Fußball-Weltmeisterschaft 1934

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
FIFA Fußball Weltmeisterschaft 1934
Campionato Mondiale Di Calcio
Anzahl Nationen 16 (von 32 Bewerbern)
Weltmeister Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien (1. Titel)
Austragungsort Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
Eröffnungsspiel 27. Mai 1934
Endspiel 10. Juni 1934 (Rom)
Spiele 17
Tore 70 (∅: 4,12 pro Spiel)
Zuschauer 363.000 (∅: 21.353 pro Spiel)
Torschützenkönig TschechoslowakeiTschechoslowakei Oldřich Nejedlý (5)
Platzverweise (∅: 0,06 pro Spiel)

Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 1934, ital.: Campionato Mondiale Di Calcio, war die zweite Ausspielung des bedeutendsten Turniers für Fußball-Nationalmannschaften und fand vom 27. Mai bis zum 10. Juni 1934 in Italien und damit erstmals in Europa statt. Das Turnier erhielt einen schalen Beigeschmack, da der italienische Diktator Benito Mussolini die WM propagandistisch als Werbung für den Faschismus nutzte, ähnlich wie Hitler die Olympischen Sommerspiele 1936, und der Sieg Italiens von Bestechungsvorwürfen überschattet war.[1]

Italien konnte wie Uruguay vier Jahre zuvor den Heimvorteil nutzen und gewann seinen ersten Weltmeistertitel im entscheidenden Spiel gegen die Tschechoslowakei. Erst 32 Jahre später konnte mit England wieder der Gastgeber den Titel gewinnen. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wurde Dritter, Österreich Vierter. Die Schweiz erreichte das Viertelfinale.

Für die Ausrichtung der WM 1934 interessierten sich zunächst Schweden, Spanien und Italien. Bei dem Treffen des Exekutivkomitees der FIFA am 14. Oktober 1932 in Zürich bekam Italien den Zuschlag. Für Italien sprach, dass das Land die WM in acht Städten, und nicht wie Uruguay 1930 in nur einer, austragen wollte. Die Stadien befanden sich teilweise bereits in der Bauphase. Außerdem stellte Staatschef Benito Mussolini die notwendigen Finanzmittel für die Infrastruktur zur Verfügung.

Spielorte[Bearbeiten]

In insgesamt acht Stadien wurde die WM 1934 ausgetragen. In Florenz, Neapel, Triest und Turin wurden eigens zur WM neue Stadien erbaut. Die Stadien in Mailand und Rom wurden umgebaut, die in Bologna und Genua wurden extra zur WM renoviert. Als Folge des Baubooms verlor die Lira massiv an Wert und den Arbeitern wurden die Löhne gekürzt. Name, Kapazität und Zustand der Stadien sind zum Zeitpunkt der Weltmeisterschaft im Juni 1934 angegeben.

Bologna Florenz
Spielorte 1934 in Italien
Genua Mailand
Stadio Littoriale Stadio Comunale
Giovanni Berta
Stadio Comunale
Luigi Ferraris
Stadio Calcistico di San Siro
Kapazität: 50.000
(modernisiert)
Kapazität: 55.000
(Neubau)
Kapazität: 30.000
(modernisiert)
Kapazität: 45.000
(Umbau)
Eröffnung: 29. Mai 1927 Eröffnung: 13. Sep. 1931 Eröffnung: 22. Jan. 1911 Eröffnung: 19. Sep. 1926
Stadio Littoriale Stadio ComunaleGiovanni Berta Stadio ComunaleLuigi Ferraris Stadio Calcistico di San Siro
1 Achtel- und 1 Viertelfinale 1 Achtel- und 1 Viertelfinale
(plus Wiederholungsspiel)
1 Achtelfinale 1 Achtel-, 1 Viertel-
und 1 Halbfinale
Gesamtzuschauerzahl: 37.000 Gesamtzuschauerzahl: 86.000 Gesamtzuschauerzahl: 21.000 Gesamtzuschauerzahl: 71.000
Schnitt: 18.500 Schnitt: 28.667 Schnitt: 21.000 Schnitt: 23.667
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Österreich - Ungarn
(Viertelfinale) 23.000
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Italien - Spanien
(Viertelfinale/Wiederholung) 43.000
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Spanien - Brasilien
(Achtelfinale) 21.000
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Italien - Österreich
(Halbfinale) 35.000
Spiel mit den wenigsten Zuschauern:
Schweden - Argentinien
(Achtelfinale) 14.000
Spiel mit den wenigsten Zuschauern:
Deutschland - Belgien
(Achtelfinale) 8.000
Spiel mit den wenigsten Zuschauern:
Deutschland - Schweden
(Viertelfinale) 3.000
Neapel Rom Triest Turin
Stadio Partenopeo
Giorgio Ascarelli
Stadio Nazionale del PNF Stadio Littorio Stadio Municipale
Benito Mussolini
Kapazität: 45.000
(Neubau)
Kapazität: 55.000
(Umbau)
Kapazität: 25.000
(Neubau)
Kapazität: 55.000
(Neubau)
Eröffnung: 27. Mai 1934 Eröffnung: 25. März 1928 Eröffnung: 29. Sep. 1932 Eröffnung: 14. Mai 1933
Stadio ComunaleGiorgio Ascarelli Stadio Nazionale del PNF Stadio Littorio Stadio MunicipaleBenito Mussolini
1 Achtelfinale und Spiel um Platz 3 1 Achtel-, 1 Halbfinale und Finale 1 Achtelfinale 1 Achtel- und 1 Viertelfinale
Gesamtzuschauerzahl: 16.000 Gesamtzuschauerzahl: 95.000 Gesamtzuschauerzahl: 9.000 Gesamtzuschauerzahl: 28.000
Schnitt: 8.000 Schnitt: 31.667 Schnitt: 9.000 Schnitt: 14.000
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Ungarn - Ägypten
(Achtelfinale) 9.000
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Italien - Tschechoslowakei
(Finale) 55.000
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Tschechoslowakei - Rumänien
(Achtelfinale) 9.000
Spiel mit den meisten Zuschauern:
Österreich - Frankreich
(Achtelfinale) 16.000
Spiel mit den wenigsten Zuschauern:
Deutschland - Österreich
(Spiel um Platz 3) 7.000
Spiel mit den wenigsten Zuschauern:
Tschechoslowakei - Deutschland
(Halbfinale) 15.000
Spiel mit den wenigsten Zuschauern:
Tschechoslowakei - Schweiz
(Viertelfinale) 12.000

Qualifikation[Bearbeiten]

32 Nationen aus Europa (21), Afrika/Asien (3), Nord- (4) und Südamerika (4) nahmen an der Qualifikation teil. Darunter war auch der Veranstalter Italien, der sich gegen Griechenland durchsetzen musste. Die deutsche Fußballnationalmannschaft gewann gegen Luxemburg mit 9:1 und konnte sich somit als Gruppenerster in der Gruppe 8 gemeinsam mit Frankreich für die Fußball-Weltmeisterschaft in Italien qualifizieren. Die österreichische Mannschaft qualifizierte sich in einer Gruppe mit Ungarn und Bulgarien als Zweiter und die Schweiz gewann ihre Gruppe gegen Rumänien und Jugoslawien.

Uruguay nahm als Revanche für das geringe europäische Interesse an der WM 1930 nicht teil. Auch England boykottierte die WM, da sie erneut nicht im Mutterland des Fußballs ausgetragen wurde. Für Ägypten, Deutschland, Italien, die Niederlande, Österreich, Schweden, die Schweiz, Spanien, die Tschechoslowakei und Ungarn war es die erste Teilnahme an einer Fußball-Weltmeisterschaft.

Teilnehmer[Bearbeiten]

12 aus Europa BelgienBelgien Belgien Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland FrankreichFrankreich Frankreich Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien
NiederlandeNiederlande Niederlande OsterreichÖsterreich Österreich Rumänien KonigreichRumänien Rumänien SchwedenSchweden Schweden
SchweizSchweiz Schweiz Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei Ungarn 1918Ungarn Ungarn
2 aus Südamerika ArgentinienArgentinien Argentinien Brasilien 1889Brasilien Brasilien
1 aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA
1 aus Afrika und Asien Agypten 1922Ägypten Ägypten
Weltkarte der Teilnehmer

Modus[Bearbeiten]

Das ganze Turnier wurde im K.-o.-Modus ausgespielt. Dabei gab es für das Achtelfinale acht gesetzte Mannschaften, die schätzungsweise die stärksten Teams der WM darstellten. Dies waren im Einzelnen: Argentinien, Brasilien, Deutschland, Italien, die Niederlande, Österreich, die Tschechoslowakei und Ungarn. Diesen acht Teams wurde jeweils eine Mannschaft zugelost. In den folgenden Runden spielte dann jeweils der Sieger aus Spiel 1 gegen den Sieger aus Spiel 2 usw.

Im Falle eines Unentschiedens nach der regulären Spielzeit folgte eine zweimal 15-minütige Verlängerung. Stand nach dieser immer noch kein Sieger fest, gab es einen Tag später ein Wiederholungsspiel.

Gesetzte Teams Ungesetzte Teams
ArgentinienArgentinien Argentinien NiederlandeNiederlande Niederlande Agypten 1922Ägypten Ägypten SchwedenSchweden Schweden
Brasilien 1889Brasilien Brasilien OsterreichÖsterreich Österreich BelgienBelgien Belgien SchweizSchweiz Schweiz
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei FrankreichFrankreich Frankreich Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien Ungarn 1918Ungarn Ungarn Rumänien KonigreichRumänien Rumänien Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA

Für Informationen zu den einzelnen Gruppen und Kadern der Mannschaften auf den jeweiligen Link klicken.

Finalrunde[Bearbeiten]

Spielplan[Bearbeiten]

Achtelfinale Viertelfinale Halbfinale Finale
                           
           
  OsterreichÖsterreich Österreich  131
  FrankreichFrankreich Frankreich  2  
  OsterreichÖsterreich Österreich  2
    Ungarn 1918Ungarn Ungarn  1  
  Ungarn 1918Ungarn Ungarn  4
  Agypten 1922Ägypten Ägypten  2  
  OsterreichÖsterreich Österreich  0
    Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien  1  
  Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien  7
  Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA  1  
  Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien  2(1) 12
    Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien  (1) 0  
  Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien  3
  Brasilien 1889Brasilien Brasilien  1  
  Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien  321
    Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei  1
  Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland  5
  BelgienBelgien Belgien  2  
  Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland  2
    SchwedenSchweden Schweden  1  
  SchwedenSchweden Schweden  3
  ArgentinienArgentinien Argentinien  2  
  Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland  1
    Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei  3   Spiel um Platz drei
  Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei  2
  Rumänien KonigreichRumänien Rumänien  1  
  Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei  3   OsterreichÖsterreich Österreich  2
    SchweizSchweiz Schweiz  2     Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland  3
  SchweizSchweiz Schweiz  3
  NiederlandeNiederlande Niederlande  2  

1 Sieg nach Verlängerung
2 Sieg im Wiederholungsspiel

Achtelfinale[Bearbeiten]

So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Rom
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten USA 7:1 (3:0)
So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Triest
Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei Rumänien KonigreichRumänien Rumänien 2:1 (0:1)
So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Florenz
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland BelgienBelgien Belgien 5:2 (1:2)
So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Turin
OsterreichÖsterreich Österreich FrankreichFrankreich Frankreich 3:2 n.V. (1:1, 1:1)
So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Genua
Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien Brasilien 1889Brasilien Brasilien 3:1 (3:0)
So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Mailand
SchweizSchweiz Schweiz NiederlandeNiederlande Niederlande 3:2 (2:1)
So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Bologna
SchwedenSchweden Schweden ArgentinienArgentinien Argentinien 3:2 (1:1)
So., 27. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Neapel
Ungarn 1918Ungarn Ungarn Agypten 1922Ägypten Ägypten 4:2 (2:1)

Italien hatte recht wenig Mühe gegen die USA, den Vertreter Nordamerikas. Zwischen beiden Teams bestand ein deutlicher Klassenunterschied, der sich auch im Endergebnis ausdrückte.

Die Tschechoslowakei musste gegen die vom Österreicher Josef Uridil trainierten Rumänen antreten, die in der Qualifikation den Halbfinalisten der WM 1930 (Jugoslawien) besiegten. In der ersten Hälfte hatte die Tschechoslowakei, die als Mitfavorit auf den Titel in das Turnier ging, große Probleme gegen die Rumänen und lag auch mit 0:1 zurück. In der zweiten Halbzeit konnten die Tschechoslowaken das Spiel allerdings noch drehen und kamen somit eine Runde weiter.

Deutschland musste gegen den Nachbarn aus Belgien spielen. Lange Zeit war es ein offenes Spiel und die Belgier führten zur Halbzeit mit 2:1, nachdem Stanislaus Kobierski die deutsche Mannschaft in Führung gebracht hatte. Nach der Pause drehten die Deutschen allerdings auf und konnten das 1:2 in ein 5:2 verwandeln. Edmund Conen erzielte dabei einen lupenreinen Hattrick und sorgte somit für ein deutliches Endergebnis zu Gunsten der Deutschen.

Die Österreicher bekamen es in der ersten Runde mit Frankreich zu tun. Das Wunderteam galt als Favorit. Nach der regulären Spielzeit hieß es allerdings nur 1:1. In der Verlängerung hatten die Österreicher die größeren Kraftreserven und führten nach 110 Minuten mit 3:1. Der Anschlusstreffer der Franzosen in der 117. Minute änderte nichts mehr am Ausgang des Spiels.

Die Spanier mussten gegen das einzige ernstzunehmende Team aus Südamerika, Brasilien antreten. Die Brasilianer dominierten die Spanier zwar spielerisch und waren technisch weitaus überlegen, die Spanier konzentrierten sich allerdings auf das wichtigste im Fußball – das Toreschießen. Bereits nach einer halben Stunde führten die Spanier mit 3:0. Nach dem Seitenwechsel kamen die Spanier nicht mehr ins Spiel und den Brasilianern gelang der 1:3-Anschlusstreffer. Als allerdings der spanische Weltklassetorhüter Ricardo Zamora einen Foulelfmeter parieren konnte, war bei den Brasilianern der Spielfluss dahin und die Spanier konnten die Führung verteidigen.

Die Schweiz bekam es in Runde 1 mit den Niederlanden zu tun. In einem äußerst ausgeglichenen Spiel behielten die Schweizer am Ende die Oberhand. Spieler des Tages war der Schweizer Leopold Kielholz, dem zwei Treffer gelangen.

Schweden hatte mit Argentinien den zweiten südamerikanischen Vertreter als Gegner zugelost bekommen. Die Argentinier reisten lediglich mit einer Amateurmannschaft an, die keinesfalls die Klasse der Mannschaft von der WM 1930 hatte, als Argentinien Vize-Weltmeister wurde. Dennoch taten die Schweden sich äußerst schwer und mussten zweimal einen Rückstand aufholen, bevor sie kurz vor Ende doch noch das Siegtor zum 3:2 erzielen konnten.

Ungarn musste gegen Ägypten antreten, welche als schwächstes Team des Turniers eingeschätzt wurden. Die meisten wurden in dieser Einschätzung bestärkt, als die Magyaren schnell mit 2:0 in Führung gingen. Doch der Außenseiter kämpfte sich zurück ins Spiel und konnte noch vor der Pause den 2:1-Anschlusstreffer erzielen. In der 2. Hälfte dominierten allerdings die Ungarn ihren Gegner nach Belieben und schafften so am Ende einen letztlich ungefährdeten 4:2-Sieg.

Viertelfinale[Bearbeiten]

Do., 31. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Mailand
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland SchwedenSchweden Schweden 2:1 (0:0)
Do., 31. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Turin
Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei SchweizSchweiz Schweiz 3:2 (1:1)
Do., 31. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Bologna
OsterreichÖsterreich Österreich Ungarn 1918Ungarn Ungarn 2:1 (1:0)
Do., 31. Mai 1934 um 16:30 Uhr in Florenz
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien 1:1 n.V. (1:1, 1:1)

Die Tschechoslowakei setzte sich gegen die Schweiz dank ihres sehr gut haltenden Torhüters František Plánička mit 3:2 durch. Die Schweiz konnte lange Zeit das Spiel gegen den Favoriten offen halten. Kurz vor Schluss erzielte der tschechoslowakische Topstürmer Oldřich Nejedlý jedoch den entscheidenden Treffer.

Die Deutschen bekamen es in der Runde der letzten Acht mit Schweden zu tun. Zwei Treffer von Karl Hohmann entschieden das Spiel zu Gunsten der Deutschen. Wie schon im Spiel gegen Belgien war die deutsche Mannschaft auch hier in der zweiten Halbzeit deutlich stärker als in der ersten. Schweden war kaum gefährlich und konnte den deutschen Sieg nie wirklich gefährden.

In der Partie Österreich gegen Ungarn trafen erstmals zwei Titelaspiranten bei der WM 1934 aufeinander. Österreich setzte sich dabei knapp 2:1 durch. Insbesondere die zweite Hälfte wurde mit extrem viel Härte geführt, so dass gegen den Ungarn Markos der einzige Platzverweis der WM ausgesprochen wurde.

Das Spiel Italien gegen Spanien erhielt besondere Dramatik. Nachdem es nach 90 Minuten 1:1 gestanden hatte, wurde die Verlängerung fällig. Dabei zeichnete sich erneut der spanische Torhüter Zamora besonders aus. Zudem gab es einen Pfostenschuss des Spaniers Lángara (113.) und einen Lattentreffer des Italieners Giuseppe Meazza in der 119. Spielminute. Da das Elfmeterschießen erst 1982 eingeführt wurde, gab es ein Wiederholungsspiel.

Wiederholungsspiel:

Fr., 1. Juni 1934 um 16:30 Uhr in Florenz
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien Spanien Zweite RepublikZweite Spanische Republik Spanien 1:0 (1:0)

Nur einen Tag später gab es an selber Stätte das Wiederholungsspiel zwischen Italien und Spanien. Dabei kam es zu einem Skandalspiel. Durch die Strapazen des vorangegangen Spiels setzten die Italiener vier, die Spanier sieben neue Spieler ein, unter den ausgetauschten war auch der spanische Torhüter Zamora. Beim 1:0 für die Italiener wurde der spanische Ersatztorhüter gleich von mehreren Italienern klar behindert, während sich Meazza gar bei ihm aufstützte, um so zum Kopfball zu kommen. Trotz großer Proteste der Spanier wurde der Treffer gegeben. In der Folgezeit fielen die Italiener durch unfaire Aktionen auf, die vom Schiedsrichter in den seltensten Fällen geahndet wurden. Die Spanier hatten gegen Ende der Partie drei verletzte Spieler – Auswechslungen waren nicht gestattet. Im Verlauf der Partie wurden den Spaniern zwei Elfmeter verweigert, in der zweiten Halbzeit gar zwei reguläre Tore.

Halbfinale[Bearbeiten]

So., 3. Juni 1934 um 16:30 Uhr in Mailand
Italien 1861Königreich Italien (1861–1946) Italien OsterreichÖsterreich Österreich 1:0 (1:0)
So., 3. Juni 1934 um 16:30 Uhr in Rom
Tschechoslowakei 1920Tschechoslowakei Tschechoslowakei Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland 3:1 (1:0)

Die Tschechoslowakei konnte ihrer Favoritenstellung gegenüber Deutschland gerecht werden und die erste Halbfinalpartie mit 3:1 gewinnen. Bei den Deutschen fehlte Hohmann, der im Viertelfinale die beiden Treffer für die Deutschen erzielte, verletzungsbedingt, zudem erlebte Schlussmann Willibald Kress einen schwachen Tag. In der damaligen Tagespresse wurden die Tschechoslowaken als „in jeder Phase überlegen“ (Reichspost) charakterisiert. Matchwinner war Oldřich Nejedlý, der alle 3 Tore für die Tschechoslowakei erzielte.

Die Italiener schafften es trotz der Zusatzbelastung durch das Wiederholungsspiel, sich gegen Österreich durchzusetzen. Auch entschied letztendlich wiederum eine zweifelhafte Schiedsrichterleistung des Schweden Ivan Eklind, der tags zuvor noch von Benito Mussolini als persönlicher Ehrengast geladen war, über das Weiterkommen der Gastgeber. Das einzige Tor des Spiels fiel in der 18. Minute, als mehrere Italiener den österreichischen Tormann Peter Platzer mit dem Ball in den Händen über die Torlinie stießen. Ivan Eklind griff sogar selbst aktiv ins Spielgeschehen ein, indem er eine Flanke auf den freistehenden österreichischen Stürmer Karl Zischek wegköpfte.

Spiel um Platz 3[Bearbeiten]

Do., 7. Juni 1934 um 18:00 Uhr in Neapel
Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutschland OsterreichÖsterreich Österreich 3:2 (3:1)
Die Bronzemedaille der WM 1934 ging an die deutsche Mannschaft

Das Spiel der Halbfinalverlierer ging zu Gunsten der Deutschen aus. Österreich ging, nachdem es im Italien-Spiel unter anderem seine Führungsfigur Matthias Sindelar durch die ungeahndet gebliebenen harten Attacken verletzungsbedingt verloren hatte, sichtlich wenig motiviert in die Partie, so dass es überraschend mit 2:3 verlor. Die letzten Aufeinandertreffen hatten noch 5:0 und 6:0 für Österreich geendet. Da es die Heim-Auswärts-Regeln für Trikots noch nicht gab, traten kurioserweise sowohl Deutschland als auch Österreich in weiß-schwarz an. Da die Unterscheidung der Mannschaften schwerfiel, musste eine der beiden Mannschaften ein anderes Trikot überziehen. Das Los traf die österreichische Elf, die zwar noch in ihren gewohnten weißen Hemden auf den Platz lief, sich aber vor dem Anpfiff die kurzfristig aufgetriebenen blauen Trikots des SSC Neapel überzog. Beste Spieler auf Seiten der Deutschen waren Edmund Conen und Ernst Lehner. Die DFB-Auswahl wurde damit unerwartet Dritter, Österreich ebenso unerwartet nur Vierter.


Giampiero Combi (l.), Schiedsrichter Ivan Eklind (m.) und František Plánička (r.) vor dem Finale

Finale[Bearbeiten]

Italien Tschechoslowakei Aufstellung
ItalienItalien
Finale
So., 10. Juni 1934 um 17:30 Uhr in Rom (Stadio Nazionale del PNF)
Zuschauer: 55.000
Schiedsrichter: Ivan Eklind (SchwedenSchweden Schweden)
Spielbericht
TschechoslowakeiTschechoslowakei
Aufstellung Italien gegen Tschechoslowakei
Giampiero Combi (C)Kapitän der MannschaftEraldo Monzeglio, Luigi AllemandiAttilio Ferraris, Luis Monti, Luigi BertoliniEnrique Guaita, Giuseppe Meazza, Angelo Schiavio, Giovanni Ferrari, Raimundo Orsi
Trainer: Vittorio Pozzo
František Plánička (C)Kapitän der MannschaftLadislav Ženíšek, Josef ČtyřokýJosef Košťálek, Štefan Čambal, Rudolf KrčilFrantišek Junek, František Svoboda, Jiří Sobotka, Oldřich Nejedlý, Antonín Puč
Trainer: Karel Petrů

Tor 1:1 Raimundo Orsi (81.)
Tor 2:1 Angelo Schiavio (96.)
Tor 0:1 Antonin Puc (76.)

Auch im Finale profitierten die Italiener von der Schiedsrichterleistung. Der schwedische Schiedsrichter Ivan Eklind – der bereits in der Halbfinalpartie Österreich-Italien als schwach galt – war in der zweiten Hälfte dem teilweise überharten Spiel der Italiener gegenüber nachsichtig und verzichtete auf Feldverweise. Dennoch gelang den Tschechoslowaken Mitte der zweiten Halbzeit der Führungstreffer. 10 Minuten vor Ende konnten die Italiener jedoch den Ausgleich erzielen. In der Verlängerung behielt Italien die Oberhand und gewann die Weltmeisterschaft 1934.

Weltmeistermannschaft[Bearbeiten]

(in Klammern sind die Spiele und Tore angegeben)

1. Italien
Italien

Torschützenliste (Endrunde)[Bearbeiten]

Rang Spieler Tore
1 TschechoslowakeTschechoslowake Oldřich Nejedlý 1 5 1
2 DeutscherDeutscher Edmund Conen 4
ItalienerItaliener Angelo Schiavio
4 SchweizerSchweizer Leopold Kielholz 3
ItalienerItaliener Raimundo Orsi
6 ÄgypterÄgypter Abdelrahman Fawzi 2
ItalienerItaliener Giovanni Ferrari
DeutscherDeutscher Karl Hohmann
ÖsterreicherÖsterreicher Johann Horvath
SchwedeSchwede Sven Jonasson
SpanierSpanier Isidro Lángara
DeutscherDeutscher Ernst Lehner
ItalienerItaliener Giuseppe Meazza
TschechoslowakeTschechoslowake Antonín Puč
UngarUngar Géza Toldi
BelgierBelgier Bernard Voorhoof
17 ArgentinierArgentinier Ernesto Belis 1
ArgentinierArgentinier Alberto Galateo
ÖsterreicherÖsterreicher Josef Bican
ÖsterreicherÖsterreicher Anton Schall
ÖsterreicherÖsterreicher Karl Sesta
ÖsterreicherÖsterreicher Matthias Sindelar
ÖsterreicherÖsterreicher Karl Zischek
Rang Spieler Tore
17 BrasilianerBrasilianer Leônidas da Silva 1
TschechoslowakeTschechoslowake Jiří Sobotka
TschechoslowakeTschechoslowake František Svoboda
SpanierSpanier José Iraragorri
SpanierSpanier Luis Regueiro
FranzoseFranzose Jean Nicolas
FranzoseFranzose Georges Verriest
DeutscherDeutscher Stanislaus Kobierski
DeutscherDeutscher Rudolf Noack
DeutscherDeutscher Otto Siffling
NiederländerNiederländer Kick Smit
NiederländerNiederländer Leen Vente
UngarUngar György Sárosi
UngarUngar Pál Teleki
UngarUngar Jenő Vincze
ItalienerItaliener Enrique Guaita
RumäneRumäne Ștefan Dobay
SchweizerSchweizer André Abegglen
SchweizerSchweizer Willy Jäggi
SchwedeSchwede Gösta Dunker
SchwedeSchwede Knut Kroon
US-AmerikanerUS-Amerikaner Aldo Donelli
Oldřich Nejedlý
1 Einige Quellen sprachen in der Vergangenheit von vier Toren, womit es drei Torschützenkönige gegeben hätte. Grund hierfür war, dass das zweite Tor der Tschechoslowakei im Halbfinalspiel gegen Deutschland mitunter Rudolf Krčil zugesprochen wurde. Dies widerspricht freilich zeitgenössischen Zeitungsartikeln anwesender Reporter. 1996 wurde dies von der IFFHS korrekt publiziert und von der FIFA später ebenfalls korrigiert.

Torschützenkönig des gesamten Wettbewerbs, einschließlich Qualifikation, wurde der Spanier Isidro Lángara mit insgesamt 9 Toren.

Die Stars der Weltmeisterschaft[Bearbeiten]

Manipulationsvorwürfe[Bearbeiten]

Der italienische Sporthistoriker Marco Impiglia hat in einem 2014 erschienenen Aufsatz die Annahme widerlegt, wonach Mussolini höchstpersönlich für den ersten italienischen Weltmeistertitel gesorgt haben soll. Stattdessen untermauert er die These, dass eine Allianz aus schwedischen und italienischen Sportfunktionären und Schiedsrichtern den Erfolg der italienischen Mannschaft ermöglicht habe.[2] Die Indizienfülle spreche laut Impiglia für eine zu Gunsten Italiens verschobene Weltmeisterschaft: Dabei sieht Impiglia das Grundproblem bereits in der Regelung, dass der italienische Verband entscheidend für die Auswahl der Schiedsrichter verantwortlich war, wodurch unliebsame Schiedsrichter bereits im Vorfeld ausgesondert und jene bevorzugt werden konnten, die bislang bei Spielen der italienischen Mannschaft zu deren Vorteil gearbeitet hatten. Ermöglicht wurde diese Konstellation, indem der Chef des italienischen Organisationskomitees Giovanni Mauro bereits 1932 dem schwedischen Fußballpräsidenten Anton Johansson den Weg in die Regelkommission (International Board) der FIFA ebnete und dadurch die Voraussetzung für eine Gegenleistung bei der Weltmeisterschaft im Jahre 1934 schuf. Tatsächlich entsandte Johansson „nicht den erfahrenen Schiedsrichter Otto Ohlsson zur WM, sondern mit seinem Freund Ivan Eklind einen Schiedsrichter, der laut Impiglia gewillt war, alles zu tun, um Karriere zu machen.“[3] Darüber hinaus entschieden die Veranstalter, die wichtigen Spiele nicht von dem erfahrenen und anerkannten belgischen Schiedsrichter John Langenus pfeifen zu lassen, sondern von Louis André Baert, einem Schiedsrichter, unter dessen Leitung Italien bisher kein Spiel verloren hatte. Neben Eklind und Baert wurden mit dem Tessiner René Mercet und dem Ungarn Mihaly Ivancsics weitere Schiedsrichter berufen, die laut Impiglia leicht zu Gunsten des Erfolgs der Heimmannschaft eingesetzt werden konnten: Baert und Mercet sorgten dafür, dass Italien die beiden Viertelfinalspiele gegen Spanien überstand; sie annullierten reguläre spanische Treffer und ahndeten andererseits die brutale Härte des Gastgebers nicht. Im Halbfinale ließ Eklind indes zu, dass Monti den österreichischen Stürmerstar Matthias Sindelar schwer foulte. Und im Finale verweigerte wieder Eklind den Tschechoslowaken einen Elfmeter und ließ zahlreiche Angriffe auf deren Mittelstürmer Frantisek Svoboda unbestraft. Schiedsrichter-Beobachter war in beiden Fällen der von Impiglia als einer der Drahtzieher der Verschwörung bezeichnete Johansson, zumal dieser nicht nur Mauro verbunden war, sondern auch das faschistische Sportsystem bewunderte und in Schweden propagierte.[4]

Ungeahndete Regelverstöße[Bearbeiten]

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1934 war die WM der ungeahndeten Regelverstöße. Wie die „International Federation of Football History & Statistics“ (IFFHS) recherchierte, hätten mehrere Mannschaften der WM 1934 disqualifiziert werden müssen oder zumindest die entsprechenden Resultate annulliert werden müssen.

Einsatz nicht spielberechtigter Spieler[Bearbeiten]

Nach dem damaligen FIFA-Reglement durften ehemals ausländische Spieler nur dann in der Nationalmannschaft spielen, wenn sie seit mindestens drei Jahren kein Länderspiel mehr für ein ausländisches Team bestritten hatten und zudem seit mindestens drei Jahren in ihrem neuen Heimatland gelebt haben. Diese Regel wurde von mehreren Mannschaften verletzt.

Die italienische Nationalmannschaft verstieß viermal gegen die Regeln für den Einsatz ehemaliger Ausländer. Prominentester Fall ist der Spieler Luis Monti, der noch bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1930 für Argentinien im Finale stand. Er kam schon im Qualifikationsspiel gegen Griechenland am 25. März 1934 für Italien zum Einsatz. Dies bedeutete, dass er nach dem 24. März 1931 kein Länderspiel mehr für ein anderes Land hätte bestreiten dürfen und zudem ab diesem Zeitpunkt auch in Italien hätte leben müssen. Doch Monti bestritt noch drei Monate nach dem Stichtag am 4. Juli 1931 ein Länderspiel für Argentinien, zudem lebte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Italien. Gleiches gilt für alle seine weiteren Einsätze während der WM-Endrunde, denn auch bei seinem Einsatz im Finale am 10. Juni 1934 waren die drei Jahre noch nicht voll gewesen. Ebenfalls nicht spielberechtigt für Italien wäre der ehemalige Brasilianer Amphilóquio Marques "Filo" gewesen. Auch er wurde bereits in der Qualifikation für Italien eingesetzt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er zwar seit drei Jahren kein Länderspiel mehr für ein anderes Land bestritten, aber er betrat erst am 22. Juli 1931 zum ersten Mal italienischen Boden. Nach dem Reglement hätte er aber spätestens seit dem 24. März 1931 in Italien leben müssen, um spielberechtigt zu sein. Diese Frist hatte er auch noch nicht erreicht, als er im Achtelfinale am 27. Mai 1934 gegen die USA zum Einsatz kam. Enrique Guaita, der in der Qualifikation gegen Griechenland sowie bei einigen Endrundenspielen zum Einsatz kam, bestritt noch am 5. Februar 1933 ein Länderspiel für Argentinien und spielte noch bei Estudiantes de La Plata. Schließlich hatte Atílio Demaría (italienisch De Maria) noch am 9. Juli 1931 für Argentinien gegen Paraguay gespielt. Er hätte bei seinem Einsatz im Viertelfinal-Wiederholungsspiel gegen Spanien seit dem 31. Mai 1931 kein Spiel mehr für eine ausländische Mannschaft bestritten haben dürfen.

Auch Argentinien setzte bei seinem Turnierauftritt im Achtelfinale einen nicht spielberechtigten Spieler ein, und zwar den Spieler Constantino Urbieto-Sosa im Achtelfinalspiel gegen Schweden am 27. Mai 1934. Urbieto-Sosa hätte demnach seit dem 26. Mai 1931 kein Spiel mehr für eine andere Nationalmannschaft bestritten haben dürfen und hätte zudem auch seit diesem Tag in Argentinien gelebt haben müssen. Tatsächlich spielte er aber von April bis Juni 1931 noch drei Länderspiele für Paraguay. Später wurde die These vertreten, der Spieler hätte den argentinischen Fußballverband getäuscht. Allerdings bestritt Urbieto-Sosa diese drei Länderspiele ausgerechnet gegen Argentinien. Auch Irland setzte in seinen Qualifikationsspielen gegen Belgien und die Niederlande zwei Spieler ein, die noch kurz zuvor für die nordirische Nationalmannschaft gespielt hatten.

Keiner der genannten Regelverstöße wurde geahndet.

Einsatz von Profispielern[Bearbeiten]

Bei allen WM-Spielen inklusive Qualifikationsspielen war der Einsatz von Profis erlaubt. Dies galt aber nicht für Argentinien und Brasilien, weil diese Länder in der FIFA zu der Zeit nur durch ihren jeweiligen Amateurverband vertreten waren. In den großen südamerikanischen Fußballnationen gab es erhebliche Konflikte um die Einführung des Profifußballs. Es gab in der Regel zwei oder mehr rivalisierende und sich heftig befehdende Fußballverbände, nämlich mindestens eine Profifußballorganisation und einen Amateurfußballverband, der zumeist von der FIFA als offizieller nationaler Verband anerkannt war. Nur Spieler der offiziell anerkannten Verbände durften an den WM-Spielen teilnehmen. Wie aber die IFFHS ermittelte, wurde gegen diese Bestimmung bei der WM zumindest einmal massiv verstoßen. Während Argentinien sich an die Regularien hielt und in Italien mit einer reinen Amateurvertretung auflief, trickste Brasilien die FIFA-Verantwortlichen aus. Da die besten Spieler des Landes im Profiverband organisiert waren, wurden diese von den Verantwortlichen in Brasilien kurzfristig und nur für die Zeit der WM wieder reamateurisiert und in den offiziellen nationalen Fußballverband, den Amateurverband CBD, aufgenommen. Tatsächlich trat Brasilien im Achtelfinale gegen Spanien mit acht Profispielern an und hätte deshalb eigentlich disqualifiziert werden müssen. Doch durch die Niederlage der Brasilianer blieb dieser Regelverstoß letztendlich folgenlos.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans J. Müllenbach: Fussball-Weltmeisterschaft Italien 1934, 1991, ISBN 3-86125-001-2
  • Raphael Keppel: WM 34 – 2. Fussball-Weltmeisterschaft 1934 in Italien, 1990, ISBN 3-928562-00-2
  • Hardy Grüne: Fußballweltmeisterschaft 1934 Italien, Agon Verlag, 2002, ISBN 3-89784-198-3
  • IFFHS: Weltmeisterschaft 1934 – World Cup 1934. In: Fußball-Weltzeitschrift, Kassel, 28+29+30 (1995/96)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatFabian Brändle: Azzurri in Schwarz. Die Wochenzeitung, 15. Juni 2006, abgerufen am 20. April 2010.
  2. vgl. Marco Impiglia: 1934 FIFA World Cup: Did Mussolini rig the Game?, in: Stefan Rinke/Kay Schiller (Hg.): The FIFA World Cup 1930-2010. Politics, Commerce, Spectacle and Identities, Wallstein Verlag Göttingen, 2014, 408 Seiten, 39,90 Euro, S. 66-84.
  3. http://www.deutschlandfunk.de/fussball-ein-komplott-aber-ohne-mussolini.1346.de.html?dram:article_id=289833
  4. vgl. http://www.deutschlandfunk.de/fussball-ein-komplott-aber-ohne-mussolini.1346.de.html?dram:article_id=289833

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fußball-Weltmeisterschaft 1934 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien