Gérard Longuet

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Gérard Longuet

Gérard Longuet (* 24. Februar 1946 in Neuilly-sur-Seine, Hauts-de-Seine) ist ein französischer Spitzenbeamter und Politiker. Er war vom 27. Februar 2011 bis zum 15. Mai 2012 als Nachfolger von Alain Juppé der 21. französischen Verteidigungsminister der V. Republik.

Er war Minister in den beiden ersten Cohabitations-Regierungen, Abgeordneter der Nationalversammlung und dann Senator für das Département Meuse. Er war Präsident der Parlamentariergruppe UMP im Senat von 2009 bis 2011. Als Liberaler ist Gérard Longuet Vize-Präsident der Bewegung Les Réformateurs in der UMP.

Biographie[Bearbeiten]

Studium und erstes Engagement auf der extremen Rechten[Bearbeiten]

Nach der Schulzeit auf dem Lycée Henri IV in Paris begann Gérard Longuet ein Jura- und Literatur-Studium. 1966 wurde er vom Institut d’études politiques de Paris diplomiert. 1968 erhielt er ein Diplom d'études supérieures (DES) in Politikwissenschaft.

1964 nahm er gemeinsam mit Alain Madelin an der Schaffung der Bewegung Occident, teil, einer Organisation von Militanten der extremen Rechten in Frankreich, die oft in gewalttätige Auseinandersetzungen mit der extremen Linken verwickelt war.

1967 zeigte er seine Qualität als Anführer der Bewegung, als er als Mitinitiator eines von Occident geführten gewalttätigen Angriffs auf Studenten der extremen Linken an der Universität Rouen hervortrat. Einer der Angegriffenen fiel ins Koma,[1] Longuet wurde angeklagt und verhaftet. Er wurde am 12. Juli 1967 zu 1000 Franken Geldstrafe wegen Beihilfe zu „gewalttätiger bewaffneter und vorsätzlicher Körperverletzung“[2], zugleich mit einem Dutzend anderer Militanter der extremen Rechten, darunter Alain Madelin und Patrick Devedjian. Im Juni 1968 wurde er amnestiert. Über diese Begebenheit sagte er:

„J'assume avoir été d'extrême droite. On s'est simplement trompés sur le modèle colonial, qui ne pouvait perdurer. – Ich gehe davon aus zur extremen Rechten gehört zu haben. Es war einfach ein falsches koloniales Modell, das nicht überdauern konnte.[3]

1971 trat er in die École nationale d’administration (ENA) ein und verließ sie 1973 (Abschlussjahrgang François Rabelais). In der Zwischenzeit hatte er 1972 das erste Wirtschafts-Programm des Front national redigiert.[4]

Politische Karriere auf der parlamentarischen Rechten[Bearbeiten]

Nach seinem Abgang aus der ENA wurde er Direktor der Präfektenbüros von Eure (1973/74), Somme (1974–1976) und Büroleiter von Jacques Dominati, Staatssekretär von Premierminister Raymond Barre (1977–1978). 1978 wurde er als Abgeordneter des Départements Meuse für die Union pour la démocratie française-Parti républicain gewählt. Das Mandat verlor er 1981 nach der Wahl François Mitterrands zum Präsidenten. Mitglied des Conseil général de la Meuse seit 1979, wurde er 1982 Vize-Präsident.

Unter der Cohabitations-Regierung Chirac im Jahr 1986 war er verantwortlich für die Telekommunikation als Staatssekretär und dann stellvertretender Minister. Er verließ das Ministerium nach dem sozialistischen Sieg in den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 1988. Nach dieser Wahl kehrte er wieder auf seinen Sitz im Département Meuse zurück. Vorsitzender der Republikanischen Partei war er von 1990 bis 1995.

1992 wurde er Vorsitzender des Conseil régional de Lorraine. In dieser Funktion unterstützte er die Gründung des LGV Est européenne, vor allem den Bau des TGV-Bahnhofs Meuse.[5]

1993 wurde er in die Regierung von Édouard Balladur berufen. Er erhielt das Portfolio Telekommunikation mitsamt dem Ministerium für Industrie, Post, Telekommunikation und Außenhandel.

Wegen Unstimmigkeiten über die Finanzierung der Republikanischen Partei und den Bau seiner Villa musste er im Oktober 1994 aus der Regierung Balladur zurücktreten. Er unternahm einen neuerlichen zwischenzeitlichen Rückzug nach Lothringen.[6] Er wurde 1995 wegen der geheimen Finanzierung der Republikanischen Partei[7] angeklagt. Er profitierte von einer Entscheidung auf Nichtbefassung vom 8. März 2010, zum Teil dank des Amnestie-Gesetzes von 1990 über die Parteien-Finanzierung, auch da das Amnestiegesetz nur Strafverfolgungsmaßnahmen im Falle persönlicher Bereicherung erlaubte.[8][9]

Betreffend den Strafprozess wegen „Kredit-Missbrauch“ beim Bau seiner Villa in St.-Tropez (Var), wurde er freigesprochen, auch beim Appellationsgerichtshof in Paris im November 1998.[6] Auch in einer weiteren Angelegenheit wurde er im Oktober 2005 freigesprochen.[6][10]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gérard Longuet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frédéric Charpier, Génération Occident : de l'extrême droite à la droite, éd. du Seuil, 2005, S. 132.
  2. Frédéric Charpier, Génération Occident : de l'extrême droite à la droite, éd. du Seuil, 2005, S. 142.
  3. Quarante ans après, les anciens d'Occident revisitent leur passé, Le Monde, 13. Februar 2005
  4. Renaud Dély, Histoire secrète du Front national, Grasset.
  5. Pierre Roeder, « Ils ont fait le TGV Est », L'Express, 15. Juni 2006
  6. a b c « Gérard Longuet au ballon », infodujour.com, 16. Mai 2001
  7. « Financement présumé occulte du PR: Gérard Longuet mis en examen », Le Nouvel Observateur online, 23. Juni 2008
  8. « Non-lieu général pour les chefs de l'ex-parti républicain », Figaro, 8. März 2010
  9. « L'ex-ministre UMP Gérard Longuet blanchi », Le Journal du Dimanche, 8. März 2010
  10. « Pas de prison ferme au procès des marchés publics », TF1-La Chaîne Info, 26. Oktober 2005