Gëlle Fra

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Die Gëlle Fra
Detail

Gëlle Fra (dt.: Goldene Frau) ist der geläufige Name des Monument du Souvenir, eines Mahnmals auf der Place de la Constitution in Luxemburg (Stadt). Es wurde 1923 von Claus Cito geschaffen.

Überblick[Bearbeiten]

Das Monument besteht aus einem 21 m hohem Steinobelisken, der auf einem würfelförmigen Unterbau ruht und auf dessen Spitze eine vergoldete Frauengestalt steht. Die goldene Frau schaut von oben herab und hält mit erhobenen Händen einen Lorbeerkranz über die unten liegende Figur. Auf dem Sockel am Fuße des Obelisken befinden sich zwei männliche Bronzefiguren, eine liegend, weil tot, die andere daneben sitzend und trauernd. Beide stehen für die Opfer der Kriege.

Das Monument war ursprünglich zum Gedenken an die Luxemburger errichtet worden, die freiwillig in den französischen und belgischen Armeen gedient hatten und im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Es steht für den Frieden, den Sieg, und die Nation, die an ihre Kriegshelden erinnert.[1]

Wer für das Monument Modell stand, ist nicht bekannt. Die Skulptur ist wegen ihrer spärlichen Bekleidung heftig diskutiert worden. Vor allem in klerikalen Kreisen wurde die Skulptur als reinste Nudität und eine ästhetisch-künstlerische Ungeheuerlichkeit verurteilt.

Eine erneute Quelle von Aufregung war dann die provokative Skulptur „Lady Rosa of Luxembourg“ der kroatischen Künstlerin Sanja Iveković, welche die Originalfigur als schwangere Frau nachgebildet hatte.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Am 21. Oktober 1940 wurde das Denkmal von den nationalsozialistischen deutschen Besatzern im Beisein von einigen hundert Personen, unter denen sich viele Studenten befanden, vom Sockel gerissen. Wegen ihres starken Protestes wurden 13 von ihnen festgenommen. Außerdem wurden 48 Personen seitens der Sicherheitspolizei verhaftet, von denen 40 gleich wieder entlassen wurden und acht wegen rechtsfeindlicher Äußerungen, Tragens besonderer Abzeichen und wegen Widerstandes vorläufig in Polizeihaft verblieben, wie es in einem offiziellen Papier heißt. Diese Aktion führte zu ersten größeren Unmutskundgebungen der Luxemburger Bevölkerung.

Im Januar 1980 wurde die Skulptur von zwei Beamten der Stadt Luxemburg unter der Haupttribüne des städtischen Fußballstadions wiedergefunden. Erst zum Nationalfeiertag 1981 wurde die Entdeckung im Tageblatt bekanntgegeben. Nach umfassenden Restaurierungsarbeiten erhielt das Mahnmal sein ursprüngliches Aussehen zurück und konnte am 23. Juni 1985 im Beisein von Großherzog Jean und der Regierung neu eingeweiht werden.

Durch die Erlebnisse des Krieges und seine Geschichte erhielt das Denkmal eine neue Bedeutung. Heute erinnert das Denkmal an die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges sowie des Koreakrieges. Die Gëlle Fra ist das nationale luxemburgische Symbol für Freiheit und Widerstand des Luxemburger Volkes.

Ab dem 1. Mai 2010 tauscht die “Gëlle Fra“ für insgesamt sechs Monate ihren Sockel an dem hauptstädtischen Place de la Constitution gegen den Pavillon Luxemburgs auf der Weltausstellung in Shanghai.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Benoit Majerus: D'Gëlle Fra. In: Sonja Kmec (Hrsg.): Lieux de mémoire au Luxembourg. Erinnerungsorte in Luxemburg. 2. Auflage, Verlag Saint-Paul, Luxembourg 2008, ISBN 978-2-87963-705-1, S. 291-296. http://hdl.handle.net/10993/564
  2. Lady Rosa of Luxembourg zu N.Y. am MoMA rtl, 13. Dezember 2011
  3. „Gëlle Fra“ geht auf Reisen. Luxemburger Wort, 22. Februar 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Monument du souvenir Gëlle Fra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


49.6077777777786.1255555555556Koordinaten: 49° 36′ 28″ N, 6° 7′ 32″ O