Gülper See

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Gülper See
Gülper See 29-05-2010 075.jpg
Geographische Lage 70 km westl. Berlin
Zuflüsse Rhin
Abfluss Rhin
Orte in der Nähe Rhinow, Rathenow
Daten
Koordinaten 52° 44′ 23″ N, 12° 15′ 18″ O52.73982512.25490623.6Koordinaten: 52° 44′ 23″ N, 12° 15′ 18″ O
Gülper See (Brandenburg)
Gülper See
Höhe über Meeresspiegel 23,6 m ü. NHN
Fläche 6,6 km²dep1f5
Länge 3,5 kmf6
Breite 1,5 kmf7
Maximale Tiefe 3 mf10
Mittlere Tiefe 1,5 mf11

Der Gülper See in der Gemeinde Havelaue liegt ca. 70 km westlich von Berlin am Westrand von Brandenburg, im Nordwesten des Landkreises Havelland zwischen den Dörfern Gülpe, Prietzen, Kietz und Strodehne. Er ist etwa 660 ha groß (Ausdehnung 3,5 km in Ost-West- und 1,5 km in Nord-Süd-Richtung) und liegt 23,6 m ü. NHN. In ost-westlicher Richtung wird er vom Rhin durchflossen, der unmittelbar danach in die Havel mündet, in deren Überschwemmungsbereich sich der See befindet. Seit 1967 steht er unter Naturschutz.

Gülper See

Entstehung und Charakteristik[Bearbeiten]

Der Gülper See ist ein Glazialsee, d. h. er entstand infolge der Weichsel-Eiszeit aus einer durch Gletscher-Schmelzwasser ausgewaschenen Mulde im Zusammenfluss von Eberswalder und Berliner Urstromtal. Seine Tiefe beträgt nur etwa ein bis zwei, im Bereich des Abflusses auch bis zu drei Meter. Noch vor 25 Jahren war er ein eutropher, wasserpflanzenreicher Klarwassersee, der sich inzwischen aufgrund verstärkter Nährstoffzufuhr zu einem Trübsee mit starker Entwicklung von Phytoplankton („Algenblüte“) und Sichtweiten unter 50 cm im Sommerhalbjahr entwickelt hat.

Große Ablagerungen von schlammigen Sedimenten (Gyttja, Halbfaulschlamm) entstanden vor allem im Westen, Norden und Nordosten, hier säumen den See breite Schilfgürtel. Der Wasserstand der Elbe und ihr Rückstau in die Havel beeinflussen die hydrologischen Verhältnisse des Gebietes maßgeblich. Auf Grund der geringen Erhebung des Geländes über den mittleren Wasserstand der Havel und wegen des geringen Gefälles von Havel und Rhin gibt es lang anhaltende Überschwemmungen auf den Gebieten rings um den Gülper See. Im Südosten und Süden gehen die flachen Ufer in extensiv beweidete Grünland- und Magerrasen-Vegetation über. Die weitere Umgebung bilden vor allem Feuchtwiesen, vereinzelt auch Äcker und Gehölze (Weiden und Pappeln, im Süden Kiefernforste); der Gülper See hat also – im Gegensatz zu vielen anderen Seen der Region – einen sehr „offenen“ Charakter.

Naturschutz[Bearbeiten]

Der See bildet den Kern des 970 ha großen „NSG Gülper See“, das bereits seit 1967 besteht, als erst ein Bruchteil der heutigen Naturschutzgebiete existierte. Das NSG ist wiederum Bestandteil des Naturparks Westhavelland, des größten Schutzgebietes in Brandenburg. Die herausragende Bedeutung als Brut- bzw. Rastgebiet für Limikolen, Gänse, Enten und Kraniche führte (zusammen mit der Unteren Havelniederung) zur Einstufung als Feuchtgebiet Internationaler Bedeutung (FIB) im Rahmen der Ramsar-Konvention. Am 5. August 2009 wurde der Gülper See gemeinsam mit weiteren Flächen der NABU-Stiftung Nationales Naturschutzerbe übertragen.[1]

Der Gülper See ist seit langem bekannt als europaweit bedeutsamer Rastplatz für Bläss- und Saatgänse, die sich hier im Frühjahr und Herbst zu mehreren Zehntausend aufhalten. Auch als Schlafplatz für Kraniche gewinnt er immer mehr an Bedeutung – im Oktober 2006 verbrachten hier zeitweise an die 10.000 dieser beeindruckenden Großvögel die Nächte. Das Schauspiel der in der Abenddämmerung von allen Seiten laut trompetend zum See fliegenden Kraniche lockt zunehmend Touristen in die Gegend.

Auch viele andere z. T. seltene und gefährdete Vogelarten brüten oder rasten hier, wie Singschwäne, viele Enten- und Limikolenarten, Kormoran, See- und Fischadler, Rot- und Schwarzmilan, Rohrweihe, Rohrdommel, Grauammer, Braunkehlchen, Beutel- und Bartmeise. Eine floristische Besonderheit ist die vollständige Serie der Flachmoor-Verlandungs-Gesellschaften westlich und östlich des Sees.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gülper See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Platzeck begrüßt Flächenübertragung an NABU-Stiftung Pressemitteilung Staatskanzlei Land Brandenburg vom 5. August 2009