Fulvio Tomizza

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Fulvio Tomizza (* 26. Januar 1935 in Giurizzani bei Materada in Istrien, heute Ortsteil von Umag, Kroatien; † 21. Mai 1999 in Triest, Italien) war ein italienischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Tomizza wurde in einem Dorf in Istrien geboren, das damals zu Italien gehörte. 1954 legte er in Capodistria das Abitur ab. Als das Gebiet des Freien Territoriums Triest 1954 durch das Londoner Memorandum zwischen Italien und Jugoslawien aufgeteilt wurde, übersiedelte Tomizza nach Triest.[1]

Er arbeitete dort zunächst als Redakteur für den lokalen Nachrichtenradiosender. 1960 veröffentlichte er seinen ersten Roman Materada, der nach seinem Heimatort benannt ist. Der Roman wurde bei seinem Erscheinen von der italienischen Literaturkritik sehr positiv aufgenommen und im Feuilleton aller wichtigen Tageszeitungen gewürdigt. Er gilt in der Literaturkritik inzwischen als Klassiker der istrianischen Literatur.[2]

Mit diesem Roman erlebte Tomizza seinen Durchbruch als Schriftsteller. Fortan lebte Tomizza in Triest als freier Schriftsteller.

Den Roman Materada fasste er später mit den Werken La Ragazza di Petrovia und Il Bosco di Acacie zur Trilogia Istriana zusammen. 1977 erreichte Tomizza seinen größten Erfolg mit dem Roman La Miglior Vita, der alleine in Italien über 400.000 Mal verkauft wurde.[3]

Tomizzas Romane thematisieren die Wechselbeziehungen von Sprache und Kultur, von Vielsprachigkeit und Transnationalität, wobei der multi-ethnische Kulturraum der ehemaligen Habsburger Monarchie oft als sinnstiftender Bezugspunkt durchscheint. Die Protagonisten führen ein Leben in zwei Welten, hin- und hergerissen zwischen den Kulturen.[4]

Neben seinen Romanen und Erzählungen schrieb Tomizza auch Theaterstücke und Kinderbücher.

Sein 1997 in Italien veröffentlichter Roman Franziska erschien erst nach seinem Tod in deutscher Sprache, und zwar im Jahre 2001 im Zsolnay Verlag in Wien. Tomizza schildert in diesem Roman ein historisches Frauenschicksal aus Slowenien.[5] Dieser Roman wurde, wie viele weitere Werke Tomizzas, von der Übersetzerin Ragni Maria Gschwend ins Deutsche übertragen.

Seine beiden letzten Romane La visitatrice und La casa col mandorlo sind im Jahre 2000 posthum in Italien erschienen.

1999 verstarb Fulvio Tomizza nach einer schweren Krankheit. Er wurde in seinem Heimatort beigesetzt.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

Fulvio Tomizza wurde für sein literarisches Schaffen mehrfach ausgezeichnet. Er erhielt mehrere italienische Literaturpreise, aber auch internationale Preise. Für den Roman La Quinta Stagione erhielt er 1965 den Premio Selezione Campiello. 1969 wurde er für L’Albero dei Sogni mit dem Premio Viareggio ausgezeichnet. Der Roman La Città di Miriam erhielt 1972 den Premio Fiera Letteraria. 1977 wurde Tomizza für La Miglior Vita mit dem Premio Strega dem bedeutendsten italienischen Literaturpreis, ausgezeichnet. 1979 erhielt er für die deutsche Übersetzung des Romans den Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur.

1984 erhielt Fulvio Tomizza den Ehrendoktortitel in Literaturwissenschaft (Lettere) der Universität Triest für „sein hohes künstlerisches Niveau und seine intensive narrative Kraft“.[6]

Werke[Bearbeiten]

  • Eine bessere Welt. Roman („La miglior vita“). Dtv, München 1984, ISBN 3-423-10055-9.
  • Das Böse kommt vom Norden. Die Geschichte des Pier Paolo Vergerio, Bischof , Ketzer, Reformator („Il male viene dal nord“). Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 1988, ISBN 3-462-01870-1.
  • Die Flöte in der Oper („Anche le pulci hanno la tosse“). Gerstenberg, Hildesheim 1997, ISBN 3-8067-4230-8.
  • Franziska. Eine Geschichte aus dem 20. Jahrhundert („Franziska“). Dtv, München 2004, ISBN 3-423-13224-8.
  • Die fünfte Jahreszeit („La quinta stagione“). Dtv, München 2005, ISBN 3-423-13318-X.
  • Der Idealist („L'idealista“). TSV, Wien 1982 (frei nach Ivan Cankars Roman „Marin Caćur, Lebenslauf eines Idealisten“).
  • Das Liebespaar aus der Via Rossetti. Roman („Gli sposi di via Rossetti“). Piper Verlag, München 1991, ISBN 3-492-11234-X.
  • Materada. Roman („Materada“). Hanser Verlag, München 1993, ISBN 3-446-17277-7.
  • Der Prozeß der Maria Janis. Roman („La finzione di Maria“). Dtv, München 1988, ISBN 3-423-10967-X.
  • Triestiner Freundschaft („L'amicizia“). Dtv, München 1984, ISBN 3-423-10238-1.
  • Der umgestürzte Turm („La torre capovolta“). Wieser Verlag, Klagenfurt 1990, ISBN 3-85129-023-2.
  • Die venezianische Erbin. Roman („L'ereditiera veneziana“). Piper Verlag, München 1997, ISBN 3-492-22503-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • (Anonym): Fulvio Tomizza, der Grenzgänger. Hanser, München 1988, ISBN 3-446-16948-2 (Bogen; 26).
  • Carmelo Aliberti: Fulvio Tomizza e la frontiera dell'anima. Bastogi, Foggia 2001, ISBN 88-8185-328-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vita Fulvio Tomizza Autorenporträt auf der Homepage des Hanser Verlags
  2. Berühmte Istrianer Literarisches Porträt über Fulvio Tomizza bei Istria on the Internet
  3. Biografia Fulvio Tomizza Autorenporträt bei www.zam.it (in italienischer Sprache)
  4. Wechselbeziehungen zwischen Vielsprachigkeit und Transnationalität. Alain Bosquet und Fulvio Tomizza Literaturwissenschaftlicher Beitrag von Gertrude Durusoy in: TRANS Nr. 13, Internet-Zeitschrift für Kulturwissenschaften, 2002
  5. Franziska. Eine Geschichte aus dem 20. Jahrhundert Buchvorstellung und Kritik bei Perlentaucher
  6. Originalzitat aus der Laudatio: «per l’elevato livello artistico della sua intensa attività narrativa, nella quale - afferma ancora la motivazione - si è reso acuto, originale interprete di una cultura basata sui valori della pacifica convivenza tra le genit». Online unter www.zam.it