Fulda Gap

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Mögliche Einfallsrouten der Roten Armee bei Fulda durch die Fulda Gap

Fulda Gap (deutsch Fulda-Lücke[1] oder Lücke von Fulda) ist ein Begriff, mit dem die US-Streitkräfte während des Kalten Krieges das Gebiet bei Fulda in Osthessen nahe der Grenze zur DDR bezeichneten.

Strategische Lage[Bearbeiten]

Im osthessischen Raum ragte das Gebiet des Warschauer Paktes am weitesten Richtung Westen vor. Unter Präsident Ronald Reagan entwickelte die NATO unter der Bezeichnung General Defense Plan 31001 allgemeine Verteidigungspläne für die Bundesrepublik und Westeuropa für den Fall einer Invasion durch Streitkräfte des Warschauer Pakts. Als wahrscheinlichster Angriffspunkt des Gegners wurde das Gebiet östlich von Fulda angenommen, da das dortige Gelände einem massiven Panzerangriff wenig natürlichen Widerstand bot. Besondere Aufmerksamkeit richtete sich dabei auf die im Südraum der DDR stationierte 8. Gardearmee der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Südlich und nördlich befinden sich mit dem Thüringer Wald und dem Harz für Panzer nur schwer zu bewältigende Mittelgebirge.

Die Fulda Gap im Kalten Krieg[Bearbeiten]

Beobachtungsturm der US-Streitkräfte an der innerdeutschen Grenze, heute Museum Point Alpha

Es wurde davon ausgegangen, dass die Armeen des Warschauer Pakts im Westen Thüringens – dem sogenannten „Thüringer Balkon“ – aufmarschieren, die Grenze in Richtung Fulda durchbrechen und durch das vergleichsweise flache Gelände und die kurze Strecke zwischen den Mittelgebirgen innerhalb von zwei Tagen bis zum Rhein-Main-Gebiet vorstoßen könnten. Damit wäre die Bundesrepublik in zwei Hälften geteilt und die Rhein-Main Air Base, der wichtigste NATO-Luftwaffenstützpunkt in Europa, ausgeschaltet worden. Das zentrale Thüringen war ein Stationierungsschwerpunkt der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland.

Im Rahmen des General Defense Plan wären massiv US-amerikanische Truppenverbände um Fulda konzentriert worden, um einen solchen Angriff zu bremsen, bis Nachschub eingetroffen wäre. Zu diesem Zweck wurde auch der Einsatz taktischer Kernwaffen in Betracht gezogen, im Bereich um Fulda herum wären beispielsweise an die 120 taktische Atomwaffen im Rahmen des so genannten „Zebra-Pakets“ eingesetzt worden. Außerdem wurden in vielen Straßen – vermehrt innerhalb eines etwa 50 Kilometer breiten Gürtels entlang der Grenze – Sprengschächte angelegt, die nach ihrer Zündung die Bewegungen der feindlichen Armeen verlangsamen sollten. Diese Verteidigungspläne behielten ihre Gültigkeit bis zum Ende des Kalten Krieges und der Deutschen Wiedervereinigung 1990, auf dem Papier bis ins Jahr 1994.

Eine ähnliche strategische Situation gab es nördlich des Harzes entlang der Grenze vom heutigen Sachsen-Anhalt zu Niedersachsen, die dort ebenfalls auf beiden Seiten der Grenze zu massiven Truppenkonzentrationen führte (Lüneburger Heide, Colbitz-Letzlinger Heide). Weiter nördlich bildete die Unterelbe ein gewisses natürliches Hindernis.

Trivia[Bearbeiten]

  • 1977 erschien in den USA ein Brettspiel namens „Fulda Gap“, mit dem die strategischen Überlegungen simuliert werden konnten.[2]
  • Die Fulda-Lücke wurde von der Deutschen Bundesbank als ein Argument für die Lagerung deutscher Goldreserven im Ausland angeführt. Die Nähe Frankfurts zu dieser Gefahrenzone soll dazu geführt haben, das durch deutsche Außenhandelsüberschüsse im Ausland erworbene Gold auch dort zu belassen, um es nicht in die Hände des Gegners fallen zu lassen.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Point Alpha – hier wurde ein möglicher Angriff des Warschauer Paktes auf das Gebiet der NATO erwartet.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marco Evers: Unbekannte Kalter-Krieg-Episode: Als die US-Armee gegen Strauß mobilmachte. In: einestages.
  2. http://www.spiele-check.de/6324-Fulda_Gap.html
  3. Gold liegt im Tresor in New York. In: Hamburger Abendblatt. Abgerufen am 20. Januar 2013.