Günter Behnisch

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Günter Behnisch (* 12. Juni 1922 in Lockwitz bei Dresden; † 12. Juli 2010 in Stuttgart) war ein deutscher Architekt und Professor für Architektur. Weltweite Bekanntheit erlangte er durch den Bau des Münchner Olympiageländes (1967–1972).

Leben[Bearbeiten]

Stuttgart, Hysolar-Haus.
Das 1969 errichtete Sonnensegel im Dortmunder Westfalenpark gilt als Experimentalbau für die Machbarkeit der freitragenden Dachkonstruktion, die im Münchener Olympiastation verwirklicht wurde.
Das 1972 fertiggestellte Münchener Olympiastadion, Hauptort der Olympischen Sommerspiele 1972.
Der 1992 fertiggestellte neue Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn (heute Teil des Bonner Bundeshauses).
Der markante Kontrollturm am Flughafen Nürnberg

Günter Behnisch wuchs zunächst in Dresden auf. 1934 zog seine Familie mit ihm als 12-Jährigem nach Chemnitz um. Noch keine 18 Jahre alt, wurde er 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Während des Zweiten Weltkriegs war Behnisch U-Boot-Kommandant (U 2337) und geriet in britische Kriegsgefangenschaft. 1947 kehrte er von England nach Deutschland zurück, wo er von 1947 bis 1951 an der Technischen Hochschule Stuttgart Architektur studierte. Anschließend arbeitete er von 1951 bis 1952 im Architekturbüro von Rolf Gutbrod in Stuttgart.

1952 gründete Behnisch in Stuttgart sein eigenes Büro, das er bis 1956 mit Bruno Lambart betrieb. 1966 wurde die Architektengruppe Behnisch & Partner gegründet, die Behnisch unter wechselnden Namen jeweils mit einem oder mehreren Partnern führte. Das Büro besteht bis heute. 1989 gründete sein Sohn Stefan Behnisch ein Zweigbüro in Stuttgart, das 1991 eigenständig wurde und inzwischen unter dem Namen Behnisch Architekten weltweit agiert. Von 1967 bis 1987 war Günter Behnisch ordentlicher Professor für Entwerfen, Industriebau und Baugestaltung an der Technischen Universität Darmstadt sowie gleichzeitig Direktor des dortigen Instituts für Normgebung.

1982 wurde Behnisch Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und 1984 zum Ehrendoktor der Universität Stuttgart ernannt. 1996 wurde er zum Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste berufen, deren Klasse Baukunst er bis 2000 leitete.

Günter Behnisch war verheiratet und hatte zwei Töchter und einen Sohn. Er starb nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren in Stuttgart.

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Werk[Bearbeiten]

Hauptartikel: Behnisch & Partner

Günter Behnisch galt als einer der wichtigsten Vertreter der modernen Architektur in Deutschland und als „Verfechter des demokratischen Bauens ohne jede Status- und Machtsymbolik“, er wurde als „Baumeister der Demokratie“ bezeichnet. Die von ihm geschaffenen Gebäude, bei denen er „Freiheit in gläsern-luftige Formen“ brachte, prägten das Bild der Bundesrepublik Deutschland in der Welt. Hierzu trug insbesondere das von der Architektengruppe Olympiapark im Büro Behnisch & Partner anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1972 von 1967 bis 1972 erstellte Olympiagelände in München bei, wo das von Frei Otto für die Weltausstellung 1967 in Montreal konzipierte „schwebende Dach“ weiterentwickelt wurde. Bekannt wurde das Büro auch mit dem Auftrag des 1992 fertiggestellten neuen Plenarsaal des Deutschen Bundestags in Bonn (heute Teil des Bonner Bundeshauses) bei. Für das gemeinsam mit Frei Otto entwickelte Münchener Olympiastadion wurde Behnisch weltberühmt.[1][2]

Filme[Bearbeiten]

  • Günter Behnisch, Architekt. Dokumentation und Gespräch, Deutschland, 2001, 28 Min., Moderation: Markus Brock, Regie: Stefan Bub, Produktion: SWR, Reihe: Treffpunkt bei ..., Film-Daten von ARD und Daten der SLUB.
  • Die Schönheit der Transparenz – der Architekt Günter Behnisch. Dokumentarfilm, Deutschland, 1996, Min., Buch und Regie: Joachim Haupt und Sabine Pollmeier, Produktion: Parnass Film.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jana Bille, Beate Ritter (Hrsg.): Günter Behnisch zum 75. Geburtstag. Eine Festschrift. (anläßlich der Ausstellung „Günter Behnisch: Architekturmodelle“ vom 15. November 1997 bis 18. Januar 1998, Städtische Kunstsammlungen Chemnitz) Chemnitz 1997, ISBN 3-930116-09-X.
  • Peter Blundell Jones: Günter Behnisch. (übersetzt von Nora von Mühlendahl) Birkhäuser, Basel / Berlin / Boston 2000, ISBN 3-7643-6046-1.
  • Günter Behnisch, Stefan Behnisch, Günther Schaller: Behnisch, Behnisch & Partner. Bauten und Entwürfe. Birkhäuser, Basel / Berlin / Boston 2003, ISBN 3-7643-6931-0.
  • Folkhard Cremer: Vollmontage-Schulen im Dienste der offenen Gesellschaft. Die Schulbauten des Büros Günter Behnisch aus den 1960er Jahren. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 40. Jahrgang 2011, Heft 3, S. 143–149 (PDF).
  • Elisabeth Spieker: Günter Behnisch. Die Entwicklung des architektonischen Werkes: Gebäude, Gedanken und Interpretationen. Dissertation, Universität Stuttgart, Stuttgart 2006. (online abrufbar im Volltext)
  • Jörg H. Damm (Hrsg.), Oliver Zybok u.a.: Kurskorrektur. Architektur und Wandel in Bonn. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2002, ISBN 3-7757-1269-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Günter Behnisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatArchitekt des gläsernen Deutschlands. Spiegel Online, 12. Juli 2010, abgerufen am 13. Juli 2010.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKatrin Voermanek: Häuser für eine humane Gesellschaft. Stuttgarter Zeitung, 13. Juli 2010, abgerufen am 13. Juli 2010.