Gänsefingerkraut

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Gänsefingerkraut
Gänse-Fingerkraut

Gänse-Fingerkraut

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Argentina
Art: Gänsefingerkraut
Wissenschaftlicher Name
Argentina anserina
(L.) Rydb.

Das Gänsefingerkraut (Argentina anserina), auch Anserine, Gänsewiß, Grensel, Silberkraut, Säulkraut oder Krampfkraut genannt, ist eine Pflanzenart, die zur Unterfamilie der Rosoideae in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) gehört. Es ist weithin unter dem wissenschaftlichen Namen Potentilla anserina L. bekannt, wird aber nach jüngeren Forschungsergebnissen in die Gattung Argentina gestellt.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Gänsefingerkraut ist eine kriechende, ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von nur 10 bis 20 cm erreicht. Sie bildet ein bis zu 20 cm langes Rhizom aus. Aus den Blattachseln sprießen bis zu 80 cm lange, kriechende Ausläufer, die an den Knoten Blattrosetten tragen und Wurzeln treiben. Die gestielten Grundblätter sind 7- bis 21-zählig und unterbrochen gefiedert. Die Blättchen sind auf der Oberseite spärlich behaart, auf der Unterseite silbrig seidenhaarig.

Die einzeln an langen Stielen stehenden, radiärsymmetrischen und zwittrigen Blüten weisen einen Durchmesser von 1,5 bis 2 cm auf. Die leuchtend gelben Kronblätter sind nicht ausgerandet. Je Blüte entstehen zahlreiche einsamige Nüsschen, die sich bei der Reife vom kegeligen Blütenboden ablösen.

Das Gänsefingerkraut blüht zwischen Mai und August.

Ökologie[Bearbeiten]

Das Gänsefingerkraut ist eine weitverbreitete Rosettenpflanze und trittfeste Pionierpflanze. Seine Blätter biegen sich bei Trockenheit auf und reflektieren so Licht und vermutlich auch Wärme.[2]

Die einzeln stehenden Blüten sind homogame „Nektar führende Scheibenblumen“. Sie sind nur bei Sonne völlig geöffnet. Die Kronblätter haben innen Saftmale im UV-Bereich, die für das menschliche Auge nicht erkennbar sind. Verschiedene Insekten sind die Bestäuber. Vor dem Abblühen kommt es auch zur Selbstbestäubung.[2]

Es liegt eine Selbstausbreitung vor. Häufig findet aber auch Zufallsausbreitung durch Huftiere und Klebverbreitung (mit Schlamm) durch Gänse, Menschen usw. statt.[2]

Standorte und Verbreitung[Bearbeiten]

Vor allem auf nährstoffreichen Wiesen (Gänseweiden), auf Äckern und an Wegrändern kommt das Gänsefingerkraut bestandsbildend vor. Es siedelt verbreitet in frischen Pionierrasen, an Wegen, Ufern, in Gänseangern, vor allem in Dörfern. Es bevorzugt dichten, feuchten, stickstoffreichen, lehmig-tonigen Boden und geht auch auf steinigen Untergrund.[3] Nach Ellenberg ist es eine Halblichtpflanze, stickstoffreiche Standorte anzeigend, salzertragend und eine Ordnungscharakterart der Gänse-Fingerkraut- Weißstraußgras-Kriechrasen (Agrostietalia stoloniferae).[4]

Es ist ein Kulturfolger, durch Verschleppung weltweit verbreitet und eine der häufigsten und am weitesten verbreiteten Pflanzenarten. Wegen ihrer Salztoleranz hat sich die Art in den letzten Jahrzehnten auch entlang der Ränder von Straßen, Autobahnen und Feldwegen stark ausgebreitet.

Taxonomie[Bearbeiten]

Das Basionym Potentilla anserina wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht.[5] Das Gänsefingerkraut wurde 1898 von Per Axel Rydberg in die Gattung Anserina gestellt.[6] Diese lange Zeit nicht akzeptierte Einstufung wurde durch molekularsystematische Untersuchungen[1] bestätigt.

Verwendung[Bearbeiten]

Phytotherapie[Bearbeiten]

Habitus, gestielte Blüte und gefiederte Laubblätter.
Habitus und gefiederte Laubblätter.

Das Gänsefingerkraut ist in den Kräuterschriften der Antike nicht zu finden. Das liegt wohl daran, dass es keine typische Mittelmeerpflanze ist, sondern seine Heimat in Mittel- und Nordeuropa hat. Im 15. Jahrhundert n. Chr. wird das Gänsefingerkraut in einem Kräuterbuch von Peter Schöffer erwähnt. In der germanischen Heilkunde wird das Gänsefingerkraut wahrscheinlich schon sehr lange verwendet, worauf auch die Anwendung in Milch hindeutet, die bei den Germanen sehr beliebt war.[7][8]

Es ist hilfreich bei Durchfall, Blutungen und Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches. Die Volksmedizin setzt das Krampfkraut generell bei krampfartigen Beschwerden, auch der quergestreiften Muskulatur (z. B. Wadenkrämpfe), ein. Wissenschaftlich anerkannt ist inzwischen die innerliche Anwendung von Gänse-Fingerkraut zur unterstützenden Behandlung von unspezifischen Durchfallerkrankungen mit krampfartigen Beschwerden, anderen Bauch- und Unterleibsschmerzen mit Krämpfen und bei Menstruationsbeschwerden.

Gesammelt und getrocknet zu Heilzwecken verwendet werden die Blätter während der Blütezeit von Mai bis August. Für einen Tee übergießt man zwei Teelöffel getrocknetes Kraut mit 250 ml kochendem Wasser und lässt den Aufguss 10–15 Minuten ziehen. Die Volksmedizin kennt auch das Kauen der Wurzel, z.B. bei Zahnfleischentzündung. Trockenextrakt aus Gänse-Fingerkraut ist heute in standardisierten Arzneien wie Dragées und Teemischungen in der Apotheke erhältlich.

Inhaltsstoffe und Wirkungen[Bearbeiten]

Gänse-Fingerkraut enthält als therapeutisch wirksame Inhaltsstoffe vor allem Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Flavonoide und Cholin. Es wirkt hauptsächlich zusammenziehend (adstringierend) und hat außerdem eine schmerzstillende und stopfende Wirkung.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das neue Handbuch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5.
  • Gänsefingerkraut. In: FloraWeb.de.
  •  Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 2: Eibengewächse bis Schmetterlingsblütengewächse, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Jiři Soják: Argentina Hill, a genus distinct from Potentilla (Rosaceae). In: Thaiszia. Band 20, 2010, S. 91–97, PDF-Datei.
  2. a b c  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands. Ein botanisch-ökologischer Exkursionsbegleiter zu den wichtigsten Arten. 6. völlig neu bearbeitete Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2005, ISBN 3-494-01397-7.
  3.  Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe, Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5.
  4.  Heinz Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht (= UTB für Wissenschaft. Grosse Reihe. Band 8104). 5. stark veränderte und verbesserte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  5. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Impensis Laurentii Salvii, Holmiae 1753, S. 495, Digitalisat
  6. Per Axel Rydberg: A monograph of the North American Potentilleae. In: Memoirs from the Department of Botany of Columbia University. Band 2, 1898, S. 1–223 (hier: S. 259).
  7.  F. Losch: Kräuterbuch. Unsere Heilpflanzen in Wort und Bild.
  8. Heilkräuter.de: Gänsefingerkraut. Abgerufen am 19. April 2012.

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Hiroshi Ikeda, Hideaki Ohba: A systematic revision of Potentilla L. Section Leptostylae (Rosaceae) in the Himalaya and adjacent regions. In: Bulletin. University Museum, University of Tokyo. Band 39, Nr. 3, 1999, S. 31–117, online.
  • Li Chaoluan, Hiroshi Ikeda, Hideaki Ohba: Potentilla sect. Leptostylae (Th. Wolf) T. T. Yü & C. L. Li. In:  Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 9: Pittosporaceae through Connaraceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2003, ISBN 1-930723-14-8, S. 298., PDF-Datei, online.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gänsefingerkraut – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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