Fußball-Europameisterschaft 1996

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UEFA-Fußball-Europameisterschaft 1996
UEFA EURO 96
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Anzahl Nationen 16 (von 48 Bewerbern)
Europameister DeutschlandDeutschland Deutschland (3. Titel)
Austragungsort EnglandEngland England
Eröffnungsspiel 8. Juni 1996 in London
Endspiel 30. Juni 1996 in London
Spiele 31
Tore 64 (∅: 2,06 pro Spiel)
Zuschauer 1.276.137 (∅: 41.166 pro Spiel)
Torschützenkönig EnglandEngland Alan Shearer (5)
Bester Spieler DeutschlandDeutschland Matthias Sammer (Abwehr)[1]
Gelbe Karten 155 (∅: 5 pro Spiel)
Gelb-Rote Karten (∅: 0,13 pro Spiel)
Rote Karten (∅: 0,1 pro Spiel)

Die Endrunde der 10. Fußball-Europameisterschaft der Herren wurde vom 8. bis 30. Juni 1996 in England ausgetragen. Das Endspiel im Londoner Wembley-Stadion zwischen Deutschland und Tschechien gewann Deutschland in der Verlängerung durch Golden Goal in der 95. Minute.

Seit dieser Europameisterschaft nehmen 16 Mannschaften in vier Gruppen an der EM-Endrunde teil, während es zuvor nur acht Mannschaften in zwei Gruppen waren.

Neben England hatten sich auch Österreich, Portugal und die Niederlande für die Ausrichtung des Turniers beworben. Für England sprach insbesondere das Ziel der UEFA, das Teilnehmerfeld auf 16 Mannschaften aufzustocken.

Qualifikation der deutschsprachigen Mannschaften[Bearbeiten]

Die Neuordnung in Europa führte zahlreiche junge Länder erstmals in die Qualifikation zur Europameisterschaft, was zu umfangreicheren Gruppen und mehr Spielen als früher führte.

Deutschland traf in Gruppe Sieben auf Bulgarien, Georgien, Wales, Moldawien und Albanien. Nach der erfolglosen WM 1994 war man auch in der Qualifikation in den Spielen gegen die vermeintlich schwächeren Gegner aus Albanien, Georgien oder Moldawien nicht überlegen. Zum Ende der ersten Saison 1995 gab es ein 1:1 zu Hause gegen Wales und eine 2:3-Niederlage in Bulgarien, wodurch eine Revanche gegen Bulgarien für das Ausscheiden bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA zunächst missglückte. Siege in den Rückspielen gegen die vermeintlich stärksten Konkurrenten, insbesondere der 3:1-Heimsieg gegen Bulgarien, gaben dann dennoch den Ausschlag für eine weitgehend problemlose Qualifikation der Mannschaft von Berti Vogts.

Österreich traf in der Gruppe Sechs auf Portugal, Irland, Nordirland, Lettland und Liechtenstein. Es gab eine Heimniederlage gegen Nordirland und eine Niederlage in Portugal. Portugal konnte sich als Gruppenerster qualifizieren. Österreich landete am Ende auf Platz vier und vergab die Chance auf einen Relegationsplatz durch eine 3:5-Niederlage in Nordirland.

In Gruppe Drei traf die Schweiz auf die Türkei, Schweden, Ungarn und Island. Sie bezwang den WM-Dritten von 1994 und Halbfinalist der letzten EM, Schweden, mit 4:2. Mit dem Dortmunder Stéphane Chapuisat und dem eingebürgerten türkischstämmigen Kubilay Türkyılmaz hatten sie Angreifer, die bereits maßgeblichen Anteil daran hatten, dass die Schweiz an der WM 1994 in den USA teilgenommen hatte. Am letzten Spieltag standen dann die Schweiz und die Türkei punktgleich an der Spitze. Die Schweiz gewann mit 3:0 gegen Ungarn und die Türkei spielte in Schweden nur 2:2, qualifizierte sich dann aber als einer der besten sechs Gruppenzweiten.

Spielorte[Bearbeiten]

London Birmingham
Spielorte 1996 in England
Leeds Liverpool
Wembley-Stadion Villa Park Elland Road Anfield
Wembley Stadium Twin Towers.jpg Inside Villa Park - geograph.org.uk - 1191451.jpg Ellandrd.jpg The view from the Kop.jpg
Newcastle Manchester Sheffield Nottingham
St. James’ Park Old Trafford Hillsborough Stadium City Ground
SFEC UK StJames Newcastle 01.JPG Inside Old Trafford Football Stadium - geograph.org.uk - 1777320.jpg SWFC Stadium from Shirecliffe.jpg The City Ground, Nottingham.jpg

Auslosung der Endrunde[Bearbeiten]

Die Auslosung der vier Vierergruppen der Endrunde fand am 17. Dezember 1995 in Birmingham statt. Neben Gastgeber England (Gruppe A) wurden die drei stärksten qualifizierten Mannschaften als Gruppenköpfe in die Gruppen B, C und D gelost, dies waren Titelverteidiger Dänemark, Spanien sowie Deutschland. Die übrigen Mannschaften wurden nicht gesetzt und wurden völlig offen zu den Gruppenköpfen gelost.

Teilnehmende Staaten
Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
EnglandEngland England (Kader) SpanienSpanien Spanien (Kader) DeutschlandDeutschland Deutschland (Kader) DanemarkDänemark Dänemark (Kader)
SchweizSchweiz Schweiz (Kader) BulgarienBulgarien Bulgarien (Kader) TschechienTschechien Tschechien (Kader) PortugalPortugal Portugal (Kader)
NiederlandeNiederlande Niederlande (Kader) FrankreichFrankreich Frankreich (Kader) ItalienItalien Italien (Kader) KroatienKroatien Kroatien (Kader)
SchottlandSchottland Schottland (Kader) RumänienRumänien Rumänien (Kader) RusslandRussland Russland (Kader) TurkeiTürkei Türkei (Kader)

Vorrunde[Bearbeiten]

Gruppe A[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 EnglandEngland England 3 2 1 0 7:2 +5 7
2 NiederlandeNiederlande Niederlande 3 1 1 1 3:4 -1 4
3 SchottlandSchottland Schottland 3 1 1 1 1:2 -1 4
4 SchweizSchweiz Schweiz 3 0 1 2 1:4 -3 1
Für die Platzierung 2 und 3 ist die Anzahl der erzielten Tore in allen Gruppenspielen maßgeblich.
08. Juni 1996 in London (Wembley-Stadion)
England Schweiz 1:1 (1:0)
10. Juni 1996 in Birmingham (Villa Park)
Niederlande Schottland 0:0
13. Juni 1996 in Birmingham (Villa Park)
Niederlande Schweiz 2:0 (0:0)
15. Juni 1996 in London (Wembley-Stadion)
England Schottland 2:0 (0:0)
18. Juni 1996 in London (Wembley-Stadion)
England Niederlande 4:1 (1:0)
18. Juni 1996 in Birmingham (Villa Park)
Schottland Schweiz 1:0 (1:0)

England wollte mit Alan Shearer und Paul Gascoigne die Chance nutzen, im eigenen Land wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1966 seinen zweiten Titel zu gewinnen. Für die WM 1994 in den USA hatte man sich nicht qualifizieren können. Das erste Spiel der Engländer gegen die Schweiz endete mit einem Unentschieden. Man bestimmte zwar das Spiel, führte aber nur mit 1:0 durch Shearer, als in der 86. Minute Türkyilmaz per Handelfmeter für die Schweizer den Ausgleich besorgte.

Der zweite vermeintliche Favorit der Gruppe, die Niederlande, spielte gegen Schottland ebenfalls unentschieden. Nachdem die Engländer das britische Duell für sich entschieden hatten und auch die Niederländer die Schweiz bezwingen konnten, kam es zum entscheidenden Duell zwischen England und die Niederlande, das England mit 4:1 gewann. Die Schotten hätten mit einem Sieg gegen die Schweiz Nutznießer dieser Situation sein und damit einen Favoriten aus dem Turnier stoßen können. In der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen, aber die Engländer führten durch einen Elfmeter von Shearer mit 1:0. Bis zur 62. Minute dominierten die Engländern mit den Stürmern Alan Shearer und Teddy Sheringham die Niederländer und erhöhten die Führung auf 4:0. Zu diesem Zeitpunkt führte Schottland gegen die Schweiz mit 1:0, was das Ausscheiden für die Niederlande bedeutet hätte. Sie benötigten mindestens noch ein Tor, um noch als Gruppenzweiter ins Viertelfinale einziehen zu können. Patrick Kluivert erzielte dann in der 78. Minute den wichtigen Treffer zum 1:4.

Gruppe B[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 FrankreichFrankreich Frankreich 3 2 1 0 5:2 +3 7
2 SpanienSpanien Spanien 3 1 2 0 4:3 +1 5
3 BulgarienBulgarien Bulgarien 3 1 1 1 3:4 -1 4
4 RumänienRumänien Rumänien 3 0 0 3 1:4 -3 0
09. Juni 1996 in Leeds (Elland Road)
Spanien Bulgarien 1:1 (0:0)
10. Juni 1996 in Newcastle (St. James’ Park)
Frankreich Rumänien 1:0 (1:0)
13. Juni 1996 in Newcastle (St. James’ Park)
Bulgarien Rumänien 1:0 (1:0)
15. Juni 1996 in Leeds (Elland Road)
Frankreich Spanien 1:1 (0:0)
18. Juni 1996 in Newcastle (St. James’ Park)
Frankreich Bulgarien 3:1 (1:0)
18. Juni 1996 in Leeds (Elland Road)
Spanien Rumänien 2:1 (1:1)

In Gruppe B standen sich vermeintlich gleichwertige Mannschaften gegenüber. Rumänien kam mit seinem Star Gheorghe Hagi, konnte jedoch viele nicht überzeugen und verlor jedes Spiel, unter anderem weil Torjäger Florin Răducioiu nicht an seine Leistungen bei der WM anknüpfen konnte. Spanien galt wie bei allen Turnieren als Geheimfavorit, es fehlte jedoch ein Weltklassestürmer. Bulgarien wurde als WM-Vierter mit seinem Star Christo Stoitschkow ebenfalls stark eingeschätzt und Frankreich wollte das Turnier nutzen, um sich auf die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 im eigenen Land vorzubereiten. Die Gruppe wurde dann am letzten Spieltag entschieden durch das 3:1 Frankreichs gegen Bulgarien. Ljuboslaw Penew traf zum 0:2 ins eigene Tor. Der 1:3-Treffer durch Patrice Loko fiel in der Nachspielzeit.

Gruppe C[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff Punkte
1 DeutschlandDeutschland Deutschland 3 2 1 0 5:0 +5 7
2 TschechienTschechien Tschechien 3 1 1 1 5:6 -1 4
3 ItalienItalien Italien 3 1 1 1 3:3 +0 4
4 RusslandRussland Russland 3 0 1 2 4:8 -4 1
Für die Platzierung 2 und 3 ist der direkte Vergleich maßgeblich.
Tschechien - Deutschland: Briefmarke aus Aserbaidschan
09. Juni 1996 in Manchester (Old Trafford)
Deutschland Tschechien 2:0 (2:0)
11. Juni 1996 in Liverpool (Anfield)
Italien Russland 2:1 (1:1)
14. Juni 1996 in Liverpool (Anfield)
Tschechien Italien 2:1 (2:1)
16. Juni 1996 in Manchester (Old Trafford)
Deutschland Russland 3:0 (0:0)
19. Juni 1996 in Manchester (Old Trafford)
Italien Deutschland 0:0
19. Juni 1996 in Liverpool (Anfield)
Tschechien Russland 3:3 (2:0)

Berti Vogts setzte weiterhin auf einige Weltmeister von 1990. Hinzu kam als Führungsspieler Matthias Sammer. Sammer spielte jetzt auch die Rolle, die er bei Borussia Dortmund spielte, als Libero vor der Abwehr. Die relativ junge tschechische Mannschaft wurde durch zwei Tore in der ersten Halbzeit von Christian Ziege und Andreas Möller mit 2:0 geschlagen. Nach dem Sieg über Russland und nach der Niederlage der Italiener gegen die Tschechen, wo Pavel Nedvěd seinen ersten Einsatz in einem internationalen Turnier hatte, konnten drei Mannschaften noch auf 6 Punkte kommen. Italien musste gewinnen, um sich fürs Viertelfinale zu qualifizieren, wohingegen Deutschland nur ein Unentschieden für den Gruppensieg brauchte. Aber auch die Deutschen hätten noch scheitern können, und zwar im Falle einer Niederlage mit vier Toren Differenz und einem gleichzeitigen Erfolg der Tschechen im letzten Spiel.

Im Spiel Deutschlands gegen Italien hielt Torhüter Andreas Köpke zahlreiche Schüsse auf sein Tor und in der 9. Minute einen Foulelfmeter von Gianfranco Zola, womit er seiner Mannschaft ein Unentschieden rettete. Die Tschechen spielten 3:3 gegen Russland und sorgten für das Ausscheiden der Italiener, da bei Punktgleichstand der direkte Vergleich den Ausschlag gab. Die Russen machten aus einem 0:2 in der ersten Halbzeit bis zur 85. Minute eine 3:2-Führung. Vladimír Šmicer erzielte in der Nachspielzeit den für Tschechien wertvollen Ausgleich.

Gruppe D[Bearbeiten]

Rang Land Sp. S U N Tore Diff. Punkte
1 PortugalPortugal Portugal 3 2 1 0 5:1 +4 7
2 KroatienKroatien Kroatien 3 2 0 1 4:3 +1 6
3 DanemarkDänemark Dänemark 3 1 1 1 4:4 +0 4
4 TurkeiTürkei Türkei 3 0 0 3 0:5 -5 0
09. Juni 1996 in Sheffield (Hillsborough Stadium)
Dänemark Portugal 1:1 (1:0)
11. Juni 1996 in Nottingham (City Ground)
Kroatien Türkei 1:0 (0:0)
14. Juni 1996 in Nottingham (City Ground)
Portugal Türkei 1:0 (0:0)
16. Juni 1996 in Sheffield (Hillsborough Stadium)
Kroatien Dänemark 3:0 (0:0)
19. Juni 1996 in Sheffield (Hillsborough Stadium)
Dänemark Türkei 3:0 (0:0)
19. Juni 1996 in Nottingham (City Ground)
Portugal Kroatien 3:0 (2:0)

In Gruppe D fuhr Neuling Türkei ohne Punktgewinn und ohne Tor wieder nach Hause. Ein weiterer Neuling, Kroatien, wurde mit seinen ehemals für Jugoslawien spielenden Stars Davor Šuker, Zvonimir Boban und Robert Prosinečki zur bestimmenden Mannschaft dieser Gruppe. Als stark galt vor allem Šuker, unter anderem durch seine Leistung beim Sieg gegen die Dänen. Vor dem letzten Spieltag hatte sich damit Kroatien bereits fürs Viertelfinale qualifiziert, trat nur mit einer B-Elf gegen Portugal an und verlor mit 0:3, was bedeutete, dass Titelverteidiger Dänemark die Heimreise antreten musste.

Finalrunde[Bearbeiten]

Übersicht[Bearbeiten]

Viertelfinale Halbfinale Finale
                   
23. Juni – Manchester        
 DeutschlandDeutschland Deutschland  2
26. Juni – London
 KroatienKroatien Kroatien  1  
 EnglandEngland England  1 (5)
22. Juni – London
     DeutschlandDeutschland Deutschland  21 (6)2  
 EnglandEngland England  20 (4)2
30. Juni – London
 SpanienSpanien Spanien  0 (2)  
 DeutschlandDeutschland Deutschland  121
22. Juni – Liverpool    
   TschechienTschechien Tschechien  1
 FrankreichFrankreich Frankreich  20 (5)2
26. Juni – Manchester
 NiederlandeNiederlande Niederlande  0 (4)  
 TschechienTschechien Tschechien  20 (6)2
23. Juni – Birmingham
     FrankreichFrankreich Frankreich  0 (5)  
 TschechienTschechien Tschechien  1
 PortugalPortugal Portugal  0  
 

1 Sieg nach Golden Goal
2 Sieg im Elfmeterschießen

Viertelfinale[Bearbeiten]

22. Juni 1996 in London (Wembley-Stadion)
EnglandEngland England SpanienSpanien Spanien 0:0 n.V., 4:2 i.E.

Das erste Viertelfinalspiel zwischen England und Spanien zeigte unter anderem die Defensivspielweise der Spanier um ihren Innenverteidiger Miguel Ángel Nadal. Zwingende Chancen hatte keine der beiden Mannschaften bei leichten Vorteilen für die Spanier. Das Spiel musste durch Elfmeterschießen entschieden werden. Hierbei verschossen Fernando Hierro und Nadal, womit England ins Halbfinale einzog.

22. Juni 1996 in Liverpool (Anfield)
FrankreichFrankreich Frankreich NiederlandeNiederlande Niederlande 0:0 n.V., 5:4 i.E.

Auch im Spiel Frankreich gegen Niederlande gab es keinen Sieger nach 120 Minuten. Torlos gingen beide Mannschaften ins Elfmeterschießen. Für die Niederländer, die bereits 1992 im Elfmeterschießen gescheitert waren, vergab dieses Mal Clarence Seedorf. Laurent Blanc verwandelte anschließend zum 5:4 für Frankreich.

23. Juni 1996 in Manchester (Old Trafford)
DeutschlandDeutschland Deutschland KroatienKroatien Kroatien 2:1 (1:0)

In Manchester ging die deutsche Mannschaft im Spiel gegen Kroatien bereits in der ersten Halbzeit durch einen verwandelten Handelfmeter von Jürgen Klinsmann in Führung. Allerdings musste er den Platz noch vor der Pause verletzt verlassen. Der deutsche Kapitän wurde durch den Dortmunder Steffen Freund ersetzt. Zu Beginn der zweiten Halbzeit erzielte Davor Šuker nach einem Fehler in der deutschen Defensive den Ausgleich für die Kroaten. Matthias Sammer erzielte allerdings danach den Treffer zum 2:1-Endstand.

23. Juni 1996 in Birmingham (Villa Park)
TschechienTschechien Tschechien PortugalPortugal Portugal 1:0 (0:0)

Portugal galt aufgrund seiner Techniker wie Luís Figo oder Rui Costa als Favorit gegen Tschechien. Die Tschechen spielten dagegen ruhig aus der eigenen relativ stabilen Abwehr heraus und profitierten davon, dass die Portugiesen ihre Torchancen nicht nutzen konnten. In der 54. Minute nutzte dann Karel Poborský eine Konterchance zum entscheidenden 1:0.

Halbfinale[Bearbeiten]

26. Juni 1996 in Manchester (Old Trafford)
TschechienTschechien Tschechien FrankreichFrankreich Frankreich 0:0 n.V., 6:5 i.E.

Das Spiel Tschechien gegen Frankreich wurde vor allem von der Defensivarbeit beider Mannschaften geprägt, was zu einem 0:0 nach 120 Minuten führte. Die Entscheidung musste für Tschechien und Frankreich im Elfmeterschießen fallen. Die jeweils ersten fünf Elfmeter wurden verwandelt, bis Reynald Pedros mit dem sechsten Elfmeter für Frankreich an Petr Kouba scheiterte. Miroslav Kadlec vom 1. FC Kaiserslautern verwandelte danach den entscheidenden Elfmeter, und Tschechien stand nach 1976 wieder im Finale einer Europameisterschaft.

26. Juni 1996 in London (Wembley-Stadion)
EnglandEngland England DeutschlandDeutschland Deutschland 1:1 n.V. (1:1, 1:1), 5:6 i.E.

Am Abend kam es dann in Wembley zum „Klassiker“ England gegen Deutschland; einige britische Zeitungen griffen im Vorfeld das Ereignis auf (Gascoigne im Stahlhelm, "Achtung! Surrender! For you Fritz ze Euro 96 iz over"). Schon in der 2. Minute musste Andreas Köpke einen Distanzschuss von Paul Ince abwehren. Den darauf folgenden Eckstoß führte Paul Gascoigne aus. Der relativ scharf knapp vors Tor geschlagenen Ball wurde von Tony Adams vom kurzen Pfosten in die Mitte zum heranstürmenden Alan Shearer verlängert, der in der 3. Minute zum 1:0 für England einköpfte. In diese Druckphase der Engländer fiel in der 16. Minute durch Stefan Kuntz, der für den verletzten Jürgen Klinsmann auflief, der Ausgleich, nach Vorarbeit von Thomas Helmer und Andreas Möller. Der Rest der ersten Halbzeit und auch die zweite Halbzeit waren weitgehend ausgeglichen. Beide Mannschaften hatten Chancen, den Siegtreffer zu erzielen, in der ersten Halbzeit allerdings bei Vorteilen für die Engländer. Stefan Reuter klärte in der 31. Minute einen Schuss Sheringhams auf der Linie. In der 43. Minute war dann die vorerst letzte englische Chance zu verzeichnen: Nach einer Flanke von Anderton verfehlte Alan Shearer mit einem Kopfball das Tor. Erst in der zweiten Halbzeit stand die deutsche Abwehr kompakter, vor allem Matthias Sammer und Dieter Eilts wurden gut beurteilt.

Ab dem Viertelfinale galt bei diesem Turnier für die Verlängerung erstmals die Golden-Goal-Regelung, und anders als im ersten Halbfinale nachmittags, als beide Mannschaften das Golden Goal in erster Linie hatten verhindern wollen, setzten Deutschland und England alles daran, ein Tor zu erzielen. Bereits in der 93. Minute traf Darren Anderton nach Vorlage von Steve McManaman aus relativ kurzer Distanz nur den Pfosten. In der 96. Minute wiederum hatte Stefan Kuntz per Kopfball nach einer Ecke von Andreas Möller getroffen. Wegen eines angeblichen Stürmerfouls verweigerte Schiedsrichter Sandor Puhl dem Treffer jedoch die Anerkennung. Eine weitere Chance hatten die Engländer in der 99. Minute, als Paul Gascoigne nach einer Hereingabe von Alan Shearer vor dem leeren Tor den Ball verpasste. Die letzte Chance auf eine Entscheidung vor dem Elfmeterschießen hatte Deutschland in der 107. Minute: Nach einer Kombination stand Christian Ziege allein vor dem englischen Tor, spielte den Ball aber am englischen Torhüter David Seaman und am Tor vorbei.

Wie bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien kam es nach Ablauf der Verlängerung zum Elfmeterschießen. Bis zum 5:5 hatten alle Spieler getroffen, als Gareth Southgate antrat und Andreas Köpke hielt. Andreas Möller war dann der letzte Schütze und traf.

Finale: Deutschland - Tschechien 2:1 n.GG (1:1, 0:0)[Bearbeiten]

Deutschland Tschechien
DeutschlandDeutschland
Sonntag, 30. Juni 1996 um 19:00 Uhr in London (Wembley-Stadion)
Zuschauer: 73.600
Schiedsrichter: Pierluigi Pairetto (ItalienItalien Italien)
TschechienTschechien


Andreas KöpkeMatthias Sammer - Markus Babbel, Thomas HelmerThomas Strunz, Mehmet Scholl (69. Oliver Bierhoff), Dieter Eilts (46. Marco Bode), Thomas Häßler, Christian ZiegeJürgen Klinsmann (C)Kapitän der Mannschaft, Stefan Kuntz
Trainer: Berti Vogts
Petr KoubaMichal Horňák , Miroslav Kadlec (C)Kapitän der Mannschaft, Karel Rada, Jan SuchopárekRadek Bejbl, Pavel Nedvěd, Jiří Němec, Patrik BergerKarel Poborský (88. Vladimír Šmicer), Pavel Kuka
Trainer: Dušan Uhrin

Tor 1:1 Oliver Bierhoff (73.)
Tor 2:1 Oliver Bierhoff (95., Golden Goal)
Strafstoß 0:1 Patrik Berger (59., Foulelfmeter)
Gelbe Karten Sammer, Helmer, Ziege Gelbe Karten Horňák

Im Endspiel im Londoner Wembleystadion trafen Deutschland und Tschechien ein zweites Mal bei dieser EM aufeinander. Die deutsche Mannschaft galt als Favorit für das Finale, nicht nur, weil sie das erste Spiel in der Vorrunde gegen die Tschechen ungefährdet gewonnen hatte, sondern auch, weil ihre Leistungen im Viertel- und im Halbfinale als überzeugender galten. Die erste Halbzeit verlief weitgehend ereignislos, Deutschland bemühte sich, Druck zu machen, doch blieben im Gegensatz zur Begegnung in der Vorrunde die Tore aus. Die Tschechen konzentrierten sich wie schon im Viertelfinale gegen Portugal aufs Kontern. In der 59. Minute ging Tschechien dann nach einem Zweikampf zwischen Matthias Sammer und Karel Poborský durch einen verwandelten Foulelfmeter Patrik Bergers in Führung. Der Elfmeter war jedoch umstritten, sowohl was die Tat selbst als auch was den Tatort betrifft. Berti Vogts wechselte daraufhin in der 69. Minute für Mehmet Scholl den Stürmer Oliver Bierhoff ein, der vier Minuten später den Ausgleich per Kopfball nach einem Freistoß von Christian Ziege erzielte. In der Verlängerung schoss er dann auch das Golden Goal in der 95. Minute. Deutschland war nach 1972 und 1980 zum dritten Mal Europameister und baute damit seinen Vorsprung als Rekord-Europameister aus, bei einer Niederlage hätten sie sich diesen Anspruch mit den Tschechen teilen müssen. Diese haben 1976 als Tschechoslowakei einen Titel geholt. Zudem gewann Berti Vogts im dritten Anlauf seinen ersten Titel als Bundestrainer der Deutschen Nationalmannschaft.

Als Leistungsträger für den Titelgewinn gilt neben Bierhoff auch Andreas Köpke, der unter anderem eine Chance Vladimír Šmicers vereitelte, deren Verwandlung den Titel für Tschechien bedeutet hätte.

Ehrungen der Finalisten[Bearbeiten]

Die Deutsche Nationalmannschaft wurde in Deutschland zur Mannschaft des Jahres, Matthias Sammer zum Fußballer des Jahres in Deutschland und als bisher letzter Deutscher zu Europas Fußballer des Jahres gewählt. Zudem wurde Andreas Köpke zum besten Torhüter der EM und zum Welttorhüter 1996 gewählt. Karel Poborský und Patrik Berger wurden gemeinsam zu Fußballern des Jahres in Tschechien gewählt.

Torschützenliste (Endrunde)[Bearbeiten]

Rang Spieler Tore
1 EnglandEngland Alan Shearer 5
2 BulgarienBulgarien Christo Stoitschkow 3
DanemarkDänemark Brian Laudrup
DeutschlandDeutschland Jürgen Klinsmann
KroatienKroatien Davor Šuker
6 DeutschlandDeutschland Oliver Bierhoff 2
DeutschlandDeutschland Matthias Sammer
EnglandEngland Teddy Sheringham
ItalienItalien Pierluigi Casiraghi
10 DanemarkDänemark Allan Nielsen 1
DeutschlandDeutschland Stefan Kuntz
DeutschlandDeutschland Andreas Möller
DeutschlandDeutschland Christian Ziege
EnglandEngland Paul Gascoigne
FrankreichFrankreich Laurent Blanc
FrankreichFrankreich Youri Djorkaeff
FrankreichFrankreich Christophe Dugarry
FrankreichFrankreich Patrice Loko
ItalienItalien Enrico Chiesa
KroatienKroatien Zvonimir Boban
KroatienKroatien Goran Vlaović
NiederlandeNiederlande Dennis Bergkamp
NiederlandeNiederlande Patrick Kluivert
NiederlandeNiederlande Jordi Cruyff
Rang Spieler Tore
10 PortugalPortugal Fernando Couto 1
PortugalPortugal Domingos
PortugalPortugal Luís Figo
PortugalPortugal João Pinto
PortugalPortugal Sá Pinto
RumänienRumänien Florin Răducioiu
RusslandRussland Wladimir Bestschastnych
RusslandRussland Alexander Mostowoi
RusslandRussland Omari Tetradse
RusslandRussland Ilja Zymbalar
SchottlandSchottland Ally McCoist
SchweizSchweiz Kubilay Türkyılmaz
SpanienSpanien Alfonso
SpanienSpanien Guillermo Amor
SpanienSpanien Caminero
SpanienSpanien Javier Manjarín
TschechienTschechien Radek Bejbl
TschechienTschechien Patrik Berger
TschechienTschechien Pavel Kuka
TschechienTschechien Pavel Nedvěd
TschechienTschechien Karel Poborský
TschechienTschechien Vladimír Šmicer
TschechienTschechien Jan Suchopárek
BulgarienBulgarien Ljuboslaw Penew ET

Torschützenkönig des gesamten Wettbewerbs wurde der Kroate Davor Šuker mit 15 Toren.

UEFA-Allstars[Bearbeiten]

Torhüter Abwehr Mittelfeld Stürmer Bester Spieler

DeutschlandDeutschland Andreas Köpke
EnglandEngland David Seaman

SchottlandSchottland Colin Hendry
PortugalPortugal Fernando Couto
DeutschlandDeutschland Dieter Eilts
ItalienItalien Paolo Maldini
DeutschlandDeutschland Matthias Sammer

FrankreichFrankreich Youri Djorkaeff
EnglandEngland Paul Gascoigne
TschechienTschechien Karel Poborský
EnglandEngland Steve McManaman
SpanienSpanien Caminero
PortugalPortugal Rui Costa

BulgarienBulgarien Christo Stoitschkow
DanemarkDänemark Brian Laudrup
EnglandEngland Alan Shearer
KroatienKroatien Davor Šuker
DeutschlandDeutschland Jürgen Klinsmann

DeutschlandDeutschland Matthias Sammer (Abwehr)

Schiedsrichter[Bearbeiten]

Die Schiedsrichterkommission der UEFA berief 24 Schiedsrichter und 48 Schiedsrichterassistenten für 31 auszutragende Spiele. Dadurch kamen nur sieben Schiedsrichter, darunter auch Hellmut Krug, zu zwei Einsätzen. Alle anderen Schiedsrichter pfiffen nur ein EM-Spiel. Die Fußballverbände von Dänemark, Deutschland, England, Italien, Schweden und Spanien stellten jeweils zwei Schiedsrichtergespanne. Um bestmöglich miteinander zu kooperieren, setzten sich die Gespanne aus Schiedsrichtern und Assistenten des jeweils gleichen Landes zusammen. Hinzu kamen auch 24 vierte Offizielle, die auch den Schiedsrichtergespannen fest zugeordnet waren. Die Halbfinal-Spiele wurden von Leslie Mottram und Sándor Puhl geleitet. Im Finale leitete der Italiener Pierluigi Pairetto.

Folgende 24 Schiedsrichter und ihre Assistenten wurden in den 31 Spielen eingesetzt:

Name Land Assistenten Anz. d.
Spiele
Yellow card.svg
Gelbe KarteGelb-Rote Karte
Red card.svg
Anmerkungen
Batta, MarcMarc Batta FrankreichFrankreich Frankreich Pierre Ufrasi Jacques Mas 2 7 0 0
Çakar, AhmetAhmet Çakar TurkeiTürkei Türkei Akif Uğurdur Turgay Güdü 1 6 0 0
Ceccarini, PieroPiero Ceccarini ItalienItalien Italien Enrico Preziosi Fabrizio Zanforlin 1 7 0 2
Elleray, DavidDavid Elleray EnglandEngland England Anthony Bates Peter Walton 1 10 0 0
van der Ende , MarioMario van der Ende NiederlandeNiederlande Niederlande Jan Dolstra Berend Talens 1 7 0 0
Frisk, AndersAnders Frisk SchwedenSchweden Schweden Mikael Nilsson Sten Samuelsson 1 6 0 0
Gallagher, DermotDermot Gallagher EnglandEngland England Philip John Joslin Mark Warren 1 4 0 0 ab 28. min wegen Verletzung durch den 4. Offiziellen Durkin ersetzt
Goethals, GuyGuy Goethals BelgienBelgien Belgien Marc Van Den Broeck Stany Op De Beeck 1 2 1 0
Grabher, GerdGerd Grabher OsterreichÖsterreich Österreich Egon Bereuter Alois Manfred Zeiszer 1 6 0 0
Heynemann , BerndBernd Heynemann DeutschlandDeutschland Deutschland Hans Wolf Harald Sather 1 3 0 0
Krondl, VáclavVáclav Krondl TschechienTschechien Tschechien Milan Brabec Otakar Drastik 1 7 0 0
Krug, HellmutHellmut Krug DeutschlandDeutschland Deutschland Klaus Plettenberg Egbert Engler 2 13 1 0
Lewnikow , NikolaiNikolai Lewnikow RusslandRussland Russland Serguei Foursa Sergey Frantsuzov 1 5 0 0
López Nieto, Antonio JesusAntonio Jesus López Nieto SpanienSpanien Spanien Victoriano Giraldez Carrasco Manuel Lopez Fernandez 2 11 1 0
Mikkelsen, PeterPeter Mikkelsen DanemarkDänemark Dänemark Jens Larsen Henning Knudsen 1 2 0 0
Mottram, LeslieLeslie Mottram SchottlandSchottland Schottland Robert Orr John Fleming 2 8 0 0
Muhmenthaler , SergeSerge Muhmenthaler SchweizSchweiz Schweiz Ernst Felder Martin Freiburghaus 1 4 0 0
Nielsen, Kim MiltonKim Milton Nielsen DanemarkDänemark Dänemark Carl-Johan Christensen Meyer Torben Siersen 1 4 0 1
Pairetto , PierluigiPierluigi Pairetto ItalienItalien Italien Donato Nicoletti Tullio Manfredini 2 9 0 0
Puhl , SandorSandor Puhl UngarnUngarn Ungarn Imre Bozóky Laszlo Hamar 2 10 0 0
Schuk, VadimVadim Schuk WeissrusslandWeißrussland Weißrussland Yury Dupanau Aleh Chykun 1 6 0 0
Sundell, LeifLeif Sundell SchwedenSchweden Schweden Kenneth Petersson Mikael Hansson 2 7 1 0
Usunow, AtanasAtanas Usunow BulgarienBulgarien Bulgarien Ivan Borissov Lekov Iordan Iordanov 1 5 0 0
Vega, Manuel DíazManuel Díaz Vega SpanienSpanien Spanien Joaquin Olmos Gonzalez Fernando Tresaco Gracia 1 6 0 0

Folgende Vierte Offizielle wurden nominiert:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUEFA Euro 2008 Information. S. 48, abgerufen am 20. Juni 2012 (PDF, englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fußball-Europameisterschaft 1996 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien