Günther Blumentritt (General)

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Günther Alois Friedrich Blumentritt (* 10. Februar 1892 in München; † 12. Oktober 1967 ebenda) war ein deutscher Offizier, zuletzt General der Infanterie im Zweiten Weltkrieg. Er trat auch als Militärschriftsteller in Erscheinung.

Leben[Bearbeiten]

Vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Günther Blumentritt wurde am 10. Februar 1892 in München als Sohn von Günther Blumentritt (* 23. Juni 1859 in Apolda), Geheimer Oberbaurat und Ministerialrat in München, und Lina Rückart (* 24. März 1868 in München) geboren. Am 17. Dezember 1920 heiratete er in Marburg Mathilde Schollmeyer.

Blumentritt trat am 20. September 1911 als Fahnenjunker in das 3. Thüringische Infanterieregiment Nr. 71 ein. Vom 5. Januar 1912 bis zum 28. September desselben Jahres besuchte er die Danziger Kriegsschule. Am 19. November 1912 zum Leutnant befördert, war er ab 4. Dezember 1914 als Adjutant des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 71 tätig. 1918 wurde er Regimentsadjutant und kurz vor Kriegsende noch Adjutant der 205. Infanteriebrigade. Während der Bürgerkriegswirren Anfang 1919 war Blumentritt zunächst Kompanieführer im Freikorps Thüringen und wurde dann als Oberleutnant in die Reichswehr übernommen. Am 1. April 1926 unter Beförderung zum Hauptmann zum Ia (Operationsoffizier) im Stab der 6. Division ernannt, wurde er 1930 Kompaniechef im Infanterieregiment 19. Im Herbst 1933 wurde er Taktiklehrer an der Kriegsakademie und erlebte dort die Beförderung zum Major. Von Oktober 1935 bis Oktober 1937 diente Blumentritt als Ia im Generalstab des VII. Armeekorps, ehe er für ein Jahr als Oberstleutnant und Bataillonskommandeur in das IR 19 zurückkehrte. Das letzte Jahr vor Kriegsausbruch war er Chef der 4. Abteilung im Generalstab des Heeres.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Blumentritt wurde am 2. September 1939 als Oberst in den Generalstab der Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt versetzt, mit dem er am Polenfeldzug teilnahm. In dieser Stellung begann eine lange und vertraute Beziehung zwischen Blumentritt und von Rundstedt. Er entwickelte zusammen mit Erich von Manstein einen Operationsplan für die deutsche Invasion Polens, der Fall Weiß genannt wurde. Am 23. Oktober 1939 wurde er dann zum Operationsoffizier im Generalstab der Heeresgruppe Süd ernannt, die drei Tage später in Heeresgruppe A umbenannt wurde. Nach dem Frankreichfeldzug wurde er am 25. Oktober 1940 Generalstabschef der 4. Armee und am 17. Januar 1942 (unter Beförderung zum Generalmajor) Oberquartiermeister I im Generalstab des Heeres.

Im September 1942 wurde Blumentritt erneut dem Kommando von Rundstedts unterstellt, der nun Oberbefehlshaber West (zugleich Oberbefehlshaber der Heeresgruppe D) in Frankreich war. Er erhielt die wichtige Stellung als Rundstedts Generalstabschef und wurde wenig später zum Generalleutnant befördert. Da er bei einem Eisenbahnunglück am 3. Januar 1943 schwer verletzt wurde, musste er jedoch zeitweise auf die Ausübung seiner Dienstgeschäfte verzichten. Am 1. April 1944 zum General der Infanterie befördert, diente Blumentritt nach der Invasion in der Normandie auch noch Rundstedts Nachfolgern Kluge und Model als Stabschef, ehe er im September in die Führerreserve versetzt wurde.

Im Herbst 1944 erlebte Blumentritt einige kurzfristige Kommandierungen zu verschiedenen Armeekorps, meist zur Vertretung von abwesenden Generalen. Im Januar 1945 wurde er mit der Führung der 25. Armee beauftragt, im März mit der Führung der 1. Fallschirm-Armee. Schließlich erhielt er im April das Kommando über einige zur Armeegruppe Blumentritt zusammengefasste Resteinheiten an der deutschen Nordseeküste.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Die Briten nahmen Blumentritt am 1. Juni 1945 in Schleswig-Holstein gefangen. Er war vom 1. Juni 1945 bis zum 1. Dezember desselben Jahres in britischer und anschließend bis zum 1. Januar 1948 in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Film Der längste Tag von 1962 wird Günther Blumentritt von Curd Jürgens dargestellt, im Film Die Brücke von Arnheim von Hans von Borsody und im Fernsehfilm Rommel von 2012 von Oliver Nägele.

Auszeichnungen und Beförderungen[Bearbeiten]

Beförderungen [1]
  • 20. September 1911 Fahnenjunker-Unteroffizier
  • 27. Januar 1912 Fähnrich
  • 19. November 1912 Leutnant
  • 22. März 1918 Oberleutnant
  • 1. April 1926 Hauptmann
  • 1. September 1933 Major
  • 1. April 1936 Oberstleutnant
  • 1. Oktober 1938 Oberst
  • 16. Januar 1942 Generalmajor
  • 1. Dezember 1942 Generalleutnant
  • 1. April 1944 General der Infanterie

Werke[Bearbeiten]

  • Von Rundstedt: The Soldier and the Man, 1952
  • Deutsches Soldatentum im europäischen Rahmen, 1952
  • Strategie und Taktik: ein Beitrag zur Geschichte des Wehrwesens vom Altertum bis zur Gegenwart, 1960
  • Schlacht um Moskau. Erinnerungen über die Heeresgruppe Mitte. (In: Seymour Freiden - William Richardson (eds): The Fatal Decisions. New York, 1958.)

Literatur[Bearbeiten]

  • Dermot Bradley, Karl-Friedrich Hildebrand, Markus Rövekamp: Die Generale des Heeres, 1912 - 1945 Band 2 (v. Blanckensee - v. Czettritz und Neuhauß), Biblio Verlag, Osnabrück 1993
  • Charles Messenger: The Last Prussian: A Biography of Field Marshal Gerd von Rundstedt, 1875 - 1953, Brassey's, London 1991

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Dermot Bradley/Karl-Friedrich Hildebrand/Markus Rövekamp: Die Generale des Heeres 1921-1945, Band 2, Biblio Verlag, Osnabrück 1993, ISBN 3-7648-2424-7, S. 37-39

Weblinks[Bearbeiten]