Fußball-Europameisterschaft 2004

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UEFA-Europameisterschaft 2004
UEFA EURO 2004
Anzahl Nationen 16 (von 51 Bewerbern)
Europameister Griechenland (1. Titel)
Austragungsort Portugal
Eröffnungspiel 12. Juni 2004
Endspiel 4. Juli 2004
Spiele   31
Tore 77  (Ø: 2,48 pro Spiel)
Zuschauer 1.156.473  (Ø: 37.306 pro Spiel)
Torschützenkönig Milan Baroš (5)
Bester Spieler Theodoros Zagorakis
Gelbe Karte Gelbe Karten 150 (Ø: 4,84 pro Spiel)
Gelbrote Karte Gelb-Rote Karten (Ø: 0,13 pro Spiel)
Rote Karte Rote Karten (Ø: 0,03 pro Spiel)
Teilnehmer
Teilnehmer
Portugiesische Fans
Portugiesische Fans

Die Endrunde der 12. Fußball-Europameisterschaft 2004 der Herren (UEFA EURO 2004) fand vom 12. Juni bis 4. Juli 2004 in Portugal statt. Am Turnier nahmen sechzehn Länder teil. Der Gewinner wurde in 31 Spielen ermittelt. Europameister 2004 wurde Griechenland.

Portugal hatte die Austragung der Europameisterschaft 2004 am 12. Oktober 1999 in Aachen von der UEFA zugesprochen bekommen. Das Land hatte sich dabei unter anderem gegen Spanien und Österreich/Ungarn durchgesetzt. Portugal hatte Spanien die gemeinsame Austragung des Turniers angeboten, die Spanier hatten jedoch in der Hoffnung auf den Zuschlag für eine eigenständige Ausrichtung abgelehnt.

Zum ersten und einzigen Mal während einer Fußball-Europameisterschaft galt die Silver-Goal-Regel. Das unpopuläre Golden Goal bewegte die UEFA in der Saison 2002 dazu, die Regel zu modifizieren. Aus dem Golden Goal wurde das so genannte Silver Goal: Das Spiel wird nur bei Führung eines Teams nach einer ganzen Verlängerungshalbzeit entschieden. Nach der EM wurde auch diese Regel abgeschafft. Zukünftig werden Verlängerungen wieder nach altem Modus ausgespielt (siehe auch: Übersicht zum Regelwerk).

Griechenland nahm als Sieger der Europameisterschaft 2004 am Konföderationen-Pokal 2005 in Deutschland teil.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Austragungsorte der Europameisterschaft

Austragungsorte der EM2004
Austragungsorte der EM2004
  • Aveiro im neu errichteten Municipal-Stadion, das 30.000 Zuschauer fasst. Das Stadion ist Heimstätte des Fußballklubs SC Beira Mar und war Austragungsort zweier Gruppenspiele.
  • Braga im Municipal-Stadion des Fußballklubs SC Braga. Das Stadion, in dem zwei der Gruppenspiele stattfanden, wurde neu erbaut und besitzt eine Kapazität von 30.000 Sitzplätzen.
  • Coimbra im Cidade-Stadion. In dem für die EM sanierten und modernisierten Stadion für 30.000 Zuschauer wurden zwei Gruppenspiele ausgerichtet. Heimatklub ist Académica Coimbra.
  • Faro-Loulé im neu gebauten, 30.000 Zuschauer fassenden Algarve-Stadion. Die Spielstätte war Austragungsort zweier Gruppenspiele und eines Viertelfinalspiels. Die Heimatklubs sind SC Farense und SC Olhanense.
  • Guimarães im Dom-Afonso-Henriques-Stadion - Heimstätte des Fußballklubs Vitoria Guimarães. Das Stadion hat Platz für 30.000 Zuschauer und wurde für die EM mit viel Aufwand neu gestaltet. Im Stadion von Guimarães fanden zwei Gruppenspiele statt.
  • Leiria im Estádio Dr. Magalhães Pessoa des Fußballklubs UD Leiria. Das renovierte und erweiterte Stadion für 30.000 Zuschauer war Austragungsort zweier Gruppenspiele.
  • Lissabon im José-Alvalade-Stadion des Fußballklubs Sporting Lissabon und im Stadion des Lichts - Heimstätte von Benfica Lissabon. Im José-Alvalade-Stadion, das im Vorfeld der EM errichtet wurde und Platz für 52.000 Zuschauer bietet, wurden drei Gruppenspiele, ein Viertelfinale und ein Halbfinale ausgetragen. Das ebenfalls neu entstandene Stadion des Lichts war das größte Stadion - mit einer Kapazität von 65.000 Sitzplätzen - dieser Meisterschaft. Hier wurden drei Gruppenspiele, ein Viertelfinalspiel und das Endspiel ausgerichtet.
  • Porto im Estádio do Dragão - Heimstätte des FC Porto - und im Bessa-Stadion - Heimat von Boavista Porto. Das Estádio do Dragão, in dem die Eröffnungspartie, zwei weitere Gruppenspiele, eine Viertelfinal- und ein Halbfinalbegegnung stattfanden, wurde neu erbaut und bietet Platz für 50.000 Zuschauer. Im Bessa-Stadion wurden drei Gruppenspiele ausgetragen. Nach Modernisierung und Vergrößerung bietet es 30.000 Zuschauern Platz.

[Bearbeiten] Teilnehmer

[Bearbeiten] Qualifikation

Die Qualifikationsrunde für die Europameisterschaft 2004 fand 2002 bis 2003 in zehn Gruppen statt, in denen jeweils fünf Mannschaften spielten. Die Gruppensieger qualifizierten sich automatisch für die Endrunde. Unter den Gruppenzweiten wurden fünf Relegationsspiele ausgetragen, deren Sieger ebenfalls – neben Gastgeber Portugal – die Endrunde erreichten.

Siehe Hauptartikel: Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2004

[Bearbeiten] Auslosung der Endrunde

Bei der Auslosung für die Europameisterschaftsendrunde am 29. November 2003 in Lissabon wurden die sechzehn Mannschaften entsprechend ihren Ergebnissen bei den Qualifikationen für die WM 2002 und die EM 2004 in vier Lostöpfe eingeteilt. Mannschaften aus den gleichen Lostöpfen konnten in den Gruppenspielen nicht aufeinander treffen. Lostopf A bestand aus Frankreich (als Europameister 2000 als Gruppenkopf gesetzt), Portugal (als Gruppenkopf in Gruppe A gesetzt) Schweden und Tschechien. In Topf B fanden sich England, Spanien, Italien und Deutschland wieder. In Lostopf C befanden sich die Niederlande, Kroatien, Dänemark und Russland und in Lostopf D Bulgarien, Schweiz, Griechenland und Lettland. Die Auslosung ergab folgende Gruppeneinteilung:

Gruppe A Gruppe B Gruppe C Gruppe D
Portugal Portugal Frankreich Frankreich Schweden Schweden Tschechien Tschechien
Griechenland Griechenland England England Bulgarien Bulgarien Lettland Lettland
Spanien Spanien Schweiz Schweiz  DanemarkDänemark Dänemark Deutschland Deutschland
Russland Russland Kroatien Kroatien Italien Italien Niederlande Niederlande

[Bearbeiten] Spielergebnisse

[Bearbeiten] Gruppenphase

[Bearbeiten] Gruppe A

Tabelle Gruppe A
Platz Team Sp. Gew. Unent. Verl. Tore Pkt.
1 Portugal Portugal 3 2 0 1 4:2 6
2 Griechenland Griechenland 3 1 1 1 4:4 4
3 Spanien Spanien 3 1 1 1 2:2 4
4 Russland Russland 3 1 0 2 2:4 3
12. Juni 2004
PortugalPortugal Portugal GreeceGreece Griechenland 1:2 (0:1)
SpainSpain Spanien RussiaRussia Russland 1:0 (0:0)
16. Juni 2004
GreeceGreece Griechenland SpainSpain Spanien 1:1 (0:1)
RussiaRussia Russland PortugalPortugal Portugal 0:2 (0:1)
20. Juni 2004
SpainSpain Spanien PortugalPortugal Portugal 0:1 (0:0)
RussiaRussia Russland GreeceGreece Griechenland 2:1 (2:1)

Portugal konnte erst im letzten Spiel mit dem 1:0 gegen Spanien zeigen, dass es zu den Turnier-Favoriten gehörte. Aufgrund der Niederlage gegen Griechenland war die Mannschaft von Luiz Felipe Scolari schon früh unter Zugzwang geraten. Nach dem Sieg gegen Russland musste Spanien besiegt werden, was in einem spannenden Gruppen-Endspiel auch gelang.

Griechenland überraschte bereits im Eröffnungsspiel. Der Sieg gegen Gastgeber Portugal war keine Eintagsfliege, wie das Unentschieden gegen Spanien bewies. Doch nach der Niederlage gegen das bereits ausgeschiedene Russland, die nur knapp zum Viertelfinaleinzug reichte, ging die Fachwelt davon aus, dass spätestens gegen Europameister Frankreich das Turnieraus kommen würde.

Spanien bestätigte seinen Ruf, alles andere als eine Turniermannschaft zu sein. Nach dem knappen Sieg gegen Russland und dem Unentschieden gegen Griechenland hätte ein Unentschieden gegen Portugal zum Weiterkommen genügt. Doch das 0:1 gegen den kleineren Nachbarn führte zum Aus, weil Griechenland nicht mit mehr als einem Tor Unterschied gegen Russland verlor.

Russland schied schon nach dem zweiten Spiel aus. Die Niederlagen gegen Spanien und Portugal führten dazu, dass auch der Sieg gegen Griechenland im letzten Gruppenspiel nutzlos war.

[Bearbeiten] Gruppe B

Tabelle Gruppe B
Platz Team Sp. Gew. Unent. Verl. Tore Pkt.
1 Frankreich Frankreich 3 2 1 0 7:4 7
2 England England 3 2 0 1 8:4 6
3 Kroatien Kroatien 3 0 2 1 4:6 2
4 Schweiz Schweiz 3 0 1 2 1:6 1
13. Juni 2004
Switzerland within 2to3Switzerland within 2to3 Schweiz CroatiaCroatia Kroatien 0:0
FranceFrance Frankreich EnglandEngland England 2:1 (0:1)
17. Juni 2004
EnglandEngland England Switzerland within 2to3Switzerland within 2to3 Schweiz 3:0 (1:0)
CroatiaCroatia Kroatien FranceFrance Frankreich 2:2 (0:1)
21. Juni 2004
CroatiaCroatia Kroatien EnglandEngland England 2:4 (1:2)
Switzerland within 2to3Switzerland within 2to3 Schweiz FranceFrance Frankreich 1:3 (1:1)

Frankreich erreichte das Viertelfinale ohne Niederlage, überzeugte dabei aber nicht. Dem späten Auftaktsieg gegen England folgte ein schwaches Unentschieden gegen Kroatien, wodurch der vorzeitige Viertelfinaleinzug verpasst wurde. Zwar konnte Frankreich im letzten Spiel gegen Schweiz dies nachholen, doch Frankreich zählte nicht mehr zu den Topfavoriten im Turnier.

England erholte sich schnell von dem durch das verlorene Eröffnungsspiel gegen Frankreich erlittenen Schock, bei dem David Beckham seinen ersten Elfer bei dieser EM verschoss. Ein klarer Sieg gegen die Schweiz und ein trotz 0:1-Rückstand am Ende deutlicher Sieg gegen Kroatien ermöglichte das Weiterkommen. Der erst 18-jährige Wayne Rooney stieg in dieser Phase mit jeweils zwei Toren gegen die Schweiz und Kroatien zum neuen Star der englischen Mannschaft auf.

Für Kroatien war es schon nach dem ersten Gruppenspiel sehr schwierig geworden, den Viertelfinaleinzug zu schaffen. Da man davon ausgehen musste, dass gegen Frankreich und England nicht nur Siege erzielt werden konnten, war ein Erfolg im Spiel gegen die Schweiz Pflicht. Doch das Spiel endete nur unentschieden. Kroatien erzielte zwar mit dem 2:2 gegen Frankreich einen Achtungserfolg, schied aber nach dem 2:4 gegen England aus.

Die Schweiz war als Außenseiter in die Gruppe B gegangen und hatte nach dem Unentschieden gegen Kroatien keine großen Chancen mehr auf das Weiterkommen. Nach einer Niederlage gegen England und Frankreich schied die Mannschaft aus.

[Bearbeiten] Gruppe C

Tabelle Gruppe C
Platz Team Sp. Gew. Unent. Verl. Tore Pkt.
1 Schweden Schweden 3 1 2 0 8:3 5
2 Dänemark Dänemark 3 1 2 0 4:2 5
3 Italien Italien 3 1 2 0 3:2 5
4 Bulgarien Bulgarien 3 0 0 3 1:9 0
14. Juni 2004
DenmarkDenmark Dänemark ItalyItaly Italien 0:0
SwedenSweden Schweden BulgariaBulgaria Bulgarien 5:0 (1:0)
18. Juni 2004
BulgariaBulgaria Bulgarien DenmarkDenmark Dänemark 0:2 (0:1)
ItalyItaly Italien SwedenSweden Schweden 1:1 (1:0)
22. Juni 2004
ItalyItaly Italien BulgariaBulgaria Bulgarien 2:1 (0:1)
DenmarkDenmark Dänemark SwedenSweden Schweden 2:2 (1:0)

Schweden startete mit dem 5:0 gegen Bulgarien sehr gut in das Turnier. Das Unentschieden gegen Italien und das 2:2 gegen Dänemark reichten dank der guten Tordifferenz sogar zum Weiterkommen als Gruppenerster.

Dänemark hatte einen guten Start ins Turnier. Das 0:0 gegen Italien und der Sieg gegen Bulgarien sorgten dafür, dass Schweden und Dänemark ein 2:2 im letzten Gruppenspiel reichte, um den Viertelfinaleinzug zu schaffen.

Italien konnte bei der Euro 2004 nicht überzeugen. Die Unentschieden gegen Dänemark und Schweden brachten die Mannschaft schnell ins Hintertreffen. Trotz des späten 2:1-Erfolges gegen Bulgarien reichte es den Italienern nicht, da Dänemark und Schweden sich 2:2 trennten. Da schon im Vorhinein klar war, dass sich Dänemark und Schweden bei diesem Ergebnis beide für das Viertelfinale qualifizieren konnten und der dänische Torwart zu allem Überfluss in der 90. Minute noch den 2:2-Ausgleich der Schweden verursachte, kam in Teilen der italienischen Medien der Verdacht einer Absprache auf. Auch die ironisch gemeinte Äußerung des dänischen Trainers Morten Olsen („Natürlich machen wir einen Deal.“) sorgte für Aufregung.

Bulgarien war nach dem klaren 0:5 gegen Schweden und der weiteren Niederlage gegen Dänemark schon vor dem letzten Spiel ausgeschieden. Dennoch hielten die Bulgaren gegen Italien gut mit und verloren erst durch ein Tor in der 90. Minute.

[Bearbeiten] Gruppe D

Tabelle Gruppe D
Platz Team Sp. Gew. Unent. Verl. Tore Pkt.
1 Tschechien Tschechien 3 3 0 0 7:4 9
2 Niederlande Niederlande 3 1 1 1 6:4 4
3 Deutschland Deutschland 3 0 2 1 2:3 2
4 Lettland Lettland 3 0 1 2 1:5 1
15. Juni 2004
the Czech Republicthe Czech Republic Tschechien LatviaLatvia Lettland 2:1 (0:1)
GermanyGermany Deutschland the Netherlandsthe Netherlands Niederlande 1:1 (1:0)
19. Juni 2004
LatviaLatvia Lettland GermanyGermany Deutschland 0:0
the Netherlandsthe Netherlands Niederlande the Czech Republicthe Czech Republic Tschechien 2:3 (2:1)
23. Juni 2004
the Netherlandsthe Netherlands Niederlande LatviaLatvia Lettland 3:0 (2:0)
GermanyGermany Deutschland the Czech Republicthe Czech Republic Tschechien 1:2 (1:1)
Vor dem Gruppenspiel Deutschland - Tschechien
Vor dem Gruppenspiel Deutschland - Tschechien

Tschechien hatte einen glücklichen Einstand in das Turnier. Trotz eines 0:1-Rückstandes gegen Lettland siegte man noch 2:1. Das 3:2 gegen die Niederlande, das wiederum nach einem 0:2-Rückstand zustande kam, war eines der besten Spiele der Europameisterschaft. Da Tschechien nach diesen zwei Siegen schon als Gruppensieger feststand, spielte im letzten Gruppenspiel gegen die deutsche Mannschaft nur eine B-Elf. Abermals lag man 0:1 hinten, abermals gewann die Mannschaft noch 2:1. Tschechien galt nach dem klaren Weiterkommen in der so genannten Todesgruppe als einer der Anwärter für den Titel des Europameisters.

Die Niederlande konnten zu Beginn gegen Deutschland knapp ein 1:1 erkämpfen. Da auch das Spiel gegen Tschechien nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren ging, konnten die Niederländer das Viertelfinale im letzten Spiel gegen Lettland nicht mehr aus eigener Kraft erreichen. Trotz Unruhe im Team, die aus der herben Kritik an Trainer Dick Advocaat herrührte, gewann die Mannschaft klar mit 3:0 gegen Lettland und konnte dank der deutschen Niederlage gegen Tschechien auch den Einzug ins Viertelfinale feiern.

Deutschland schied – wie 2000 – nach den Gruppenspielen aus. Allerdings war das frühe Ende der Euro nicht so desaströs wie vier Jahre zuvor. In einem guten Spiel gegen die Niederlande fing sich die Mannschaft neun Minuten vor Schluss noch den Ausgleich ein. Gegen Lettland enttäuschte die Mannschaft allerdings und kam nur zu einem 0:0. Da aber die Niederlande gegen Tschechien verloren, hätte die deutsche Mannschaft noch aus eigener Kraft mit einem Sieg gegen die B-Elf Tschechiens das Viertelfinale erreichen können. Doch auch gegen den östlichen Nachbarn gelang kein Sieg. Die 1:0-Führung durch Michael Ballack wurde noch in ein 1:2 umgewandelt. Damit musste Deutschland zum dritten Mal nach 1984 und 2000 die Heimreise nach der Gruppenphase antreten.

Lettland, dessen Qualifikation eine große Überraschung gewesen war, spielte gut mit. Die Letten verloren im Eröffnungsspiel trotz Führung gegen Tschechien und erkämpften sich gegen Deutschland ein 0:0. Dadurch gab es sogar noch theoretisch die Möglichkeit, ins Viertelfinale einzuziehen. Doch gegen die Niederlande waren die Balten chancenlos und verloren klar mit 0:3.

[Bearbeiten] Bemerkenswerte Spiele der Gruppenphase

  • Frankreich – England: Frankreich drehte die Partie in der Nachspielzeit durch ein Freistoß- und ein Elfmetertor von Zinédine Zidane zum Endstand von 2:1. England hatte bis zur 91. Minute mit 1:0 geführt und das Spiel gut im Griff. Beckham verschoss einen Elfmeter in der 72. Minute.
  • Niederlande – Tschechien: Eine offensiv geführte Partie mit viel Tempofußball. Tschechien gelang wie bei allen drei Gruppenspielen die Umwandlung eines Rückstands (hier von zwei Toren) in einen Sieg (3:2). Die Stärke der tschechischen Mannschaft resultierte nicht nur aus ihrem technischen Können, sondern auch aus ihrer guten Moral und dem mannschaftlichen Zusammenhalt.
  • Schweden – Bulgarien: Trotz technisch gut mitspielender Bulgaren nutzten die Schweden jeden Fehler der gegnerischen Mannschaft. Der in die schwedische Nationalelf zurückgekehrte Henrik Larsson, der unter anderem ein Tor durch einen anspruchsvollen Flugkopfball erzielte, sowie Zlatan Ibrahimović mit einem Elfmetertor waren die besten Spieler des mit der höchsten Tordifferenz im Turnier gewonnenen Spiels (5:0).

[Bearbeiten] Viertelfinale

[Bearbeiten] 24. Juni 2004

Die Viertelfinalbegegnung Portugal – England gehörte zu den spannendsten und höchstklassigen Spielen der Europameisterschaftgeschichte. Während der regulären Spielzeit lief Portugal einem frühen und selbstverschuldeten Tor der Engländer hinterher. Erst in der 85. Minute gelang der Ausgleich durch Helder Postiga. Für Aufregung sorgte ein nach einem Freistoß erzieltes Tor der Engländer durch Sol Campbell in der 89. Minute, dass aufgrund einer Behinderung des portugiesischen Torhüters Ricardo Pereira durch John Terry nicht anerkannt wurde. Der Schiedsrichter Urs Meier wurde in der Folge zum Feindbild in England und erhielt zahlreiche Morddrohungen. Der englische Jungstar und bei dieser EM zum Führungsspieler avancierte Wayne Rooney zog sich bereits in der ersten Spielhälfte einen Knochenbruch im Fuß zu und konnte so nicht mehr als wichtiger Torjäger ins Spiel eingreifen. In der Verlängerung lieferten sich beide Mannschaften einen Schlagabtausch, zeigten bei konstant hohem Tempo eine große Energieleistung und konnten untereinander keinen Sieger ermitteln. Daher kam es zum Elfmeterschießen. Zwei verschossene Elfmeter auf Seiten Englands bei einem verfehlten portugiesischen Versuch (von Rui Costa) trugen zum portugiesischen Sieg bei. David Beckham verschoss seinen zweiten Elfmeter bei dieser EM (gegen Frankreich scheiterte er an Barthez, gegen Portugal schoss er wie bereits in der Qualifikation über das Tor), und Darius Vassells Schuss wurde vom portugiesischen Torhüter Ricardo, der ohne Handschuhe hielt, pariert. Der wiederum versenkte den entscheidenden Elfmeter im Tor des englischen Keepers David James und markierte so den 8:7-Endstand zu Gunsten Portugals. England erlitt zum wiederholten Male bei einem Turnier eine Niederlage im Elfmeterschießen.

[Bearbeiten] 25. Juni 2004

  • FranceFrance Frankreich – GreeceGreece Griechenland 0:1 (0:0)

Im zweiten Viertelfinalspiel der EM schaffte Griechenland eine Überraschung. Die Griechen warfen den amtierenden Europameister Frankreich mit einem 1:0 aus dem Turnier. Sie spielten befreit und ohne Druck auf. In der ersten Halbzeit arbeiteten sie sich eine Reihe hochkarätiger Chancen heraus. Die „Equipe Tricolore“ wirkte abermals müde und agierte ideenlos. Erst in der zweiten Halbzeit kamen die Franzosen zu einigen guten Chancen. Frankreich fehlte aber das nötige Glück, unter anderem verfehlte Thierry Henry zweimal das Tor nur knapp. Den Siegtreffer erzielte Angelos Charisteas in der 65. Minute völlig freistehend mit einem Kopfball. Dass die Griechen ohne Gegentor blieben, ist vor allem der Defensivtaktik zu verdanken, die den französischen Kombinationsfußball nicht zur Entfaltung kommen ließ. Nach dem griechischen Treffer versuchten die Franzosen bis zum Spielende erfolglos, mit der Brechstange zum Ausgleich zu kommen. Die griechischen Spieler – allen voran Angelos Charisteas – und der Nationaltrainer Otto Rehhagel wurden im Heimatland als Helden gefeiert und gingen bereits mit diesem Sieg in die Europameisterschaftsgeschichte ein. Frankreich hatte zuvor seit dem missglückten Auftritt bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea nur ein Spiel (gegen Dänemark) verloren.

[Bearbeiten] 26. Juni 2004

Schweden rang den Niederlanden mit einer guten Abwehr nach 90 Minuten ein 0:0 ab. Nach 120 Minuten mit offensiven Vorstößen beider Mannschaften kam es nach dem Spiel Portugal – England zum zweiten Elfmeterschießen der Euro. Zlatan Ibrahimović verschoss den ersten Elfmeter für Schweden. Nachdem der Niederländer Philip Cocu vom Elfmeterpunkt ebenfalls am Tor vorbei zielte, konnte Edwin van der Sar seiner Mannschaft mit einer Parade des Elfmeters des Schweden Olof Mellberg den Sieg mit 5:4 sichern. Obwohl die Schweden bereits im Viertelfinale ausschieden, galt die Mannschaft mit ihrem kontrollierten und taktisch disziplinierten Spiel in Offensive und Defensive als eine der positiven Überraschungen des Turniers. Schweden bewies, dass auch zwei gleichberechtigte Trainer eine Mannschaft zum Erfolg führen können.

[Bearbeiten] 27. Juni 2004

  • the Czech Republicthe Czech Republic TschechienDenmarkDenmark Dänemark 3:0 (0:0)

Tschechien ließ Dänemark im letzten Viertelfinalspiel trotz einer anfangs defensiven Taktik keine Chance und besiegte die Skandinavier mit 3:0. In der ersten Halbzeit enttäuschten die Tschechen mit von ihnen eher ungewohntem Defensivfußball. Nach dem Spiel erklärte der tschechische Trainer Karel Brückner die Taktik in der ersten Spielhälfte damit, dass man nicht erneut wie bei allen drei Gruppenpartien in Rückstand geraten wollte. Dänemark hingegen spielte überzeugend offensiv, konnte die Überlegenheit aber nicht in Tore umsetzen und lief sich nebenher müde. In der zweiten Halbzeit ging Tschechien in die Offensive, riss das Spiel an sich und machte binnen 20 Minuten durch einen Kopfball von Jan Koller sowie einem Doppelschlag innerhalb dreier Spielminuten durch den 23-jährigen Milan Baroš mit seinen Turniertoren vier und fünf den Sieg perfekt.

[Bearbeiten] Halbfinale

[Bearbeiten] 30. Juni 2004

  • PortugalPortugal Portugalthe Netherlandsthe Netherlands Niederlande 2:1 (1:0)

Nach verhaltenem Beginn köpfte Cristiano Ronaldo nach einem Eckstoß von Deco in der 26. Spielminute zum 1:0 ein. Portugal spielte erstmals frei auf und zeigte eine überzeugende Mannschaftsleistung. Bester Spieler der Partie war Luís Figo. Er übernahm oft die Verantwortung und setzte entscheidende Akzente. Portugal spielte strategisch gut, kontrollierte das Spiel und fuhr immer wieder schnelle, attraktive Konter. Die Niederländer standen zu weit vom Gegner entfernt und brauchten zu lange, um ihre Angriffe aufzubauen. Der niederländische Stürmer Ruud van Nistelrooy wurde von den Portugiesen quasi ausgeschaltet. Die Niederlande wirkten insgesamt ideenlos und ließen den absoluten Siegeswillen vermissen. Nach dem 2:0 in der 58. Minute ebenfalls durch eine Standardsituation (nach kurzem Eckball) durch Maniche und einem Eigentor - Jorge Andrade lenkte den Ball in Bedrängnis von van Nistelrooy über den Torhüter Ricardo ins Tor - zum 2:1 gewannen die Niederländer etwas mehr Selbstvertrauen. Das Spiel verlor aber an Fahrt. Erst allmählich spielten sich die Portugiesen über Konter neue Chancen heraus. Ab der 81. Minute stürmten die Niederlande mit gleich drei Mittelstürmern: Ruud van Nistelrooy, Roy Makaay und Pierre van Hooijdonk. Doch auch das brachte nicht den gewünschten Torerfolg. Portugal erreichte mit dem 2:1 erstmals ein EM-Finale.

[Bearbeiten] 1. Juli 2004

  • GreeceGreece Griechenlandthe Czech Republicthe Czech Republic Tschechien 1:0 n. V.

Im zweiten Halbfinalspiel ging die Taktik der Griechen wiederum auf. Sie nahmen unter anderem die beiden gefährlichen tschechischen Stürmer Milan Baroš und Jan Koller in Manndeckung, machten die Räume eng und ließen die tschechische Mannschaft kaum zur Entfaltung kommen. Die Tschechen hatten in der ersten Halbzeit nur drei Torchancen, darunter aber auch einen Lattentreffer von Tomáš Rosický. In der zweiten Halbzeit hatte die tschechische Mannschaft dann aber weitere sehr gute Chancen, unter anderem nach einem Doppelpass zwischen Rosický und Koller. Die Chancenausbeute wurde den Tschechen allerdings in der ersten Halbzeit der nötig gewordenen Verlängerung zum Verhängnis. Griechenland schaffte die erneute Sensation und den Einzug ins Finale durch das Silver Goal - Dellas erzielte den Treffer per Kopfball nach einer Ecke von Tsiartas zum Ende der ersten Hälfte der Verlängerung.

Insgesamt war die Partie nicht als hochklassig zu bezeichnen. Durch die Verlängerung gewann sie allerdings von Minute zu Minute an Spannung. Der Pechvogel des Spiels war Mittelfeldakteur Pavel Nedvěd, der sich in der ersten Halbzeit im griechischen Strafraum bei einem Zweikampf eine Knieverletzung zuzog. Der Regisseur fehlte der tschechischen Mannschaft sichtlich für die zündenden Ideen im Mittelfeld.

[Bearbeiten] Finale

[Bearbeiten] 4. Juli 2004

  • PortugalPortugal Portugal – GreeceGreece Griechenland 0:1 (0:0)
Charisteas' Kopfballtreffer zum 0:1
Charisteas' Kopfballtreffer zum 0:1

Mit dem Finale zwischen Portugal und Griechenland am 4. Juli kam es erstmals zur Wiederauflage eines Eröffnungsspiels – ein Novum in der Fußballhistorie. Zudem standen erstmals bei einer Europameisterschaft zwei Mannschaften im Finale, die nie zuvor in einem Finale gestanden haben. Griechenland begann wie immer diszipliniert und Portugal etwas verhalten, um nicht den Fehler des Eröffnungsspiels zu machen und in Rückstand zu geraten. Zu Beginn der zweiten Halbzeit erhöhten die Portugiesen den Druck. Die Griechen ließen sich nun etwas zu sehr nach hinten drängen, so dass die Portugiesen zu vielen Chancen kamen. Doch in dieser Situation stellten die Hellenen den gesamten Spielverlauf auf den Kopf. Erneut war Angelos Charisteas von Werder Bremen bei einem Eckball zur Stelle. Er nutzte einen Fehler des portugiesischen Torwarts Ricardo und köpfte in der 57. Minute zum 0:1 ein. Der Kopfball war der einzige Torschuss von Charisteas in der gesamten Partie. Die Portugiesen waren nun gezwungen nachzuziehen. Doch die griechische Verteidigung erstickte deren Spielaufbau immer wieder. In den restlichen Spielminuten kam Portugal insbesondere durch Cristiano Ronaldo und Luís Figo noch zu einigen guten Chancen, die allerdings allesamt das Tor verfehlten bzw. abgewehrt wurden. Versuche, die Stürmer von den Flügeln zu bedienen, blieben ebenfalls erfolglos. Hohe Bälle aus dem Mittelfeld in den Strafraum geschlagen und Schüsse aus der zweiten Reihe stellten für den griechischen Keeper Antonios Nikopolidis keine ernsthafte Prüfung dar. Die Portugiesen agierten fast das ganze Spiel über zu nervös und konnten insgesamt über zwanzig Torchancen nicht nutzen. Kurz vor Spielende kam es zu einem Zwischenfall durch einen so genannten Flitzer. Der Störenfried, der sich Jimmy Jump nennt, stürmte auf das Spielfeld, bewarf Luís Figo mit einer Flagge des FC Barcelona und sprang anschließend ins Netz des griechischen Tors. Bis er überwältigt und vom Spielfeld getragen werden konnte, vergingen gut zwei Minuten. Der das Endspiel leitende deutsche Schiedsrichter Markus Merk leistete souveräne Arbeit und blieb fehlerlos.

Griechenland wurde somit erstmals Europameister.

[Bearbeiten] Torschützen

Milan Baroš aus Tschechien wurde mit fünf Treffern Torschützenkönig. Unmittelbar hinter ihm folgen der Niederländer Ruud van Nistelrooy und der Engländer Wayne Rooney. Je drei Tore erzielten Europameister Angelos Charisteas (Griechenland), Frank Lampard (England), Henrik Larsson (Schweden), Jon Dahl Tomasson (Dänemark) und Zinédine Zidane (Frankreich).

Siehe auch die gesamte Torschützenliste.

[Bearbeiten] Aufgestellte EM-Rekorde

[Bearbeiten] UEFA-All-Star-Team

Eine achtköpfige Expertenkommission der UEFA hat ein All-Star-Team der Euro mit den besten Spielern des Turniers zusammengestellt:

Torhüter
Verteidiger
Mittelfeldspieler
Stürmer

[Bearbeiten] Fazit

Niederländische und schwedische Fans auf dem Weg ins Algarve-Stadion
Niederländische und schwedische Fans auf dem Weg ins Algarve-Stadion

[Bearbeiten] Sport

Sportlich gesehen war die Euro 2004 von hohem Niveau gekennzeichnet. Die Experten waren sich einig, dass das Turnier spielerisch eines der besten der vergangenen Jahrzehnte war. Die meisten Mannschaften zogen sich nicht wie bei früheren Turnieren abwartend in die eigene Spielhälfte zurück, sondern bemühten sich von Spielbeginn an, attraktiven risikoorientieren Offensivfußball zu spielen. Die gute sportliche Qualität ließ allerdings auch kaum hohe Ergebnisse zu. Ausnahmen waren vor allem die Spiele Kroatien gegen England (2:4) als das Spiel mit den meisten Toren und die Partie zwischen Schweden und Bulgarien (5:0) als das Spiel mit der höchsten Tordifferenz des Turniers. Die große Leistungsdichte sorgte dafür, dass sich kein Land wirklich blamierte, auch nicht der EM-Neuling Lettland, der die tschechische Mannschaft zwischenzeitlich in Bedrängnis brachte und gegen Deutschland ein 0:0 und damit den ersten EM-Punkt erreichte.

Einige Mannschaften enttäuschten aber auch. Italien spielte für seine Verhältnisse viel zu defensiv und konnte während der drei absolvierten Spiele die Ansprüche in keiner Weise erfüllen. Den Franzosen merkte man ihre Müdigkeit und Ideenlosigkeit an. Nach der Weltmeisterschaft 2002 gelang ihnen wiederum kein gutes Turnier. Danach stand die lang überfällige Verjüngung des Kaders an. Auch die deutsche Mannschaft konnte mit ihren begrenzten Mitteln nicht überzeugen. Es fehlten der uneingeschränkte Kampfeswille und die Risikobereitschaft. Zumindest im Spiel gegen die Niederlande konnte sie vorübergehend ihr wirkliches Potenzial aufzeigen. Auch Portugal konnte anfangs nicht durch schönen Fußball glänzen. Man merkte dem Team den enormen Druck an, unbedingt im eigenen Land den Titel holen zu müssen. Erst im Lauf des Turniers konnte die portugiesische Mannschaft sich spielerisch steigern.

[Bearbeiten] Das Turnier der Überraschungen

Die Euro 2004 war ein Turnier der Überraschungen. Zuvor als Favoriten gehandelte Mannschaften wie Spanien und Italien mussten schon nach der Gruppenphase die Heimreise antreten. Gleichzeitig kaufte der jetzige Europameister Griechenland mehreren Weltklassemannschaften den Schneid ab.

[Bearbeiten] Favoritensterben

Nicht nur Spanien und Italien schieden frühzeitig aus, sondern auch England und Frankreich kamen nicht über das Viertelfinale hinaus.

Das Ausscheiden der hoch gehandelten Mannschaften wird häufig damit begründet, dass die Nationalspieler dieser Länder in den großen 20er-Ligen Europas (Spanien, Frankreich, England) samt den nationalen und internationalen Pokalwettbewerben sowie den Länderspielen zu viele Spiele im Jahr absolvieren müssten und sich nicht ausreichend regenerieren könnten. Da das Phänomen auch schon für das frühe Ausscheiden einiger Mannschaften bei der WM 2002 verantwortlich gemacht wurde, gibt es nun Absichtserklärungen, die Anzahl der Spiele zu reduzieren. Ergebnis dieser Strategie ist auch die Abschaffung der zweiten Gruppenphase in der UEFA Champions League.