Günter Rittner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Günter Rittner (* 11. März 1927 in Breslau, Schlesien) ist ein deutscher Maler und Grafiker. Er zählt zu den bedeutendsten deutschen Porträtmalern des 20. und 21. Jahrhunderts. Mit seinen Bildern von Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger begründete Altbundeskanzler Helmut Schmidt 1976 die Kanzlergalerie im Bundeskanzleramt.

Selbstbildnis aus dem Jahre 1997

Leben[Bearbeiten]

Bereits mit sechs Jahren fertigte Rittner Porträtzeichnungen seiner Großeltern an. 1939 zeichnete er Soldaten und Verwundete in einem Lazarett im Riesengebirge, und begann im selben Jahr Abendkurse im Naturzeichnen an der Kunstgewerbeschule in Breslau zu besuchen, wo er seinen Künstlerfreund – den Maler und Grafiker – Hans-Ulrich Buchwald kennenlernte.

Mit seinem ersten Selbstbildnis in Öl gewann er 1943 den 1. Preis bei einem Provinzwettbewerb. Von seinem Vater gedrängt, Kunsterzieher zu werden, erschien für Rittner unmöglich. Sich an eine vorgeschriebene Arbeitszeit zu halten lag nicht in seinem Freiheitsnaturell. Nach der Einberufung zum Wehrdienst 1944 geriet Rittner 1945 in englische Kriegsgefangenschaft. Dort malte er zunächst mit geliehenem Bleistift Mitgefangene, als Modelle auf Toilettenpapier, dann die Wachmannschaften und schließlich den englischen Lagerkommandanten in Pastell, der ihm daraufhin die Farben besorgen ließ. Nach der Entlassung im selben Jahr konnte er durch Porträts von Angehörigen der amerikanischen Besatzungsmacht sein Studium finanzieren und seine Begabung weiter vertiefen. 1948 fand er eine zweite Heimat in München und besuchte bis 1953 die Akademie der Bildenden Künste. Seine Lehrmeister waren die Professoren Josef Hillerbrand und Walther Teutsch. Das während der Soldatenzeit in unmittelbarer Nähe erlebte Leiden und Sterben der Menschen drängte nun zum Ausdruck. Die Vorbilder Edvard Munch, Ernst Barlach und Käthe Kollwitz inspirierten ihn in ähnlicher Weise wie Paul Cézanne, van Gogh, Gauguin und Toulouse-Lautrec.

1953 begann Rittner mit seiner freischaffenden Tätigkeit. In den Folgejahren machte er verschiedene Studienreisen nach Frankreich, England und Italien wo zahlreiche Städte- und Landschaftsbilder entstanden. 1966 zeigte er seine Werke erstmals in München in einer Ausstellung im Deutschen Theatermuseum. Danach folgten zahlreiche Aufträge aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, wie die Altbundeskanzler Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger 1974 bis 1976 und das Porträt von Altbundespräsident Walter Scheel 1975 zu Gunsten der Scheelstiftung, der er das Honorar von 20.000 DM stiftete. 1978 machte Rittner eine weitere Studienreise nach Griechenland. Im Kasseler Kunstverein konnte er sich im darauf folgenden Jahr an einer Ausstellung beteiligen. 1980 heiratete Rittner und zog zunächst mit der Familie nach Mallorca und später nach Gran Canaria. Doch die Ehe zerbrach. Aus der Ehe ging der Sohn Cornelius hervor.

Günter Rittner wurde 1989 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Walter Scheel wurde als Ehrenbürger für die Stadt Solingen 1996 ein zweites Mal von Rittner porträtiert. Das damalige Honorar von 23.000 DM spendete der Künstler der dortigen Diesterweg-Stiftung für lernbehinderte Kinder.

Jetzt lebt Rittner in der kalten Jahreszeit auf Gran Canaria, jedoch meint er selbst: München gebe ich nie auf, die Stadt inspiriert.

Werk[Bearbeiten]

Therese Giehse (1966)
Hans Jochen Vogel (1977)
Pressesaalfoyer mit der Kanzlergalerie

1950 porträtierte Rittner Prinzessin Pilar von Bayern. Sie erwies sich als hilfreich, da sie als Malerin das nötige Verständnis besaß und als Präsidentin des deutsch-amerikanischen Frauenclubs ihm so manchen Weg ebnete. Noch im selben Jahr folgten die Bildnisse des damaligen US-Landeskommissars von Bayern, George N. Shuster und von acht Hauptdarstellern der Oberammergauer Passionsspiele. 1952 fertigte er Studien von Werner Krauß, Will Quadflieg und Hermine Körner am Hamburger Schauspielhaus an. 1954 und 1955 malte er den Filmregisseur Paul Verhoeven sowie die Schauspieler Luise Ullrich, Winnie Markus, Carola Höhn und Bertl Schultes. 1964 folgten Bilder von Curd Jürgens und 1965 Paul Dahlke. Außerdem porträtierte Rittner während dieser Zeit im Auftrag der Bayerischen Staatskanzlei die ehemaligen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer, Wilhelm Hoegner und Alfons Goppel. Schäffer schrieb im Oktober 1964 zu dem von Rittner gemalten Porträt: „Das Bild von Rittner zwingt doch Menschen über mich nachzudenken – was mir schmeichelt.“

In die Reihe der bedeutenden Wissenschaftler reihten sich die Münchner Biochemiker und Nobelpreisträger Feodor Lynen 1964 und Robert Huber 2008 ein, sowie 1965 der Medizinhistoriker Werner Leibbrand. Größte Bedeutung erhielt für Rittner die Zusammenarbeit mit der Pianistin Elly Ney. Die wechselseitige Inspiration ließ Rittner 1964 in ungewöhnlich expressiver Weise malen und in ein Universum eintauchen, das er vorher nicht kannte. Er selbst schreibt darüber: „[…] Der seelische Austausch während der Arbeit war so gewaltig und beglückend, dass ich noch über Jahre hinweg davon zehrte. […] Die Künstlerin begeisterte die Menschen durch ihre Hingabe an die Musik, ihre Menschlichkeit, entsprungen aus ihrem großen Herzen und letztlich durch ihr virtuoses, meisterhaftes Können.“

1966 schuf Rittner das ausdrucksstarke und formvollendete Porträt von Therese Giehse in ihrer tragenden Rolle als Brechts Mutter Courage. Auf Empfehlung des Münchner städtischen Kulturreferenten Herbert Hohenemser begann Rittner eine Galerie herausragender Mitglieder des Ensembles der Münchner Kammerspiele zu schaffen. Am Beginn dieser Folge standen Peter Lühr, Rudolf Vogel und Robert Graf, dann Gertrud Kückelmann, Rolf Boysen und 1967 Fritz Kortner. Außerhalb dessen entstand 1967 auch das Porträt des geistreich schmunzelnden Satirikers Werner Finck, einst Gründer und Leiter des legendären Berliner Kabaretts Die Katakombe und des Dirigenten und Generalmusikdirektors Joseph Keilberth. Rittner stiftete das Keilberth Bild der Bayerischen Staatsoper. Es folgten der Baritonsänger Karl Schmitt-Walter und der Konzertsänger Hans-Hermann Nissen. 1968 entstanden Zeichnungen von Heinz Rühmann, die Rühmann 1994 kurz vor seinem Tod noch signierte.

Auch hohe kirchliche Würdenträger fanden Einzug in Rittners Schaffen. So ergab sich 1967 das Bildnis Martin Niemöllers ehemaliger Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, 1969 das ernste und gedankenreiche Bild Julius Kardinal Döpfners und 1998 das Porträt Kardinal Friedrich Wetters für die Erzdiözese München - Freising.

Seit 1970 erhielt Rittner zahlreiche Aufträge aus Kreisen der Wirtschaft. Er malte unter anderem den Melsunger Pharmazie-Industriellen Otto Braun die Flugzeugbauer Willy Messerschmitt und Ludwig Bölkow (damals MBB heute EADS) sowie Max Schmidheiny, Fritz Berg und Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern.

1975 malte Rittner den CSU Vorsitzenden und bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß im Auftrag der Bonner CSU-Landesgruppe, 1977 Münchens Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (1960 bis 1972) für die bayerische Landeshauptstadt und 1996 Kultusminister Hans Zehetmair. Die Manier der Impressionisten erwies sich als besonders geeignet für die Fixierung der Persönlichkeit.

Die klassische Musik gehörte meistens zu Rittners Arbeit und inspirierte ihn sehr. Auch Senta Berger wurde musikalisch eingeordnet. Als er sie malte, hörte er Mozart. Bei anderen Gelegenheiten waren es Bach und Beethoven. Bei Therese Giehse die 9. Symphonie von Anton Bruckner.
Als Maler von Landschaften und Architekturen zeigte sich Rittner voller Farbfreude und Heiterkeit. Allein 1962 entstanden 18 Venedig-Bilder. Einige davon sind noch vorhanden. Rittner malte im Münchner Hofgarten, auf dem Viktualienmarkt, am Chinesischen Turm, auf dem Oktoberfest. Doch das war auf die Dauer nicht tragfähig. Im fortgeschrittenen Alter fand er nun mehr zu seiner zweiten hintergründigen Phase: in religiösen Themen, die früher bereits zur Aussage drängten, wie in Darstellungen des Leiden Christi, im breiten Schwarz intensiver Expressivität.

So blickt der Maler, der die Stärken und Schwächen der Menschen zu erkennen wusste zurück auf sein Leben: „Mit den Künstlerporträts bin ich noch mehr abgetaucht als sonst, weil die Beziehung zu ihnen besonders stark war. […] Während ich dauernd im Atelier an der Arbeit war, ohne zu wissen, welche Tageszeit es ist, merkte ich gar nicht, dass ich schon über zehn Stunden an der Staffelei stand. Dabei verlor ich mich in Raum und Zeit, bis Augen und Hände ganz von alleine funktionierten. […] Es ist manchmal wie nach einem Gebet oder einer Meditation. Das Gefühl der Läuterung stellt sich ein.“

Öffentliche Sammlungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Zeitschriften und Kataloge[Bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten]

  • BR, Abendschau 22. Nov. 1966 und 11. Feb. 1967
  • BR, Rundschau 4. Sept. 1987 und 23. Sept. 1994, Rundschau Magazin 4. Sept. 1987
  • ZDF, Drehscheibe 2. Mai 1967 und 11. Mai 1977, Länderjournal 13. März 1992
  • RTL, Bayern aktuell 7. Sept. 1992

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Günter Rittner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien