Fun Home

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Fun Home – eine Familie von Gezeichneten (engl.: Fun Home: A Family Tragicomic) ist eine 2006 veröffentlichte, mit dem Eisner Award ausgezeichnete, autobiografische Graphic Novel der Autorin/Zeichnerin Alison Bechdel. Themen des Comics sind u.a. Erwachsenwerden, sexuelle Orientierung, Geschlechterrollen, Familienprobleme und Umgang mit Selbstmord.

Inhalt[Bearbeiten]

In sieben Kurzgeschichten rekapituliert Bechdel ihre Kindheit und Jugend im ländlichen Pennsylvania der 1960er-Jahre. Schwerpunkt ist ihr kompliziertes Verhältnis zu ihrem Vater Bruce, der das familieneigene Bestattungsunternehmen (engl.: Funeral Home, ironisch von der Familie zu Fun Home verkürzt, d.h. „Spaßhaus“) leitet. Während Alison ein rebellischer Tomboy ist, ist Bruce feminin und „bis zur Tyrannei“ perfektionistisch, was bis zu seinem frühen Tod (Verkehrsunfall, als sie 19 war) zu Spannungen zwischen ihm einerseits und Alison und ihren Brüdern Chris und John andererseits führt.

Die sieben Kapitel sind nichtlinear angeordnet: Es wird zwar chronologisch eine Zeitspanne von ca. zehn Jahren abgedeckt, aber diverse Geschehnisse werden wiederholt aufgegriffen und neu interpretiert, insbesondere auf mögliche Bedeutung für das „unmännliche“ Verhalten ihres Vaters und Alison Bechdels eigene „unweibliche“ Seite. Während der Story findet sie immer mehr Hinweise darauf, dass Bruce Bechdel insgeheim homo- oder bisexuell ist, und sie selbst sich zu Frauen hingezogen fühlt. Auf dem College hat sie ihr coming out als Lesbe, worauf ihre Mutter gesteht, dass ihr Vater sie „mit diversen Männern“ betrogen habe. Kurz vor seinem Tod sprechen sich Vater und Tochter aus, und ihre Mutter leitet die Scheidung von ihm ein. Am Ende der Story kommt Bechdel zum Schluss, dass sein Tod tatsächlich Selbstmord gewesen ist: Da im Scheidungsprozess seine homosexuellen Affären ans Tageslicht gekommen wären, habe er den Freitod gewählt.

Rezeption[Bearbeiten]

Bechdel signiert Exemplare von Fun Home (2008).

„Selbst wenn man es gewohnt ist, Gelesenes selbst in Bilder zu verwandeln, fühlt man sich von den detailreichen Zeichnungen nicht bevormundet. Vielmehr kann sich das Auge in den vielen eingearbeiteten Dokumenten verlieren: Tagebuchaufzeichnungen, Landkarten, Briefe und Lexikonartikel. Ein schnelles Durchblättern verbieten nicht nur die liebevollen Details, sondern auch die Querbezüge zwischen dem Haupttext und den in die Bilder integrierten Gedanken. Zum Glück geht Bechdel bei aller Belesenheit die tragische Geschichte mit einer ordentlichen Portion Komik an. Und so blättert man nach dem ersten Lesen gern zurück, um sich die eine oder andere Zeichnung noch einmal anzusehen.[1]

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Verblüffende Memoiren eines Mädchens, welches in einer Kleinstadt mit einem reservierten, perfektionistischen Vater lebt und herausfindet, dass sie a) homosexuell ist und b) er auch. Atemberaubend clever erzählt und eloquent gezeichnet. Vergessen Sie Genre und Fragen sexueller Orientierung, dies ist ein Meisterwerk über zwei Menschen die im selben Haus, aber in verschiedenen Welten leben.[2]

TIME

„Während der Story werden auf die unterdrückte Bisexualität und die daraus entstehenden Belastungen auf die Ehe von Bechdels Eltern hingewiesen... Bechdel hat das Talent, sowohl die kleinsten Nuancen als auch die generellen Strukturen zu erfassen, ohne dass es gezwungen wirkt.[3]

The Gay and Lesbian Review

Wegen des LGBT-orientierten Inhalts und der grafischen Darstellung lesbischer Szenen wurde Fun Home in den USA von konservativen Kritikern als „pornografisch und jugendgefährdend“ kritisiert.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Eisner Award (2007) in der Kategorie Best Reality-Based Work
  • „Einer der 10 besten Bücher des Jahres“ (2006), TIME Magazine

Publikation[Bearbeiten]

Fun Home wird in Deutschland seit 2011 als Hardcover über die Süddeutsche Zeitung publiziert.

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Mein Vater, ein Daedalus Die letzten Helden des Unternehmertums, Frankfurter Allgemeine Zeitung.
  2. 10 Best Books, TIME.
  3. My Father, My Self, The Gay and Lesbian Review.
  4. Library board hears complaints about books/Decision scheduled for Oct. 11 meeting, The Marshall_Democrat News.

Weblinks[Bearbeiten]