Göhrde

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Göhrde (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Göhrde
Göhrde
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Göhrde hervorgehoben
53.14055555555610.87805555555677Koordinaten: 53° 8′ N, 10° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Lüchow-Dannenberg
Samtgemeinde: Elbtalaue
Höhe: 77 m ü. NHN
Fläche: 40,71 km²
Einwohner: 630 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 15 Einwohner je km²
Postleitzahl: 29473
Vorwahl: 05862
Kfz-Kennzeichen: DAN
Gemeindeschlüssel: 03 3 54 006
Gemeindegliederung: 12 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
An der Bundesstraße 9
-Metzingen
29473 Göhrde
Bürgermeister: Thomas Stegemann
Lage der Gemeinde Göhrde im Landkreis Lüchow-Dannenberg
Mecklenburg-Vorpommern Sachsen-Anhalt Brandenburg Landkreis Lüneburg Landkreis Uelzen Neu Darchau Hitzacker Göhrde gemeindefreies Gebiet Göhrde Damnatz Karwitz Zernien Gusborn Langendorf Dannenberg (Elbe) Jameln Lüchow Wustrow Luckau (Wendland) Küsten Waddeweitz Clenze Bergen an der Dumme Schnega Lübbow Woltersdorf Lemgow Prezelle Trebel Gorleben Gartow Höhbeck Schnackenburg gemeindefreies Gebiet GartowKarte
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Göhrde ist eine Gemeinde im Landkreis Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen (Deutschland). Sie hat etwa 700 Einwohner und gehört zur Samtgemeinde Elbtalaue.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist Teil des Naturparks Elbhöhen-Wendland.

Der an die Gemeinde angrenzende Staatsforst Göhrde ist das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet Norddeutschlands.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Göhrde besteht seit der Gemeindegebietsreform von 1972 aus zwölf Ortsteilen. Zusätzlich existieren der Hof Kamerun und vier Forsthäuser. Der Sitz der Gemeindeverwaltung befindet sich in Metzingen.

  • Bredenbock
  • Dübbekold
  • Göhrde
  • Govelin
  • Kollase
  • Metzingen (Hauptort der Gemeinde)
  • Plumbohm
  • Sarenseck
  • Schmardau
  • Schmessau
  • Tollendorf
  • Wedderien
  • Forsthaus Mailage
  • Forsthaus Nadlitz
  • Forsthaus Schnadlitz
  • Forsthaus Zienitz
  • Hof Kamerun

Die Forsthäuser gehörten, wie auch Kollase, vor 1972 zur Gemeinde Göhrde, Hof Kamerun zur Gemeinde Sarenseck. Dübbekold wurde 1972 aus dem Landkreis Lüneburg in den Landkreis Lüchow-Dannenberg eingegliedert.

Geschichte[Bearbeiten]

Großsteingrab (Leitstade II) in der Göhrde, im Hintergrund die Bahnlinie von 1874
Nachstellung der Schlacht an der Göhrde (2013)
Ortsbild

Archäologische Funde lassen auf eine Besiedelung der Göhrde bereits in prähistorischer Zeit schließen. Zu den Bodendenkmälern in der Göhrde gehören vor allem zwei jungsteinzeitliche Großsteingräber bei Grünhagen (Leitstade I und II), die noch vor dem Jahre 2500 v. Chr. entstanden und der Opferstein von Plumbohm.

Die Göhrde war seit dem frühen 16. Jahrhundert ein beliebtes Jagdgebiet der Adligen. In den Jahren 1706 bis 1709 wurde im heutigen Ortsteil Göhrde nach Plänen von Louis Remy de la Fosse ein großes dreistöckiges Schlossgebäude mit etwa 100 Räumen sowie mehreren Nebengebäuden errichtet.

Ein Förster im Forsthaus Röthen, einer Ortslage von Göhrde, wurde bereits 1690 aktenkundig. Ein bekannter Stelleninhaber war der Forstmeister Ferdinand Wallmann (1826–1921), ehemals Gehegereiter in Hannover, dem die Stelle zum 1. Oktober 1868 übertragen wurde.[2]

Am 16. September 1813 besiegte die alliierte Nordarmee (vor allem russische und preußische Truppen) etwa 20 Kilometer westlich von Dannenberg (Elbe) bei Lüben (im Landkreis Lüneburg) die französischen Truppen Napoleons I. in der Schlacht an der Göhrde.

Nach 1819 wurden einzelne Gebäude des Jagdschlosses und 1827 auch das Schloss selbst abgebrochen. Erst nach der Errichtung des Königreiches Hannover 1837 renovierte man einige Gebäude, und die Göhrde wurde wieder zum fürstlichen Jagdrevier. Ab 1869 bis 1913 weilten die Deutschen Kaiser regelmäßig zur Jagd im Jagdschloss. Danach war das Jagdschloss ein Erholungszentrum für Beamte, ein Predigerseminar und ein Lazarett. 1957 wurde das so genannte Europahaus für Konferenzen und Seminare erbaut. Im Jahr 1977 entstand auf dem Gelände des abgerissenen Jagdschlosses ein Gästehaus.

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Bau der Wendlandbahn durch die Göhrde mit der Station Bahnhof Göhrde in Breese (1874 Eröffnung der Linie Buchholz–Lüneburg–Dannenberg–Wittenberge), die heute noch bis Dannenberg führt. Seit 1995 ist diese Verbindung überregional durch die jährlichen Castor-Transporte in das Atommüll-Zwischenlager Gorleben bekannt geworden, die über diese Strecke zum Verladebahnhof Dannenberg führen. Die Proteste gegen diese Transporte und das massive Aufgebot der Polizei haben das Wendland seitdem geprägt. So bieten Anwohner jedes Jahr Hunderten von Atomkraftgegnern ihre Scheunen und Häuser zur Übernachtung an. Die bundesweite Anti-Atom-Zeitschrift anti atom aktuell hat ihre Redaktion im Ortsteil Tollendorf.

Im Kalten Krieg war Sarenseck Standort einer Dauereinsatzstellung des Tieffliegermelde- und Leitdienstes der Luftwaffe (DEST TMLD), IV. FmRgt/33.

Die weiter südlich gelegene Eisenbahnlinie von Uelzen nach Dannenberg wurde 1981 für den Personenverkehr und in den 1990er Jahren ganz stillgelegt.

Bis zum 29. Januar 1976 war der Name der im Jahr 1972 neu gebildeten Gemeinde Metzingen.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Bredenbock, Dübbekold, Göhrde, Govelin, Plumbohm, Sarenseck, Schmardau, Schmessau, Tollendorf und Wedderien in die neue Gemeinde Metzingen eingegliedert.[3]

Ausgliederungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurden kleine Gebietsteile der Altgemeinde Göhrde an die Nachbargemeinde Himbergen (Landkreis Uelzen) abgetreten.[3]

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeinde Göhrde gehört zum Landtagswahlkreis 48 Elbe und zum Bundestagswahlkreis 38 Lüchow-Dannenberg – Lüneburg.[4][5]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat von Göhrde hat neun Mitglieder, die sich seit den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2006 auf folgende Parteien und Wählervereinigungen verteilen.

  • FDP – 4 Sitze
  • CDU – 2 Sitze
  • Grüne Liste Wendland – 2 Sitze
  • SPD – 1 Sitz

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Thomas Stegemann.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Gemeinde verläuft die Bundesstraße 216 LüneburgDannenberg.

Bildung[Bearbeiten]

Die Bildung hat die Göhrde seit Jahrzehnten geprägt. Das Jagdschloss Göhrde diente nach dem Ersten Weltkrieg erst als Beamtenerholungsheim, danach in den 1920er Jahren als Priesterseminar und später während der Zeit des Nationalsozialismus als Bildungsanstalt für Lehrerinnen. Nach 1946 wurde dort auch eine Heimvolkshochschule betrieben. Seit 2009 werden die historischen Gebäude und die Parkanlage des ehemaligen Jagdschlosses renoviert, um langfristig für ein neues europäisches Bildungskonzept zur Verfügung zu stehen. Im ehemaligen Hauptgebäude des Kaiserbahnhofs Göhrde in Breese arbeitet seit 1979 die Bildungsstätte Bahnhof Göhrde e.V.

An der Straße zwischen den Ortsteilen Göhrde und Dübbekold befindet sich das Naturum im ehemaligen Waldmuseum des Landkreises Lüchow-Dannenberg.

Der Ortsteil Bredenbock verfügt über einen Kindergarten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Göhrde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen, Band 54, Verlag von Julius Springer, Berlin 1922, S. 723.
  3. a b c  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 232 und 233.
  4. Landtagswahlkreise ab 16. Wahlperiode. Wahlkreiseinteilung für die Wahl zum Niedersächsischen Landtag. Anlage zu § 10 Abs. 1 NLWG, S. 4. (PDF; 87 KB).
  5. Beschreibung der Wahlkreise. Anlage zu § 2 Abs. 2 Bundeswahlgesetz. In: Achtzehntes Gesetz zur Änderung des Bundeswahlgesetzes. Anlage zu Artikel 1. Bonn 18. März 2008, S. 325. (PDF; 200 KB).