Gérard Genette

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Gérard Genette (* 1930 in Paris) ist ein französischer Literaturwissenschaftler, der seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts großen Einfluss auf die Entwicklung der Erzähltheorie hat.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Abschluss der École Normale Supérieure wurde Genette zunächst als Assistent und 1967 als Professor für französische Literatur an die Sorbonne berufen. 1970 war er an der Gründung der Zeitschrift Poétique beteiligt.

Genette beschäftigte sich hauptsächlich mit Fragen der Textanalyse auf der Grundlage des Strukturalismus. Er publizierte einflussreiche Beiträge, etwa zur Rolle des Autors und der Intertextualität und Paratexte (auch in Auseinandersetzung mit den Arbeiten Julia Kristevas), die er als eine Unterkategorie der „Transtextualität“ auffasst (siehe hierzu sein Werk Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe).

Auf Genette geht unter anderem die Neuprägung des Begriffs Diegese zurück, mitsamt den daraus entwickelten Kriterien zur Bestimmung von Fokus (siehe Fokalisierung) bzw. Erzählerposition eines narrativen Textes (siehe Narratologie) oder auch die Unterscheidung von „discours“ und „histoire“. Letztere Begriffe bezeichnen die Benennung von Form und Inhalt eines Textes, die das Was und das Wie voneinander abgrenzen (im englischen Sprachgebrauch meist mit „story vs. discourse“). Im Kreis der russischen Formalisten wurden diese mit „fabula vs. sujet“ benannt, Genette ergänzte das Modell um einen weiteren Aspekt: „histoire“, „récit“ und „narration“.

In den deutschen Literaturwissenschaften wird das Modell Genettes nach wie vor als neues Modell bezeichnet. Der Grund dafür liegt in der deutschen Übersetzung des Werks, die auf 1994 datiert ist, obwohl Genette seine theoretischen Überlegungen bereits 1974 in französischer Sprache veröffentlichte.

Werke[Bearbeiten]

  • Figures I-III. Paris 1966–1972.
  • Mimologiques. Paris 1976.
  • Introduction à l'Architexte. Paris 1979.
  • Fiction et diction. Paris 1991 (Fiktion und Diktion. München 1992.)

Übersetzungen[Bearbeiten]

  • „Diskurs der Erzählung. Ein methodologischer Versuch“ (aus: Figures I-III) und „Neuer Diskurs der Erzählung“, beide enthalten in: Die Erzählung. Hrsg. von Jochen Vogt. München 1998.
  • Mimologiken. Reise nach Kratylien. Fink, München 1996, ISBN 978-3-7705-3073-1; Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 978-3-518-29111-5
  • Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches. Campus, Frankfurt am Main/New York 1989, ISBN 3-593-34061-5; Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-29110-6
  • Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-11683-5

Literatur[Bearbeiten]

  • Shlomith Rimmon-Kenan: „A comprehensive Theory of Narrative: Genettes 'Figures III' and the Structuralist Study of Fiction.“ In: PTL. A Journal for Poetics and Theory of Literature. 1976, 1, Seiten 33–62.

Weblinks[Bearbeiten]