Górowo Iławeckie

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Górowo Iławeckie
Wappen von Górowo Iławeckie
Górowo Iławeckie (Polen)
Górowo Iławeckie
Górowo Iławeckie
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Landkreis: Bartoszyce
Fläche: 3,32 km²
Geographische Lage: 54° 16′ N, 20° 29′ O54.26666666666720.483333333333Koordinaten: 54° 16′ 0″ N, 20° 29′ 0″ O
Einwohner: 4255
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 11-220
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NBA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 511: Toprzyny↔Lidzbark Warmiński
DW 512: SzczurkowoBartoszycePieniężno
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Kaliningrad
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde (mit Sitz einer Landgemeinde)
Fläche: 3,32 km²
Einwohner: 4255
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 1282 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2801021
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Jacek Kostka
Adresse: pl. Ratuszowy 18
11-220 Górowo Iławeckie
Webpräsenz: gorowoilaweckie.pl

Górowo Iławeckie [guˈrɔvɔ iwaˈvʲɛtskʲɛ] (deutsch Landsberg (Ostpreußen)) ist eine Stadt mit 4255 Einwohnern (Stand 30. Juni 2014) in Natangen. Sie gehört zum Powiat Bartoszycki der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Górowo Iławeckie liegt im historischen Ostpreußen, etwa 20 Kilometer westlich von Bartoszyce (Bartenstein) und 50 Kilometer südlich von Kaliningrad (Königsberg).

Geschichte[Bearbeiten]

Altes Stadtwappen
Landsberg nordöstlich von Wormditt, nordwestlich von Heilsberg und westlich von Bartenstein auf einer Landkarte von 1910.
Schloss Wildenhoff um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Die Stadt Landsberg (Ostpreußen) wurde am 5. Februar 1335 planmäßig durch den Deutschen Orden gegründet und hatte einen quadratischen Grundriss. Sie war mit Kulmer Recht bewidmet. Sowohl 1414 als auch im Ständekrieg 1456 wurde die Stadt zerstört, ein weiteres Mal bei einem großen Stadtbrand 1655. Landsberg zählte im Jahr 1440 zu den Gründungsstädten des Preußischen Bundes, der sich gegen die Oberhoheit des Deutschen Orden auflehnte, blieb aber nach dem Zweiten Thorner Frieden von 1466 unter der Herrschaft des Ordens. 1482 verpfändete dieser die Stadt an Nikolaus von Taubenheim. Die adlige Lehnsherrschaft wurde erst im Zuge der Preußischen Reformen im Jahr 1809 aufgelöst.

Der Großen Pest im Jahre 1710 fielen 767 von etwa 1000 Einwohnern zum Opfer.

Die Stadt wurde im Februar 1807 im Rahmen der Schlacht bei Preußisch Eylau von durchziehenden Truppen und kleineren Gefechten (bei Hoofe/Dwórzno, frz. Bataille de Hoff) in Mitleidenschaft gezogen. Napoleon Bonaparte hielt sich am 16./17. Februar 1807 in der Stadt auf, zahlreiche Verwundete und Gefangene mussten von den Einwohnern versorgt werden. An Hunger und Krankheiten starben in der Folge dieser Ereignisse allein im Februar und März 1807 im Kirchspiel Landsberg 400 Einwohner, im gesamten Jahr 1807 starb etwa die Hälfte der Stadtbevölkerung. 1809 hatte Landsberg noch 1126 Einwohner.

1811 zogen Teile der Grande Armée durch die Region Landsberg, etwa 40.000 französische und mit ihnen verbündete Soldaten lagerten in der Umgebung der Stadt.

1818 kam die Stadt zum Landkreis Preußisch Eylau. 1898 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz, 1908 wurde ein städtisches Gaswerk in Betrieb genommen, heute als technisches Museum zugänglich.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges erlitt die Stadt schwere Zerstörungen. Am 28. August 1914 besetzten russische Truppen die Stadt und wurden von zurückweichenden deutschen beschossen. Daraufhin wurde das Postamt sowie ein Wohnhaus und verschiedene Scheunen in Brand gesteckt, 7 Zivilisten wurden erschossen. Nach der Schlacht bei Tannenberg (1914) zogen sich die russischen Truppen zurück, deutsche zogen am 2. September 1914 kampflos in die Stadt ein.

Auch am Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 war Landsberg hart umkämpft. Nach der Eroberung durch die sowjetische Armee am 2. Februar 1945 kam die Stadt an Polen. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben. Bis 1960 war der jetzt Górowo Iławeckie genannte Ort Zentrum eines polnischen Landkreises.

Im Rahmen der gegen die ukrainische Bevölkerung im südlichen Polen gerichteten Aktion Weichsel im Jahre 1947 wurde ein großer Teil der dortigen Bevölkerung vertrieben und im Raum Górowo Iławeckie angesiedelt. Die ukrainische Minderheit unterhält in Górowo Iławeckie eine muttersprachliche Schule, ein kulturelles Zentrum dieser Minderheit.

Die Grenze zur neu geschaffenen Oblast Kaliningrad nahm der Stadt das nördliche Hinterland mit der alten Kreisstadt Preußisch Eylau, auf die sich der polnische Namenszusatz Iławeckie bezieht. Heute ist daher der Grenzhandel wichtig. Eine Partnerschaft mit der Stadt bzw. dem Landkreis Verden in Niedersachsen wird unterhalten, entstanden aus der Patenschaft mit dem früheren Landkreis Preußisch Eylau.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Anzahl Anmerkungen
1782 nahezu 1.200[2]
1875 2.746[3]
1880 2.751[3]
1890 2.455 davon 128 Katholiken und 67 Juden[3]
1933 2.740[3]
1939 3.117[3]
2008 4.406[4]
2012 4.381[5]
Rathaus in Górowo Iławeckie
Häuserzeile aus der Gründerzeit in Górowo Iławeckie

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Trotz starker Zerstörungen und der ungünstigen Grenzlage ist recht viel von der alten Stadt erhalten geblieben. Auch die planmäßige Stadtanlage mit dem großen Marktplatz ist noch gut zu erkennen. Besonders zu erwähnen sind:

  • Alte Kirche, bis 1945 evangelisch, seit 1980 ukrainisch-orthodox
  • Katholische Kirche St. Agatha, neugotisch, in beherrschender Lage über der Stadt
  • Heiliggeist-Hospital, Gebäude meist aus dem 18. Jahrhundert
  • Rathaus, im Kern gotisch, mehrfach umgebaut
  • Mühle mit teilweise mittelalterlicher Bausubstanz
  • Wohnhäuser des 19. Jahrhunderts und aus der Zeit des Wiederaufbaus nach dem Ersten Weltkrieg

Gmina Górowo Iławeckie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Gmina Górowo Iławeckie

Die Górowo Iławeckie ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde zu der die Stadt aber nicht gehört.

Sohn der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Górowo Iławeckie – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 22. November 2014.
  2. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 16.
  3. a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Ostpreußen: Landkreis Preußisch Eylau (2006).
  4. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2008. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF).
  5. Size and Structure of Population and Vital Statistics in Poland by Territorial Division in 2012. As of December 31. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF).