Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
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Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich ist das erste Märchen der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen (KHM 1) der Brüder Grimm. Im Aarne-Thompson-Index wird es der Kategorie 440 Ehemann zugerechnet.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Inhalt
Einer Prinzessin fällt ihre goldene Kugel beim Spiel in den Brunnen und ein Frosch erbietet sich ihr zu helfen. Sie muss ihm dafür versprechen, seine Spielkameradin zu werden und Tisch und Bett mit ihm zu teilen. Als sie die Kugel zurück hat, läuft sie davon. Doch der Frosch folgt ihr und auf Drängen ihres Vaters bekennt sie sich widerwillig zu ihrem Versprechen. Als jedoch der Frosch einfordert, dass sie ihn mit in ihr Bett nehmen solle, ist ihre Abscheu so groß, dass sie das Tier an die Wand wirft. Im gleichen Augenblick verwandelt sich der Frosch in einen Prinzen. Nach dem Willen ihres Vaters führt er die Königstochter als seine Gemahlin in einer Kutsche in sein Königreich. Während der Fahrt springen Heinrich, dem treuen Diener des jungen Königs, aus Freude über die Erlösung seines Herrn mit lautem Krachen die drei eisernen Bande entzwei, die er (der „Eiserne Heinrich“) sich hatte um sein Herz legen lassen, als sein Herr in einen Frosch verwandelt worden war.
[Bearbeiten] Deutungen
[Bearbeiten] Sexuelle Initiation
Der Froschkönig kann (auch) als Geschichte sexueller Initiation eines jungen Mädchens gelesen werden. Der Brunnen steht für die Welt der unbekannten und daher zunächst beängstigenden männlichen Triebe, mit der die sexuell noch unerfahrene Prinzessin konfrontiert wird, als ihr argloses Spiel mit der goldenen Kugel am Brunnen eine plötzliche Wendung erfährt. Die goldene (runde) Kugel steht für weibliche Anziehungskraft. Der als ekelig empfundene Frosch steht nicht nur für die männliche Pubertät, die Jungen in diesem Alter als noch wenig attraktiv für gleichaltrige Mädchen erscheinen lässt, sondern auch allgemein für die zunächst als zudringlich und unheimlich empfundene männliche Sexualität. Erst als das Mädchen nach dem „Brunnenerlebnis“ zu einer jungen (selbstbewussten) Frau heranreift, kann sie die Angst vor dem anderen Geschlecht überwinden (der Wurf an die Wand), der Frosch entpuppt sich als Prinz.
[Bearbeiten] Bedeutung des Wortes „Fretsche“
Der im Originaltext des Märchens am Ende stehende Ausspruch des Eisernen Heinrichs „... als ihr in dem Brunnen saßt, als ihr eine Fretsche wast.“ veranlasste zu weiteren Deutungen:
Eine Deutung des Wortes „Fretsche“ knüpft an die hessische Aussprache von Frettchen an, da die Gebrüder Grimm die mündlichen Märchenerzählungen in Hessen gesammelt hatten. Das Wort Frettchen könnte für frech und flink stehen, was dem Verhalten des frechen und der Prinzessin nacheilenden (nachstellenden) Frosches entspräche. Die lautmalerische Ähnlichkeit zwischen „Fretsche“ und Frosch könnte insoweit ein doppeldeutiges Wortspiel sein. Dass dem seinem Prinzen treu ergebenen Eisernen Heinrich eiserne Bande vom Herzen fallen, nachdem die Umtriebigkeit des Prinzen mit der Vermählung endet, könnte als Freude über die nun eingekehrte Berechenbarkeit des Prinzen gemeint sein, wobei Prinz für staatliche Obrigkeit stehen mag.
Eine andere Deutung des Wortes „Fretsche“, und damit des Sinngehalts des Märchens, wird über eine vermeintliche etymologische Wortverwandtschaft mit dem englischen Wort „wretch“ herzuleiten versucht, das wiederum eine Verbindung zum althochdeutschen Wort „Recke“ aufweise (siehe Chambers, Dictionary of Etymology C 1988: „wretch n. very unfortunate person. Probably before 1200 wrecche, in The Ormulum; developed from Old English wrecca wretch, stranger, exile ...; related to wrecan to drive out, punish ... Old English wrecca is cognate with Old Saxon wrekkio exile, and Old High German reccho, reckio (modern German Recke warrior, hero), from Proto-Germanic *wrakjon from Indo-European *wrog- ...“). Daraus wird geschlossen, der Froschkönig (Froschprinz) sei als ein ins Ausland vertriebener Recke zu sehen, dessen Schicksal hier märchenhaft umschrieben werde.
[Bearbeiten] Entzauberung und ihre Entsprechung in der Psychoanalyse
Als weiterer Aspekt möglicher Deutung: In dem Märchen wird mit dem Wurf an die Wand bzw. vor allem mit dem Ausspruch des den handelnden Personen (un)bekannten Wortes "Fretsche" eine Entzauberung des zuvor verhexten Königsohns herbeigeführt bzw. abgeschlossen. Die Entzauberung findet durch Freisetzen bzw. Bekanntwerden von ablehnenden Emotionen statt. Entzauberungen finden sich in vielen Märchen, z.B. in dem Märchen Rumpelstilzchen. In dem Augenblick, in dem dessen wahrer Name ausgesprochen wird, ist der Zauber gebrochen bzw. gebannt. Eine Parallele besteht insoweit in der Psychoanalyse. Erst mit dem Bewusstwerden und Aufdecken von Ängsten und Verdrängungen ist der (negative) Zauber gebrochen, kann der Heilungsprozess beginnen.
[Bearbeiten] Version von C G Jung
Einer Interpretation von Carl Gustav Jung folgend handelt die Geschichte von einer Initiation der Psyche einer jungen Frau. Der Analyse Jungs folglich sind Märchen eine reiche Quelle für Archetypen und können wie Träume analysiert werden. Der Ego-Charakter in dieser Geschichte ist die Prinzessin. Als Jungfrau sieht sie ihre männlichen Mitmenschen noch wie fremdartige Tiere, genauer wie Frösche. Der goldene Ball steht für ihr bewusstes Selbst, das im Brunnen im Wald verloren ging. Sowohl der Brunnen als auch der Wald stehen für ihre Unbewusstheit. Während des Prozesses der Selbstsuche trifft sie einen Frosch, eigentlich: einen Mann. Der Frosch hilft ihr und will aus ihrem Becher trinken und von ihrem Teller essen, was für das Verlangen, sie zu küssen steht. Mit ihr in einem Bett schlafen zu wollen steht für die Intimität zwischen Mann und Frau. Als die jungfräuliche Prinzessin den Frosch gewaltsam an die Wand wirft, wird sie sich plötzlich über die männlichen Züge in ihrem eigenen Unbewussten klar: sie wird von der passiv erduldenden zur aktiv handelnden Person. Nach dieser plötzlichen Entdeckung wird der Frosch zum realistischen Bild eines Mannes oder in diesem Falle zu einem Prinzen mit wunderschönen Augen. Die Prinzessin ist nun eine erwachsene Frau, die fähig ist zu heiraten.
[Bearbeiten] Verfilmungen
Die Walt-Disney-Regisseure Ron Clements und John Musker (Arielle, die Meerjungfrau, Aladdin, Hercules) arbeiten derzeit an einer klassischen Disney-Version des Froschkönigs mit dem Titel „The Princess and the Frog“.
Bisherige Versionen:
- 1963 Der eiserne Heinrich, DEFA-Handpuppenfilm von Carl Schröder
- 1987 Der Froschkönig mit Helen Hunt
- Gurimu Meisaku Gekijō, japanische Zeichentrickserie 1987, Folge 3-4: Der Froschkönig
- SimsalaGrimm, deutsche Zeichentrickserie 1999, Staffel 2, Folge 12: Der Froschkönig
- Der Froschkönig – Im Brunnen hört dich niemand schreien, Komödie aus Die ProSieben Märchenstunde (Deutschland/Österreich, ab 2006)
[Bearbeiten] Quellen
- Kinder- und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm in drei Teilen.
- Turm-Verlag Leipzig 1907 - 1909
- Von Otto Ubbelohde illustrierte Ausgaben der Grimmschen Märchen N.G. Elwert Verlag, Marburg 1922
- Von Heinz Rölleke textkritisch revidierte zweibändige Ausgabe, Verlag Diederichs, Köln 1982 und Ausgabe letzter Hand mit einem Anhang sämtlicher Herkunftsnachweise in drei Bänden, Reclam, Stuttgart 1980
- Eugen Drewermann: Der Froschkönig. Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet.. Walter Verlag, Februar 2003, ISBN 3530169536.
[Bearbeiten] Siehe auch
- KHM 13a Der Froschprinz
- Die Froschkönigin
- Daniela Weiland: Nie einen Frosch küssen! in Alice Schwarzer: EMMA. Die ersten 30 Jahre. München 2007 (Collection Rolf Heyne) ISBN 978-3-89910-358-8

