Funktion (Objekt)

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Ein Schweizer Messer hat eine Vielzahl von Funktionen

Als Funktion eines Objektes bezeichnet man die Aufgabe, die es zu erfüllen hat. Die Funktion stellt neben Form, Material, Struktur usw. ein wesentliches Charakteristikum eines jeden Objektes dar, das in irgendeiner Form ge- oder benutzt wird.

Überblick[Bearbeiten]

Funktion kann als Kontrollfluss-Kante (Beziehung, Graph) zwischen zwei Objekten beschrieben werden. Während der Begriff ‚Zweck‘ den Beweggrund einer aktiven Tätigkeit oder eines aktiven Verhaltens bezeichnet, wird der Begriff ‚Funktion‘ in der Regel auf passive Objekte angewandt, die vom Menschen benutzt werden. Im Alltagsgebrauch werden Funktion und Zweck jedoch häufig synonym gebraucht. Sinngemäß benutzt werden u. a. die Begriffe Methode, Verhalten, Handlung und Auftrag.

Beispiele:

Ein Herz versorgt einen Körper mit Blut.
Ein Argument wird zum Begründen oder Widerlegen einer Behauptung verwendet.
Fe3O4 funktioniert beim Haber-Bosch-Verfahren als Katalysator.
Ein Wohngebäude ist zum Wohnen da (→ Siehe auch: Liste von Bauwerken nach Funktion)
Schrauben dienen als lösbare Verbindungen von Bauteilen aller Art.

Die Erfüllung gestellter Anforderungen bezeichnet man als ‚Funktionalität‘ oder ‚Gebrauchstauglichkeit‘.

Erfüllt ein Objekt gleich mehrere verschiedene Funktionen, spricht man auch von ‚Multifunktionalität‘. Das Ziel, mit möglichst wenigen Bauteilen möglichst viele technische Funktionen abzudecken, bezeichnet man in der Konstruktionslehre als ‚Funktionsintegration‘. Fallen bei einem Objekt Soll-Verhalten und Ist-Verhalten auseinander, spricht man auch von Überfunktion, Unterfunktion, Fehlfunktion oder Fehler.

Typen von Funktionen[Bearbeiten]

Peter Achinstein unterschied in der mehrfach aufgegriffenen Arbeit Function Statements aus dem Jahr 1977 zwischen drei Typen von Funktionen, mit denen Aussagen wie „x funktioniert als y“ expliziert werden können:[1][2]

Konstruktionsfunktionen[Bearbeiten]

Konstruktionsfunktionen (engl. design functions) beschreiben Funktionen, für die etwas eigens erschaffen wurde.

Beispiel:

  • Ein Schlüsselbund sammelt mehrere Schlüssel und verhindert, dass diese leicht verlorengehen. Dafür ist er (auch) gemacht worden.

Gebrauchsfunktionen[Bearbeiten]

Gebrauchsfunktionen (user functions) beschreiben Funktionen, die jemand (bewusst) in Anspruch nimmt. Sie können mit Konstruktionsfunktionen übereinstimmen, aber auch – im Sinne der bei der Erschaffung gedachten Funktion(en) – durch Zweckentfremdung bzw. Improvisation oder auch bei Objekten, die nicht für etwas hergestellt wurden, gänzlich ohne Konstruktionsfunktion zustande kommen.

Beispiele:

  • Jemand, der den Schlüsselbund genau für das Erdachte anwendet, nutzt ihn sowohl im Sinne einer Gebrauchs- als auch seiner Konstruktionsfunktionen.
  • Hält jemand einen Schlüsselbund in der Hand, um sich durch das Geräusch beim Herunterfallen von einem Tagschlaf abzuhalten, nutzt den Schlüssel außerhalb der Konstruktionsfunktion(en).
    Verwendet jemand Eisenerz, um daraus einen Schlüsselbund herzustellen, gebraucht sie/er das Eisenerz dafür, eine Konstruktionsfunktion des Eisenerzes ist aber nicht ersichtlich (es wurde nicht „dafür gemacht oder vorgesehen, ein Schlüsselbund zu werden“), sofern keine stark teleologische Position vertreten wird wie etwa in der Prädestinationslehre.

Dienstfunktionen[Bearbeiten]

Dienstfunktionen (service functions) beschreiben allgemein Funktionen, die tatsächlich ausgeführt werden. Sie können sowohl Konstruktions- als auch Gebrauchsfunktionen umfassen, aber auch nicht beabsichtigte Funktionen, die etwas anderem zugutekommen.

Beispiele:

  • Ist der Schlüsselbund intakt und wird bewusst im Sinne der Erschaffung benutzt, treffen auf ihn alle drei Funktionstypen zu.
  • Wenn der Schlüsselbund durch physische Veränderung seine Konstruktionsfunktion nicht mehr ausführen kann, aber als Werkzeug für das Betätigen des Notauswurf eines CD-ROM-Laufwerks gebraucht wird, besteht sowohl eine Gebrauchs- als auch eine Dienstfunktion. Hier kann man zwar nach wie vor von der ursprünglichen Konstruktionsfunktion sprechen, die aber nicht mehr ausgeführt werden kann (keinen tatsächlichen Dienst mehr leisten).
  • Liegt der Schlüsselbund auf einem Blatt Papier und verhindert dessen Wegfliegen durch einen Windstoß, ohne dass er deswegen dort hingelegt wurde, besteht in dieser Befestigung eine Dienstfunktion, die weder bei der Erschaffung beabsichtigt war noch (bewusst) verwendet wurde.
    Löst der Schlüsselbund in einem Flughafen durch das Signal eines Metalldetektors die Festnahme einer polizeilich gesuchten Person aus, hatte der Schlüsselbund aus Sicht der Polizei die Dienstfunktion des Aufmerksammachens (auf die gesuchte Person), ohne dass sie beabsichtigt war.
    Führt das Reibungsgeräusch des Schlüsselbundes in einer Jackentasche zum so nicht beabsichtigten Auffinden eines gesuchten Geldstücks, erbrachte er ebenfalls einen Dienst ohne Konstruktions- oder Gebrauchsfunktion.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Rehmann-Sutter: Leben beschreiben: über Handlungszusammenhänge in der Biologie. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 1996, S.225–227 bei Google bücher, ISBN 3-8260-1189-9
  2. Mohammed Ali Berawi, Roy Woodhead: A Teleological Explanation of the Major Logic Path in Classic FAST. In: 44th Annual Conference of the Society of American Value Engineers International (SAVE International). Montreal 2004, Function.pdf#page=3 verfügbar auf einer Webseite der Value Solutions Ltd (englisch)