingen 1454 erwarben die Stolberger und Schwarzburger Grafen dieses Pfand durch Kauf für 22.550 Rheinische Gulden. Dadurch entstand die schwarzburg-stolbergische Herrschaft Frohndorf, die einen Teil der früheren Grafschaft Beichlingen umfasste. Im Gegensatz zum Pfand von 1448 fehlten die Dörfer Altenbeichlingen, Hemleben und Hauteroda, die bei den Grafen von Beichlingen verblieben.

Graf Heinrich von Schwarzburg verkaufte 1468 seinen Anteil an der Herrschaft Frohndorf an Graf Heinrich zu Stolberg. Bereits 1480 trat mit dem stolbergischen Rat Anton von Werthern der Vertreter einer Familie in Erscheinung, die in den späteren Jahren bestimmend über die Herrschaft Frohndorf werden sollte. Werthern erhielt damals für seine Verdienste als stolbergischer Rat mehrere Güter in Frohndorf verliehen. Aufgrund von Schulden verkauften 1505 die Stolberger Grafen Frohndorf an den Ritter und Weißenfelser Amtmann Hans von Werthern.[2] Erst nach 25 Jahren konnte Ch. von Werthern das Schloss im Renaissance-Stil für die damalige Zeit modern ausbauen. Es gab jetzt u.a. eine Herrenstube, Schreibstube, Hofstube, Badestube. Das Schloss bewohnten auch zur Hälfte die Herren von Wiehe. Später gab es neben dem Wirtschaftshof einen Lustgarten, Küchengarten,Hofgarten und Baumgärten. Es folgte die Errichtung des Torhauses. So entwickelte sich das Haus zum Schloss und der Hof zum Gut. Es muss sich um einen bedeutenden Bau gehandelt haben, war Frohndorf doch das Stammschloss derer von Werthern und zu der Herrschaft Frohndorf gehörten ja noch acht bis elf weitere Dörfer.

1776 weilte Goethe zu einem Besuch im Schloss Frohndorf. Von 1789 bis 1804 lebte Cäcilie von Werthern (geb. von Ziegesar, aus Drackendorf) in Frohndorf. Ihr Mann, Christian George Freiherr von Werthern, ließ in den 1790er Jahren den größten Teil des Schlosses abtragen und wollte einen Neubau durch den Hofbaumeister Johann Friedrich Rudolph Steiner errichten lassen. Vorgesehen war innerhalb des Schlossgrabens eine repräsentative Dreiflügelanlage mit zwei Rundtürmen. Nach dem Tod des Herrn von Werthern 1800 wurden die bereits weit gediehenen Pläne nicht weiter verfolgt. Man begnügte sich mit dem Bau eines großen Gutshauses, das heute noch steht. Die Wassergräben wurden verfüllt. Der erhaltene „Kellerberg“ im Gutsgelände ist wohl der Rest eines alten „Kellerhauses“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Zuge der Bodenreform in der SBZ der Grund und Boden und die Gutsgebäude samt Inventar entschädigungslos enteignet.[3]

1855 wurde auf dem Sperberhügel ein neolithisches Kollektivgrab abgetragen. Die mit Steinplatten ausgelegte Anlage war mit menschlichen Skelettresten, Zahnschmuck und weiterem Fundmaterial versehen. Nachbestattungen weisen auf die Bedeutung dieser Stätte hin.[4]

Kirche[Bearbeiten]

St. Anna-Kirche (Frohndorf)

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl:

  • 1910 – 472
  • 2006 – 484
  • 2010 – 457

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Boblenz: Der Freuden Oberpriesterin – Cäcilie von Werthern (1773–1831), Karl August von Böttiger (1760–1835) und Frohndorf. - In: Sömmerdaer Heimatheft 14 (2002), S. 60–92.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Kahl Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer bis 1300 Verlag Rockstuhl Bad Langensalza 2001, S. 24, ISBN 3-934748-58-9.
  2.  Jörg Brückner: Zwischen Reichsstandschaft und Standesherrschaft. Die Grafen zu Stolberg und ihr Verhältnis zu den Landgrafen von Thüringen und späteren Herzögen, Kurfürsten bzw. Königen von Sachsen 1210–1815. Verlag Janos Stekovics, 2005, ISBN 3-89923-119-8.
  3. Frank Boblenz Vom „Hof“ zum Schloss – zur Geschichte von Schloss Frohndorf In: Von der Burg zum Schloss. Hrsg. Heiko Laß. quartus-Verlag, Jena 2001, S. 193–214
  4. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer Jenzig-Verlag 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 335

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frohndorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien