Günter Ropohl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Günter Ropohl (* 14. Juni 1939 in Köln) ist ein deutscher Technikphilosoph und Ingenieur.

Leben[Bearbeiten]

Günter Ropohl absolvierte ein Studium des Maschinenbaus und der Philosophie in Stuttgart, und war dort Schüler u.a. von Max Bense. Nach der Promotion zum Dr.-Ing. (1970) an der Universität Stuttgart erfolgte die Habilitation in Philosophie und Soziologie in Karlsruhe 1978 mit einer Arbeit zur Systemtheorie der Technik.[1]

1979 wurde Günter Ropohl Professor an der Universität Karlsruhe (TH) und Leiter des Studium Generale, das er zuvor als Geschäftsführer betreut hatte. Von 1981 bis 2004 war er ordentlicher Professor für Allgemeine Technologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

1983 bis 1991 war er Gastdozent und Direktor eines Frühjahrskurses für Technik und Gesellschaft am Inter-University Centre in Dubrovnik (Kroatien). 1988 war er Gastprofessor am Rochester Institute of Technology in Rochester NY (USA). Seit Beginn der 1980er Jahre stand er in Gedankenaustausch mit US-amerikanischen Technikphilosophen, u.a. mit Carl Mitcham. 1998 hatte er eine Gastprofessur an der Universität Stuttgart.

Werk[Bearbeiten]

Ropohl veröffentlichte bis dato 10 Monographien, mehr als 210 Aufsätze und ist (Mit-)Herausgeber von 20 Sammelbänden zur Philosophie der Technik, zum Begriff Technik, zur Systemtheorie, zur Kybernetik, zur Technikfolgenabschätzung, zur Technikdidaktik und zur Arbeitslehre. Im Zentrum seiner philosophischen Arbeiten steht der Terminus soziotechnisches System, das seit dem Erscheinen seiner Habilitationsschrift im Jahr 1979[2] angesichts der Transformationen der Arbeit und Industrieproduktion beständig weiterentwickelt wurde. Er analysiert die Interaktion von Mensch und Maschine vor dem Hintergrund der Systemtheorie, die in das Konzept einer "allgemeinen Technologie" überführt wird. Ein soziotechnisches System ist bei Ropohl auf einer philosophischen Metaebene der Betrachtung angesiedelt und als Handlungs- oder Arbeitssystem konzipiert. Es besteht aus den Subsystemen Sachsystem und menschliches System (unter Einschluss menschlicher Denk- und Handlungspotentiale). [3]

In Ropohls Schriften zur Technikethik argumentiert er für eine technologische Aufklärung, die über materielle Kultur reflektiert und die menschliche Handlungsfreiheit in den Mittelpunkt stellt. Er widmet sich dadurch auf philosophische Weise einer Kritik an der Technokratie.

Berühmt geworden ist Ropohls Begriffsbestimmung von "Technik":

"Technik umfasst (a) die Menge der nutzenorientierten, künstlichen, gegenständlichen Gebilde (Artefakte oder Sachsysteme), (b) die Menge menschlicher Handlungen und Einrichtungen, in denen Sachsysteme entstehen und (c) die Menge menschlicher Handlungen, in denen Sachsysteme verwendet werden."[4]

Diese Begriffsbestimmung ist auch in die Richtlinie VDI 3780 (Technikbewertung) sowie in die Brockhaus Enzyklopädie und in Meyers Großes Taschenlexikon (jeweils mehrere Auflagen) übernommen worden.

Ropohl setzt sich in seinen Schriften ferner für die Präzisierung und Differenzierung der Begriffe Technik und Technologie ein. In diesem Zusammenhang unterscheidet er auch zwischen Ingenieurswissenschaften und Technikwissenschaften.

Monographien[Bearbeiten]

  • Flexible Fertigungssysteme: zur Automatisierung der Serienfertigung. Mainz: Krausskopf 1971 (= Produktionstechnik heute 1, ed. H. J. Warnecke; Dissertation Universität Stuttgart 1970)
  • Eine Systemtheorie der Technik: zur Grundlegung der Allgemeinen Technologie. München/Wien: Hanser 1979 (Habilitationsschrift Universität Karlsruhe 1978). 2nd ed. 1999, 3rd ed. Karlsruhe 2009.
  • Die unvollkommene Technik. Frankfurt/M: Suhrkamp 1985
  • Technologische Aufklärung: Beiträge zur Technikphilosophie. Frankfurt/M: Suhrkamp 1991, 2nd ed. 1999
  • Ethik und Technikbewertung. Frankfurt/M: Suhrkamp 1996
  • Wie die Technik zur Vernunft kommt: Beiträge zum Paradigmenwechsel in den Technikwissenschaften. Amsterdam: G+B Fakultas 1998
  • Vom Wert der Technik. Stuttgart: Kreuz Verlag 2003
  • Sinnbausteine: Ein weltlicher Katechismus. Leipzig: Reclam 2003
  • Arbeits- und Techniklehre: Philosophische Beiträge zur technologischen Bildung. Berlin: Edition Sigma 2004
  • Kleinzeug: Satiren – Limericks – Aphorismen. Münster: LIT Verlag 2004
  • Allgemeine Technologie: Eine Systemtheorie der Technik. 3rd ed. of the 1979 book, Karlsruhe: Universitätsverlag 2009; http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/volltexte/1000011529
  • Signaturen der technischen Welt: Neue Beiträge zur Technikphilosophie, Berlin/Münster: LIT Verlag 2009
  • Besorgnisgesellschaft, Berlin: Parodos 2014

Literatur[Bearbeiten]

  • Nicole C. Karafyllis/Tilmann Haar (Hg.): Technikphilosophie im Aufbruch. Festschrift für Günter Ropohl. Berlin: Edition Sigma, 2004 (enthält im Anhang eine komplette Liste seiner Veröffentlichungen bis 2004).
  • Nicole C. Karafyllis (Hg.): Das Leben führen? Lebensführung zwischen Technikphilosophie und Lebensphilosophie. Für Günter Ropohl zum 75. Geburtstag. Berlin: Edition Sigma, 2014 (führt die Liste der Veröffentlichungen bis Anfang 2014 fort).
  • Christoph Hubig, Alois Huning, Günter Ropohl (Hg.): Nachdenken über Technik. Die Klassiker der Technikphilosophie und neuere Entwicklungen. 3. erw. Aufl., Berlin: Edition Sigma, 2013

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. veröffentl. 1979, 2. Aufl. unter dem Titel Allgemeine Technologie, 1999, 3. Aufl. 2009, frei zugänglich im Internet: [1]
  2. Günter Ropohl, Eine Systemtheorie der Technik, 1979. 3. überarb. Aufl. 2009.
  3. Günter Ropohl, Allgemeine Technologie, 3. Aufl., S. 140ff.
  4. Günter Ropohl, Allgemeine Technologie, 3. Aufl. 2009, S. 31.