Wildberg (Schwarzwald)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Gültlingen (Wildberg))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Wildberg
Wildberg (Schwarzwald)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Wildberg hervorgehoben
48.6238888888898.7472222222222395Koordinaten: 48° 37′ N, 8° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Calw
Höhe: 395 m ü. NHN
Fläche: 56,68 km²
Einwohner: 9644 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 170 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72218
Vorwahl: 07054
Kfz-Kennzeichen: CW
Gemeindeschlüssel: 08 2 35 080
Stadtgliederung: 5 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Marktstraße 2
72218 Wildberg
Webpräsenz: www.wildberg.de
Bürgermeister: Ulrich Bünger
Lage der Stadt Wildberg im Landkreis Calw
Ostelsheim Enzkreis Landkreis Karlsruhe Landkreis Karlsruhe Landkreis Böblingen Landkreis Tübingen Landkreis Rastatt Landkreis Freudenstadt Pforzheim Bad Herrenalb Dobel Höfen an der Enz Unterreichenbach Schömberg (Landkreis Calw) Oberreichenbach (Schwarzwald) Bad Liebenzell Althengstett Calw Bad Teinach-Zavelstein Bad Wildbad Enzklösterle Neuweiler Simmersfeld Altensteig Rohrdorf (Landkreis Calw) Egenhausen Haiterbach Nagold (Stadt) Wildberg (Schwarzwald) Ebhausen Neubulach Gechingen Ostelsheim Simmozheim SimmozheimKarte
Über dieses Bild

Wildberg ist eine Stadt im Landkreis Calw in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Hirschbrücke über die Nagold
Kernstadt

Wildberg liegt im Nagoldtal in 350 bis 630 Meter Höhe. Der alte Ortskern schmiegt sich in eine Ω-förmige Schleife des Flusses.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Wildberg gehören die Teilgemeinden Effringen, Gültlingen, Schönbronn und Sulz am Eck. Zu Effringen gehört das Dorf Effringen, das Gehöft Trölleshof und die Häuser Ziegelhütte, die mit Effringen eine bauliche Einheit bilden. Zu Gültlingen gehört das Dorf Gültlingen, das Gehöft Haselstall und die Häuser Lerchenberg, Obere Papiermühle, Untere Papiermühle und Untere Sägemühle. Zu den Teilgemeinden Schönbronn und Sulz am Eck gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zur Stadt Wildberg in den Grenzen von 1970 gehört die Stadt Wildberg, die ehemalige Klosteranlage Reutin und die Höfe Käpfleshöfe und Kengelhöfe. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Gültlingen liegen die Wüstungen Berfeldingen und Weiler sowie die abgegangene Burg Gaisburg und im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Sulz am Eck liegt die Wüstung Weiler.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Stich von Matthäus Merian

In Gültlingen wurde das Grab eines alamannischen Adeligen aus der Völkerwanderungszeit (Datierung etwa um 460-480 n. Chr.) gefunden. Unter den Grabbeigaben war ein prächtiger Spangenhelm und eine Goldgriffspatha. Die Fundstücke werden heute im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart aufbewahrt. Derartige Waffen waren der Führungsschicht vorbehalten, was auf eine bedeutende Stellung des Ortes in dieser frühen Zeit hinweist.

Wildberg wurde 1237 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als es von der Herrschaft der Tübinger Pfalzgrafen an die Grafen von Hohenberg kam. 1364 wurde Wildberg kurpfälzisch und 1440 württembergisch. Es wurde bis 1807 Sitz eines württembergischen Amts. 1618 wurde die Burg nach einem Brand, der infolge eines Blitzschlags ausbrach, zerstört. Sie wurde erst 1698 als Schloss wiederaufgebaut und am 22. Februar 1945 bei einem Luftangriff zerstört.

1838 gründete der aus Simmozheim stammende Pfarrer Karl Georg Haldenwang (1803–1862) in Wildberg mit dem „Rettungshaus für schwachsinnige Kinder“ die erste behindertenpädagogische Einrichtung in Süddeutschland.[3]

Die heutige Stadt wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Stadt Wildberg und der Gemeinden Effringen, Gültlingen und Sulz am Eck neu gebildet. Bereits am 1. April 1971 wurde Schönbronn nach Wildberg eingemeindet.

Religionen[Bearbeiten]

Wildberg ist seit der Reformation evangelisch geprägt. Die evangelischen Kirchengemeinden von Wildberg sowie der Ortsteile Effringen, Schönbronn, Gültlingen und Sulz am Eck gehören zum Kirchenbezirk Nagold. Die katholische Kirche Wildberg gehört zur Kirchengemeinde St. Petrus und Paulus Nagold und damit zur Seelsorgeeinheit Oberes Nagoldtal und zum Dekanat Calw.

Einwohnerzahlentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner¹
1871 4.713
1880 4.790
1890 4.640
1900 4.423
1910 4.551
1925 4.609
1933 4.486
1939 4.561
Jahr Einwohner¹
1950 4.938
1961 5.056
1970 6.138
1975 6.874
1980 7.755
1985 8.347
1990 9.315
1995 10.153
Jahr Einwohner¹
2000 10.192
2005 10.128
2010 9.889
2011 9.858

¹ laut Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; bis 1970 Volkszählungsergebnisse, ab 1975 Fortschreibungen jeweils zum 31. Dezember des Jahres.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2014 ergaben folgende Sitzverteilung:

CDU 10 Sitze
FW 6 Sitze
SPD 3 Sitze
Grüne 2 Sitze
FDP 1 Sitz

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Wappens lautet: „In geteiltem Schild oben in Silber eine liegende schwarze Hirschstange, unten in Rot der silberne lateinische Großbuchstabe W.“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Wildberg ist durch die Nagoldtalbahn (PforzheimHorb am NeckarTübingen) an das überregionale Schienennetz angebunden.

Busse nach Gärtringen und Herrenberg fahren stündlich, somit besteht Anschluss zur S-Bahn Stuttgart und zur Ammertalbahn Richtung Tübingen und Reutlingen.

Die wichtigste Durchgangsstraße ist die gleichfalls dem Verlauf des Nagoldtals folgende Bundesstraße 463. Über die an Deckenpfronn und Gärtringen vorbei führende Landstraße L357 sowie die L358 über Sulz am Eck und Herrenberg ist die A81 in wenigen Minuten erreicht.


Zwischen Mai 2009 und Juli 2013 betrieb die Stadt ein Pilotprojekt Stadtbus, das vor allem die Mobilität von Senioren und gehandicapten Menschen fördern sollte. Tagsüber verband ein behindertengerechte Mini-Niederflurbus im Stundentakt alle Siedlungen und Ortsteile Wildbergs miteinander. In den Wohngebieten war ein „Halt auf Zuruf“ möglich, im Stadtzentrum wurden feste Haltestellen angefahren.[4] Mit finanzieller Unterstützung des Landkreises war der Stadtbus tariflich in die Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw mit Bahn und Regionalbussen eingebunden. Diese besondere Betriebsform wurde im Juli 2013 beendet, da der zwischen 7 Uhr bis 18 Uhr verkehrenden Stadtbus statt der anvisierten Senioren überwiegend durch junge Menschen am Nachmittag genutzt wurde. Danach setzte die Stadtverwaltung zum 1. September 2013 wieder auf einen normalen Linienfahrplan, mit einem Schwerpunkt auf der regionalen Anbindung an S-Bahn-Stationen im Nachbarkreis Böblingen.[5]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Wildberg verfügt über eine Haupt- und Realschule, welche im "Bildungszentrum Wildberg" zusammengefasst sind. Außerdem gibt es in der Kernstadt und den Ortsteilen Effringen, Sulz am Eck und Gültlingen jeweils eine Grundschule.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

Das Kloster Reuthin von Wildberg
Wildberg Schlossruine

Das städtische Heimatmuseum befindet sich im ehemaligen Kloster Reuthin.

Vereine[Bearbeiten]

  • Liederkranz Schönbronn: Gemischter Chor, gegründet im Jahre 1899, ca. 35 aktive Sängerinnen und Sänger.
  • Stadtkapelle Wildberg: Ca. 40 aktive Musiker, gegründet 1884
  • Trachtengruppe Wildberg: Ca. 40 Mitglieder, gegründet 1953
  • TSV Wildberg:gegründet 1861
  • Schwarzwaldverein Wildberg:gegründet (1898),1948
  • Narrenzunft Wildberg 1992 e.V.

Bauwerke[Bearbeiten]

Auf dem Lerchenberg, an der Gemarkungsgrenze zu Deckenpfronn, befindet sich die Funkstelle Lerchenberg der Landespolizeidirektion Karlsruhe. Zu ihr gehören ein 81 Meter hoher Fernmeldeturm und eine unterirdische Bunkeranlage.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das Schäferkönigspaar vom Schäferlauf Wildberg 2010

Der damalige Landsherr Herzog Eberhard Ludwig zu Württemberg errichtete im Jahre 1723 für die Besorgung berufsständiger Anliegen der Schäfer eine sogenannte Nebenlade zur Hauptlade in Markgröningen. Seit dieser Zeit findet immer am dritten Juli-Wochenende in den geraden Jahren in Wildberg der Schäferlauf statt, ein Brauchtums- und Heimatfest rund um die Schäferei. Eröffnet wird der Schäferlauf mit dem Heimatspiel „Der Klosterschäfer und des Teufels Puppenspieler“ von Eugen Memminger. Dieses Stück wird seit 1954 durch eine Laienspielschar aufgeführt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Im 16. Jahrhundert wirkte der württembergische Reformator Andreas Cellarius in Wildberg als Pfarrer.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Albert Kappis (1836–1914), Maler und Lithograf
  • Georg Jakob Roller (1774–1857), Pädagoge und Gründer einer Taubstummenschule in Friedberg (Hessen)
  • Dieter Dengler (1938–2001), US-amerikanischer Kampfflieger
  • Werner Nestle (* 1939 im Ortsteil Gültlingen), Sonderpädagoge und Professor an den Pädagogischen Hochschulen Reutlingen und Ludwigsburg

Sonstiges[Bearbeiten]

Nach der Stadt Wildberg ist der Asteroid Wildberg benannt, der 2005 am Observatorium Wildberg entdeckt wurde.

Die prominentesten Bürger der Stadt sind das Schauspielerehepaar Walter Schultheiß und Trudel Wulle.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 516–520
  3. Kurzbiografie Karl Georg Haldenwangs, Stadtarchiv Heilbronn
  4. Kreis hilft bei Stadtbus. Gäubote, 5. Februar 2009
  5. Busse fahren halbstündlich zur S-Bahn. Schwarzwälder Bote, 30. August 2013

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wildberg (Schwarzwald) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien