Gönnern

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50.8261111111118.4486111111111376Koordinaten: 50° 49′ 34″ N, 8° 26′ 55″ O

Gönnern
Gemeinde Angelburg
Gemeindewappen von Gönnern
Höhe: 376 m
Einwohner: 1500
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35719
Vorwahl: 06464

Gönnern ist ein Ortsteil der mittelhessischen Gemeinde Angelburg im Landkreis Marburg-Biedenkopf (Hessisches Hinterland).

Geographie[Bearbeiten]

Gönnern liegt im Tal des Gansbachs, einem Seitenbach der Perf im Gewässersystem der oberen Lahn im Breidenbacher Grund (Gladenbacher Bergland). Der Ort befindet sich etwa 12 km Luftlinie südlich der Städte Bad Laasphe und Biedenkopf, 15–18 km nordöstlich von Dillenburg und Herborn, sowie rund 30 Kilometer westlich von Marburg an der Lahn. Im Südwesten grenzt Gönnern an den Kneipp-Kur-Ort Bad Endbach.

Geschichte[Bearbeiten]

Urkundlich wurde Gönnern erstmals im Jahre 1296 als Gindernahe, „Wolfswasser“. Spätere Formen des Ortsnamens lauteten Ginderne, Gynderny, Gindern, Ginnern und letztlich Gönnern.

Am 1. Juli 1974 wurde Gönnern in die Gemeinde Angelburg eingegliedert, die am 1. April 1972 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Frechenhausen und Lixfeld entstanden war.[1]

Backhaus

Bauwerke[Bearbeiten]

Im Ortskern an der alten Hauptstraße befindet sich ein für Hessen seltenes kulturhistorisches Bauwerk, das 1712 aus Stein in Pyramidenform errichtete alte Backhaus. Sehenswert ist auch die vorbildlich restaurierte Alte Schule (spätere Bürgermeisterei) und die Rots-Villa, ein mit Kratzputz reich verzierter Fachwerkbau.

Viele historische Kleinodien und Baudenkmale fielen in den 1960er Jahren der Spitzhacke zum Opfer: das Hirtenhaus, die Assmanns-Mühle und die 1340 erbaute Wehrkirche (Abriss 1959).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die hügelige und waldreiche Umgebung des Ortes (mittlere Höhe 400 Meter über NN) erlaubt keine Landwirtschaft mit hohen Erträgen. Viehzucht, Forstwirtschaft und steinverarbeitendes Handwerk (Diabas), sowie Handwerksbetriebe der Metallverarbeitung und des Bauhandwerks bilden die Grundlage der heimischen Wirtschaft.

Eine regionalgeschichtliche Besonderheit ist der jährlich im Februar stattfindende Wintermarkt, ein Kram- und ehemaliger Viehmarkt in der Hauptstraße, der Gönnern einst als Marktflecken im Breidenbacher Grund auswies.

Verkehr[Bearbeiten]

Gönnern liegt, wie die anderen Ortsteile der Gemeinde Angelburg, Lixfeld und Frechenhausen, an der Scheldetalbahn DillenburgWallauBiedenkopf, die 1911/12 erbaut und 1987 stillgelegt wurde. Wenige Jahre danach wurde der gesamte Gleiskörper der Strecke abgebaut und verschrottet, Gleisdämme und Viadukte dem Zerfall preisgegeben oder eingeebnet. Heute wird der öffentliche Nahverkehr mit Bussen über die Schelde-Lahn-Straße betrieben.

Sport[Bearbeiten]

International sportlich bekannt wurde Gönnern durch den Tischtennis-Bundesligisten und zweimaligen Championsleague-Gewinner TTV Gönnern. Bekannteste Spieler des Vereins waren Timo Boll und Jörg Roßkopf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter, Elisabeth und Inge Debus: Geschichten aus unserem Dorf – Gönnern 1296–1996. Eine historische Ortsvermessung, Geschichten und Familienchroniken mit Dokumenten und historischen Fotografien. 752 S., ISBN 3-00-001109-9
  • Karl Huth: Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Landkreises Biedenkopf. Biedenkopf 1962
  • Hans Friebertshäuser: Mundart und Volksleben im Altkreis Biedenkopf. Biedenkopf 1998
  • Kerstin Werner: Wandern zwischen zwei Welten – Die Geschichte der Hinterländer / Arbeitsmigration in der Wetterau. In: Die Wetterau (Hrsg.: Michael Keller, Herfried Münkler), Verlag Sparkasse Wetterau 1990, ISBN 3-924103-06-2
  • Regina Klein: In der Zwischenzeit, Psychosozialverlag Gießen, 2003, ISBN 3-89806-194-9
  • Kurt Werner Sänger: schwortswaise raabooche – Stille rauhe Wörter aus dem Hinterland, Illustrationen von Klaus Schlosser, Jonas Verlag, Marburg 1987, ISBN 3-922561-53-5
  • Kurt Werner Sänger Hinterländer Totentanz – Gönnernsche Ode an den Tod, Fotos von Rudolf Kraft, Europäische Totentanz-Vereinigung / Danses Macabres d’Europe, Düsseldorf, ISSN 168-7962
  • Odermennig: Gemorje Hinnerlaand – Lieder, Lyrik & Burlesken, Langspielplatte, Regie: Alwin Michael Rueffer, Illustrationen von Wolfgang Rudelius, Quadriga Ton, Frankfurt 1984, GEMA QU 9083
  • Odermennig: deheem – odermennig und das hinterland, Fernsehfilm, Regie: Wolfgang Würker, Hessischer Rundfunk, Frankfurt 1987.
  • Ulrike Koeppchen: Bembelsänger, Dippegucker, Ossenköppe – Dialekte und regionale Identität, Sendemanuskript, Regie: Volker Bernius, Hessischer Rundfunk, Frankfurt 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 350 und 351.