Günther Gillessen

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Günther Gillessen (* 23. Oktober 1928 in Freiburg im Breisgau) ist ein deutscher Publizist, ehemaliger Zeitungsredakteur und emeritierter Professor für Pressejournalismus.

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Abitur absolvierte Gillessen bei der Badischen Zeitung ein Volontariat. Er studierte Geschichte und Öffentliches Recht an den Universitäten in Freiburg, Lexington/Kentucky und Oxford. 1955 erlangte er mit seiner Dissertation Hugo Preuß: Studien zur Ideen- und Verfassungsgeschichte der Weimarer Republik den Doktor der Philosophie an der Universität Freiburg, 1958 mit einer Arbeit über Lord Palmerstons Deutschland-Politik den Doktor der Philosophie der Universität Oxford (D. Phil). Seit 1958 war er als politischer Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) tätig, hauptsächlich auf dem Gebiet der Außen- und Sicherheitspolitik.

Wichtige Einblicke in die Pressepolitik des Dritten Reiches vermittelt sein 1986 erschienenes Werk Auf verlorenem Posten. Die Frankfurter Zeitung im Dritten Reich.[1]

Im Zuge seiner Tätigkeit bei der FAZ verfasste Gillessen einen Artikel zu der umstrittenen Ausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ (der sogenannten Wehrmachtsausstellung) von Johannes Heer und Jan Philipp Reemtsma (FAZ vom 6. Februar 1996), die sich zum Ziele gesetzt hatte, mit dem Mythos von der „sauberen Wehrmacht“ aufzuräumen. Gillessen bestritt nicht im Geringsten die Verwicklung von Teilen des Ostheeres in die hauptsächlich von SS-Verbänden hinter der Front begangenen Massenverbrechen an der russischen Zivilbevölkerung, vor allem an Juden. Er kritisierte aber die seiner Ansicht nach reißerische Aufmachung der Ausstellung und nannte als Beispiele die aus seiner Sicht mangelhafte Beweisführung und Beweiskraft der Photos, das Fehlen von Namen, Orten, Zeitpunkten, die Verwechslung von Uniformen, Einseitigkeiten der Interpretation von Bildern, die auch andere Deutungen zuließen - bis hin zu dem Versuch, Offiziere der Verschwörung des 20. Juli 1944 mit Verbrechen der SS zu belasten, von denen sie amtliche Kenntnis erhielten, obwohl es gerade diese Verbrechen gewesen seien, die sie den Entschluss zum Widerstand fassen ließen. Gillessen war einer der ersten Kritiker der in seinen Augen wissenschaftlichen Wertlosigkeit dieser Ausstellung, deren Mängel Philipp Reemtsma schließlich zur vorläufigen Schließung der Ausstellung und einer Neueröffnung nach erfolgter Überarbeitung in einigen Punkten veranlasste.[2] Von 1978 bis 1994 hatte Gillessen eine neu geschaffene Professur für Pressejournalismus an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz inne und war dort Leiter des Journalistischen Seminars. 1994 schied er altershalber auch aus der Redaktion der FAZ aus.

Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Günther Gillessen: Auf verlorenem Posten. Die Frankfurter Zeitung im Dritten Reich. Siedler, Berlin, 2., überarb. Aufl. 1987, ISBN 3-88680-223-X.
  2. Von der Schwierigkeit, einen Krieg zu beenden – Reaktionen auf die Ausstellung „Vernichtungskrieg – Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Heft 12-1997
  3. Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 159, 25. August 1973.