Fushë Kosova

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Fushë Kosovë/Fushë Kosova1
Kosovo Polje/Косово Поље2
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Fushë Kosova (Kosovo)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Kosovo
Gemeinde: Fushë Kosovë/Kosovo Polje
Koordinaten: 42° 38′ N, 21° 6′ O42.637521.094166666667Koordinaten: 42° 38′ 15″ N, 21° 5′ 39″ O
Einwohner: 34.718 (2011[1])
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart: Großgemeinde
Webpräsenz:
1 albanisch (unbestimmte / bestimmte Form),
2 serbisch (lateinische / kyrillische Schreibweise)
Lage der Großgemeinde innerhalb Kosovos

Fushë Kosova (albanisch auch Fushë Kosovë; serbisch Косово Поље/Kosovo Polje, [ˈkɔsɔvɔ ˈpɔljɛ]) ist eine Kleinstadt und Amtssitz der gleichnamigen Großgemeinde im zentralen Kosovo, nur etwa fünf Kilometer südwestlich der Hauptstadt Priština gelegen. 2011 zählte die Großgemeinde 34.718 Einwohner.[1] Kosovo Polje bedeutet Amselfeld; dies wird im Deutschen auch als Synonym für die gesamte Region verwendet.

Name[Bearbeiten]

Der Begriff Kosovo geht auf die serbische Bezeichnung des Geländes zurück (Kos: „Amsel“, Polje: „Feld“, korrekt dekliniert Kosovo Polje), welcher übersetzt Amselfeld bedeutet, woher die öfters genutzte deutsche Bezeichnung herrührt.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort liegt auf einer Höhe von 543 Meter über dem Meeresspiegel am Osthang eines durch den Fluss Sitnica gebildeten weitläufigen Tales. Am westlichen Stadtrand verläuft die Bahnlinie von Skopje nach Kosovska Mitrovica, die früher über Kraljevo nach Belgrad führte. Hier kreuzt die Strecke von Westkosovo nach Priština. An dieser Kreuzung liegt der Bahnhof von Fushë Kosova.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Bahnhof von Fushë Kosova.

Die Stadt ist der wichtigste Knotenpunkt im Eisenbahnnetz der Eisenbahngesellschaft Trainkos. Hier kreuzen sich die Nord-Süd-Verbindung von Kraljevo in Westserbien nach Mazedonien sowie die Ost-West-Verbindung von Niš über Priština nach Peć und Prizren. Der Bahnhof war bis zum Beginn der Jugoslawienkriege Haltebahnhof, so auch des Akropolis-Express von München Hbf nach Athen. Die übrigen Verbindungen sind zurzeit ohne Eisenbahnverkehr.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Nähe des Ortes fand am 28. Juni 1389 die Schlacht auf dem Amselfeld statt, einer der größten Schlachten jener Zeit, wo das serbische Heer unter der Führung des Fürsten Lazar Hrebeljanovićs, dem osmanische Heer unter der Leitung von Murad I. gegenüberstand. Der Konflikt entstand aus dem offensiven Vorgehen der Osmanen gegen das unabhängige Serbische Reich. Murad I. versuchte das Reich der Oberhoheit des Osmanischen Reiches zu unterwerfen, Lazar Hrebeljanović leistete jedoch den anrückenden Osmanen erbitterten Widerstand, und schlug diese zuvor mehrmals. Die Schlacht auf dem Amselfeld leitet die zukünftige mehrere Jahrhundert lange Herrschaft des Osmanischen Reiches über das Gebiet, die zuvor mehrere Jahrhunderte zum serbischen Herrschaftsgebiet gehörte. Während dieser Zeit etablierte sich auch der sunnitische Islam neben dem Serbisch-Orthodoxen und dem römisch-katholischen Christentum unter den Albanern, sowie unter manchen Serben in der Region. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine gemischte Bevölkerung aus Serben und Albanern.

Bis zum Beginn des Kosovokrieges 1999 war Kosovo Polje mehrheitlich von Serben bewohnt, wobei sich der albanische Bevölkerungsanteil besonders in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts deutlich erhöht hatte. Dies führte bereits seit etwa 1981 zu Unruhen zwischen beiden Bevölkerungsgruppen. Einerseits fühlten sich die Serben in ihrer Vormachtstellung bedroht, andererseits wollten die Albaner ein größeres Mitspracherecht bei den politischen Entscheidungen haben. In dieser Atmosphäre hielt Slobodan Milošević 1987 im Kulturhaus der Stadt eine Rede. Einer aufgebrachten serbischen Menschenmenge verweigerte die mehrheitlich albanische Provinzpolizei dazu den Zutritt zum Gebäude. Als Milošević vor das Gebäude trat und die Menschen „Sie schlagen uns!“ riefen, antwortete er: „Niemand darf euch schlagen!“. Da dies von Fernsehkameras vor Ort dokumentiert und verbreitet wurde, wurde damit die nationalistische Stimmung in der damals autonomen Provinz weiter angeheizt.

Auch nach dem Kosovokrieg gab es weiterhin eine große serbische Bevölkerungsgruppe in der Stadt. Daneben gab es auch eine größere Roma-Siedlung. Im März 2004 wurde im Rahmen von Pogromen albanischer Nationalisten über 100 von Serben und Roma bewohnte Häuser niedergebrannt. Auch das Postamt, die serbische Schule und das serbische Krankenhaus gingen in Flammen auf. Danach floh der Großteil der serbischen Bevölkerung aus der Stadt, sodass heute nur noch eine Minderheit dort lebt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kosovo Polje – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Volkszählung Kosovo 2011. Statistisches Büro des Kosovo, 2011, abgerufen am 9. April 2012 (PDF; 95 kB, albanisch und englisch).