Günter Grass-Haus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Günter-Grass-Haus (Fassade)

Das Günter-Grass-Haus ist ein Gebäude in der Lübecker Altstadt, das dem literarischen, malerischen und plastischen Schaffen des bei Lübeck lebenden Literaturnobelpreisträgers Günter Grass gewidmet ist. Träger des im Oktober 2002 eröffneten Hauses ist die Kulturstiftung Hansestadt Lübeck.

Einrichtung[Bearbeiten]

Das Günter-Grass-Haus wurde als Forum für Literatur und bildende Kunst im Jahr 2002 in der Glockengießerstraße 21 in Lübeck eröffnet. Der Schwerpunkt des Museums ist die Erforschung und Vermittlung des Zusammenwirkens von Literatur und bildender Kunst im Werk von Günter Grass.

Der 1927 in Danzig geborene Schriftsteller, Grafiker und Bildhauer lebt bereits seit 1986 in der Nähe der Hansestadt, sein Sekretariat befindet sich im selben Gebäude. Trotz der räumlichen Nähe zu seinem Namensgeber arbeitet das Günter Grass-Haus wissenschaftlich unabhängig. Für die interdisziplinäre Forschung steht dem Museum eine Sammlung mit mehr als 1.100 originalen Zeichnungen, Lithographien, Aquarellen und Radierungen sowie zahlreichen Manuskripten aus dem Vorlass des Künstlers zur Verfügung.

Träger des Günter-Grass-Hauses ist die Kulturstiftung Hansestadt Lübeck. Der Freundeskreis Günter Grass Haus e.V. unterstützt und fördert die Arbeit des Museums. Mitglieder des Freundeskreises sind neben Bürgern Lübecks auch Persönlichkeiten der Öffentlichkeit wie Mario Adorf, Günter Netzer, Eva Menasse, Frank-Walter Steinmeier, Volker Schlöndorff, Ulrich Wickert.

Standort[Bearbeiten]

Das sanierte Altstadthaus in der Glockengießerstraße befindet sich unterhalb der Katharinenkirche. Im Innenhof ist ein Skulpturengarten mit originalen Bildhauerarbeiten von Günter Grass zu sehen – wie die Skulptur „Der Butt im Griff“. Jedes Jahr im Sommer findet hier ein großes Kinderfest mit wechselnden Themen sowie eine Museumsnacht statt. Über den Innenhof besteht eine Verbindung mit der Außenstelle der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung in der Königstraße, dem 2007 eröffneten Willy-Brandt-Haus Lübeck.

Ausstellung[Bearbeiten]

Die Sammlungsausstellung wurde im Jahr 2012 komplett überarbeitet. Unter dem Titel „Das Ungenaue genau treffen“ bietet sie seitdem Einblicke in den Schaffensprozess des Künstlers und zeigt Verbindungslinien in seinen Wort- und Bildwelten auf. Die Schau beleuchtet in fünf Modulen Facetten aus Grass’ Leben und Werk. Aktuell sind folgende Themenkreise zu sehen: Der Nationalsozialismus und seine Folgen, Politisches Engagement, Skandale, Literatur und bildende Kunst sowie Sexualität in seinem Werk. Eines der Module wird jährlich zu Grass’ Geburtstag im Oktober ausgetauscht. Die Besucher können am Ende des Rundgangs darüber abstimmen, welcher Aspekt aus seinem Leben und Werk künftig in der Ausstellung gezeigt werden soll.

Das Museum präsentiert zudem in einer viel beachteten Sonderausstellungsreihe andere Künstler, die wie Grass in mehr als einer Disziplin arbeiten. Zu den Doppel- und Mehrfachbegabungen, die das Haus bisher gezeigt hat, zählen Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse, Wilhelm Busch, Friedrich Dürrenmatt, Gottfried Keller, Arno Schmidt, Ernst Barlach, Janosch, Robert Gernhardt, John Lennon, Markus Lüpertz und Cornelia Funke[1].

Literatur[Bearbeiten]

  • Kai Artinger, Hans Wißkirchen (Hrsg.): „Wortbilder und Wechselspiele“. Das Günter Grass-Haus. Forum für Literatur und bildende Kunst. Göttingen 2002.
  • Hans Wißkirchen (Hrsg.): Die Vorträge des 1. Internationalen Günter Grass-Kolloquiums im Rathaus zu Lübeck. Lübeck 2002.
  • Kai Artinger (Hrsg.): „Diesseits und jenseits von Arkadien“. Goethe und Grass als Landschaftszeichner. Göttingen 2004.
  • Kai Artinger (Hrsg.): Hubertus Giebe. Grafiken zu dem Roman „Die Blechtrommel“. Lübeck 2005.
  • Günter-Grass-Haus (Hrsg.): Die Unsterblichen. Die Bilderwelt des „Weiten Feldes“ von Günter Grass. Lübeck 2005.
  • Günter-Grass-Haus (Hrsg.): Von der Arbeit an der Erinnerung. Zu Günter Grass „Beim Häuten der Zwiebel“. Lübeck 2007.
  • Stefanie Wiech, Hans Wißkirchen (Hrsg.): Günter Grass. Schriftsteller und Bildkünstler. Lübeck 2007.
  • Jörg-Philipp Thomsa, Stefanie Wiech (Hrsg.): Ein Bürger für Brandt. Der politische Grass. Lübeck 2008.
  • Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): Ein Buch schreibt Geschichte. 50 Jahre „Die Blechtrommel“. Lübeck 2009.
  • Jörg-Philipp Thomsa, Viktoria Krason (Hrsg.): Von Danzig nach Lübeck. Günter Grass und Polen. Z Gdanska do Lubeki. Günter Grass i Polska. Lübeck 2010.
  • NABU, Günter-Grass-Haus (Hrsg.): „Wolken überm Wald“. Eine Ausstellung des NABU in Zusammenarbeit mit dem Günter Grass-Haus. Lübeck 2011.
  • Andrea Fromm, Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): „Idyllenjäger“. Gottfried Keller als Maler. Lübeck 2012.
  • Tatjana Dübbel, Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): „Unruhe im Olymp“. Gedichte, Zeichnungen und Skulpturen von Markus Lüpertz. Lübeck 2013.
  • Jörg-Philipp Thomsa (Hrsg.): Das neue Grass-Haus. Lübeck 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Günter Grass-Haus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tilman Spreckelsen: Cornelia Funke-Ausstellung. Die wilden Märchenhelden malt sie selbst. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juni 2014.

53.86944444444410.69Koordinaten: 53° 52′ 10″ N, 10° 41′ 24″ O